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Veröffentlicht am 16.10.2025

Ankunft in Lower Whilby

The Pumpkin Spice Latte Disaster
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Jude kommt für die Hochzeit ihrer jüngeren Schwester nach Jahren zurück in das kleine Städtchen Lower Whilby. Das Städtchen, das sie so sehr hasst und ihre schlimmsten Erinnerungen aufwühlt.

Doch Lower ...

Jude kommt für die Hochzeit ihrer jüngeren Schwester nach Jahren zurück in das kleine Städtchen Lower Whilby. Das Städtchen, das sie so sehr hasst und ihre schlimmsten Erinnerungen aufwühlt.

Doch Lower Whilby hat sich verändert, da ist dieser Barista James, der seit zwei Jahren seine Heimat in dem Örtchen gefunden hat und der Jude vollkommen aus der Fassung bringt und auch noch der Sohn einer berühmten ehemaligen Band ist. Ein gefundenes Fressen für Jude, die nebenbei an einem Musikpodcast arbeitet und unbedingt mit seinen Eltern reden möchte. Nur kommen da noch ganz andere Gefühle in ihre hoch.

The Pumpkin Spice Latte Disaster von Kyra Groh entführt und in das englische Kleinstädtchen Lower Whilby. Grohs Bücher sind für mich seit Fake Dates and Fireworks ein Must-Read und dementsprechend habe ich mich auch schon auf den ersten Band dieser Reihe gefreut. Eins vorweg, Grohs Schreibstil ist wie immer erste Klasse, der Humor, die zahlreichen Metaphern und die Atmosphäre sorgen für ein kurzweiliges Lesevergnügen.

Lower Whilby hat mir ausgesprochen gut gefallen und wirklich Herbstvibes versprüht, die nicht nur auf den Pumpkin Spice Latte zurückzuführen sind. Die Bewohner:innen Lower Whilbys und ihre Strukturen konnte man bereits zu Beginn gut erahnen und einige Nebencharaktere spielen sich schnell ins Herz, sei es der vorlaute Penn oder die toughe Deb. Schnell hat man das Gefühl, dass man selbst in Lower Whilby angekommen ist.

Die Geschichte um Jude und James konnte mich leider aus einigen Gründen weniger abholen. Da haben wir einerseits Jude, die vor allem zu Beginn sehr anstrengend ist. Ihre Gedanken sind wirr, ihr Verhalten teilweise einfach too much. Auch wenn ich sie durchaus verstehen konnte, war die Chemie zwischen ihr und mir nicht die Beste. Das hat sich im Laufe der Geschichte jedoch durchaus gebessert, weil Jude eine Entwicklung durchgemacht hat. James gefiel mir generell besser und ich wurde schneller mit ihm warm, allerdings fand ich seine Gedanken teilweise einfach viel zu früh, viel zu sexuell geladen. Gefallen haben mir jedoch die Dialoge zwischen den beiden, die schlagfertig waren und immer wieder etwas zum Schmunzeln boten.

Schwierig fand ich auch den Fokus der Geschichte. Auch wenn wir die Perspektiven Judes und James’ einnehmen, habe ich das Gefühl, dass es vor allem um das Ankommen in Lower Whilby ging und während des Lesens wurde mir schnell klar, welche Frauen in den Folgebänden ihre Geschichte bekommen, weil sie einen extremen Anspruch an Seiten bekommen (vor allem eine von ihnen) und nur wenig für die Entwicklung zwischen James und Jude, bzw. deren eigene Entwicklung, getan haben. Gefehlt haben mir diese Seiten dann im Bezug auf James und Judes ‚Probleme‘ und so bleibt das Gefühl, dass die beiden sich noch gar nicht richtig kennen, weil kaum darüber gesprochen wurde, warum sie so sind, wie sie sind.

The Pumpkin Spice Latte Disaster konnte mich zwar im Hinblick auf die Lovestory zwischen James und Jude nicht komplett überzeugen, aber am Ende habe ich das Gefühl, dass ich unbedingt in das Städtchen zurückkehren möchte, weil mir dir Dorfgemeinschaft gefällt und ich gerne ihre Entwicklung verfolgen möchte.

Veröffentlicht am 14.10.2025

Otto auf den Spuren des Weihnachtsmanns

OTTO fährt los – Weihnachten in Finnland
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Der Zauberbus OTTO fährt wieder in den Urlaub, diesmal mit Anton und seinen Eltern Rieke und Jakob. Doch bevor OTTO losfahren kann, geht es erstmal auf eine Fähre und mit dieser in das kalte, weihnachtliche ...

Der Zauberbus OTTO fährt wieder in den Urlaub, diesmal mit Anton und seinen Eltern Rieke und Jakob. Doch bevor OTTO losfahren kann, geht es erstmal auf eine Fähre und mit dieser in das kalte, weihnachtliche Finnland. Dort wartet nicht nur der Weihnachtsmann, sondern auch eine verschneite Landschaft, Polarlichter und ganz viele Tiere auf OTTO und seine Ferienfamilie.

Otto fährt los - Weihnachten in Finnland von Madlen Ottenschläger für Kinder ab vier Jahren ist ein wunderschönes Vorlesebuch, das durch liebevolle Zeichnungen von Stefanie Reich vieles zum Entdecken bietet und das Leser:innen zum aktiven Mitmachen animiert. Die Illustrationen sind einzigartig und durch die Farbgebung nicht nur wunderschön anzusehen, sondern auch ein weihnachtliches Vergnügen, das Fernweh weckt. Jede Seite bietet viel zu bestaunen und lädt zum Verweilen ein.


Spielerisch wird mit diesem Buch auch noch einiges über das Land gelernt und finnische Wörter in den Text eingebaut, die Authentizität wecken und die Neugier für andere Sprachen und Kulturen weckt. Habe ich bei einem vorherigen Band noch fantastische Elemente kritisiert, so passen diese perfekt nach Finnland, in die Weihnachtswelt und versprühen den Weihnachtszauber.

Eine Kritik bleibt für mich jedoch die häufige Verwendung des Wortes ‚Und‘ zu Beginn eines Satzes.

Veröffentlicht am 13.10.2025

Gruselgeschichten aus Hovenäset

Gänsehaut in Hovenäset 1. Flammenrad
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Heidis Zimmer wird renoviert und dadurch eine Geheimnis unter der alten Fußdiele gelüftet. Heidi findet einen Schuh und eine Rassel, wem gehören die alten Sachen? Plötzlich wird das Wetter immer stürmischer ...

Heidis Zimmer wird renoviert und dadurch eine Geheimnis unter der alten Fußdiele gelüftet. Heidi findet einen Schuh und eine Rassel, wem gehören die alten Sachen? Plötzlich wird das Wetter immer stürmischer und Heidi hört jemanden in ihrem Zimmer rumschleichen. Zum Glück kann sie das neue Riesenrad im Ort ablenken und der Besitzer zieht in das Gästezimmer der Familie ein, ein Grund mehr für Harry und Alva, ihre Freundin Heidi zu besuchen. Doch irgendwas stimmt nicht, ihre schwangere Bonusmama wird immer müder und ihre Oma gerät bald vollkommen in Panik. Die drei Freunde machen sich auf die Suche nach Antworten und Finden ein schreckliches Geheimnis, das sich zu wiederholen droht.

Flammenrad von Kristina Ohlsson ist der erste Band der Gänsehaut in Hovenäset Reihe für Kinder ab 11 Jahren, die ihre Angstlust gerne herausfordern. Von Beginn an durchzieht eine düstere Atmosphäre das Buch, ständig in Alarmbereitschaft sorgt es sogar bei mir als Erwachsene für ein leichtes Bauchkribbeln. Unfassbar gut hat Ohlsson Hinweise und Indizien in die Geschichte eingewoben und mit kleinen Elementen gruselige Szenarien erschaffen. Die Geschichte wirkt über den größten Teil sehr real, was den Gruselfaktor erhöht und das Lesen super spannend gestaltet.

