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Veröffentlicht am 09.01.2021

Schauriges Wiedersehen

Frostgrab
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Beim Anblick des Buchcovers mit dem unheimlichen Titel fröstelt es mich. Ich erwarte einen spannenden Thriller mit viel Gänsehautgefühl. Und werde nicht enttäuscht.

Er beginnt mit dem unheimlichen Prolog, ...

Beim Anblick des Buchcovers mit dem unheimlichen Titel fröstelt es mich. Ich erwarte einen spannenden Thriller mit viel Gänsehautgefühl. Und werde nicht enttäuscht.

Er beginnt mit dem unheimlichen Prolog, in dem Jemand die Pressenachrichten über in den Eismassen des Gletschers aufgetauchte Leichen akribisch verfolgt.
Gerade dort treffen sich nach 10 Jahren die damals gut befreundete Snowboarder zusammen. Jeder von ihnen hat eine Einladung bekommen und erhofft sich ein gelungenes Wiedersehen. Trotzdem begegnen sich die Freunde mit Misstrauen und das Treffen wurde bald zu einem makabren Psychospiel. Zuerst verschwinden alle Handys, die Seilbahn geht nicht mehr und kurz danach gibt es das erste Todesopfer.

Ich fand diesen Thriller sehr spannend. Mit großem Interesse las ich sowohl über die aktuellen Ereignisse in dem verschneiten, abgelegenen Gebäude am Gletscher, wie auch über die Zeit von vor zehn Jahren, in der die gleichen Freunde zusammen trainiert, gefeiert, an Wettkämpfen teilgenommen haben. Damals gab es nicht nur Freundschaft und gesunden Ehrgeiz zwischen ihnen. Es gab auch Liebe und erbitterte Kämpfe mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln. Kein Wunder, dass es zum Schluss zur unheilvollen Tragödie kam. Über beide Zeitspannen berichtet die hoch ambitionierte Milla, die ebenso eine Einladung zum Treffen bekam.

Jedes einzelne Kapitel enthüllt neue Details der damaligen Tragödie. Misstrauen und Angst breiten sich aus, einige Personen werden von quälenden Schuldgefühlen und Schuldgefühlen geplagt, und alle versuchen irgendwas zu vertuschen. In Wirklichkeit vertraut keiner dem anderen mehr. Sehr spannend, sehr dramatisch, verhängnisvoll.

Der Thriller „Frostgrab“ (meines Erachtens ein idealer Titel für dieses Buch) ist ein gelungenes Debüt von Allie Reynolds, die selbst eine erfolgreiche professionelle Snowboarderin war.

Das Buch bekommt meine wärmste Leseempfehlung.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.01.2021

Eine Geschichte, die lange in Erinnerung bleibt

Goodbye, Bukarest
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Astrids Mutter hat immer erzählt, dass ihr Bruder Bruno im Krieg gefallen ist. Erst nach dem Tod der Mutter erfährt Astrid, dass es eine Lüge war. Es gab nämlich Spuren, denen übrigens auch die Mutter ...

Astrids Mutter hat immer erzählt, dass ihr Bruder Bruno im Krieg gefallen ist. Erst nach dem Tod der Mutter erfährt Astrid, dass es eine Lüge war. Es gab nämlich Spuren, denen übrigens auch die Mutter nachgegangen war, dass Bruno den Kampf um Stalingrad überlebt hat.
Astrid, die ihre Mutter und Deutschland als siebzehnjähriges Mädchen verlassen hat und nach Schweden ausgewandert ist, beginnt die Suche nach ihrem verschollenen Onkel. Sie muss unbedingt erfahren, warum ihr Onkel nicht heimgekehrt ist. Und warum ihre Mutter gelogen hat? Welches Familiengeheimnis hat sie mit ins Grab genommen?

Die Suche hat Astrid zu den Menschen geführt, die ihrem Onkel damals begegnet sind. Aus ihren Geschichten erfährt sie nach und nach was Bruno widerfahren ist und wie er sein neues Leben gestaltet hat.

Die Geschichten, die Autorin in ihrem Buch erzählt, sind ein bewegendes Zeugnis der europäischen Geschichte in der Zeit vom Zweiten Weltkrieg bis Oktober 2015. Unter anderem berichtet sie über Lebensschicksale der Deutschen, die bis zum deutsch-sowjetischen Kämpfen in Russland gewohnt haben, über die Straflager in Sibirien und Kasachstan, sowie über die Zeit nach dem Tod von Stalin.

Auch die Geschichte Rumäniens und ergreifende Menschenschicksale unter der Diktatur von Ceausescu nehmen viel Platz in diesem hoch interessanten Buch ein.

Brunos Wegbegleiter erzählen Astrid, was sie damals erlebt haben. Einfühlsam schreibt die Autorin über die tragischen Schicksalsschläge, die sie hinnehmen mussten:
„Ein Schatten war auf ihr Leben gefallen.“ (115)
„Und sie weinten zusammen. In der Nacht konnte man die Tränen laufen lassen.“ (121)
Bewegend ist die Geschichte von Dmitri alias Hannes, der als Zwölfjähriger nach Sibirien in eine Arbeitskolonie für Kinder verbannt wurde.

Viel Kraft und Trost in der schweren Zeit spenden den Menschen Bücher, klassische Musik und Kunst. Bruno liebte die Bücher von Montaigne, Rousseau, Hölderlin, Keller, Mann, Musil, Tschechow, T. S. Eliot. Dinu, sein rumänischer Freund, liebte Musik, spielte Klavier und komponierte selbst. Naja, Dinus Schwester, studierte an der Kunstakademie in Bukarest und malte Bilder.
Auch Astrid teilt diese Interessen und erinnert sich an die Worte ihres Großvaters:
"Das Einzige, was in meinem Leben ein Zuhause gewesen ist, (….) waren die Bücher und Bilder. Die kann mir niemand jemals wegnehmen, nicht jene Bücher und Bilder, die zu meiner Herzensangelegenheit geworden sind (…….) Sie sind ein Teil von mir geworden, sie leben in mir". (134)

Das Buch von Astrid Seeberger fesselt und bewegt. Es kann ruhig zur Herzensangelegenheit werden.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.12.2020

Blaue Geschichten?

Erdbebenwetter
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Es ist nicht leicht für mich über dieses Buch zu sprechen. Denn Zaia Alexander erzählt in ihrem Debütroman keine gewöhnliche Hexengeschichte.

Das Buch ist vielmehr ein Sammelsurium von Erinnerungen an ...

Es ist nicht leicht für mich über dieses Buch zu sprechen. Denn Zaia Alexander erzählt in ihrem Debütroman keine gewöhnliche Hexengeschichte.

Das Buch ist vielmehr ein Sammelsurium von Erinnerungen an bestimmte Ereignisse aus dem Leben der Protagonistin Lou. Die Erinnerungen betreffen sowohl die Gegenwart wie auch die Vergangenheit und scheinen willkürlich miteinander verflochten zu sein. Die junge Frau, die vorher anders hieß, hat den Namen Lou von den Hexern verliehen bekommen, in deren Gemeinschaft sie seit kurzer Zeit lebt. Ab sofort bestimmen die Hexer über Lous Leben, verbieten ihr alle bisherigen Kontakte, sie bekommt eine neue Wohnung und eine neue Identität. Manches erinnert hier sehr stark an ein Leben in einer Sekte, wo man zu einigen Handlungen auf bestimmte Weise gezwungen wurde.

Während des Lesens fragte ich mich oft, warum die junge Frau all das tut und worum es in diesem Roman eigentlich geht. Einige Antworten liefern die Kapitel, in denen Lou sich an ihre Vergangenheit erinnert. Sie hatte eine schwierige Kindheit, wurde von einer labilen Mutter erzogen, die sie ständig auf alle möglichen drohenden Katastrophen vorbereitet hat. Lou wollte Regisseurin werden, aber der berufliche Start ist ihr nicht gelungen. In die Hexer-Gemeinschaft hat sie ihr alter Schulfreund, jetzt ein erfolgreicher Regisseur, eingeführt.

Das Leben in Hexer-Gemeinschaft verändert vollkommen die bisher orientierungslose Lou, verwandelt sie in eine verantwortungsvolle Frau, die auch die Erziehung ihrer Adoptivtochter übernehmen muss. Sogar die von ihrer Tochter gerettete Katze Sophie und später ihre Kätzchen wurden von ihr versorgt. Über diese Ereignisse berichtet Lou in den Kapiteln mit der Überschrift „Blau“. Diese Kapitel sollen das Magische, Unlogische, Mysteriöse vermitteln, dafür steht hier die Farbe Blau.

Aber auch die anderen Handlungen dieses Romans sind seltsam. Der Mentor der Hexer-Gemeinschaft erzählte den Mitgliedern oft diverse Geschichten. Lou spricht so darüber:
„Die Geschichten wurden meistens völlig absurd. Ihnen schien jeder Bezug zur Realität zu fehlen.“
(Zitat Seite 112)
Dieses Gefühl hatte ich oft beim Lesen dieses Buches.

Trotzdem fasziniert mich die Lebensgeschichte der Protagonistin Lou, einer außergewöhnlichen jungen Frau. Der Roman konnte ich jedoch nur sehr mühsam lesen, für mein Geschmack gibt es darin zu viel des Unlogischen und Absurden, dafür aber zu wenig von der mysteriösen Magie. Das Leben der Hexer hat mich irritiert, ich fand es nicht wirklich interessant.

Dafür liebevoll und oft sehr poetisch schreibt Zaia Alexander über Los Angeles, die Stadt wo der Roman spielt und wo die Autorin aufgewachsen ist.

FAZIT: keine leichte Lektüre, am besten für die Liebhaber des magischen Realismus zu empfehlen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.12.2020

Spannende Fortsetzung der Piemont-Krimi-Reihe mit Simon Strasser

Isola Mortale
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Kurz vor Weihnachten geht es auf der Isola San Giulio turbulent zu. Nicht nur der vorweihnachtliche Stress und das stürmische Wetter setzen den Menschen zu. Für viel Aufregung sorgt die am Ufer des Lago ...

Kurz vor Weihnachten geht es auf der Isola San Giulio turbulent zu. Nicht nur der vorweihnachtliche Stress und das stürmische Wetter setzen den Menschen zu. Für viel Aufregung sorgt die am Ufer des Lago d`Orta gefundene Leiche einer jungen Nonne aus dem nahegelegenen Kloster. Die Novizin, deren Ruderboot noch auf dem Wasser trieb, ist wahrscheinlich in der stürmischen Nacht auf dem See ums Leben gekommen.
Maresciallo Carla Moretti findet schnell heraus, dass die junge Frau aus Deutschland auf die Isola San Giulio gekommen war. Sie war auf der Suche nach ihrer verschwundenen Mutter, die mit den einigen Inselbewohnern berufliche Kontakte pflegte. Aus diesen Gründen bittet die Kommissarin den ehemaligen Polizei- und Gerichtsreporter Simon Strasser um Unterstützung bei den Ermittlungen.
Bald entdeckt man zwei weitere Leichen in einem Autowrack am Grund des Sees und die Ereignisse überschlagen sich. Die vorweihnachtliche Idylle am Lago d`Orta wurde offensichtlich gestört.

Mit dem Buch „Isola Mortale“ setzt Giulia Conti ihre Piemont-Krimi-Reihe mit Simon Strasser fort. Der Halbdeutscher, Halbitaliener – wie er über sich selbst sagt, lebt seit ungefähr fünf Jahren in Ronco am Lago d`Orta. Nachdem er seinen Job in Frankfurt aufgegeben hat, freute er sich auf ein ruhiges Dolce Vita am wunderschönen See in Italien. Aber seine journalistische Neugierde lässt ihn auch hier nicht los und er mischt sich oft in das aktuelle Geschehen im Ort ein.
Besonders gerne unterstützt er die örtliche Kommissarin Carla Moretti in ihren Ermittlungen. Die sympathische Maresciallo gefällt Simon sehr, aber er liebt doch seine Freundin Luisa, die auch jetzt die Weihnachtszeit zusammen mit ihm verbringt.
Sehr interessant ist der Krimi von Giulia Conti. Bereits der erste Fall mit der Nonne ist sehr spannend. Er wirft viele Fragen auf, man will unbedingt erfahren warum die junge, schöne und lebenslustige Frau unbedingt ins Kloster wollte? Ist sie auf die Spuren von ihrer vermissten Mutter auf der Insel gestoßen? Ist sie deswegen ermordet worden? Oder was es in Wirklichkeit nur ein tragischer Unfall?
Und als einige Tage später der Autowrack mit zwei Leichen gefunden wurde, geraten immer mehr Menschen unter Verdacht. Auch alte Geheimnisse kommen ans Tageslicht, alte Wunden wurden aufgerissen.
Da Simon bei den Ermittlungen nicht von den Alleingängen ablassen kann, gerät er immer wieder in die Bredouille. Auch seine Freundin Luisa riskiert einiges, und um Nicola, seine Ziehtochter muss er sich ebenfalls Sorgen machen.
Der Krimi hat mich von Anfang an in Atem gehalten, die spannende Handlung mit zahlreichen Wendungen bis zum Schluss gefesselt. Darüber hinaus haben mich die gut skizzierten Romanfiguren überzeugt. Sehr gerne würde ich eine Fortsetzung mit den Protagonisten lesen.
Die Autorin Giulia Conti lebt seit mehr als zwanzig Jahren in Norditalien am Lago d`Orta. In dem Roman erzählt sie viel über diese wunderschöne Gegend und die Menschen, die dort leben, über ihre Traditionen, Gepflogenheiten und auch über die wirtschaftliche Lage. Und da der Krimi im Dezember spielt, taucht man unvermeidlich in die weihnachtlich geschmückte Welt am Lago d`Orte ein.
Das Buch eignet sich hervorragend als aktuelle Weihnachtslektüre. Und da mich der Krimi gut unterhalten hat, bekommt er meine wärmste Leseempfehlung!

