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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.05.2026

Sehr spannend, nur etwas zu viel Alltagspsychologie

Schlafende Vulkane
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Nachdem ich die Sebastian-Bergmann-Reihe gelesen hatte, bei der Michael Hjorth Co-Autor von Hans Rosenfeldt war und die mir ausgezeichnet gefiel, freute ich mich natürlich auf seine neue Thriller-Reihe. ...

Nachdem ich die Sebastian-Bergmann-Reihe gelesen hatte, bei der Michael Hjorth Co-Autor von Hans Rosenfeldt war und die mir ausgezeichnet gefiel, freute ich mich natürlich auf seine neue Thriller-Reihe. Der erste Band „Schlafende Vulkane“, geschrieben von Hjorth und Bjarni Thorsson, hat meine Erwartungen voll erfüllt. Die Jagd nach einem psychopathischen Frauenmörder im eigentlich beschaulichen Island ist ein äußerst spannender Thriller. Das Ermittlerteam, allen voran die noch unerfahrene Schwedin Helga und der „Ur-Isländer“ Bjarni, gerät trotz moderner Ermittlungsmethoden bei der Suche nach dem Täter an ihre Grenzen. Der Mann ist so clever, dass er der Polizei immer einen Schritt voraus ist. So kommt es letztendlich zum Showdown, und wie zu erwarten war geht die Verbrecherjagd gut aus.
Der Schreibstil gefällt mir. Der Spannungsaufbau ist gelungen. Die Personen wirken interessant. Alle haben ihre Ecken und Kanten. Viele schleppen schlechte Erfahrungen mit sich herum. Gefallen haben mir auch die Landschaftsbeschreibungen.
Wie in vielen Thrillern leidet die Glaubwürdigkeit unter dem Versuch, Spannung zu erzeugen. Manches ist mir zu pathetisch und nach meinem Geschmack haben die Autoren zu viel „Küchenpsychologie“ bzw. fachlich korrekt Alltagspsychologie eingesetzt. Daher vergebe ich nicht 5 Sterne.
Ich freue mich aber schon auf den zweiten Band.

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Veröffentlicht am 22.04.2026

Fesselnder Spannungsroman

Das letzte Buch von Marceau Miller
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Beim Blick auf das ansprechende Cover fällt sofort auf, dass der Autor nicht explizit genannt wird. Augenscheinlich sind der abgestürzte Bestsellerautor Marceau Miller (starker Prolog, in dem der Absturz ...

Beim Blick auf das ansprechende Cover fällt sofort auf, dass der Autor nicht explizit genannt wird. Augenscheinlich sind der abgestürzte Bestsellerautor Marceau Miller (starker Prolog, in dem der Absturz beschrieben wird!) und der Autor (Pseudonym, das im Klappentext nicht aufgelöst wird) ein und dieselbe Person. Was er sich dabei gedacht hat, erschließt sich mir nicht. Ist es Ironie, Selbstüberschätzung (immerhin hat der Bestsellerautor 20 Bestseller geschrieben) oder eine raffinierte Methode, auf das Buch aufmerksam zu machen? Jedenfalls das ist ihm bei mir gelungen.
In einem Prolog, einem Epilog und 52 relativ kurzen Kapiteln wird die spannende Geschichte um mehrere düstere Geheimnisse erzählt. Überwiegend aus der Blickweise der Witwe, die mit Marceaus Tod nicht zurecht kommt und anders als die zunächst unfähig erscheinende Polizei nicht an einen Unfall glaubt. Womit sie natürlich recht hat, wie von Anfang an klar ist. Sie vernachlässigt darüber ihre Kinder und ihre Arbeit, lässt sich gehen und versucht, die Geheimnisse aufzuklären. Auf der anderen Seite stehen der bzw. die Täter (was fast bis zum Ende unklar bleibt), der/die mit allen Mitteln versucht/versuchen, dass die Geheimnisse mit Marceau im Grab verschwinden und nicht aufgedeckt werden. Gegen Ende vereinzelte Auszüge aus dem Manuscricpt von Millers letztem Buch.
Sehr spannend erzählt, die Zerrissenheit von Sarah Miller kommt gut heraus. Ich mochte das Buch kaum noch aus der Hand legen. Dazu die Beschreibung der Gegend, der Lac Leman, das Panorama der Alpen. Wer dort schon einmal war, kann es sich genau vorstellen.
Schade nur, dass Marceau Miller jetzt tot ist und keine weiteren Bücher von ihm zu erwarten sind :).

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Veröffentlicht am 15.04.2026

Sehr emotionaler Roman mit historischem Hintergrund

Ein Ort, der bleibt
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Sandra Lüpkes hat mit „Ein Ort der bleibt“ einen sehr schönen bewegenden Roman geschrieben, mit einer blumigen, bildhaften Sprache, nach aufwändigen Recherchen, wie man dem Anhang entnehmen kann und dem ...

Sandra Lüpkes hat mit „Ein Ort der bleibt“ einen sehr schönen bewegenden Roman geschrieben, mit einer blumigen, bildhaften Sprache, nach aufwändigen Recherchen, wie man dem Anhang entnehmen kann und dem Buch anmerkt. Alles dreht sich um den ersten Botanischen Garten in Istanbul, gegründet von dem Münsteraner Professor Alfred Heilbronn, und um die Menschen, die an der Gründung, dem Aufbau und der Erhaltung beteiligt waren. Wahre Helden des Romans sind die Pflanzen, deren Merkmale und Eigenschaften als Metaphern für die Menschen, ihre Eigenarten und ihr Leben benutzt werden.
Das Buch basiert auf der realen Biographie der Familie Heilbronn, die 1933 vor den Nazis aus Münster fliehen musste und sich mit anderen geflohenen und ausgebürgerten Deutschen in Istanbul ein neues Leben erschaffen hat. Auch weitere Personen wie Heilbronns Assistentin Mehpare und weitere türkische Mitarbeiter haben wirklich gelebt, wie man bei einer Internetrecherche leicht verifizieren kann. Lüpkes füllt die in den Enzyklopädien zu findenden trockenen Biographien mit Leben, indem sie in nahezu chronologischen Erzählungen den Menschen Eigenschaften und Gefühle zuschreibt. Manches wirkt skurril, die Marotten des Professors erinnern an die Feuerzangenbowle, aber es ist vorstellbar, dass die Wissenschaftler und anderen Menschen vor fast 100 Jahren wirklich so dachten und lebten wie von der Autorin beschrieben. Ein Highlight des Buches ist, wie sie herrlich und erfrischend von der Ankunft Magda Heilbronns mit ihren Kindern in Istanbul erzählt, die nach 4 Tagen anstrengender Zugfahrt Istanbul erreichen.
Mein erster Eindruck, dass die Handlung zu seicht ist, hat sich schnell gelegt. Ich habe mich schnell an die Sprache gewöhnt und konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Die Probleme und Konflikte, z.B. dass die deutsche Kolonie aus von den Nazis Verfolgten und Nazis besteht oder dass manche Vertriebene sich fern der Heimat nicht zurecht finden, kommen nicht zu kurz. Ein zentrales Thema ist die Rolle der Frauen sowohl im damaligen Deutschland als auch in der Türkei. Durch die Ortsbeschreibungen in Münster und Istanbul und die eingeflochtenen türkischen Begriffe und Redensarten, die zu meinem Glück ins Deutsche übersetzt werden, wirkt das Buch authentisch.
Einige wenige Personen sind fiktiv, so auch die junge Städteplanerin Imke Voigt, die in einem regelmäßig eingeschobenen Erzählstrang im heutigen Istanbul ein Gutachten zur Nutzung des Gartens erstellen soll. Lüpkes erreicht mit dieser Geschichte, die Veränderungen in der Türkei aufzuzeigen. Besonders der Einfluss der Religionsbehörde hat sich im Vergleich zur Zeit Atatürks drastisch verändert, ihr gehört das Grundstück, auf dem sich der Botanische Garten befindet und es ist kein Wunder, dass der Garten 2018 geschlossen wurde. Der Konflikt zwischen Wissenschaft und Religion wird immer wieder thematisiert, insofern ist der Roman sehr aktuell.
Vieles im Buch ist sehr emotional, oft aus der Perspektive der Frauen geschrieben und spricht möglicherweise eher Leserinnen an. Aber auch als Mann fand ich es interessant, spannend und sehr gut zu lesen.

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Veröffentlicht am 04.04.2026

Ausgezeichneter Politthriller

Die Stockholm-Protokolle
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Wer in einem Thriller mindestens 10 Tote erwartet und eine Heldin bzw. einen Helden, die jede aberwitzige gefährliche Situation mit ein paar Schrammen lebend überstehen, während die bösen Gegner reihenweise ...

Wer in einem Thriller mindestens 10 Tote erwartet und eine Heldin bzw. einen Helden, die jede aberwitzige gefährliche Situation mit ein paar Schrammen lebend überstehen, während die bösen Gegner reihenweise ums Leben kommen, muss mit diesem Buch viel Geduld haben. Denn „Die Stockholmprotokolle“ ist ein intelligent konstruierter gut geschriebener Politthriller, in dem vorrangig die Schattenseiten des Politikbetriebs mit seinen eitlen, machtbesessenen egoistischen Mitgliedern unter die Lupe genommen werden. Die Autoren wissen, worüber sie schreiben, denn Moa Berglöf hat jahrelang für die konservative Partei Moderaterna und den Ministerpräsidenten Fredrik Reinfeldt gearbeitet, während Joakim Zander in Brüssel und Helsinki für das Europäische Parlament und die Europäische Kommission aktiv war. So ist eine natürlich überzeichnete, aber in großen Teilen realistisch erscheinende Geschichte entstanden, in deren Mittelpunkt das Ehepaar Julia Popovic/Alfred Svärd mit seinen beiden Kindern steht. Sie ist linksliberale Investigativjournalistin, die einem Skandal bei der schwedischen Regierung auf der Spur ist, aber von ihren Chefs wegen des starken Einflusses rechtskonservativer Kreise zurück gepfiffen wird. Er ist neuer Regierungssprecher eben dieser Regierung und hat neben anderen Dingen die Aufgabe, Skandale unter den Tisch zu kehren. Damit ist für reichlich Konfliktpotenzial gesorgt, zumal es auch privat wegen der Doppelbelastung Beruf/Familie nicht optimal läuft.
Wie die Mitglieder der schwedischen Regierung und ihr Stab von der Praktikantin bis zum Ministerpräsidentin, den im Hintergrund arbeitenden Lobbyisten, die Journalisten, die Familiensituation beschrieben werden, ist einfach nur gut. Erschreckend, wie jeder Einzelne versucht, mit psychischer und selbst physischer Gewalt andere auszustechen und nach oben zu kommen, wobei sie viele Scherben (verharmlosend für Schicksale) zurücklassen. Die dezent eingestreute Situationskomik kommt dem Buch zugute.
Mein Fazit: Sehr zu empfehlen. Ich freue mich schon auf die angekündigte Fortsetzung.

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Veröffentlicht am 27.03.2026

Chancen nicht hinreichend genutzt

Tatort Trelleborg - Gunni Hilding ermittelt
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Eigentlich erfüllt das Buch viele Voraussetzungen für eine gute oder sehr gute Bewertung: Schönes Cover, Bestsellerautor, neue Skandinavien-Krimi-Reihe mit neuem Ermittlerteam, viele Vorschusslorbeeren ...

Eigentlich erfüllt das Buch viele Voraussetzungen für eine gute oder sehr gute Bewertung: Schönes Cover, Bestsellerautor, neue Skandinavien-Krimi-Reihe mit neuem Ermittlerteam, viele Vorschusslorbeeren von skandinavischen Medien.
Die Handlung, in der es um den Mord an zwei Jungen im Abstand von fünf Jahren geht, ist eigentlich interessant. Dass auch Kinder als Zeugen befragt werden und die Beschreibung, wie mit ihren Aussagen umgegangen wird (inwieweit sie verwertbar sind) fand ich ebenfalls gelungen.
Dennoch hat mich das Buch in vielen Belangen entttäuscht. Handlungsort ist ein kleiner südschwedischer Ort, eher eine Ansammlung einiger weniger Häuser als ein Dorf. Die Einwohner werden vom Autor Mattias Edvardsson überwiegend als leicht unterbelichtet charakterisiert und er schreibt ihnen abwechselnd positive und negative Eigenschaften zu, um alle als tatverdächtig erscheinen zu lassen. Hauptperson im Buch ist die Schutzpolizistin Gunni, mit schwieriger Sozialisation, deren Auswirkungen sehr ausführlich und nachvollziehbar beschrieben werden und sich wie ein roter Faden nicht nur durch dieses Buch ziehen, sondern vermutlich auch in den Folgebänden thematisiert werden. Warum sie als Schutzpolizistin mit den Ermittlungen in einem Mordfall beauftragt wird, kann nicht logisch nachvollzogen werden. Sie fühlt sich unsicher in einer Welt, in der sie nicht aufgewachsen ist und ist mit der Aufgabe überfordert. Sie passt auch nicht in das Ermittlerteam, das eigentlich kein Team ist und bei der Tätersuche dilettantisch vorgeht. Hinzu kommt, dass der Autor mit vielen Winkelzügen versucht, Spannung zu erzeugen und nicht zu früh auf den Täter hinzuweisen, was aber verwirrend und chaotisch wirkt.
Das Buch liest sich leicht und flüssig, doch die Charakterisierung der Menschen hat sich teilweise auf die vom Autor (oder von der Übersetzerin?) benutzte Sprache übertragen. Umgangssprache gehört m.E. in die wörtliche Rede, nicht aber in den erzählenden Text. Obwohl mich die Handlung durchaus angesprochen hat und ich auf die Auflösung gespannt war, kann ich dem Buch wegen der genannten Mängel leider nur drei komma fünf Sterne geben.

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