Der Schreibstil ist im ersten Moment etwas ungewöhnlich und wirkte vor allem zu Beginn etwas holprig, am Ende war es aber auch genau der Schreibstil, der das Werk besonders angespannt wirken lies und damit den Effekt des Grusels ebenso verstärkte. Die Charaktere wurden gut ausgearbeitet. Heidi ist eine Protagonistin, deren Gedankengängen man gerne folgt. Alleingelassen von ihrer Mutter, wächst sie nun bei ihrem Vater und ihrer Bonusmama auf und entwickelt sich im Laufe der Geschichte. Die Freundschaft zwischen Alva, Harry und Heidi ist stark und zeichnet sich vor allem durch den Glauben an den anderen aus. Zusammen beweisen sie immer wieder ihren Mut.

Selten erwähne ich Cover und Titel in meiner Rezension, aber an dieser Stelle sei eine Ausnahme gemacht, denn beides passt wirklich hervorragend zur Geschichte!

Einziger Kritikpunkt ist für mich das etwas zu actionreiche Ende und der Faktor, dass der Grusel am Ende nochmal auferlegt wird. In Kinderbüchern würde ich dazu neigen, dass sowas nicht unbedingt sein muss. Und dennoch reichen mir die beiden Kritikpunkte nicht, dem Buch auch nur einen Stern abzunehmen, denn viel zu vieles wurde hier richtig gut gemacht und hat für ein kurzweiliges Leseerlebnis gesorgt. Kinder die gerne ihre Angstlust ausleben sind mit Flammenrad gut beraten und auch Erwachsene haben an dieser Geschichte mit Sicherheit ihren Spaß!

Veröffentlicht am 11.10.2025

Herbst in Bramble Falls

Falling Like Leaves
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Die New Yorkerin Ellis hat klare Zukunftspläne, sie möchte an der Columbia University Journalismus studieren. Doch ihre Pläne scheinen zu platzen, als ihre Eltern sich trennen und ihre Mutter Ellis mit ...

Die New Yorkerin Ellis hat klare Zukunftspläne, sie möchte an der Columbia University Journalismus studieren. Doch ihre Pläne scheinen zu platzen, als ihre Eltern sich trennen und ihre Mutter Ellis mit nach Bramble Falls schleppt. Eine kleine Stadt, die Ellis’ Ziele in die Ferne rücken. Doch zum Glück findet in Bramble Falls das alljährliche Herbstfestival statt, dass Ellis von ihren Sorgen ablenkt und ihr Cooper näher bringt, den Jungen, den sie vor drei Jahren zum ersten Mal geküsst hat. Nur Cooper scheint weniger über Ellis Rückkehr erfreut zu sein, doch die Anziehung zwischen den beiden ist für alle zu spüren.

Falling Like Leaves von Misty Wilson ist eine süße Herbstromance für Jugendliche, die sich super leicht liest und vor allem in Bramble Falls eine herbstliche Atmosphäre erzeugt.

Die Geschichte erleben wir aus Ellis Sicht, was für mich fast schon der größte Kritikpunkt ist, denn Ellis ist für mich phasenweise etwas zu dramatisch und egoistisch eingestellt. Während die Jugendlichen um sie herum reifer und reflektierter wirken, beißt sie sofort zu, wenn ein potenzielles Drama entfacht werden könnte. Aber klar, Ellis hat im Gegensatz zu den anderen Charakteren auch einen unfreiwilligen Umzug im Nacken. Ihr Verhalten lässt sich daher durchaus erklären, wenngleich ich mir manchmal trotzdem etwas mehr Reflexion gewünscht hätte.

Die herbstliche Atmosphäre in Bramble Falls kam super rüber und sorgt für einen gemütlichen Flair. Die Nebencharaktere in Bramble Falls fand ich allesamt sympathisch, nur die Geschichte aus dem Elternhaus war mir etwas zu stereotypisch und klischeehaft. Wilsons Schreibstil trägt einen super leicht durch die Geschichte und ich bin mir sicher, dass Falling Like Leaves für Jugendliche ein tolles, herbstliches Romance Buch ist.

Veröffentlicht am 11.10.2025

Zwischen Wille und Instinkt.

Die Spur der Vertrauten
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Claire und Goliath leben in einer Welt, das dem ‚Wir‘ untergeordnet ist. Der Instinkt des Menschen dient dem Allgemeinwohl und Individualität darf nicht existieren. Goliath fehlt nur noch ein gerettetes ...

Claire und Goliath leben in einer Welt, das dem ‚Wir‘ untergeordnet ist. Der Instinkt des Menschen dient dem Allgemeinwohl und Individualität darf nicht existieren. Goliath fehlt nur noch ein gerettetes Leben, um ein Tugendhafter zu werden, Claire steht vor ihrem Abschluss zur Vertrauten als plötzlich unbemerkt Schüler:innen verschwinden. Claire und Goliath fällt dieser Umstand auf, doch Claire möchte auf keinen Fall auffallen, denn ihr Geheimnis bedroht ihr Leben.

Die Spur der Vertrauten von Christelle Dabos verspricht eine Dystopie über verbotene Individualität, Widerstand und Liebe und bietet ein komplexes Weltensystem, das aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird.

Der Klappentext klang mit all seinen aufgeworfenen Themen super spannend. Ein Instinkt der Menschen dazu verleitet, dem Allgemeinwohl zu dienen. Ein Gemeinwohl, das ausschließlich dem ‚Wir‘ dient und doch der versprochene Ausbruch von Individualität. Ähnlich spannend ließen sich auch die ersten Seiten lesen, aber mit jeder Seite mehr verpuffte mein Interesse und gewann an Verwirrung dazu. Fragen werfen sich auf, die auch bei weit über der Hälfte des Buches noch lange nicht geklärt sind und den Spaß am lesen rauben, weil die Handlungen der Charaktere ohne Verständnis für das System der Welt kaum einzuordnen sind.

Die Perspektiven wechseln primär zwischen Goliath und Claire, bieten aber auch ein paar Nebencharaktere. Perspektiven die vermutlich die Sichtweisen der verschiedenen Standpunkte darstellen sollen, sich aber in der Komplexität verlieren. Teilweise lassen sich Perspektiven nicht direkt zuordnen und verwirren nur noch mehr. Ein weiteres Problem war für mich, dass ich mit keiner einzigen Perspektive warm wurde und dadurch keinen Zugang zum Buch gefunden habe. Alle Perspektiven wirkten auf mich kühl, ähnlich wie die gesamte Gesellschaft.

Auch zeitlich fühlt man sich komplett verloren. Minitel, SMS, Jukebox,… das alles spricht für eine vergangene Zeit, Pay-TV Sender fallen dann doch eher in eine andere und so lässt es sich kaum verordnen. Was grundsätzlich kein Problem sein muss, aber insgesamt dann doch ein weiterer Punkt ist, der mich den Bezug zum Inhalt nicht abholen konnte, zumal es inhaltlich schon eine Begründung hätte geben können… wenn es denn jemals relevant geworden wäre.

Die Spur der Vertrauten konnte mich daher leider gar nicht abholen. Mir gefällt weiterhin die Grundidee dieses Buchs super gut und die Autorin hat viele wunderbare Ideen einfließen lassen, die für mich aber nur sehr selten ihre Wirkung erzielten. Immer wieder gab es auch kleinere Handlungen, die bedeutsam hätten werden können und dann doch nicht mehr erwähnt wurden. Die Einordnung als Jugendbuch für Kinder ab 14 Jahre finde ich sehr optimistisch, die Protagonist:innen sind zwar Jugendliche und doch glaube ich, dass es inhaltlich die Mehrheit von 14-jährigen (noch) nicht ansprechen dürfte.