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Veröffentlicht am 05.06.2024

In der Fremde

Der große Wunsch
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„Migration verändert Menschen, vor allem aber deren Kinder.“ (17)
meint Murad, der nach seiner in Nahen Osten verschollenen Tochter Naima sucht. Murad, ein Sohn der kurdischen Einwanderer, hat längst ...

„Migration verändert Menschen, vor allem aber deren Kinder.“ (17)
meint Murad, der nach seiner in Nahen Osten verschollenen Tochter Naima sucht. Murad, ein Sohn der kurdischen Einwanderer, hat längst mit seinem Herkunftsland abgeschlossen; als Sozialarbeiter in Berlin hat er seinen Platz in der neuen Heimat gefunden. Völlig unvorbereitet traf ihn deswegen die Nachricht über das Verschwinden von Naima, die mit ihrem westlichen Lebensstil, kurzen Röcken, Make-up und Fingernägel-Design wie jedes andere Mädchen in Berlin wirkte. Aber Naima lernte einen französischen Glaubenskrieger kennen, ist ihm nach Syrien gefolgt, hat sich dem Kalifat angeschlossen.

Voller Unverständnis für Naimas Entscheidung und von Selbstvorwürfen geplagt, will Murad seine Tochter in Syrien finden und sie zurück nach Deutschland bringen.

Der Roman von Sherko Fatah spricht viele brisanten Themen unserer Zeit an. Eines der Wichtigsten ist die Migration, die seit dem Ausbruch des Krieges in Syrien sehr stark zugenommen hat. Überzeugend schildert der Autor das Leben in der Fremde, spricht über Parallelgesellschaften und die Sehnsucht nach dem Vertrauten, nach der Zugehörigkeit. Oft geschieht dann, dass „eine Hinterhofmoschee voller >Landsleute< aus aller Herrenländer zur Ersatzheimat“ wird. (29)

Doch das Hauptthema des Romans ist die Suche nach der Tochter, die ihr westliches Leben aufgegeben hat, um in den barbarischen Krieg in einem fremden, ihr unbekannten Land zu ziehen. Murads Suche entpuppt sich als ständiges Warten; das Warten auf den Boten der Schleuser, das Warten auf irgendwelche Infos über Naima, an eine Nachricht von ihr. Es ist ein Warten voller Hoffnung und Zweifel. Wie schwer Naimas jetziges Dasein ist, erfährt Murad aus den Fragmenten des Audiotagebuches, die ihm die Schleuser in einiger Zeitabständen zusenden. Es sind verstörende Nachrichten, manche sind schwer zu ertragen, auch für mich als Leserin.

Die Geschichte wirft viele Fragen auf, doch auf keine von ihnen findet man eine eindeutige, klare Antwort. Die Erzählung, auch wenn sie in einer bildhaften Sprache erfasst ist, zieht sich – genauso wie Murads Warten – in die Länge.
Angeregt von der spannenden Kurzbeschreibung des Buches habe ich diesen Roman mit großem Interesse gelesen.

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Veröffentlicht am 22.05.2024

Und wenn sie nicht gestorben sind…

Schneeweißchen stirbt
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„Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.“ - Mit diesem Satz enden viele bekannte Märchen, auch die der Brüder Grimm. Ganz anders jedoch enden alle drei Bücher der Grimm-Reihe aus ...

„Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.“ - Mit diesem Satz enden viele bekannte Märchen, auch die der Brüder Grimm. Ganz anders jedoch enden alle drei Bücher der Grimm-Reihe aus der Feder von Elias Haller.
Obwohl hier jedes Buch auf einem bestimmten Grimm-Märchen basiert, erzählt die ganze Reihe tatsächlich Nora Rothmanns Geschichte; die Geschichte einer Kriminalkommissarin, die nach der Wahrheit über den Mord an ihrer Familie suchte. Bei den Nachforschungen ist Nora auf die Verbindungen zu der geheimen Gruppe Grimm gestoßen.

