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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.12.2023

Lagerhaus, Leichnam, alles dabei

Der Donnerstagsmordclub oder Ein Teufel stirbt immer zuletzt (Die Mordclub-Serie 4)
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Wenn man fast achtzig Jahre alt ist und in einer Luxusseniorenresidenz lebt, freut man sich auf Weihnachten mit seinen Freunden, so auch Elizabeth, Joyce, Ibrahim und Ron. Es erschüttert die vier daher ...

Wenn man fast achtzig Jahre alt ist und in einer Luxusseniorenresidenz lebt, freut man sich auf Weihnachten mit seinen Freunden, so auch Elizabeth, Joyce, Ibrahim und Ron. Es erschüttert die vier daher sehr, als sie wenige Tage später erfahren müssen, dass ein Freund von ihnen, Kuldesh Shamar, erschossen wurde. Und natürlich ist auch klar, dass der Donnerstagsmordclub das nicht auf sich beruhen lässt. Sie steigen gleich voll in die Ermittlungen ein und schon bald haben sie es mit Drogendealern jeglicher Couleur, Antiquitätenjägern, Sonderkommissionen der Polizei und dem einen oder anderen Betrüger zu tun. Doch unsere vier alten und altgedienten Privatermittler wären nicht sie selbst, würden sie nicht herausfinden, was dahinter steckt.

Man sollte meinen, dass bei unseren Senioren eine gewisse Mordmüdigkeit auftritt, aber weit gefehlt. Sie sind aktiver denn je, denn es geht dieses Mal wieder um etwas Persönliches. Und sehr persönlich wird es auch für Elizabeth und Stephen, dessen Demenz immer weiter voranschreitet. Natürlich dürfen skurrile Kriminelle wieder nicht fehlen. Natürlich sind diese weitab jeglicher Realität, aber die kann man sich gern in diversen Thrillern holen. Hier wird mit Witz, Schalk und Augenzwinkern das Beste aus der Verbrecherwelt herausgeholt, was herauszuholen ist. Und so schwankt man beim Lesen zwischen all den liebgewonnenen Charakteren manchmal innerhalb weniger Seiten zwischen Lachen und Weinen und zumindest ich wünsche mir noch viele weitere Abenteuer des Donnerstagsmordclubs.

Veröffentlicht am 20.12.2023

Sangua

Sangua-Clan 1. Blood Rebel
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Cara ist Anfang 20, hat bereits zum vierten Mal das Studium geschmissen und hat keinen Plan im Leben. Stattdessen geht sie lieber mit ihrer besten Freundin feiern. Eines Abends werden sie zu einer illegalen ...

Cara ist Anfang 20, hat bereits zum vierten Mal das Studium geschmissen und hat keinen Plan im Leben. Stattdessen geht sie lieber mit ihrer besten Freundin feiern. Eines Abends werden sie zu einer illegalen Party in den Katakomben Neapels eingeladen. Dort trifft sie auf Kisa, die sie sofort fasziniert. Beide tanzen, Kisa beißt sie - und Cara wacht drei Tage später als Vampirin auf. Eine Organisation verspricht ihr Rache und Heilung, wenn sie sich in den Vampirclan einschmuggelt und ihnen hilft, diesen zu zerschlagen und Cara stimmt zu. Leider ist ihre Libido der Meinung, dass Rache oder auch nur Gerechtigkeit völlig überbewertet wird ...

Ja, ich habe Action, Blut, rasante Handlung, coole Enemies-to-Lovers-Vibes erwartet und bekam ... etwas lauwarm Aufgewärmtes von Gestern. Beinahe alle Charaktere sind mehr als unsympathisch, Cara ist egoistisch und verantwortungslos und macht eigentlich immer das, was das Dümmste in jeder Situation wäre. Die Handlung zieht sich wie ein Kaugummi, der unter einer Schulbank klebt, ist dazu noch so vorhersehbar, dass selbst Sybill Trelawney wüsste, was demnächst passiert. Beim Endkampf stehen die top ausgebildeten Soldaten herum, würden die ihren Job machen, wäre alles innerhalb von Sekunden erledigt und vergessen. Irgendwer muss der Autorin mal gesagt haben, dass es mega sexy ist, Augen durch Iriden zu ersetzen. Spoiler: ist es nicht. Es stört, besonders, wenn es in so geballter Form auftritt. Auch wenn das Herz gegen einen Rippenkäfig hämmert, klingt das nicht vornehm, sondern einfach nur komisch. Alles in allem habe ich weitaus mehr erwartet, wurde enttäuscht und kann als einzig Positives zu diesem Buch eigentlich nur die Darstellung von Neapel vermerken, die mir wirklich gefallen hat.

Veröffentlicht am 17.12.2023

Hexenschlächter

A Breath of Winter
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In einer kalten Winterwelt geht ein Hexenschlächter um, der keine Gnade mit Hexen kennt. Wo immer er sie aufstöbert, bringt er sie um. Smilla hat durch ihn ihre ganze Familie und ihren Zirkel verloren; ...

In einer kalten Winterwelt geht ein Hexenschlächter um, der keine Gnade mit Hexen kennt. Wo immer er sie aufstöbert, bringt er sie um. Smilla hat durch ihn ihre ganze Familie und ihren Zirkel verloren; eine Prophezeiung führt sie zu der Söldnertruppe der Wilden Jagd, angeführt durch den geheimnisvollen, düsteren, aber natürlich wahnsinnig gut aussehenden Gent. Obwohl sie noch nicht richtig dazugehört, fühlen sowohl Smilla als auch Gent bald Lust aufeinander ineinander aufsteigen und ihren Verstand abschalten. Sie sind dem Schlächter auf den Fersen, doch der scheint ihnen immer einen Schritt voraus zu sein, und dann sind da ja noch die Walküren, die fast genauso gern Menschen abschlachten wie der Schlächter, Berserkr und andere Wesen, die eventuell gefährlich werden können.

Ich hatte richtig Lust auf dieses Buch, schien es doch eine schöne Kombination aus Six of Crows und nordischer Mythologie zu sein. Positiv zu vermerken ist hier, dass Smilla, die Heldin, meistens relativ tough ist und dass vier Mitglieder der Wilden Jagd sympathisch sind. Damit endet das Positive allerdings. Von nordischer Mythologie sind wir so weit entfernt wie der Saturn von der Erde. Eine Winterwelt, ein erwähnter Jarl und Walküren, die wie griechische Harpyien dargestellt werden, reichen nun mal nicht. Und ich habe nichts gegen Romantasy, aber auch da darf es ein bisschen Handlung geben und die Handlung bitte nicht nur als lästiges Anhängsel dienen, um Heldin und Held irgendwie in einen sexuellen Clinch zu bringen. Romantische Vibes habe ich vergeblich gesucht, es war von Anfang an rein körperlich. Die Autorin hat sich auch keine Mühe gegeben, Kämpfe oder Waffen zu recherchieren, Szenen, in denen diese dargestellt wurden, waren inhaltlich eine Katastrophe. Gelegentliche Logikfehler fielen sogar den bis zum Schluss wohlgesonnenen LeserInnen der Leserunde auf. Am schlimmsten war für mich die Darstellung des Helden, die gegen alles spricht, was für mich einen Helden - selbst einen Anti - ausmacht. Da nicht mehr viel Zeit bleibt, dieses Buch zu toppen, wird es wohl der Jahresflop 2023 werden.

Veröffentlicht am 15.12.2023

Vertraue dem Prozess!

Love Will Tear Us Apart
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Hannah, die stellvertretende Chefredakteurin der Stranger Times hat einfach so, Knall auf Fall, gekündigt, um ausgerechnet in ein New-Age-Center zu gehen und sich selbst optimieren zu lassen. Die anderen ...

Hannah, die stellvertretende Chefredakteurin der Stranger Times hat einfach so, Knall auf Fall, gekündigt, um ausgerechnet in ein New-Age-Center zu gehen und sich selbst optimieren zu lassen. Die anderen Mitarbeitenden der Zeitung fühlen sich ein bisschen verloren, zumal Banecroft, der ohne irre Chef der Zeitung, noch mehr durchdreht. Bestimmt ist das verständlich, wenn seine Frau - die übrigens schon eine Zeitlang tot ist - ihm immer wieder Nachrichten per Geist zukommen lässt, macht die Arbeit aber auch nicht leichter. Und dann wird auch noch jemand entführt, der einmal für die Zeitung gearbeitet hat und offensichtlich bei all den skurrilen, ausgedachten Nachrichten auf etwas wirklich Existierendes gestoßen ist ...

Wie üblich geht es drunter und drüber. Jeder macht eigentlich sein eigenes Ding, nur um hinterher festzustellen, dass sie alle dieselbe - wahre! - Story verfolgen, die ihnen eh keiner glauben wird. Und es wird gefährlich, wieder einmal, für ... eigentlich alle. Zum Glück wirft der Autor seine Charaktere nicht nur in gefährliche und absurde Situationen, sondern sieht irgendwie zu, dass sie da auch wieder rauskommen. Na ja. Irgendwie. Oder auch nicht so richtig. Wichtig ist nur: Vertraue dem Prozess. Also gut. Ich vertraue darauf, dass wir auch das nächste Abenteuer irgendwie er- und überleben. Hoffentlich bald.

Veröffentlicht am 15.12.2023

Hrafnheim

Fehu - Das Flüstern der Raben (2)
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Anne hat ihre Welt verlassen, um nach Harfnheim zu gehen, einer Welt voller Götter, Halbgötter, mythischen Kreaturen und natürlich Ragnara, die auf der Jagd nach ihr ist. Doch Anne will unbedingt ihre ...

Anne hat ihre Welt verlassen, um nach Harfnheim zu gehen, einer Welt voller Götter, Halbgötter, mythischen Kreaturen und natürlich Ragnara, die auf der Jagd nach ihr ist. Doch Anne will unbedingt ihre Zwillingsschwester finden und aus Ragnaras Fängen befreien. Überall sind Soldaten auf der Suche nach ihr, doch einer von ihnen, ein Abtrünniger namens Rorik, hilft Anne. Sie werden nicht nur von Ragnaras Leuten gejagt, sondern auch von Kreaturen und sie kommen Ragnaras Absicht auf die Spur: etwas, das so ungeheuerlich ist, dass Odin selbst etwas dagegen hat und Anne zu seiner Schildmaid machen möchte.

Das ist der zweite Teil der Rabenflüstersaga und ich muss zugeben, dass er mir nicht halb so gut gefallen hat wie der erste. Anne ist zwar immer noch sehr selbständig, aber dafür auch völlig beratungsresistent. Sie tappt von einer Falle in die nächste und muss ständig gerettet werden. Außerdem ergibt die Geschichte ab der Hälfte kaum noch Sinn, es ist ein ewiges Hin und Her, das mir nicht mehr viel Spaß gemacht hat. Der Schreibstil ist immer noch sehr gut und ich mag die meisten Nebencharaktere, allerdings verstehe ich so einige Entscheidungen nicht. Ob ich den dritten Teil überhaupt noch lesen möchte, steht momentan in den Sternen.