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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.03.2026

Chancen nicht hinreichend genutzt

Tatort Trelleborg - Gunni Hilding ermittelt
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Eigentlich erfüllt das Buch viele Voraussetzungen für eine gute oder sehr gute Bewertung: Schönes Cover, Bestsellerautor, neue Skandinavien-Krimi-Reihe mit neuem Ermittlerteam, viele Vorschusslorbeeren ...

Eigentlich erfüllt das Buch viele Voraussetzungen für eine gute oder sehr gute Bewertung: Schönes Cover, Bestsellerautor, neue Skandinavien-Krimi-Reihe mit neuem Ermittlerteam, viele Vorschusslorbeeren von skandinavischen Medien.
Die Handlung, in der es um den Mord an zwei Jungen im Abstand von fünf Jahren geht, ist eigentlich interessant. Dass auch Kinder als Zeugen befragt werden und die Beschreibung, wie mit ihren Aussagen umgegangen wird (inwieweit sie verwertbar sind) fand ich ebenfalls gelungen.
Dennoch hat mich das Buch in vielen Belangen entttäuscht. Handlungsort ist ein kleiner südschwedischer Ort, eher eine Ansammlung einiger weniger Häuser als ein Dorf. Die Einwohner werden vom Autor Mattias Edvardsson überwiegend als leicht unterbelichtet charakterisiert und er schreibt ihnen abwechselnd positive und negative Eigenschaften zu, um alle als tatverdächtig erscheinen zu lassen. Hauptperson im Buch ist die Schutzpolizistin Gunni, mit schwieriger Sozialisation, deren Auswirkungen sehr ausführlich und nachvollziehbar beschrieben werden und sich wie ein roter Faden nicht nur durch dieses Buch ziehen, sondern vermutlich auch in den Folgebänden thematisiert werden. Warum sie als Schutzpolizistin mit den Ermittlungen in einem Mordfall beauftragt wird, kann nicht logisch nachvollzogen werden. Sie fühlt sich unsicher in einer Welt, in der sie nicht aufgewachsen ist und ist mit der Aufgabe überfordert. Sie passt auch nicht in das Ermittlerteam, das eigentlich kein Team ist und bei der Tätersuche dilettantisch vorgeht. Hinzu kommt, dass der Autor mit vielen Winkelzügen versucht, Spannung zu erzeugen und nicht zu früh auf den Täter hinzuweisen, was aber verwirrend und chaotisch wirkt.
Das Buch liest sich leicht und flüssig, doch die Charakterisierung der Menschen hat sich teilweise auf die vom Autor (oder von der Übersetzerin?) benutzte Sprache übertragen. Umgangssprache gehört m.E. in die wörtliche Rede, nicht aber in den erzählenden Text. Obwohl mich die Handlung durchaus angesprochen hat und ich auf die Auflösung gespannt war, kann ich dem Buch wegen der genannten Mängel leider nur drei komma fünf Sterne geben.

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Veröffentlicht am 17.03.2026

Das Cover und der Titel passen. Gelungener untypischer Krimi.

Giftiger Grund
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Thomas Knüwer ist ein ungewöhnlicher, für das Genre untypischer Roman gelungen. Angekündigt als Krimi, zu dem er erst spät wird. Vorher ist das Buch eher eine interessante Milieustudie und erinnert an ...

Thomas Knüwer ist ein ungewöhnlicher, für das Genre untypischer Roman gelungen. Angekündigt als Krimi, zu dem er erst spät wird. Vorher ist das Buch eher eine interessante Milieustudie und erinnert an ein Jugendbuch, zumal die Protagonisten zwei junge Erwachsene und ein ca. 10jähriges Mädchen sind. Aus deren Perspektiven wird das Buch abschnittsweise erzählt. Joran, sympathischer labiler junger Mann, ist nach einer Straftat aus dem Gefängnis entlassen worden und versucht, ein geregeltes Leben zu beginnen. Charu ist Influencerin, die Zeitraffervideos von Lost Places ins Internet stellt. Wie auch das Mädchen Edda kommen sie aus schwierigen sozialen Verhältnissen. Als die Drei an einer verfallenen ehemaligen Tankstelle aufeinandertreffen, nimmt die Handlung dramatisch an Fahrt auf und die Dinge nehmen ihren Lauf. Ungewöhnlich für einen Krimi finde ich schon, dass die Polizei kaum in Erscheinung tritt. Weder ein Kommissar noch eine Kommissarin kommen vor.
Die Schreibweise ist gut, der Spannungsaufbau gefällt mir. Der Humor kommt nicht zu kurz, auch wenn er teilweise im Halse stecken bleibt. Gerade der Schluss mit dramatischen Wendungen trieft von schwarzem Humor.
Mein Fazit: Sehr zu empfehlen.

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Veröffentlicht am 22.02.2026

Keine leichte Kost, aber atmosphärisch dicht

Alma
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Mit einer schönen bildhaften Sprache, mit langen Sätzen, vielen oft geheimnisvollen Andeutungen und Metaphern beschreibt die Autorin Federica Manzon in „Alma“, wie sich die politischen Verwerfungen und ...

Mit einer schönen bildhaften Sprache, mit langen Sätzen, vielen oft geheimnisvollen Andeutungen und Metaphern beschreibt die Autorin Federica Manzon in „Alma“, wie sich die politischen Verwerfungen und der Zerfall des ehemaligen Jugoslawien im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts auf die Menschen der Region um Triest auswirken. Die großbürgerlichen Eltern von Almas Mutter repräsentieren noch das alte Österreich-Ungarn mit seinen konservativen Wertvorstellungen, während ihr kroatischer Vater, obwohl in Triest wohnend, für den sozialistischen Machthaber Marschall Tito arbeitet. Sie hat schon als Kind Mühe, sich in diesem Umfeld zu orientieren, zumal ihre Mutter chaotisch und ihr Vater meistens abwesend ist. Die Situation verschärft sich, als die Familie den gleichaltrigen Serben Vili aufnimmt, der wie viele Menschen nach Triest flieht.
Eindrucksvoll beschreibt Manzon die Entwurzelung besonders der beiden jungen Menschen während ihrer Pubertät und der Zeit, in der sie sich als junge Erwachsene behaupten müssen. Neben dem Privatleben Almas, die ein schwieriges Verhältnis mit Vili eingeht, nehmen die brutalen Auseinandersetzungen zwischen Serben, Kroaten und Bosniern einen breiten Raum in diesem Buch ein. Alma versucht als Journalistin, Erklärungen für den Hass zwischen den jugoslawischen Volksgruppen zu finden und das Verhalten ihres Vaters und Vilis zu verstehen.
Ein atmosphärisch dichter Roman mit einem versöhnlichen Ende.

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Veröffentlicht am 25.01.2026

Spannende Satire

Die Reise ans Ende der Geschichte
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Kristof Magnusson ist mit „Die Reise ans Ende der Geschichte“ ein ausgezeichneter Roman gelungen, nach meiner Einschätzung eher eine Satire bzw. Parodie zum Genre „Spionagethriller“ als ein Abenteuerroman ...

Kristof Magnusson ist mit „Die Reise ans Ende der Geschichte“ ein ausgezeichneter Roman gelungen, nach meiner Einschätzung eher eine Satire bzw. Parodie zum Genre „Spionagethriller“ als ein Abenteuerroman wie im Klappentext angekündigt. Ein raffinierter Prolog zeigt die Gefahren auf, in der Spione leben. Der Leser weiß aber lange Zeit nicht, in welche Richtung die Handlung läuft und was die Protagonisten miteinander erleben. Da ist zunächst einmal Dieter Germeshausen, ein eher einfach gestrickter kulturell desinteressierter Mann, der aus gekränkter Eitelkeit zum Doppelspion wird und der befürchten muss, dass er auffliegen wird, nachdem der Kalte Krieg beendet wurde. Dann der sympathische junge Dichter Jakob Dreiser, früh erfolgreich, sehr kommunikativ, aber von seinem Leben gelangweilt. Die von einem Botschafter der USA in Rom zurück gelassene Dominique Fishbowl, Alkoholikerin, aber mit dem richtigen Durchblick sowie die von allen unterschätzte Francesca Aquatone, die russischen Botschaftsangehörigen in Rom die italienische Sprache und wohl noch andere Dinge vermittelt. Auf diese Ausgangslage muss man erst einmal kommen, zumal es noch weitere interessante Charaktere gibt. Das Buch ist durchzogen von Seitenhieben auf die deutsche, italienische und sowjetische Gesellschaft und das Lesen bereitet höchstes Vergnügen. Gefallen hat mir auch, dass es anders als in typischen Spionagethrillern kaum Gewalt und keine Toten gibt und dass die typische schwarz-weiß-malerische Unterscheidung von Gut und Böse fehlt. Auch wenn die Handlung nicht durchweg ernst zu nehmen ist, fand ich den Roman spannend und kann ihn nur sehr empfehlen.

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Veröffentlicht am 19.01.2026

Tiefsinnige Erzählungen

Der Fluss der Zeit
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Fünf bisher unveröffentlichte Erzählungen aus dem Nachlass des bekannten Autors Pascal Mercier († 2023). Alle tiefsinnig, teils tragikomisch, nachdenklich, teils beklemmend, teils zum Schmunzeln, auch ...

Fünf bisher unveröffentlichte Erzählungen aus dem Nachlass des bekannten Autors Pascal Mercier († 2023). Alle tiefsinnig, teils tragikomisch, nachdenklich, teils beklemmend, teils zum Schmunzeln, auch abstrus. Es geht um das Erinnern, um Brüche im Leben, um Beziehungen. Die Personen werden vom Autor mit ironischer Distanz sehr gut beobachtet und agieren unerwartet, aber überwiegend nachvollziehbar. Ein sprachliches Highlight, die Pointen sitzen.
Einzige Kritik: Warum muss ein so kurzes Buch so teuer sein? Andererseits ist jede Seite ihr Geld wert auch in Relation zu anderen Dingen des Lebens wie Essen gehen und Verreisen.

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