Profilbild von Bella0070

Bella0070

Lesejury Profi
offline

Bella0070 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Bella0070 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.12.2025

Zwischen Science-Fiction und Kriminalroman

Das Ganymed-Fragment
0

Schon der Klappentext und der erste Blick auf das Cover haben mich davon überzeugt, dass dieses Buch genau das versprach, was mein Leserherz begehrt: Ein klassischer Science-Fiction-Roman, der auf fremdend ...

Schon der Klappentext und der erste Blick auf das Cover haben mich davon überzeugt, dass dieses Buch genau das versprach, was mein Leserherz begehrt: Ein klassischer Science-Fiction-Roman, der auf fremdend Welten spielt und die Hoffnung auf eine Begegnung mit außeririschem Leben schürt. Zwar fiel die direkte Konfrontation mit Aliens aus, doch tat dies der Faszination keinen Abbruch. Der Roman hat mich von der ersten Seite an gefesselt.

Die Welt, in die der Leser hier eintaucht, ist eine düstere, erbarmungslose und unwirtliche. Das Leben wird von Großkonzernen beherrscht, die einen undurchsichtigen Vorfall auf dem Mond Ganymed zu vertuschen suchen. In der dortigen Bergbaukolonie der Lunaris Industrial Group kam ein Mitarbeiter unter mysteriösen Umständen ums Leben. Um die Angelegenheit aufzuklären und die drohende Vertuschung zu vereiteln, wird der Ermittler Alan Bishop nach Ganymed entsandt.

Der Hauptcharakter, Alan Bishop, erweist sich als authentisch und bemerkenswert facettenreich. Anfangs erweckt er den Anschein eines zynischen und abgewrackten Ermittlers, von seinem Vorgesetzen als loyal aber charakterlich schwierig beschrieben. Doch im Verlauf der Handlung durchläuft er eine bemerkenswerte Entwicklung und wurde mir immer sympathischer. Er wuchs mir zusehends ans Herz und es fiel mir leicht, mich in ihn hineinzuversetzen.

Die Dialoge sind flüssig und ungekünstelt, was dem Lesefluss ungemein zugutekommt. Die meisterhaft gezeichnete Kulisse ist präzise und bildhaft, so dass die kalte, lebensfeindliche Ödnis Ganymeds unmittelbar vor meinem inneren Auge entsteht - wahrlich kein Ort, an dem ich verweilen wollte. Interessant ist auch, dass neue technologische Innovationen wie KI-gesteuerte Systeme und implantierte Chips in die Handlung mit einfließen, diese skizzieren eine beunruhigende Vision einer nicht allzu fernen Zukunft.

Die fesselnde Handlung ist eine gelungene Kombination aus den beiden Genres Science-Fiction und Krimimalroman. Der Leser wird aktiv in die Ermittlungen einbezogen, kann miträtseln und hoffen, dass Bishop den Täter entlarvt, bevor die drohende Katastrophe ihren Lauf nimmt.

FAZIT: Eine meisterhafte Fusion zweier Genres. Wer sowohl die Welt des Science-Fiction als auch die Spannung eines Kriminalfalls schätzt, wird hier zweifellos auf seine Kosten kommen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.12.2025

Zwischen Hoffnung und Schrecken

Elf ist eine gerade Zahl
0

Katjas 14jährige Tochter Paula ist zum zweiten Mal an Krebs erkrankt. Das Buch schildert sehr einfühlsam und direkt wie Katja mit der Situation um geht. Mit einer fantasievollen Geschichte versucht sie, ...

Katjas 14jährige Tochter Paula ist zum zweiten Mal an Krebs erkrankt. Das Buch schildert sehr einfühlsam und direkt wie Katja mit der Situation um geht. Mit einer fantasievollen Geschichte versucht sie, ihre Tochter durch die schwere Zeit zu bringen.


Das Cover und der Titel sind mir sofort aufgefallen. Zunächst suggeriert beides einen humorvoller Inhalt. Doch beim Lesen habe ich schnell gemerkt, das dies nicht der Fall ist. Das Buch ist keine leichte Kost und gerade als Mutter einer ungefähr gleichaltrigen Tochter, kann ich mich sehr gut in Katja hineinversetzen. Sie schwankt zwischen der Hoffnung, dass alles gut geht, und der harten Realität, dass ihre Tochter vielleicht bald nicht mehr an ihrer Seite sein wird. Schon alleine bei diesem Gedanken läuft es mir kalt den Rücken runter. Ich kann mitfühlen, wie unaushaltbar diese Situation ist. Dazu kommt, dass sie als Alleinerziehende diese Last hauptsächlich alleine tragen muss. Ihr Vater, die beste Freundin und auch Paulas Vater versuchen sie teilweise zu unterstützen, doch manchmal ist diese Hilfe auch sehr widersprüchlich. So bekommt sie den Rat, sich auch um sich selbst zu kümmern, von anderer Seite hört sie aber dann den Vorwurf, egoistisch zu sein. Manche Dialoge machen mich wütend, da auch ich den Eindruck habe, dass Katja teilweise alleine gelassen wird. Die Schilderungen und Situationen fühlen sich sehr authentisch an.

Auch das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter ist gespannt. Paula ist dem Alter entsprechend in der Pubertät und hätte alleine schon damit genug zu tun. Sie zieht sich zurück und doch benötigt sie gerade in dieser Situation die Liebe ihrer Mutter. Katja fühlt sich hilflos. Ihr Gefühlschaos ist sehr sensibel und einfühlsam beschrieben. Mir gefällt es sehr gut, dass die Handlung hauptsächlich aus dem Blickwindel der Mutter erzählt. Um wieder Kontakt zu ihrer Tochter zu finden, fängt Katja an, ihr eine fantasievolle Geschichte über Mut und Stärke zu erzählen.

Allerdings ist mir persönlich die Fantasiegeschichte zu depressiv und bedrohlich. Ich verstehe schon, dass die Erzählung die momentane Situation widerspiegeln soll, doch ich weiß nicht, ob sie wirklich hilfreich ist. Sie nimmt auch einen sehr großen Teil des Buches ein und ist an manchen Stellen zu langatmig geraten. Ich hätte sie mir etwas kürzer gewünscht, etwas weniger aufwühlend und positiver von der Grundstimmung her. Eigentlich besteht das Buch aus zwei Teilen, die Fantasiegeschichte könnte auch für sich alleine stehen.

FAZIT: "11 ist eine gerade Zahl" ist ein sehr realistischer, einfühlsamer und aufwühlender Roman mit ein paar langatmigen Passagen. Lesenswert aber schwere Kost !

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.11.2025

Etwas fürs Herz

Herzenswärme in den Highlands
0

Grace flieht nach einem beruflichen Desaster als Journalistin von London in die Highlands, um sich dort zu verstecken, bis Gras über die Angelegenheit gewachsen ist. Sie lernt den Schreiner Hamish kennen, ...

Grace flieht nach einem beruflichen Desaster als Journalistin von London in die Highlands, um sich dort zu verstecken, bis Gras über die Angelegenheit gewachsen ist. Sie lernt den Schreiner Hamish kennen, der quasi dem Urbild eines Highlanders entspricht - groß, stark, eigenbrötlerisch. Die gegenseitige Anziehungskraft ist offensichtlich, doch beide trauen sich nicht, den ersten Schritt zu wagen. Außerdem hat Grace sich zum Ziel gesetzt, den Mountain Man zu enttarnen. Dieser leitet sehr einfühlsam die Ratgeberkolumne der Zeitung, blieb aber bisher anonym. Ist Hamish eventuell sogar der Mountain Man?

Dieser Roman ist ein richtiger Wohlfühl-Kurzroman. Grace und Hamish sind beide sehr sympathisch, ihre Charaktere bleiben etwas oberflächlich, aber das ist vermutlich auch der Kürze des Romans geschuldet. Es ist einfach sehr wohltuend zu lesen, wie die beiden sich gegenseitig anschmachten. Die Dialoge sind humorvoll und der Schreibstil flüssig zu lesen. Immer wieder wird die Geschichte durch Ausschnitte aus Handydialogen und der Ratgeberkolumne aufgelockert. Es gibt ein Happy End, anders habe ich es auch nicht erwartet.

Etwas spicy wird es dann auch zum Schluss, gerade richtig, nicht zu viel.

Ich habe mich unterhalten gefühlt, auch wenn die Handlung sehr voraussehbar war. Es hätte durchaus mehr Tiefgang haben können, der Spannungsbogen war relativ flach.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.11.2025

Ein fesselnder Thriller, der unter die Haut geht

Eisnebel
0

Theo hat als Adoptivkind schon viele Schicksalsschläge überwinden müssen und ihre Vergangenheit kennt sie nicht. Als sie sich in den wohlhabenden Connor verliebt, scheint sie endlich ihr Glück gefunden ...

Theo hat als Adoptivkind schon viele Schicksalsschläge überwinden müssen und ihre Vergangenheit kennt sie nicht. Als sie sich in den wohlhabenden Connor verliebt, scheint sie endlich ihr Glück gefunden zu haben. Zum Weihnachtsfest begleitet sie ihn als seine Verlobte auf das abgelegene Anwesen seiner Familie. Schnell wird klar: Theo ist bei den Daltons nicht willkommen. Bedrohliche Nachrichten auf ihrem Handy fordern sie auf, sich von Connor fernzuhalten, während Stück für Stück verstörende Erinnerungen an die Oberfläche drängen – Erinnerungen, die untrennbar mit diesem Ort verbunden sind. Was verbirgt sich hinter den Mauern des Anwesens und in Theos eigener Vergangenheit?

Dieser Thriller hat mich von der ersten Seite an restlos in seinen Bann gezogen! Der Schreibstil ist derart fesselnd, dass ich das Buch innerhalb weniger Tage verschlungen habe. Die Spannung ist konstant hoch und hält sich von der ersten bis zur letzten Seite. Immer wieder nimmt die Geschichte unerwartete Wendungen, selbst in den letzten Kapiteln, als ich dachte, die Auflösung gefunden zu haben, überraschte mich die Autorin mit einem weiteren genialen Twist.

Hauptsächlich erleben wir den Thriller aus der Perspektive Theos. Sie ist ein sympathische und starke Frauengestalt. Ihr Charakter ist sehr tiefgründig und authentisch. In ihre Verzweiflung und Verwirrung kann ich mich sehr gut einfühlen. Trotz ihrer traumatischen Kind- und Jugendzeit hat sie sich ihren Platz im Leben erkämpft. Im Laufe des Buches werden die frühen Geschehnisse in Rückblenden aufgedeckt und der Leser kann sich so immer mehr mit ihr identifizieren.

Das auffällige Buchcover fängt die düstere und fesselnde Atmosphäre des Romans perfekt ein. Der eisige Farbschnitt deutet bereits auf die Kälte und die Geheimnisse hin, die den Leser erwarten. Es ist ein Cover, das neugierig macht und den Inhalt auf den Punkt bringt.

Fazit: Dieser Thriller hat mich restlos begeistert und gehört zweifellos zu meinen absoluten Lesehighlights dieses Jahres.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.11.2025

Tierisch gut

Miez Marple und die Tatze der Verdammnis
0

Miez Marple freut sich auf ein paar freie Tage ohne ihre Menschenfrau. Doch statt zuhause an ihrer Lyrik zu schreiben, wird sie in das luxuriöse Tierhotel Bellagio einquartiert. Kaum hat sie sich an den ...

Miez Marple freut sich auf ein paar freie Tage ohne ihre Menschenfrau. Doch statt zuhause an ihrer Lyrik zu schreiben, wird sie in das luxuriöse Tierhotel Bellagio einquartiert. Kaum hat sie sich an den Gedanken eines Wellnessurlaubs in Gesellschaft des Sängerkaters Florian Silberschweif gewöhnt, geschieht ein Mord. Miez Marple nimmt die Ermittlung auf. Welcher der prominenten Hotelgäste hat hier seine Krallen im Spiel? Oder war doch der Fuchs der Täter?

Die schwarze Katze auf grünem Cover hat gleich mein Interesse geweckt, schließlich wohne ich selbst im Haus eines solch eleganten und gelbäugigen Wesen und darf es bedienen.

An den Schreibstil mit den vielen Wortspielen habe ich mich zunächst gewöhnen müssen. Umso mehr ich gelesen habe, umso faszinierter war ich von den Ideen und der Kreativität des Autors. Der Buch ist voller Witz und Anspielungen zur Menschenwelt, die hier in die Welt der Tiere übertragen wird. Wir befinden uns sozusagen in der Parallelwert der Tiere, die wir Menschen gar nicht erfassen können, dazu sind wir zu einfach gestrickt. Einer der Charaktere ist beispielsweise ein Stockente, die am Finanzmarkt tätig ist, den Dachs beobachtet und mit Bitcorn handelt. Oft habe ich laut lachen müssen. Dieses Buch zu lesen ist ein wahres Vergnügen!

Die Charaktere der einzelnen Tiere sind sehr unterschiedlich. Typisch tierischen Verhaltensweisen sind eingeflochten, so dass ich mir die Situation gut vorstellen kann und das Gefühl habe, die Tiere vor meinem inneren Auge zu sehen. Anfangs erscheinen die Charaktere eher oberflächlich, doch im Laufe des Buches und mit dem Aufdecken einiger Intrigen und Hintergründe lerne ich die Tiere besser kennen.

Die Spannung wird durchweg gehalten. Zum Schluss nimmt die Geschichte nochmals richtig Fahrt auf, spätestens da habe ich das Buch gar nicht mehr aus den Händen legen können/wollte und eine Nachtschicht eingelegen müssen. Bei der Mörderjagt habe ich miträtseln können, was mir auch immer besonders gut gefällt. Am Ende gab es dann doch nochmal eine Überraschung, die hier natürlich nicht verraten wird.

Ein bisschen Sorge hat mir das Buch aber auch bereitet, denn viel Respekt zeigen Miez Marple und die anderen Tiere gegenüber den Menschen nicht, diese werden eher als einfältig und leicht zu manipulieren dargestellt. Hoffentlich hat meine Katze Stella ein besseres Bild von mir.

FAZIT: Ein tierisch guten Cozy-Crime à la Agatha Christie, spannende und humorvoll. Absolute Leseempfehlung von mir!!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere