Profilbild von Bavaria123

Bavaria123

Lesejury Profi
offline

Bavaria123 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Bavaria123 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.03.2026

Vom Meer aus gesehen, sind alle Häuser gleich

Moosland
0

"Island sucht Dienstmädchen für Landhaushalte. Bewerbungen an das Isländische Vizekonsulat in Lübeck. Postfach 455": Mit dieser Anzeige, veröffentlicht am 26. April 1949 in den "Lübecker Nachrichten", ...

"Island sucht Dienstmädchen für Landhaushalte. Bewerbungen an das Isländische Vizekonsulat in Lübeck. Postfach 455": Mit dieser Anzeige, veröffentlicht am 26. April 1949 in den "Lübecker Nachrichten", warb der Inselstaat um weibliche Arbeitskräfte. Der Grund: In der damals rund 130.000 Einwohner zählenden Republik herrschte, vor allem in den ländlichen Gebieten akuter Männerüberschuss.

Und circa 500 deutsche Frauen sind zwischen 1949 und 1951 per Schiff nach Island gereist, um dort mindestens ein Jahr zu arbeiten oder aber ganz dort zu bleiben. Neu anzufangen und raus aus dem zerstörten Deutschland, aus der Armut und der Chancenlosigkeit. Ihr Gehalt als Landarbeiterin liegt dort weit über dem, was zu dieser Zeit in Deutschland üblich ist.

Das alles wusste ich, weil ich bereits zwei Bücher über diese Thematik gelesen habe. Einen Roman und ein Sachbuch. Nun war ich sehr gespannt auf das Buch von Katrin Zipse.

Das Cover gefällt mir sehr gut und es ist passend zum Inhalt. Schön ist es auch, dass kein Extraumschlag genutzt wird, sondern das Bild direkt auf den Bucheinband gedruckt ist.

Schon nach einigen gelesenen Seiten bin ich dann auch mitten im Geschehen, angekommen in Island mit Elsa und Gerda. Elsa kommt zu einer Familie mit zwei Söhnen und einem Knecht. Später erfährt sie von der "fehlenden" Tochter.

Was mir ausgesprochen gut gefallen hat, sind die intensiven Naturbeschreibungen. Ich sehe steile Felsen, die jäh in enge Fjorde abfallen direkt vor mir, spüre starken Wind, heftigen Regen und Schnee.
So gewaltig diese Schilderungen sind, so nüchterner sind die Darstellungen der Personen. Die Bäuerin Inkibjörk ist fast durchgehend nur "die Frau", wörtliche Rede findet nur absolut selten statt, und wenn, dann gerne auch auf isländisch. Damit entsteht eine stille, melancholische Stimmung, aber ich hätte gerne ein bisschen mehr Leben gespürt.
Vielleicht hätte die muntere Gerda sich eher als Hauptcharakter geeignet. Auf ihre Briefe habe ich mich richtig gefreut.

Elsa trägt äußerlich den Mantel von Sola und innerlich viele Erinnerungen an sie. Leider erfahren wir Lesenden nur Andeutungen.
Und auch die Auflösung des Geheimnisses um die fehlende Tochter Steinunn ist mir zu schwach.

"Moosland" ist ein ruhiger Roman, der uns die isländische Sprache, Sitten und Kultur näher bringt, mir allerdings etwas zu zurückhaltend bleibt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.01.2026

Mama, ist alles in Ordnung?

Niemands Töchter
0

Ja, es war das Cover.
Mich kann man mit solch einer Farbgebung und einer Sonnenblume tatsächlich aufmerksam auf ein Buch machen.

Judith Hoersch war mir bisher eher als Schauspielerin und Sängerin bekannt. ...

Ja, es war das Cover.
Mich kann man mit solch einer Farbgebung und einer Sonnenblume tatsächlich aufmerksam auf ein Buch machen.

Judith Hoersch war mir bisher eher als Schauspielerin und Sängerin bekannt. Aber "Niemands Töchter" ist nicht ihr erster Roman.

Die Inhaltsangabe fand ich sehr ansprechend und so habe ich mich auf das Buch gefreut.

Es geht um vier Frauen unterschiedlichen Alters. Marie, Gabriele, Alma und Isabell schreiben dann im Perspektivenwechsel. Dadurch wird das Buch in viele kürzere Kapitel eingeteilt. Zum Glück steht immer der Name der Erzählenden sowie der Monat und das Jahr zu Beginn jedes Passus.

Es werden ziemlich viele Themen angesprochen, unter anderem Mutterschaft, Realisierung der eigenen Wünsche, Kummer, die Suche nach dem Platz im Leben und Beziehungen.
Dabei beschreibt die Autorin die Charaktere als gegenwertig und authentisch.

Den Schreibstil von Judith Hoersch habe ich als ruhig und einfühlsam empfunden, was der emotionalen Geschichte ausgesprochen gut steht. Wobei es im Verlauf dann auch richtig spannend wird.

Ich vergebe für diesen Roman sehr gerne 4 Sterne und werde ihn auch weiterempfehlen. Einen Stern behalte ich ein, weil gerade zu Beginn die Wechsel der Erzählerinnen etwas Unruhe gebracht hatten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.11.2025

Im Gehen kann man am besten Nachdenken

Lebensbande
0

Ich kann gar nicht mehr genau sagen, was mich als erstes an dem Buch interessiert hat. Das Cover? Der Titel? Die Inhaltsbeschreibung? Oder ganz einfach der Name der Autorin?

Ich habe bereits zwei Bücher ...

Ich kann gar nicht mehr genau sagen, was mich als erstes an dem Buch interessiert hat. Das Cover? Der Titel? Die Inhaltsbeschreibung? Oder ganz einfach der Name der Autorin?

Ich habe bereits zwei Bücher von Mechthild Borrmann gelesen und bin von ihnen absolut beeindruckt. Und jetzt könnte ich es mir sehr einfach machen und lediglich kund tun, dass dieses das Dritte ist, welches ich so bewerten würde.

Der aktuelle zeitgeschichtliche Roman, der auf wahren Begebenheiten basiert, stellt uns drei Frauen vor: Magdalene (meist nur Lene genannt), Nora und Lieselotte (Lotte). Ihr Schicksal verwebt sich in der Zeit zwischen Zweiten Weltkrieg und dem Mauerfall.

Erzählt wird die Geschichte der Protagonistinnen in zwei Zeit- und Raumebenen. Zum einen in Kühlungsborn um 1991, zum anderen am Niederrhein und in Ratingen, ab 1931. Ich finde alle drei Frauen auf ihre Art herzgewinnend und ihr Schicksal heftig.

Anfangs war ich ein wenig durcheinander, denn von der Frau, die im Herbst in Kühlungsborn lebt, erfährt man zunächst keinen Namen und ich dachte, es wäre die selbe, über die dann im 2.Kapitel im Rückblick auf den September 1931 geschrieben wird. Aber dieses Missverständnis hat sich schnell aufgelöst und danach konnte ich das Buch kaum aus den Händen legen. Das liegt an dem einfühlsamen und doch spannenden Schreibstil der Autorin. Achtzig Jahre nach Kriegsende schreibt Mechthild Borrmann immer noch von den grauhaften, teilweise kaum vorstellbaren Ereignissen. Und das ist leider richtig so, in der momentanen Zeit, wo Fremdenfeindlichkeit und rechter Populismus wächst, während die innere Haltung wackelt.

Das Buch ist eine packende Geschichtsstunde, die jedoch teilweise Trigger- Warnung benötigt, wobei die Autorin versucht, einige Szenen nur anzudeuten.

Ich empfehle "Lebensbande" mit fünf Sternen und mir wird dieser Roman noch lange im Gedächtnis bleiben.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.09.2025

Wie soll ich bloß von dieser Zeit erzählen?

Spät am Tag
0

Das Cover vermittelt das Gefühl von Feierabend oder gar Urlaub. Ich finde diese Gartenszene stimmungsvoll und auch passend zu dem Titel "Spät am Tag".

Da ich zudem die Inhaltsangabe ansprechend fand, ...

Das Cover vermittelt das Gefühl von Feierabend oder gar Urlaub. Ich finde diese Gartenszene stimmungsvoll und auch passend zu dem Titel "Spät am Tag".

Da ich zudem die Inhaltsangabe ansprechend fand, habe ich mich auf das Lesen sehr gefreut.
Wir lernen die Schriftstellerin Johanne kennen, die vor siebzehn Jahren als Mieterin in ein weißes Haus auf dem Land gezogen ist, später den Vermieter heiratete und nun als Witwe auf das Leben zurück blickt.

Ich hatte erwartet, dass ich das schmale Buch mit seinen 141 Seiten zügig durchlesen würde. Das war aber absolut nicht der Fall. Der Roman besteht aus zwei Teilen, die wiederum in jeweils vier Tagen gegliedert sind. Diese Gliederung, die die Autorin Kristin Vego gewählt hat, erscheint mir nicht unbedingt sinnvoll und die Bedeutung erschließt sich mir nicht.

Die Protagonistin Johanne, aus deren Sicht das Buch geschrieben ist, lernt man gut kennen. Mikael, dessen Exfrau Sofia und deren gemeinsame Tochter Maren bleiben eher oberflächlich und ohne Substanz.
Als krasser Gegensatz dazu steht die regelrecht liebevolle und wunderbar fast poetische Darstellung der Natur. Wenn zum Beispiel die Felder im beginnenden Winter ihren üppigen grünen und gelben Mantel abwerfen, kann man einen Hauch frostiger Luft förmlich spüren und sich die Vergänglichkeit allen Lebens bildlich vorstellen.

Ausgesprochen heftig sind auch die harten Sprünge von der jetzigen Zeit in die Vergangenheit und zurück. Das hat mir beim Lesen missfallen und den Lesefluss und das Verständnis immer wieder gestört.

"Spät am Tag" ist ein kurzer Roman, in den ich nur langsam voran gekommen bin. Und das finde ich sehr schade, denn die Idee und vor allem die atmosphärische Beschreibung der Landschaft versprechen ein größeres Lesevergnügen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.08.2025

Von Himmelblau bis Rabenschwarz

Was du siehst
0

1967 wird Ruth Winkler ungewollt schwanger, ihr Vater quartiert sie in einem Mecklenburger Dorf nahe Westdeutschland bei seinem Bruder ein. Dort wird Juliane, genannt Jule, geboren. Und Ruths neue Freundin ...

1967 wird Ruth Winkler ungewollt schwanger, ihr Vater quartiert sie in einem Mecklenburger Dorf nahe Westdeutschland bei seinem Bruder ein. Dort wird Juliane, genannt Jule, geboren. Und Ruths neue Freundin Hannah Schönberg bekommt kurz darauf Andreas, der meist Andi gerufen wird. Jule und Andi wachsen zusammen auf und verlieben sich ineinander. Doch Jule treibt es in die Welt, während Andi daheim auf seine große Liebe wartet...

Das Cover finde ich sehr gelungen und es passt ausgesprochen gut zu der Geschichte.

Laura Maaß schreibt in einem angenehmen, flüssigen Stil, der einen Sog auf mich ausgeübt hat. Ich musste einfach immer weiter lesen, es war zum Teil richtig spannend und zum Teil besonders berührend. Der Roman, dessen einzelne Kapitel immer mit einer Farbe beginnen, hat eine gewisse Leichtigkeit und ist doch so berührend, dass ich zum Ende hin schon Tränen in den Augen hatte. Es geht dabei nicht nur um Freundschaft und Liebe, sondern auch um Ost und West, Festhalten und Loslassen, Warten und Suchen. Manchmal wird es poetisch, manchmal auch heiter, aber niemals kitschig.

Die Autorin beschreibt eine Zeit zwischen den 1970er Jahren bis in den April 2010. Dabei trifft sie die jeweilige Stimmung hervorragend, wie ein roter Faden begleitet dabei das Spiel "Ich sehe was, was du nicht siehst". So ist ihr ein Debütroman gelungen, den ich gerne mit allen 5 Sternen weiter empfehle.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere