Profilbild von Archer

Archer

Lesejury Star
offline

Archer ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Archer über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.09.2016

Daumen hoch für Sherwood Holmes

Der Blog des geheimnisvollen Sherwood Holmes
0

Sherlock Holmes kennt jeder. Mit Verstand, Lupe, Tatkraft und Mut löst er die schwierigsten Fälle. Für die Opfer von Verbrechen im viktorianischen Zeitalter war er manchmal die letzte Hoffnung. Doch wen ...

Sherlock Holmes kennt jeder. Mit Verstand, Lupe, Tatkraft und Mut löst er die schwierigsten Fälle. Für die Opfer von Verbrechen im viktorianischen Zeitalter war er manchmal die letzte Hoffnung. Doch wen haben wir? Wer schützt uns heutzutage, im Zeitalter von Internet und Social Media? Keine Panik, Sherlock Holmes hat einen Erben. Sein Name ist Sherwood Holmes, und seine Abenteuer veröffentlicht er auf seinem Blog. Tatkräftig unterstützt von seinem Verstand, seiner Lupe, seiner Haushälterin Mrs Hudson und seinem Hamster Dr. Watson gibt es keinen Fall und keinen Verbrecher - nicht mal Möhren-Arty - den er nicht knacken kann. Und bei diesem Abenteuer hat er es nicht nur mit einem, sondern gleich zwei knallharten Fällen zu tun, doch Sherwood Holmes wäre nicht Sherwood Holmes, wenn er nicht sowohl die Diamanten des Millionärs wiederbeschaffen könnte, sondern auch dem Seifenkönig zu helfen wüsste.

Eine coole, kleine Geschichte, die gekonnt einen Kinderkrimi mit ein bisschen viktorianischer "Holmes-Sprache" und Social Media in Form eines Blogs verbindet. Wer die Kurzgeschichten von Conan Doyle kennt, wird sich über die Anspielung einer der Storys dort freuen, wer nicht, wird selbst kniffeln müssen. Die Zeichnungen sind gelungen und es macht Spaß, die Kommentare zu lesen, welche Sherwoods Follower von sich geben. Kurz und knapp: Daumen hoch für Sherwood Holmes!

Veröffentlicht am 15.09.2016

Wer bist du, wenn du nichts über dich weißt?

Wenn du vergisst
0

Ein Mädchen erwacht in einer ihr unbekannten Umgebung. Doch nicht nur die Gegend ist ihr unbekannt, auch sie selbst ist es. Sie kann sich an nichts erinnern, ihr Gedächtnisverlust ist total. Sie hat keinen ...

Ein Mädchen erwacht in einer ihr unbekannten Umgebung. Doch nicht nur die Gegend ist ihr unbekannt, auch sie selbst ist es. Sie kann sich an nichts erinnern, ihr Gedächtnisverlust ist total. Sie hat keinen Namen, keine Vergangenheit, keine Erinnerung. Und dann ist da ein junger Mann, der sich als Elias vorstellt, der sie findet und ins Krankenhaus bringt. Wieso möchte sie sich so gern an ihn klammern? Und was ist mit Niklas, dem jungen Pfleger, der sich so aufopferungsvoll um sie kümmert? Jeder um sie herum scheint mehr über sie zu wissen als sie selbst, und das ändert sich auch nicht, als ihre Eltern gefunden werden. Diese sind ihr ebenso fremd und auch in ihrem Zuhause scheint nichts ihre Erinnerungen anzuregen. Immerhin hat sie jetzt einen Namen: Zoe. Zoe kämpft verzweifelt und mit wachsender Panik um das, was in ihrem Gehirn verschüttet sein muss, und ihre Befürchtung, das etwas Schreckliches passiert sein muss, wird von Tag zu Tag stärker.

Die Geschichte eines mysteriösen Ereignisses, das durch einen Gedächtnisverlust noch mysteriöser wird, ist nicht neu. Und doch zieht sie in diesem Fall sofort herein, denn Heidrun Wagner hat einen wirklich fesselnden Schreibstil, frisch, unverbraucht und mit viel Empathie für ein junges Mädchen ohne Erinnerungen. (Mir hat sie zwischendurch zu viel geheult, aber man hat mir mitgeteilt, dass das verständlich ist in dieser Situation und in dem Alter, also ok.) Ergänzt wird die ohnehin coole Geschichte durch genauso coole Zeichnungen der Illustratorin Miri d'Oro, die einen genialen Spagat zwischen jugendlichem Zeichenstil und klasse Ergänzung zum Text schafft. So wird aus dem Buch fast schon eine Graphic Novel, ohne dass sich der Text irgendwie zu kurz fassen muss, wie es manchmal in GNs der Fall ist. Auf jeden Fall eine tolle, innovative Idee, und da das Ende des Buches mit einem wenn auch fast schon erwarteten Cliffhanger geendet hat, ein Buch, dessen Fortsetzungen ungeduldig erwartet werden.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Der erste Fall für Hugh de Singleton

Verräterische Gebeine
0

Herbst 1363. Hugh de Singleton ist ein junger Chirurg, der das Vertrauen von Lord Gilbert, Herr über Bampton Castle, erringen konnte. Als in der Senkgrube des Schlosses Leichenteile gefunden werden, beauftragt ...

Herbst 1363. Hugh de Singleton ist ein junger Chirurg, der das Vertrauen von Lord Gilbert, Herr über Bampton Castle, erringen konnte. Als in der Senkgrube des Schlosses Leichenteile gefunden werden, beauftragt Lord Gilbert ihn mit der Aufklärung der Todesursache. Nach Untersuchung der Knochen ist Hugh schnell klar, dass es sich um Mord handeln muss und er macht sich auf die Suche nach Mörder und Motiv. Es scheint einfach genug. Ein Mädchen, auf das die Beschreibung passen würde, ist verschwunden, und ein junger Mann, der von diesem Mädchen betrogen wurde, hätte Möglichkeit und Tatkraft besessen. Doch nichts ist so, wie es auf den ersten Blick scheint - und Hugh ist unerfahren genug, um Fehler zu machen.

Historische Krimis sind cool. Wenn man gleichzeitig in vergangene Zeiten eintauchen kann und dabei Geschichtsunterricht bekommt, ist das genau meins. Und auch hier waren die Voraussetzungen gegeben. Die historische Seite selbst war echt tadellos, man bekam viel über das Leben in der Mitte des 14. Jahrhunderts mit, über die Beziehung der von den Lords abhängigen Bauern und Bürgerlichen, über die Lebensweise und auch über die Arbeit der Ärzte in dieser Zeit. Bei dem Krimianteil jedoch gab es Stolperstellen. Nicht nur, dass Hugh ein paar entscheidende Dinge übersehen hat, die dem Leser ziemlich sofort ins Auge stechen, haben sich einige Dinge nur durch Zufall (oder Gottes Wohlwollen) gelöst, was in einem Krimi ein No-Go ist. Dann wurde zwischendurch Hughs Liebesleben mal kurz angeschnitten und sofort wieder abgewürgt, als hätte der Autor dann doch keine Lust mehr auf dieses Thema gehabt. Die Schreibweise des Buches ist jedoch angenehm und ich habe mich bis auf die erwähnten Kritikpunkte gut unterhalten gefühlt, so dass ich Hugh wahrscheinlich auch ein weiteres Mal begleiten werde.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Tannöd 2.0

Blutwinter
0

1920, der Abend des 5. Dezembers. Jemand stapft durch den tiefen Schnee Richtung Wolfsham, einem kleinen Kaff in Oberbayern. Auch wenn es der Vorabend von Nikolaus ist, hat dieser Mann keine Geschenke ...

1920, der Abend des 5. Dezembers. Jemand stapft durch den tiefen Schnee Richtung Wolfsham, einem kleinen Kaff in Oberbayern. Auch wenn es der Vorabend von Nikolaus ist, hat dieser Mann keine Geschenke dabei, im Gegenteil, er bringt Blut, Mord, Grausamkeit und Verderben.
85 Jahre später. Zwei Journalisten befragen die hochbetagte Maria in ihrem Pflegeheim. Sie wollen die ganze Wahrheit über diesen Fall wissen, und zu diesem Zweck lesen sie ihr zuerst die Zeugenaussagen überlebender Dörfler vor - unter anderem auch die der damals zehnjährigen Maria. Die Journalisten erhoffen sich einen Artikel, doch was Maria ihnen dann erzählt, übertrifft alle Erwartungen und löst nicht nur einen Fall aus längst vergangenen Zeiten, sondern gleich zwei.

