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Veröffentlicht am 01.05.2025

Intensiver Thriller

Die Lektorin - Ich schreibe dein Ende!
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“Die Lektorin” von T.J. Hammann 

Herausgeber: beTHRILLED

Diese Geschichte zieht einen sofort in ihren Bann – schon der Klappentext macht klar: Weglegen ist keine Option.
Der Schreibstil ist klar, einfach ...

“Die Lektorin” von T.J. Hammann 

Herausgeber: beTHRILLED

Diese Geschichte zieht einen sofort in ihren Bann – schon der Klappentext macht klar: Weglegen ist keine Option.
Der Schreibstil ist klar, einfach und strukturiert, sodass man sehr gut und flüssig durch die Seiten kommt. 
Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, man rätselt von Anfang an mit: Wer steckt hinter den beängstigenden Manuskripten, die Lilli, eine Lektorin, erhält?
Wer verschafft sich Zugang zu ihrem Haus? 
Die offensichtlichen Verdächtigen scheiden nach und nach aus, was die Spannung zusätzlich erhöht.
Teilweise fand ich Lillis Gedanken und Handlungen allerdings etwas sprunghaft. Der Bezug zu ihrer Arbeit als Lektorin wurde nicht gut hervorgehoben. Hier hätte ich mir eine detailliertere Ausarbeitung gewünscht. Lilli darf die Polizei laut Angaben im zweiten Manuskript, nicht mehr einbeziehen – die Drohungen gegen ihre Kinder und ihren Ex-Mann werden immer konkreter. Ihre Angst um deren Leben lässt sie nur noch nach den Anweisungen handeln.

Lilli versucht zwar, dem Unbekannten auf die Schliche zu kommen, doch das Motiv bleibt lange unklar: Geht es um das neue Drehbuch ihres Ex-Mannes? Um Ruhm? Rache? Oder etwas ganz anderes?

Die Bedrohung spitzt sich zu, als ihr Ex-Mann auf einer Benefizveranstaltung vergiftet wird. Lilli bleibt nichts anderes übrig, als den Forderungen aus den Manuskripten Folge zu leisten – und trotzdem kann sie nicht alle schützen. Es fühlt sich an, als wolle ihr jemand eine Falle stellen und sie für alles verantwortlich machen.
Der Thriller ist sehr gut aufgebaut, mit gelungenen Spannungsbögen und überraschenden Wendungen.

Der Schreibstil bleibt durchgehend angenehm und flüssig. Leider konnte mich das Ende nicht überzeugen: 
Die Auflösung wirkte auf mich zu konstruiert und war zu weit hergeholt. Schade – hier hätte ich mir ein stärkeres, nachvollziehbareres Finale gewünscht.
Insgesamt ein intensiver Thriller mit einer starken Grundidee und spannender Umsetzung, der jedoch am Ende etwas an Kraft verliert.




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Veröffentlicht am 22.04.2025

Wohlfühlbuch

Der kleine Laden des Herrn Takarada
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„Der kleine Laden des Herrn Takarada“ von Kenji Ueda aus dem Englischen von Rainer Schmidt

Verlag: Goldmann 
Penguin Random House Verlagsgruppe

Das kleine Schreibwarengeschäft „Shihodo“ in Ginza, ...



„Der kleine Laden des Herrn Takarada“ von Kenji Ueda aus dem Englischen von Rainer Schmidt

Verlag: Goldmann 
Penguin Random House Verlagsgruppe

Das kleine Schreibwarengeschäft „Shihodo“ in Ginza, mitten im pulsierenden Tokio mit seinem Inhaber Herrn Takarada zeigt auf, wie mit sanfter Hand die tiefsten Fäden menschlicher Verbundenheit aufgenommen werden.
Zwischen Füllfederhaltern und Briefpapier scheint die Zeit stillzustehen. Kenji Ueda schenkt uns einen zauberhaften, leisen Roman in fünf Kapiteln. Und während die Geschichten sich langsam entfalten – leise, voller Zartheit und innerer Tiefe – lernen wir auch den Inhaber des Ladens kennen: Herrn Takarada.

Er wird nicht mit großen Gesten beschrieben, sondern durch das, was er tut: Tee servieren, zuhören, Papier und Stift reichen – und vor allem: Raum und Zeit schenken.
Der japanische Erzählstil – ruhig, bedacht, bilderreich – durchzieht jede Seite des Buches. Es ist, als säße man selbst im Laden, mit einer warmen Tasse Tee in der Hand, während draußen das Großstadtleben vorbeirauscht.

