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Veröffentlicht am 25.04.2026

Eine Frau, die nicht vergessen werden wollte

Die Briefträgerin
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Der Urgroßmutter Anna Allavena, der ersten Postbotin Italiens, widmet Francesca Giannone ihren Debütroman „Die Briefträgerin“. Die Protagonistin des Buches ist eine außergewöhnliche Frau, die in der von ...

Der Urgroßmutter Anna Allavena, der ersten Postbotin Italiens, widmet Francesca Giannone ihren Debütroman „Die Briefträgerin“. Die Protagonistin des Buches ist eine außergewöhnliche Frau, die in der von Männern bestimmten Welt ihren eigenen Weg gegangen ist, ihr selbstbestimmtes Leben führen wollte.
Mit ihren unkonventionellen Entscheidungen sorgte Anna, die 1934 in dem süditalienischen Lizzanello mit ihrem Mann und dem kleinen Baby in Arm ankam, für viel Aufsehen. Vom ersten Tag an wurde die schöne Norditalienerin von den Bewohnern des Dorfes kritisch beäugt. Auch nicht alle im Dorf haben sich über Carlos Rückkehr in seine alte Heimat gefreut.

Später, als Anna sich um die gerade freigewordene Briefträgerstelle beworben hat und aufgrund ihrer schulischen Ausbildung den Job bekam, könnte der Klatsch und Tratsch im Dorf nicht aufhören. Doch die selbstbewusste Anna kümmerte sich nicht um das Gerede, blieb ihren Prinzipien treu und wurde für viele Menschen eine willkommene Portalettere und in vielen Fällen, besonders für Frauen in Not, eine Unterstützerin und gute Freundin.

Annas interessante Lebensgeschichte empfinde ich gleichzeitig als eine wunderschöne Geschichte einer unerfüllten Liebe. Denn Anna und Carlos Bruder Antonio entwickeln füreinander Gefühle, die über die Freundschaft und die gemeinsamen Interessen spürbar hinausgehen. Amore, Verrat, komplizierte Beziehungen und Geheimnisse nehmen auch sonst viel Platz in der spannenden Geschichte, deren Verlauf sich über fast dreißig Jahre erstreckt.

Ich habe den spannenden Roman mit großem Interesse gelesen und die sympathische, engagierte Protagonistin, die „nicht vergessen werden wollte“, ins Herz geschlossen. Diese Lektüre war mir ein Genuss.
Grazie mille!

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Veröffentlicht am 16.04.2026

Auch die Köchin wurde vergiftet

Noch fünf Tage
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Der Silvesterabend bei der Familie Harmanns, den Milliardären aus Davos, endet tragisch. Das Ehepaar und ihre zwei Kinder wurden mit dem Gift im Festtagsessen vergiftet. Auch die bei Harmanns angestellte ...

Der Silvesterabend bei der Familie Harmanns, den Milliardären aus Davos, endet tragisch. Das Ehepaar und ihre zwei Kinder wurden mit dem Gift im Festtagsessen vergiftet. Auch die bei Harmanns angestellte Spitzenköchin Lis Castrop, die das Menü vorbereitet und serviert hatte, landet im Krankenhaus. Doch im Unterschied zu ihren Arbeitgebern, starb sie nicht sofort: Ihr bleiben noch fünf Tage bis sie stirbt; eine begrenzte Zeit für Abschied von ihrer 11-jährigen Tochter Cosima.

Wie kann man jedoch die letzten fünf Tage des Lebens nutzen, wenn man das Krankenhausbett nicht verlassen kann und auch bei täglichen Verrichtungen auf fremde Hilfe angewiesen ist? Lis sorgt sich um ihre Tochter Cosima, und als sie erfährt, dass sie selbst als Hauptverdächtige gilt, nutzt sie die ihr verbliebenen Stunden um den wahren Mörder zu finden.

Vieles in dieser Geschichte ist sehr spannend; sie wurde aus Lis` Sicht erzählt, der einzigen Person, die den Giftanschlag überlebt hat. Lis Ängste und Sorgen sind nachvollziehbar; die ganze Tragik ihrer ausweglosen Lage spürbar. Dieses Gefühl wurde zusätzlich durch die genauen Zeitangaben am Anfang jedes Buchkapitels verstärkt; die Stunden, die Lis noch verbleiben, schmelzen mit jedem Kapitel unbarmherzig weiter.

Die Geschichte hat aber auch einige helle Momente: etwa als Cosima ihre Mutter in der Klinik besucht oder als Lis sich an die vergangenen Tage erinnert und an ihre Erfolge als Köchin zurückblickt.
Zum Schluss steigt die Spannung nochmal; das Finale verläuft dramatisch und überrascht mit der Auflösung des Falles.
Insgesamt bietet dieses -mehr Krimi als Thriller – Buch eine spannende Unterhaltung; ist eine gute Lektüre für Zwischendurch.

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Veröffentlicht am 10.04.2026

Superspannend und hochaktuell, überzeugend gesprochen (HB)

Minnesota
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Der neueste Kriminalroman von Jo Nesbo bietet nicht nur spannende Unterhaltung auf hohem Niveau. Der Autor des Romans macht seine Leser auf viele brisante Themen aufmerksam, wie z.B. Migration, Rassismus, ...

Der neueste Kriminalroman von Jo Nesbo bietet nicht nur spannende Unterhaltung auf hohem Niveau. Der Autor des Romans macht seine Leser auf viele brisante Themen aufmerksam, wie z.B. Migration, Rassismus, Bandenkriminalität, Drogen, Waffenrecht, politische Verwerfungen.
Das Buch erzählt über die Serienmorde, die im Jahr 2016 die Polizei und SWAT-Teams der Stadt Minneapolis in höchste Alarmbereitschaft versetzt haben. Sechs Jahre später will ein norwegischer Schriftsteller ein Buch darüberschreiben; wir begleiten den Autor auf seiner Reise nach Minneapolis und folgen den Spuren des Verbrechens von damals.
Detective Bob Oz, geprägt von seiner schicksalhaften Vergangenheit, seelisch stark belastet, führte damals die Ermittlungen, bis er für sein delinquentes Verhalten suspendiert wurde. Trotzdem zieht er alle Register und ermittelt auf eigene Faust weiter.
Der Attentäter wurde schnell identifiziert, denn offensichtlich legte er großen Wert darauf, gesehen und erkannt zu werden. Trotzdem konnte man ihn nicht fassen, jedes Mal gelingt es ihm die Polizei zu hintergehen und in die falsche Richtung führen.
In das Visier des Mörders geraten wortwörtlich Drogen- und Waffenhändler, die er - einem nach dem anderen - erschießen will. Bis der Bürgermeister von Minneapolis zu seiner Zielscheibe wurde.
Den Thriller konnte ich als Hörbuch genießen. Das Hörbuch, im Verlag Hörbuch Hamburg erschienen, wurde von dem Synchronsprecher David Nathan meisterhaft gesprochen. Mit seiner warmen, markanten Stimme wiedergibt er ausgezeichnet die Stimmung der Handlung und erweckt die unterschiedlichen Charaktere zum Leben. Ich konnte mir sowohl jede gesprochene Szene, wie auch die lebendig wirkenden Charaktere bildhaft vorstellen.
Bedauerlich, dass „Minnesota“ ein Alone Stand Buch ist; sehr gerne hätte ich mehr Krimis mit dem ungewöhnlichen Detective Bob Oz gelesen.
5 Sterne, weil ich komplett drin war und das Buch mich bis zum Schluss nicht losgelassen hat.

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Veröffentlicht am 28.03.2026

Lehrreich und unterhaltsam

Szenario
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Die Politikwissenschaftlerin und Zukunftsforscherin Florence Gaub ist überzeugt, dass die Zukunft ist: „das Ergebnis von Trends, von unverrückbaren physischen Realitäten, von Entscheidungen aberwitzig ...

Die Politikwissenschaftlerin und Zukunftsforscherin Florence Gaub ist überzeugt, dass die Zukunft ist: „das Ergebnis von Trends, von unverrückbaren physischen Realitäten, von Entscheidungen aberwitzig vieler Akteure, die niemand hat kommen sehen.“ (8)
Doch die durchgedachten und durchgespielten Szenarien ermöglichen uns verschiedene Handlungsmöglichkeiten und geeignete Maßnahmen rechtzeitig zu ergreifen.

Das interaktive Buch „Szenario“ ist eine Einladung der Autorin an den Leser, die Gestaltung der geopolitischen Zukunft selbst in die Hand zu nehmen. Der Leser bekommt eine Aufgabe (einen Auftrag), deren Ausgangspunkt die ungeklärte Havarie eines norwegischen Forschungsschiffes am Spitzbergen ist. Es bleibt dem Leser überlassen, welche Schritte er unternimmt, welche Entscheidungen er trifft, um den Politikern und/oder der Öffentlichkeit die entsprechenden Informationen und/oder Empfehlungen zu liefern. Zu jeder Entscheidung gibt es die nächsten möglichen Optionen, nach jedem weiteren Schritt – eine Zusammenfassung der Erkenntnisse.
Florence Gaub, Forschungsdirektorin des NATO- Verteidigungskollegs in Rom, hat diese Aufgabe sehr gut vorbereitet: „recherchiert, was bis 2033 als gesichert gilt, die großen Trends, die den Rahmen unserer Zukunft vorgeben, und mit Quellen versehen.“ (10)

Der Leser dieses Buches übernimmt die Rolle eines Analysten, der die Antworten auf die Frage „Was wäre, wenn?“ sucht. Dieses ungewöhnliche Spiel macht Spaß, aber vor allem lässt es unser Wissen über die geopolitische Lage, jetzt und in der nächsten Zukunft, zu erweitern.

FAZIT: ein kluges Buch, lehrreich und spannend geschrieben, unterhaltsam. Sehr zu empfehlen!!!

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Veröffentlicht am 24.03.2026

Wenn man die Wahrheit ausblendet

Der unsichtbare Elefant
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Der Suizid des Rechtsanwalts Thomas Siebenmorgen, der sich am späten Winterabend an seinem Arbeitsplatz aus fünfzig Meter Höhe in den Tod gestürzt hat, schlägt hohe Wellen:
Der japanische Künstler Haruki ...

Der Suizid des Rechtsanwalts Thomas Siebenmorgen, der sich am späten Winterabend an seinem Arbeitsplatz aus fünfzig Meter Höhe in den Tod gestürzt hat, schlägt hohe Wellen:
Der japanische Künstler Haruki Yamatoshi aus Tokio wurde telefonisch darüber informiert, dass sein Kunstwerk, im Foyer des Bürogebäudes ausgestellt, bei dem Sturz endgültig zerstört wurde.
Um Schadensbegrenzung bemüht, veranlasst der Kanzleigründer Dr. Mueller-Reichenberg aus München eine interne Untersuchung des Vorfalls, und schickt seinen besten Mitarbeiter Simon Nyakuri nach Düsseldorf.
Für die Mitarbeiter der renommierten Kanzlei in Düsseldorf ist Thomas` Sturz ein traumatisches Ereignis, sie trauern um ihren Kollegen, manche stehen unter Schock. Am stärksten betroffen ist die junge Anwältin Maria Polonio, die den Sturz beobachtet hat und jetzt von Schuldgefühlen geplagt ist. Ihr zu Seite steht Viktor Kemper vom Kriseninterventionsteams. Maria und Viktor versuchen zusammen herauszufinden, was Thomas zu dieser Tat bewogen haben könnte.

Bei diesem Roman kann man definitiv keinen typischen Krimi erwarten. In seinem Debütroman befasst sich Max A. Edelmann zwar mit der Recherche zum tragischen Tod eines Juristen, doch es wurde schnell offensichtlich, dass das Opfer freiwillig diesen Weg gewählt hat. Die Frage warum Thomas Siebenmorgen nicht mehr leben wollte, beschäftigt die übrigen Betroffenen: Maria Polonio, Viktor Kemper und den Rechtsanwalt Simon Nyakuri. Simon handelt im Rahmen des ihm erteilten Auftrags, Maria und Viktor tun es aus eigener Initiative.
Die ganze Geschichte wurde in kurzen Kapiteln erzählt, der Schreibstil ist flüssig, angenehm zu lesen. Die Geschichte entwickelt einen leichten Sog, denn der Grund für Thomas` Verzweiflungstat lässt sich lange nicht eindeutig erkennen. Erst die Recherche von Viktor und Maria bringt neue Erkenntnisse ans Tageslicht, welche weit zurück in die Vergangenheit reichen, und das Leben von Thomas und seiner Familie in ein neues Licht rücken. Gleichzeitig bietet die Recherche den drei Ermittlern eine Gelegenheit sich mit der eigenen Lebensgeschichte auseinanderzusetzen.
Ich empfand den Roman als sehr interessant, jedoch etwas mit unterschiedlichen Themen überladen und mit einigen, unbedeutenden Vorkommnissen in die Länge gezogen.
„Der unsichtbare Elefant“, ein Debütroman des promovierten Juristen Max A. Edelmann, lenkt die Aufmerksamkeit seiner Leserschaft auf Konflikte, die für die Betroffenen sichtbar sind jedoch bewusst ignoriert werden. Eine kluge Lektüre, die zum Nachdenken anregt.

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