Tiefer Winter, abgelegene Ortschaft, grausame Morde, Journalistenbefragung, Zeugenaussagen der Nachbarn im Dorf - kommt jemand bekannt vor? Rischtiiiiiisch. Klingt nicht nur vage nach Tannöd 2.0. Hat sogar recht viel Ähnlichkeit mit der Geschichte von A. M. Schenkel. Extrem auffällig zieht sich das bis ungefähr zur Hälfte des Buches, denn auch die Zeugenaussagen sind ähnlich aufgebaut. Erst als Maria dann selbst anfängt zu erzählen und die Journalisten selbst nach Wolfsham aufbrechen, bekommt die Geschichte einen eigenständigen Drall. Wer sich also solche Ähnlichkeiten erlaubt, muss sich gefallen lassen, dass er mit dem Original verglichen wird. Und hier wird auffällig, dass Schenkels Schreibweise origineller ist, ganz besonder bei den Zeugenaussagen, wo wirklich jeder seine eigene, erkennbare Stimme bekommt, wohingegen man bei Flexeder nur wenig Unterschiede im Stil der einzelnen Personen erkennen kann, und dass es bei Tannöd von Anfang an in die Geschichte hineinzieht, wohingegen der Blutwinter eher schwerfällig beginnt und auch schwerfällig endet. Auch dass gerade zum Schluss, wo man dann endlich richtig Interesse hat, noch seitenweise über die privaten Probleme eines der Journalisten lesen muss, die nichts mit dem Buch zu tun haben und auch wirklich irrelevant sind, ist kein cleverer Schachzug des Autors. So ist ein Buch herausgekommen, das zwar gar nicht schlecht ist, aber gut und gern bei der doch rechten guten Idee etwas mehr Originalität hätte vertragen können.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Wolfsgeheul und Adlerschrei

Animox 1. Das Heulen der Wölfe
0

Simon ist zwölf und ein totaler Außenseiter. Nicht nur, dass seine Mutter nie zuhause ist und er bei seinem Onkel Darryl aufwächst, wird er in der Schule von älteren Mitschülern gemobbt - weil er Tiere ...

Simon ist zwölf und ein totaler Außenseiter. Nicht nur, dass seine Mutter nie zuhause ist und er bei seinem Onkel Darryl aufwächst, wird er in der Schule von älteren Mitschülern gemobbt - weil er Tiere verstehen kann und sich mit ihnen unterhält, ganz besonders mit Tauben. Als wäre das nicht schon schwer genug für einen Jungen seines Alters, werden Darryl und er bei dem nächsten Besuch seiner Mutter überfallen. Von Ratten. Millionen von Ratten, die scheinbar nichts anderes im Sinn haben, als ihn und seine Mutter in ihre Gewalt zu bringen. Seine Mutter wird entführt und Simon erfährt ein paar Dinge. Dass die Mitglieder seiner Familie ihre Gestalt wandeln können zum Beispiel. Dass man erwarten kann, dass es ihm auch so geht. Und dass er mitten in einen Krieg der Gestaltwandler geraten ist und möglicherweise als Erbe des Bestienkönigs eine Gefahr für alle darstellt. Und ach, so: einen Bruder hat er auch noch. Einen Zwillingsbruder, der es gar nicht komisch findet, plötzlich ihn auf dem Hals zu haben ...

Ein großartiger Auftakt einer wohl fünfbändigen Serie. Hier bleibt kaum was zu wünschen übrig. Abenteuer, Familie, Gefahren, Freundschaft. Ganz besonders die Freundschaft unter unterschiedlichen Typen von Gestaltwandlern und Mobbing sind immer wiederkehrende Themen des Buches, ohne irgendwie mit erhobenem Zeigefinger daherzukommen. Manchmal handeln die Protagonisten vielleicht ein bisschen ihrem Alter voraus, aber nicht übertrieben, so dass man gerade auch bei Simon über manch zu sehr vernünftige Gedanken drüber hinwegsehen konnte. Ich kann nur sagen, dass ich mich großartig unterhalten gefühlt habe und mich wirklich auf die nächsten Bücher dieser Reihe freue. Keine reinen Kinderbücher hat diese Serie, vorausgesetzt sie bleibt so fesselnd, das Potenzial für eine neue Sucht.