Keine leichte Kost, aber atmosphärisch dicht
Mit einer schönen bildhaften Sprache, mit langen Sätzen, vielen oft geheimnisvollen Andeutungen und Metaphern beschreibt die Autorin Federica Manzon in „Alma“, wie sich die politischen Verwerfungen und ...
Mit einer schönen bildhaften Sprache, mit langen Sätzen, vielen oft geheimnisvollen Andeutungen und Metaphern beschreibt die Autorin Federica Manzon in „Alma“, wie sich die politischen Verwerfungen und der Zerfall des ehemaligen Jugoslawien im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts auf die Menschen der Region um Triest auswirken. Die großbürgerlichen Eltern von Almas Mutter repräsentieren noch das alte Österreich-Ungarn mit seinen konservativen Wertvorstellungen, während ihr kroatischer Vater, obwohl in Triest wohnend, für den sozialistischen Machthaber Marschall Tito arbeitet. Sie hat schon als Kind Mühe, sich in diesem Umfeld zu orientieren, zumal ihre Mutter chaotisch und ihr Vater meistens abwesend ist. Die Situation verschärft sich, als die Familie den gleichaltrigen Serben Vili aufnimmt, der wie viele Menschen nach Triest flieht.
Eindrucksvoll beschreibt Manzon die Entwurzelung besonders der beiden jungen Menschen während ihrer Pubertät und der Zeit, in der sie sich als junge Erwachsene behaupten müssen. Neben dem Privatleben Almas, die ein schwieriges Verhältnis mit Vili eingeht, nehmen die brutalen Auseinandersetzungen zwischen Serben, Kroaten und Bosniern einen breiten Raum in diesem Buch ein. Alma versucht als Journalistin, Erklärungen für den Hass zwischen den jugoslawischen Volksgruppen zu finden und das Verhalten ihres Vaters und Vilis zu verstehen.
Ein atmosphärisch dichter Roman mit einem versöhnlichen Ende.