  • Cover
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  • Handlung
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Veröffentlicht am 17.12.2020

Wahrheit oder Fiktion?

Der erste Tote
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Andrew und Carlos, ein Reporter und ein Fotograf, berichten täglich über den Drogenkrieg in Mexiko. Brutale Kämpfe, Gewalt, Tod und Mord sind ihnen deswegen nicht fremd. Trotzdem schockiert sie der Anblick ...

Andrew und Carlos, ein Reporter und ein Fotograf, berichten täglich über den Drogenkrieg in Mexiko. Brutale Kämpfe, Gewalt, Tod und Mord sind ihnen deswegen nicht fremd. Trotzdem schockiert sie der Anblick des auf grausame Weise ermordeten jungen Aktivisten und lässt sie nicht los. Vor allem Carlos reagiert impulsiv, fotografiert die Leiche und beginnt in der Sache zu recherchieren. Bald wurde auch er gefoltert und ermordet. Andrew, für den Carlos mehr als nur ein Kollege war, beschließt Carlos Recherche fortzusetzen und auf diese Weise auf den Tod seines besten Freundes aufmerksam zu machen.


Die ersten Kapitel dieses Thrillers halten mich in Atem. Es wimmelt dort nur von Gewalt, Mord, Unrecht, Blutvergießen, Menschen sterben oder verschwinden auf einmal. Der Autor zeichnet ein Bild des Landes, das sehr stark von einem Foto aus dem Urlaubsparadies abweicht. Ich merke sehr schnell: es ist extrem gefährlich dort, das Leben ist nicht einfach. Auch die zahlreiche Umweltprobleme tragen dazu bei. All diese interessanten Informationen bewegen und regen zu weiteren Nachforschungen im Internet an.

Aber die anfängliche Spannung lässt schnell nach. Der Autor überschüttet den Leser mit so vielen Details aus dem brutalen Alltag in dem exotischen Land, aus der Welt des Verbrechens und der Wirtschaftskriminalität und den Verflechtungen zwischen ihnen, dass man leicht den Überblick verlieren kann. Auch die unzähligen spanische Begriffe machen die Lektüre nicht gerade leichter.

Tim MacGabhann hat seinen Thriller in Form einer Crônica verfasst, einer Mischung aus journalistisch-dokumentarischen Texten und frei erfundenen Inhalten. Darüber schreibt er ausführlich im Anhang zum Roman. Gleichzeitig erklärt er die Umstände, die ihn zum Schreiben dieses Romans in der Form bewogen haben.

Betrachten Sie Call Him Mine also entweder als einen Thriller in Form einer crônica oder als crônica in Form eines Thrillers. Betrachten Sie es als eine irgendwie verzerrte Art, die Wahrheit zu sagen. (265)

Ich wünschte mir der Anhang mit dem Titel „Die Würdigung des >echten Carlos< am Anfang dieses ungewöhnlichen Thrillers stehen. Dann hätte ich ganz andere Erwartungen an diesen Roman gehabt und auf ganz andere Weise diese Lektüre genossen

  • Cover
  • Spannung
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere