Chancen nicht hinreichend genutzt
Tatort Trelleborg - Gunni Hilding ermitteltEigentlich erfüllt das Buch viele Voraussetzungen für eine gute oder sehr gute Bewertung: Schönes Cover, Bestsellerautor, neue Skandinavien-Krimi-Reihe mit neuem Ermittlerteam, viele Vorschusslorbeeren ...
Eigentlich erfüllt das Buch viele Voraussetzungen für eine gute oder sehr gute Bewertung: Schönes Cover, Bestsellerautor, neue Skandinavien-Krimi-Reihe mit neuem Ermittlerteam, viele Vorschusslorbeeren von skandinavischen Medien.
Die Handlung, in der es um den Mord an zwei Jungen im Abstand von fünf Jahren geht, ist eigentlich interessant. Dass auch Kinder als Zeugen befragt werden und die Beschreibung, wie mit ihren Aussagen umgegangen wird (inwieweit sie verwertbar sind) fand ich ebenfalls gelungen.
Dennoch hat mich das Buch in vielen Belangen entttäuscht. Handlungsort ist ein kleiner südschwedischer Ort, eher eine Ansammlung einiger weniger Häuser als ein Dorf. Die Einwohner werden vom Autor Mattias Edvardsson überwiegend als leicht unterbelichtet charakterisiert und er schreibt ihnen abwechselnd positive und negative Eigenschaften zu, um alle als tatverdächtig erscheinen zu lassen. Hauptperson im Buch ist die Schutzpolizistin Gunni, mit schwieriger Sozialisation, deren Auswirkungen sehr ausführlich und nachvollziehbar beschrieben werden und sich wie ein roter Faden nicht nur durch dieses Buch ziehen, sondern vermutlich auch in den Folgebänden thematisiert werden. Warum sie als Schutzpolizistin mit den Ermittlungen in einem Mordfall beauftragt wird, kann nicht logisch nachvollzogen werden. Sie fühlt sich unsicher in einer Welt, in der sie nicht aufgewachsen ist und ist mit der Aufgabe überfordert. Sie passt auch nicht in das Ermittlerteam, das eigentlich kein Team ist und bei der Tätersuche dilettantisch vorgeht. Hinzu kommt, dass der Autor mit vielen Winkelzügen versucht, Spannung zu erzeugen und nicht zu früh auf den Täter hinzuweisen, was aber verwirrend und chaotisch wirkt.
Das Buch liest sich leicht und flüssig, doch die Charakterisierung der Menschen hat sich teilweise auf die vom Autor (oder von der Übersetzerin?) benutzte Sprache übertragen. Umgangssprache gehört m.E. in die wörtliche Rede, nicht aber in den erzählenden Text. Obwohl mich die Handlung durchaus angesprochen hat und ich auf die Auflösung gespannt war, kann ich dem Buch wegen der genannten Mängel leider nur drei komma fünf Sterne geben.