Der letzte Thriller der Reihe „Schneeweißchen stirbt“ schließt Noras Geschichte ab. Zum Schluss überschlagen sich Ereignisse; es wurde offensichtlich, dass hier jemand die Rache ausübt. Auf diese Weise werden die Täter zu Opfern.
Nachdem im Noras Leben plötzlich ihre längst vermisste Freundin Fiona erscheint, gerät vieles außer Kontrolle. Nicht nur Nora befindet sich in Gefahr, auch ihr Bekanntenkreis wurde bedroht. Und es wurde eindeutig, dass auch Schneeweißchen sterben muss.

Super spannende Geschichte, klug erdacht und raffiniert erzählt. Ihr Finale hat mich gleichermaßen überrascht und erschüttert. Die Akte-Grimm wurde geklärt und abgeschlossen. Trotzdem habe ich zum Schluss das mulmige Gefühl, dass auch am Ende dieses Thrillers passend stehen könnte: und wenn sie nicht gestorben sind…

Meine Empfehlung: unbedingt alle drei Bücher der Reihe nacheinander lesen! Absolut lesenswert!

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Veröffentlicht am 19.05.2024

Spannende Fortsetzung der Grimm-Reihe

Vöglein schweigt
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„Vöglein schweigt“ - das zweite Buch aus der Grimm-Reihe – knüpft unmittelbar an die Geschehnisse aus dem vorherigen Band. Auch in diesem Buch geht es um die geheime Gruppe Grimm und ihre Gräueltaten. ...

„Vöglein schweigt“ - das zweite Buch aus der Grimm-Reihe – knüpft unmittelbar an die Geschehnisse aus dem vorherigen Band. Auch in diesem Buch geht es um die geheime Gruppe Grimm und ihre Gräueltaten.
Genauso wie im bekannten Grimm-Märchen wurde „das Vöglein“ gefangen genommen, doch diesmal erwartet sein sadistischer Peiniger, dass das Vöglein singt. Diese grausamen Szenen sind kaum zu ertragen.
Auch Nora Rothmann ist weiterhin auf der Suche nach dem Täter, der ihre Familie ausgelöscht hat. Dabei gerät sie selber in Lebensgefahr.

Mit dem Thriller bietet Elias Haller eine spannende Fortsetzung der Märchen-Reihe. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, denn die kurzen Kapitel, die mit einem Cliffhänger enden, spornen zum Weiterlesen an. Auch der ständige Perspektivenwechsel und die interessanten Charaktere, deren Handeln oft in die Irre führt, tragen dazu bei.

Vieles wurde bereits entdeckt, geklärt, einige Täter entlarvt. Doch es bleiben noch einige Fragen offen, die auf notwendige Antworten warten. Noch kennt Nora die ganze Wahrheit über ihre Familie nicht und auch Grimm agiert weiter und bleibt immer noch im Verborgenen. Und welche Rolle spielt die plötzlich aufgetauchte Fiona?
Auf die Auflösung all dieser Rätsels bin ich sehr gespannt.

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Veröffentlicht am 09.05.2024

Café Alba - Interessante Familiengeschichte

Café Alba
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Die Geschichte beginnt im Jahre 1946. Mit der damals 16-jährigen Francesca reisen wir nach Alba, einem malerischen Ort im Piemont, wo sie eine Stelle als Hausmädchen bei der angesehen Familie Milani bekommt. ...

Die Geschichte beginnt im Jahre 1946. Mit der damals 16-jährigen Francesca reisen wir nach Alba, einem malerischen Ort im Piemont, wo sie eine Stelle als Hausmädchen bei der angesehen Familie Milani bekommt. Milanis gehört das gut besuchte Café Alba, in dem zum Kaffee selbstgemachte süße Köstlichkeiten serviert wurden.

Doch die Zeiten sind schwer, es fehlt an vielen Lebensmitteln, die Preise steigen, dazu erleidet die Familie Milani einen schweren Verlust und bald steht das jahrelange Familienunternehmen vor dem Ruin. Mateo, der Sohn Milanis, weiht Francesca in die familiären Probleme ein, denn inzwischen haben die Beiden sich ineinander verliebt und Francesca hilft ihm gerne bei der Herstellung der Torten und Pralinen für das Café.
Es ist auch Francesca, die eine rettende Idee hat, mit der die jungen Leute das Geschäft zu retten versuchen.

Sehr gerne habe ich diese bewegende Geschichte gelesen, Francesca für ihre Tüchtigkeit und Kreativität bewundert. Trotz aller Hindernisse und Vorurteile - sie kommt aus einfachen Verhältnissen und ist „nur“ ein Hausmädchen - bleibt sie ihrem geliebten Mateo und seiner Familie treu, gemeinsam kämpfen sie um den Erhalt des Familienbesitzes.

Genossen habe ich die bildhaften Beschreibungen der wunderschönen Landschaft, des malerischen Ortes Alba mit dem lebhaften Wochenmarkt und des gut besuchten Cafés. Auch die lebendig dargestellten Figuren des Romans überzeugen, man fühlt mit ihnen, freut sich oder leidet mit. Standhaft dagegen musste ich bei den verlockenden Beschreibungen der Vorgänge in der nach Schokolade und den gerösteten Nüssen duftenden Backstube bleiben: hier konnte ich Francescas Ideen und ihre Kreativität bestaunen.

Die erzählte Geschichte ist wie das Leben selbst: voller Überraschungen, Glücks- und Trauermomente. Wunderschön erzählt, interessant und spannend bis zum Ende, auf jeden Fall lesenswert. Auf das Wiedersehen mit Francesca und die Fortsetzung ihrer Geschichte bin ich sehr gespannt.

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Veröffentlicht am 04.05.2024

Rotkäppchen in Gefahr

Rotkäppchen lügt
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Inspiriert von den faszinierenden Märchen der Brüder Grimm erinnert Elias Haller in seiner Trilogie auf eine ungewöhnliche Weise an die wohl bekanntesten von ihnen.

Gleich im ersten Band mit dem Titel ...

Inspiriert von den faszinierenden Märchen der Brüder Grimm erinnert Elias Haller in seiner Trilogie auf eine ungewöhnliche Weise an die wohl bekanntesten von ihnen.

Gleich im ersten Band mit dem Titel „Rotkäppchen lügt“ lässt er den bösen Wolf in Berlin grassieren. Den ersten Hinweis auf das grausame Treiben des Wolfes dort erhält Nora Rothmann vom LKA Berlin, die gegen die Korruption- und Polizeiverstöße in eigenen Reihen kämpft. Deswegen wurde sie von den Kollegen im Polizeidienst als „Wölfin“ geschimpft - alles nur ein Zufall?
Merkwürdig ist es auch, dass Noras aktuelle Ermittlungen gegen den pensionierten LKA-Präsidenten auf die dienstliche Anordnung sofort eingestellt werden sollten.

Inzwischen wurden auch die ersten Opfer des Wolfes gefunden. Das Team vom LKA 11 unter der Führung von Kriminalkommissar Konrad König ermittelt. Bei den Ermittlungen kommen die Ereignisse aus der Vergangenheit zum Vorschein, die Nora und ihre vor Jahren ermordete Familie betreffen.

Spannung auf hohem Niveau bietet der Autor in seinem Thriller. Das faszinierende Märchenthema, schonungslos dargestellte Gräueltaten des bösen Wolfes und die spannenden Verwicklungen der Story fesseln und erschrecken zugleich.
Die erzählte Geschichte ist nicht nur nervenaufreibend. Sie lebt von den dramatischen Ereignissen, aber auch von vielen interessanten, authentisch wirkenden Charakteren. Bemerkenswert fand ich die Protagonistin Nora, die zielstrebig und mutig ihre Ziele erreichen will und auf die bissigen Kommentare ihrer Kollegen wenig Wert legt.

Der zum Schluss entlarvte Täter entpuppt sich als wahre Überraschung. Antworten auf die Fragen, die dennoch offenbleiben, hoffe ich in der Fortsetzung der Reihe zu finden.
Eine klare Leseempfehlung für den spannenden Märchen-Thriller.

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