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Veröffentlicht am 01.01.2023

Lampe löst den Fall

Das Strahlen des Herrn Helios
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Skarabäus Lampe ist der Meisterdetektiv in der Stadt und da ist es kein Wunder, dass der Anwaltsfisch von Oben ihn zu einem scheinbar aussichtslosem Fall hinzuzieht: Der Gorilla Dante wird des Mordes an ...

Skarabäus Lampe ist der Meisterdetektiv in der Stadt und da ist es kein Wunder, dass der Anwaltsfisch von Oben ihn zu einem scheinbar aussichtslosem Fall hinzuzieht: Der Gorilla Dante wird des Mordes an seinem Partner und Zirkusdirektor Herrn Helios angeklagt. Doch wie üblich haben sich die Polizeihunde beim Herumschnüffeln nicht mit Ruhm bekleckert und so muss Lampe, unterstützt durch einen kleinen Straßenkater und sein altes Kindermädchen, einem Huhn, die richtige Fährte aufnehmen. Und das ist auch gut so, denn der Mörder ist noch nicht fertig.

Mir gefällt die Idee wirklich gut: Tiere in menschlicher Art sprechen, handeln und leben zu lassen und dabei ganz nebenbei ein bisschen ordentliche menschliche Gesellschaftskritik unterzubringen. Allerdings hatte ich Schwierigkeiten bei der Umsetzung. So originell manche der von den Tieren verwendeten Dinge waren, so vorhersehbar war der Fall selbst. Und er war - das kann man nicht anders sagen - lahm. So lahm wie das eine Bein von Lampe. Da gab es keine Twist, die großartig in andere Richtungen führen konnten, keine Raffinesse. Und da ich auch den Schreibstil nicht durchgehend mochte, wird dieser Fall von Meister Lampe wohl auch mein letzter bleiben.

Veröffentlicht am 27.12.2022

Ein Mädchen verschwindet

Der Strand: Vermisst
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Lilli Sternberg ist neunzehn, gehörlos und verschwindet eines Tages spurlos vom Strand, wo sie mit ihrer besten Freundin verabredet war. Diese Freundin, Fabienne, erhält etwas später eine seltsam kryptische ...

Lilli Sternberg ist neunzehn, gehörlos und verschwindet eines Tages spurlos vom Strand, wo sie mit ihrer besten Freundin verabredet war. Diese Freundin, Fabienne, erhält etwas später eine seltsam kryptische Nachricht über Whatsapp von Lillis Handy. Tom Engelhardt, der Leiter der Kriminalpolizei in dem kleinen Ort, braucht Hilfe beim Entschlüsseln dieser Nachricht und ihm wird Mascha Krieger zugeteilt. Sie stellen fest, dass hier in Sellnitz jeder etwas zu verbergen hat und kaum jemand die Wahrheit sagt. Und dann gibt es Tote ...

Es hatte eigentlich so gut angefangen und ich mich auf einen spannenden Krimi gefreut. Doch obwohl immer etwas passierte und die Kapitel kurz gehalten sind, ließ die Spannung immer mehr nach. Das liegt zum Teil daran, dass die Polizeiarbeit nicht wirklich gut dargestellt wird. Tom ist aufgrund psychischer Probleme eigentlich nicht fähig, eine Ermittlung zu leiten und er wird durch seine Ausbrüche im Laufe des Buches immer unsympathischer. Mascha macht ebenfalls teilweise ihr eigenes Ding. Und die Ermittlungen werden nicht konsequent geführt und haben eher den Hauch von Inkompetenz (außer bei einem Nebenstrang, wo ein sympathischer Polizist eine andere vermisste Person sucht). Am meisten ärgert mich zum Schluss, dass in diesem Buch keine abgeschlossene Handlung erfolgt. Es hört quasi mittendrin auf und nichts wird geklärt. Bei einer Krimireihe mit demselben Personal erwarte ich schon, dass es einen Abschluss gibt, mit dem man Antworten erhält. Ist schließlich keine Fantasy-Heldenreise. Mich würde interessieren, wie alles zusammenhängt, aber ob ich dafür wirklich die anderen beiden Bücher lese, weiß ich jetzt noch nicht.

Veröffentlicht am 25.12.2022

Make Over

Because It's True − Tausend Momente
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Rosemary ist Lehrerin an einer kleinen Schule in einem kleinen Nest irgendwo in den USA, wo es ständig heiß ist. Sie unterrichtet Literatur und hat drei Lieblingsschülerinnen, die sich ständig anbiedern. ...

Rosemary ist Lehrerin an einer kleinen Schule in einem kleinen Nest irgendwo in den USA, wo es ständig heiß ist. Sie unterrichtet Literatur und hat drei Lieblingsschülerinnen, die sich ständig anbiedern. Ansonsten hat sie nur einen Kater und das Bedürfnis, abends zu lesen und ihre Ruhe zu haben. Jedenfalls bis zu den Ferien, als ihre drei Lieblingsschülerinnen auf die Idee kommen, ihre Lehrerin bräuchte unbedingt einen Mann in ihrem Leben (keine Ahnung, vielleicht war sie in letzter Zeit zu unentspannt und hat genervt?). Dafür muss sie ein Make Over erhalten, wofür die Mädchen einfach mal nach Feierabend bei der Lehrerin einfallen und anfangen, sie zu schminken und ihre Haare zu machen. Natürlich klappt's danach auch mit dem Nachbarn ... dem Bibliothekar, dessen bemerkenswerteste Fähigkeit ist, dass man ihn nach dem Lesen sofort wieder vergisst.

Drei Dinge sind wahr über dieses Buch: Es ist plump geschrieben, es gibt völlig übergriffige Kinder und eine seltsame erwachsene Frau, deren coolstes Attribut ist, dass sie ihren Kater Poe nennt. Gab's da noch was? Ach ja. Sheldon. Sheldon, der so dermaßen blass ist, wie sein Name schon vermuten lässt. Eine billige Geschichte, die nicht heimelig ist, sondern mir eine Gänsehaut bereitet hat. Nicht wegen der Geister, sondern des plumpen, subsmarten Mindsets. Eine Frau ist nur beachtenswert, wenn sie sich herrichtet. Es ist "niedlich", wenn sich anbiedernde Kinder einfach jemandem auf die Pelle rücken. Eine Frau braucht einen Mann. Dass alle hier ständig extrem übertrieben reagieren mit tief Luft holen, Hände in die Luft werfen (hoffentlich kamen sie wieder runter) oder sonstigem schlechten Stil ist beinahe schon obligatorisch und ändert auch nichts mehr. Fazit: Braucht kein Mensch. Nicht mal zur Weihnachtszeit.

Veröffentlicht am 20.12.2022

Die Geister, die ich rief

Das verborgene Zimmer von Thornhill Hall
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Ende des 19. Jahrhunderts. Der adlige sechzehnjährige Colin hat seine Mutter seit 10 Jahren nicht mehr gesehen, weil sie ihn und seinen Vater verlassen hat, um zum Theater zu gehen. Jetzt hat sie ihn nach ...

Ende des 19. Jahrhunderts. Der adlige sechzehnjährige Colin hat seine Mutter seit 10 Jahren nicht mehr gesehen, weil sie ihn und seinen Vater verlassen hat, um zum Theater zu gehen. Jetzt hat sie ihn nach Thornhill Hall eingeladen, zu ihrer neuen Familie. Als er dort ankommt, hat er keine große Lust, ihr zu verzeihen und er versteht sich auch nicht sehr gut mit den anderen Gästen des Herrenhauses. Dann wird er von einem Unbekannten die Treppe hinuntergestürzt und stirbt - nur um als Geist wieder zu erwachen. Die anderen Geister von Thornhill Hall erklären ihm, dass er drei Tage Zeit hat, um das verborgene Zimmer zu finden und es zu durchqueren: Dann kann er ins Leben zurückkehren. Doch Colins Zeit läuft ab und die einzige Hilfe, die er erhält, bekommt er ausgerechnet vom gleichaltrigen lebenden Theodor, mit dem er zu Lebzeiten nur Stress hatte ...

Eigentlich mag ich die Bücher von Handel. Er hat ein Händchen für Charaktere, die sich voneinander unterscheiden und die man vor sich sehen kann. Allerdings hat mich hier der Plot - obwohl vom Klappentext angeheizt - nicht wirklich überzeugen können. Zwar tauchen hier viele sympathische und manchmal unsympathische Charaktere auf, aber mir fehlt es hier doch an allen Ecken und Enden an Erklärungen. Wieso braucht es dieses Zimmer? Müsste dann nicht jeder Tote eine Chance haben, ins Leben zurückzukehren? Warum kann Theodore Colin sehen? Warum verliert er nicht das Gedächtnis? Wieso kann sich jemand als normaler Geist tarnen, der eigentlich ein Ungeheuer aus einer anderen Welt ist? Ein paar lahme "Isso" reichen mir da nicht, um ehrlich zu sein. Auch ging mir die Lovestory ein bisschen zu schnell und problemlos vonstatten. Nett, eine queere Liebesgeschichte zu lesen, aber die dürfte etwas mehr Feuer bekommen und nicht ebenfalls mit "Isso" abgehandelt werden. Von daher: Der Autor kann es eigentlich besser.

Veröffentlicht am 17.12.2022

Welcher Mordclub?

Der Mordclub von Shaftesbury – Eine Tote bleibt selten allein
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Penelope St. James möchte unbedingt Partnerin einer alteingesessenen Londoner Luxus-Partnervermittlung werden und lässt sich deshalb darauf ein, eine Außenstelle in einem ländlichen Nest ohne Internet ...

Penelope St. James möchte unbedingt Partnerin einer alteingesessenen Londoner Luxus-Partnervermittlung werden und lässt sich deshalb darauf ein, eine Außenstelle in einem ländlichen Nest ohne Internet und mit schlechtem Telefonanschluss zu eröffnen. Als erste Amtshandlung fällt sie erstmal dramatisch in Ohnmacht, weil es hier auf dem Land ... Tiere gibt. Und Tierärzte. Doch nach einiger Zeit gewöhnt sie sich sowohl an die smogfreie Luft als auch an die Dorfbewohner. Nur als sie beim Joggen eine sterbende Frau findet, ist das eher unangenehm. Aber Penelope hat so viel zu tun, dass sie den Mord dann eher en passant auf Seite 309 von 310 lösen muss.

Das Buch fiel mir auf, weil es wahnsinnig prominent in Titel und Gestaltung an den "Donnerstagmordclub" anspielt. (Sehr cooles Buch, unbedingt lesen!) Aber ich finde, wenn man sich schon so ... nun ja, fast unverschämt an einem richtig guten Buch bedient, sollte man sowohl die Fähigkeiten haben, inhaltlich und stilistisch mitzuhalten als auch bei einem "british cozy crime" nicht nur das cozy zu verwenden. Und wo bitte war denn der Mordclub überhaupt? Den gibt es bis zum Schluss nicht, was bedeutet: Hier möchte ein Verlag auf einen Zug aufspringen. Mir tut die Autorin direkt leid, denn sie wollte sicherlich nur eine romantische Geschichte, die auf dem Land spielt, schreiben. Mit ein paar Irrungen und Wirrungen, ein bisschen Slapstick, einem altklugen Kind und ein paar niedlichen Hunden. Der "Kriminalfall" wirkte jedoch eher so, als hätte man ihn irgendwie am Ende des Buches mit Müh und Not versucht unterzubringen, damit man nicht wegen Genreirreführung niedergebrüllt wird. Jetzt habe ich die Geschichte aber auch nicht unbedingt gehasst und schnell gelesen war sie auch. Trotzdem keine Meisterleistung vom Verlag, LeserInnen dermaßen am Nasenring vorzuführen. 2,5/5 Punkten.