Die fünf Geschichten erzählen von Freundschaft, Liebe, Vertrauen, Einsamkeit, Loslassen und dem Mut, sich dem eigenen Leben zu nähern.

Und sie tun das auf eine Weise, die tief berührt: unaufgeregt, aber nachhaltig.

Jede Figur ist authentisch gezeichnet, jede Begegnung hinterlässt Spuren – bei den Figuren wie auch bei uns als Lesende.
Berührend, feinfühlig und voller Wärme lässt uns Kenji Ueda dieses Buch erleben.

Wer feine Zwischentöne und stille Weisheiten liebt, wird sich in Herrn Takaradas Laden sehr zuhause fühlen.

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Veröffentlicht am 13.04.2025

Pageturner

Die Kollegin – Wer hat sie so sehr gehasst, dass sie sterben musste?
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„Die Kollegin“ von Freida McFadden übersetzt von Astrid Gravert
Verlag: Heyne

Zwei Frauen. Schreibtisch neben Schreibtisch. 
Und plötzlich ist eine von ihnen verschwunden.
„Die Kollegin“ hat mich sofort ...

„Die Kollegin“ von Freida McFadden übersetzt von Astrid Gravert
Verlag: Heyne

Zwei Frauen. Schreibtisch neben Schreibtisch. 
Und plötzlich ist eine von ihnen verschwunden.
„Die Kollegin“ hat mich sofort gecatcht – nicht nur wegen des richtig coolen Farbschnitts (ja, auch das Auge liest mit), sondern wegen dieser unterschwelligen Spannung, die sich von Seite zu Seite aufbaut.
Dawn ist… anders. Still, unbeholfen, schräg und doch irgendwie verloren. Ihre Kollegin Natalie beobachtet sie, ein bisschen von oben herab – bis Dawn plötzlich nicht mehr zur Arbeit erscheint. Ab da kippt alles. Natalie wird in ein Netz aus Lügen, Schuld und Gewalt gezogen, das immer enger wird.
Und man denkt ständig: Wer ist hier eigentlich Opfer – und wer Täter? Wer lügt und was ist die Wahrheit?
Der Thriller punktet auch mit einem spannend aufgebauten Spannungsbogen, der sich Kapitel für Kapitel steigert. Die Charaktere sind unfassbar präzise und intensiv beschrieben – ich hatte beim Lesen das Gefühl, ihnen direkt gegenüberzusitzen. Die Autorin überzeugt auch mit ihrem Schreibstil: Flüssig, packend, sehr gut lesbar – man fliegt regelrecht durch die Seiten.

Ich mochte besonders die Perspektivwechsel und Zeitsprünge – sie sorgen dafür, dass man niemals wirklich sicher ist, was gerade passiert oder wem man trauen kann. Man verdächtigt, verwirft, überlegt neu – und steht am Ende ziemlich sprachlos da.
Das Finale? Grandios. Schockierend, heftig, aber stimmig.
Ein richtig starker Thriller mit Tiefgang und klugem Aufbau. Für mich ganz klar 5 Sterne.

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Veröffentlicht am 08.04.2025

Zarter Roman

Hatokos wunderbarer Schreibwarenladen
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„Hatokos wunderbarer Schreibwarenladen“ von Ito Ogawa
aus dem Japanischen von Sabine Mangold
Verlag: Droemer

„Alles, was lebt, wird irgendwann einmal vergehen.
Das ist der Lauf der Dinge.“ (Seite 233) ...

„Hatokos wunderbarer Schreibwarenladen“ von Ito Ogawa
aus dem Japanischen von Sabine Mangold
Verlag: Droemer

„Alles, was lebt, wird irgendwann einmal vergehen.
Das ist der Lauf der Dinge.“ (Seite 233)

Ein stilles, sanftes Buch – wie ein leiser Fluss, der einen mitnimmt, 
ohne je laut zu werden.

Hatoko kehrt nach Jahren zurück nach Kamakura, um den Schreibwarenladen ihrer verstorbenen Großmutter zu übernehmen – und mit ihm das Amt der öffentlichen Schreiberin. Eine Aufgabe, für die sie schon als Kind vorbereitet wurde – mit Strenge, mit Disziplin, aber auch mit einer Form von Liebe, die sie damals nicht verstehen konnte.
Erst durch alte Briefe, die ihre Großmutter an eine Frau in Italien schrieb, beginnt Hatoko zu begreifen, was hinter der kühlen Fassade steckte: Zuneigung, Stolz, Sorge. Die Worte der Großmutter, von denen sie nie wusste, dass sie existieren, helfen ihr, sich mit der Vergangenheit zu versöhnen.
Die Geschichte entfaltet sich ruhig, achtsam, poetisch. Es geht um Verlust, um Neuanfang, um Heilung. Und um die besondere Kraft geschriebener Worte.
Die japanische Kultur, die Kunst der Kalligrafie und die Rituale rund um das Briefeschreiben sind liebevoll verwoben mit Hatokos innerem Weg. Kleine Gesten, feine Beobachtungen und Figuren, die einem ans Herz wachsen – besonders Barbara und die kleine QP.

Ein zarter Roman, der nicht laut sein muss, um zu berühren.
Eine Leseempfehlung für alle, die ruhige, tiefgründige Geschichten lieben – und Schreibkunst als Lebenskunst verstehen.

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Veröffentlicht am 03.04.2025

Schrille Satire

Daily Soap
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„Daily Soap“ der Debütroman von Nora Osagiobare
Verlag: Kein & Aber

Das Cover und der Klappentext haben mich sofort gecatcht.

Die Autorin liefert eine schrille Satire über Familienchaos, Rassismus ...

„Daily Soap“ der Debütroman von Nora Osagiobare
Verlag: Kein & Aber

Das Cover und der Klappentext haben mich sofort gecatcht.

Die Autorin liefert eine schrille Satire über Familienchaos, Rassismus und Homosexualität – voller Absurditäten.
Toni hat stechende Kopfschmerzen, und ihre Mutter – eine Impf- und Abtreibungsgegnerin – behandelt diese abartigen Schmerzen mit Globuli. Ruhe für ihren Kopf findet Toni nur beim Fernsehen.
Sie liebt die Soap „Sturm der Triebe“ und verdrängt damit die chaotischen Verhältnisse in ihrer Familie, in der ständig Streit herrscht.
Ihr Vater Thor, ein zeugungsunfähiger Nigerianer, und ihre Schweizer Mutter leben in einer Ehe aus Leidenschaft und Eifersucht. Nach der Trennung ziehen Toni und ihre Mutter mit dem Pornodarsteller und Schwager Prince Okiti zur betrügerischen, jedoch reichen Tante Frieda.
Gleichzeitig gerät das Modeunternehmen Banal & Bodeca in einen Shitstorm aufgrund von Rassismusvorwürfen. Die eiskalte Geschäftsführerin Zita Bodeca versucht verzweifelt, das Image zu retten – auf Kosten ihres Sohnes Paul. Doch die Farce wird Realität, und das Chaos nimmt seinen Lauf.
Als sich die Wege beider Familien kreuzen, überschlagen sich die Ereignisse. Der Roman erinnert an eine überdrehte TV-Serie mit grotesken Figuren.
Der Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig; erst im letzten Drittel fand ich Zugang dazu.
Die Geschichte selbst ist mit schrägem Humor ausgestattet, was nicht jedermanns Sache ist. Auch gibt es viele fragwürdige Fußnoten, die teils lustig, teils sarkastisch sind.
Die Charaktere sind sehr außergewöhnlich gezeichnet – alle ProtagonistInnen sind schräge und ungewöhnliche Persönlichkeiten.
Schallend lachen musste ich nicht; vielleicht fehlt mir hier der Humor für diese Satire.
Man wird unterhalten, und sobald man sich an den extravaganten Schreibstil der Autorin und ihre Erzählweise gewöhnt hat, plätschert die Story dahin. Man möchte erfahren, wie diese chaotische Geschichte weitergeht bzw. endet. Ob die Liebe oder die Scham siegt, ob Leidenschaft von Obsession zu Liebe wird und ob eine tief verwurzelte Liebe die Krater des verrückten Alltags überbrücken kann.
Jedoch wurde es mir im letzten Drittel zu viel an bizarren Handlungen.
Ich verstehe die satirische Überspitzung: Die Kritik an Rassismus, alten Denkmustern, Homöopathie, Machtgier und Abhängigkeiten ist klar erkennbar. Dennoch konnte mich die Geschichte nicht vollends überzeugen.
Das Ende war für mich eher traurig. Auf jeden Fall ein ungewöhnliches Buch, das sicherlich seine Fans findet.
Auf dem Cover wird es als „das lustigste, schlaueste, coolste Buch in diesem Frühjahr“ angepriesen – für mich trifft das leider nicht zu.
Für LeserInnen von skurrilen Satiren sicher ein Lesegenuss, für mich jedoch zu chaotisch. 





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