Profilbild von Arbade

Arbade

Lesejury Star
offline

Arbade ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Arbade über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.02.2026

Interessante Familiengeschichte

Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel
0

Mit dem Buch „Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel“ endet im Jahr 2023 die Geschichte der Familie Borowski. Die 34-jährige Hannah Borowski lebt und arbeitet in Berlin, führt einigermaßen ruhiges ...

Mit dem Buch „Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel“ endet im Jahr 2023 die Geschichte der Familie Borowski. Die 34-jährige Hannah Borowski lebt und arbeitet in Berlin, führt einigermaßen ruhiges Leben. Bis plötzlich ihr Vater, den sie bisher nicht gekannt hat, auftaucht und ihr Leben durcheinanderwirbelt. Nach dem verschollenen Bild sucht Hannah nicht mehr.

Auch in dem Teil der Jahrhundertgeschichte gibt es einen zweiten Handlungsstrang, der mich diesmal direkt nach Güstrow im Mai 1945 führt. In dem verlassenen Forsthaus versteckt sich die 14-jährige Waise Marlen vor den russischen Soldaten und findet dort in einer alten Kommode eine Leinwand, die sie dann mitnimmt. Bei der Künstlerin Wilma Engels findet Marlen ihr neues Zuhause.

Beide Geschichten sind sehr interessant. Beide erzählen über bewegende Frauenschicksale, beide vermitteln ein Teil der deutschen Geschichte. Die bildhaft dargestellten Ereignisse wirken authentisch, ließen mich in das Geschehen eintauchen. Besonders interessant fand ich die Erzählung über die Nachkriegszeit in Güstrow, über die Veränderungen, die diese Ära für die Bevölkerung mit sich brachte. Alle Protagonisten überzeugen mit ihrem Handeln, ihre Sorgen und Gedankengänge sind nachvollziehbar und glaubwürdig.

Etwas enttäuscht hat mich die Geschichte des verschollenen Bildes, die im ersten Buch so viel Platz einnahm und hier nur am Rande behandelt wurde.

Die Familiengeschichte Borowskis wurde in drei Büchern erzählt. Auch wenn jedes Buch in sich abgeschlossen ist und alle drei unabhängig von einander gelesen werden können, bin ich froh, zuerst das erste Buch gelesen zu haben. So wurden für mich die Ereignisse des gesamten Jahrhunderts klarer, die Charaktere vertrauter.
Fazit: eine lesenswerte Geschichte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.01.2026

Spannender Auftakt der Zoë Boehm - Krimireihe

Down Cemetery Road
0

Der Anfang des Krimis ist im wahrsten Sinnen des Wortes explosiv: Nicht nur der kurz davor angekündigte Besuch von Marks wichtigen Kunden treibt seine Frau Sarah auf die Palme. An dem Abend kommt es auch ...

Der Anfang des Krimis ist im wahrsten Sinnen des Wortes explosiv: Nicht nur der kurz davor angekündigte Besuch von Marks wichtigen Kunden treibt seine Frau Sarah auf die Palme. An dem Abend kommt es auch zu einer Explosion in der Nähe ihres Hauses, es gibt Tote und ein kleines Mädchen verschwindet spurlos kurz danach.
Spannend und anschaulich schildert Mick Herron die Ereignisse des dramatischen Abends und der Tage unmittelbar danach. Die Explosion verändert nicht nur das Bild des bisher scheinbar ruhigen Vorortes von Oxford. Sie bringt auch das Leben von Sarah durcheinander; denn die bisher gelangweilte, unzufriedene Hausfrau beginnt nach dem verschwundenen vierjährigen Mädchen zu suchen. Ihre Recherche, die erschütternde Wahrheiten enthüllt, bringt nicht nur sie in lebensbedrohliche Lage.

Zuerst ist es für mich schwer nachvollziehbar, warum Sarah, die selbst keine Kinder haben will, nach dem fremden Mädchen sucht. Doch der Autor verrät ihre intimsten Gedanken, lässt mich in ihre Vergangenheit eintauchen; dadurch kann ich die unkonventionelle Sarah viel besser verstehen.
Viel interessanter jedoch fand ich die Privatermittlerin Zoë Boehm, die bedauerlicherweise – trotz des Untertitels des Buches – erst zum Schluss aktiv am Geschehen teilnimmt.

Nichtdestotrotz hat mich der Krimi sehr gut unterhalten. Ich habe den feinen atmosphärischen Schreibstil des Autors, seinen sarkastischen schwarzen Humor und die scharfsinnigen, geistreichen Dialoge sehr genossen.
Down Cemetery Road ist das erste Buch aus der Reihe mit Zoë Boehm. Auf die Fortsetzung bin ich sehr gespannt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.01.2026

Die Geschichten des alten Hauses

Das Polenhaus
0

Ein verlassenes Bauernhaus mit einem wunderschönen Obstgarten hat dem Journalisten Stéphane angetan: Er beschließt das Grundstück mit dem verfallenen Haus, eigentlich schon eine Ruine, im Jahre 2014 zu ...

Ein verlassenes Bauernhaus mit einem wunderschönen Obstgarten hat dem Journalisten Stéphane angetan: Er beschließt das Grundstück mit dem verfallenen Haus, eigentlich schon eine Ruine, im Jahre 2014 zu kaufen und es neu zu errichten. Die Menschen in der Gegend raten dem neuen Hausbesitzer das „Polenhaus“, wie man es abschätzig im Dorf nennt, sogar abzureißen.
Während der Umbauarbeiten stößt Stéphane auf die Spuren der dramatischen Vergangenheit seiner Vorbesitzer; ein unheimlicher Fund lässt ihm keine Ruhe mehr. Nicht nur die ungeklärte geheimnisvolle Geschichte des Hauses und seiner früheren Bewohner raubt ihm den Schlaf, er versucht auch mit der eigenen dramatischen Vergangenheit abzuschließen.

In dem parallel verlaufenden Handlungsstrang erzählt der Autor die Geschichte der früheren Besitzer des Hauses. Diese Geschichte beginnt Anfang des 20. Jahrhunderts; damals wohnte Teresa mit ihren Eltern und Brüdern in einem kleinen Dorf in Russisch-Polen.
Um dem Hunger und Armut zu entkommen, melden sich Teresa und ihr Bruder Adam bei einer Anwerbeagentur, die Saisonmitarbeiter für die Landwirtschaft in Frankreich suchte. Das Leben in Frankreich und die Arbeit sind nicht einfach, doch als 1914 der Krieg ausbricht, sind die polnischen Saisonarbeiter gezwungen vorerst in Frankreich zu bleiben.

Für Teresa beginnt ein leidvoller Lebensabschnitt in der Fremde; voreilige Heirat, das Leben mit einem gewalttätigen alkoholsüchtigen Mann, unzählige Schwangerschaften, schwere Arbeit, Heimweh und Angst vor der ungewissen Zukunft.

Beide Geschichten sind sehr interessant und emotional. Beide Hauptfiguren, Teresa und Stéphane, erleben Tragisches, was ihr Leben nachhaltig prägt. Während Stéphane einen Neuanfang wagt, blieb Teresa ihrem alten Leben mit all seinen Regeln und Zwängen treu.
Teresas Lebensgeschichte hat mir besonders gefallen; ihr leidvoller Lebensweg in der Fremde, aus heutiger Sicht schwer nachvollziehbar, macht sie – trotz all ihrer Verfehlungen - zu einer sympathischen Figur, mit der man mitfühlt und mitleidet.
Sehr interessant fand ich die geopolitische Lage Europas zu der Zeit, und das Leben der Menschen in einem Land, das sie ihre Heimat nannten, obwohl es auf keiner Karte zu finden war. Genauso spannend sind die Einblicke in das Leben der polnischen Saisonarbeiter in der Fremde; und wie sie, trotz aller Vorurteile und Gemeinheiten, ihr Leben meistern konnten. Hier hätte ich die entsprechenden Landkarten sehr begrüßt.

Überwiegend nüchtern und sachlich erzählt Gregor Höppner die beiden Geschichten, welche mit ihren Höhen und Tiefen gleichermaßen faszinieren, wie auch berühren. Die Protagonisten wirken lebensecht, authentisch. Wie der Autor im Nachwort verrät, Teresas Geschichte beruht auf wahren Begebenheiten.
Das spannende Buch habe ich mit großem Interesse gelesen und empfehle es gerne weiter.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.01.2026

Fachlich kompetent und feinfühlig über vorausschauende Versorgungsplanung

Leben und Sterben
0

Das Buch „Leben und Sterben“ von Alena Buyx hat bei mir großes Interesse geweckt.
Denn darin spricht die ehemalige Vorsitzende des Deutschen Ethikrates über die Themen, die uns alle betreffen. In dem Buch ...

Das Buch „Leben und Sterben“ von Alena Buyx hat bei mir großes Interesse geweckt.
Denn darin spricht die ehemalige Vorsitzende des Deutschen Ethikrates über die Themen, die uns alle betreffen. In dem Buch geht es um unsere Gesundheit und um Krankheiten, die unser Leben von einem auf den anderen Tag ändern können. Und es geht hier auch um das Lebensende; um das Sterben und den Tod, mit dem wir alle konfrontiert werden. In jedem dieser Fälle müssen wir wichtige Entscheidungen treffen; bei diesen möchte uns die Autorin, eine Professorin für Medizinethik, mit diesem Buch behilflich sein.

Anhand von zahlreichen Beispielen aus der Praxis spricht sie über die Herausforderungen, die uns im Verlauf unseres Lebens begegnen. Sie macht es deutlich, wie wichtig dann ist, neben der medizinischen auch die ethischen Entscheidungen zu treffen. Und sie stellt anschaulich dar, welche Rolle dabei der Patient selbst übernehmen kann: eine vorausschauende Versorgungsplanung hält sie für sehr wichtig und notwendig. Klar und eindeutig ist ihre Meinung dazu: würde ich am liebsten vorausschauende Versorgungsplanung verpflichtend machen für alle Menschen, die eine Diagnose einer lebensverkürzenden Erkrankung erhalten…“ (128)
An die Leser und Leserinnen ihres Buches appelliert sie: „Schauen sie voraus.“ (128)

Das Buch umfasst unter anderen solche wichtigen Themen, wie künstliche Befruchtung, Frühgeburten, Sterbehilfen, Palliativmedizin, Sorgerecht, Ethikberatung und die Voraussetzungen für ein gutes Arzt-Patienten-Verhältnis. Auch die Medizin der Zukunft mit dem Einsatz von KI und Robotik wurde angesprochen. Alle Themenbereiche wurden mit den anschaulichen Beispielen erläutert und mit dem Verweis auf die weiterführende Literatur versehen.

Das Buch ist trotz der oft schweren Thematik leicht zu lesen; klar, verständlich und feinfühlig ist die Sprache der Autorin. Die wirklichkeitsnahe Darstellung der Problematik und anschauliche Beispiele regen zum Nachdenken an. Ein lesenswertes Sachbuch, ein sehr guter, kluger Ratgeber.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.01.2026

Walzerblut – gut recherchiert und fesselnd geschrieben

Die Welt in Meran - Walzerblut
0

Im Frühling 1872 reisen wir in Gesellschaft von drei feinen Damen aus England nach Meran, einen angesagten Kurort im Südtirol. Während Helen von Burt, eine passionierte Reiterin, sich auf die Ausritte ...

Im Frühling 1872 reisen wir in Gesellschaft von drei feinen Damen aus England nach Meran, einen angesagten Kurort im Südtirol. Während Helen von Burt, eine passionierte Reiterin, sich auf die Ausritte und die mögliche Teilnahme an einer Parforcejagd freut, hoffen ihre Tante Lady Greville und Mrs. David, eine Schutzbefohlene der Queen Victoria II, auf Erholung, Kuranwendungen und Linderung ihrer Leiden.
Für Helen von Burt hat ihre Tante auch ein anderes Reiseziel vor Augen: Helen muss endlich einen passenden Ehemann finden, denn als Witwe eines Earls kann sie behaupten:
„Nichts gibt uns Frauen mehr Sicherheit als Vermögen und Titel.“ (20)
An geeigneten Heiratskandidaten dürfte es in der gerade beginnenden Faschingszeit unter den adligen Gästen in Meran nicht fehlen. Denn bald erscheinen hier unter anderen auch der Erbgraf Maximilian von Montalban und der Vicomte Jean de Benedetti aus Korsika. Bald sind beide Männer von Helen sehr angetan.

Ausführlich schreibt die Autorin über die Aktivitäten der feinen und illustren Gesellschaft im Kurort Meran in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts. Umfassend und präzise berichtet sie über die Probleme im Gesundheitssystem des Kurortes; schildet genau die Probleme mit denen die Kurärzte tagtäglich konfrontiert sind, erwähnt die Krankheiten, die damals - noch nicht erforscht - auf dem Vormarsch waren.
Angela Marina Reinhardt lässt uns auch durch die Gassen des Armenstadtviertels wandern, die schäbigen Unterkünfte der armen Bevölkerung, Zimmermädchen und der Arbeiterinnen einer Spinnerei betreten. Es sind bewegende Bilder, welche die enormen Unterschiede zwischen den Gesellschaftsklassen des damaligen Merans verdeutlichen.
Der Roman hat mich auf vielen Stellen tief berührt; etwa die Beschreibungen der Arbeit in einer Spinnerei, wo nur Frauen und Kinder die schwere, oft gefährliche Arbeit verrichten mussten oder das Schicksal eines Kostkinds, das verschiedenen Gefahren ausgesetzt wurde.
Die Autorin liefert hier interessante Bilder des damaligen Kurortes Meran. Den gut recherchierten Roman hat sie mit der Karte der Stadt Meran um 1875, einem Glossar und der Auflistung der weiterführenden Literatur ergänzt. Ebenso behilflich bei der Lektüre war für mich das genaue Personenverzeichnis.
„Walzerblut“ ist das erste Buch aus der Reihe „Die Welt in Meran“. Auf die bereits von der Autorin angekündigte Fortsetzung freue ich mich sehr.
Der fesselnde Roman bekommt meine wärmste Empfehlung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere