Zurück in die Provinz
SchützenfestMeine Meinung und Inhalt
"Ich bin vorsichtig geworden mit meinen Wünschen. Längere Gespräche, tiefere Bindungen, am Ende irgendwas mit Glück. Und fröhlich winken vom Gipfel der Bedürfnispyramide. ...
Meine Meinung und Inhalt
"Ich bin vorsichtig geworden mit meinen Wünschen. Längere Gespräche, tiefere Bindungen, am Ende irgendwas mit Glück. Und fröhlich winken vom Gipfel der Bedürfnispyramide. Mit jeder Enttäuschung wer den Schwierigkeiten schwieriger. Die Fallhöhe der uneingelösten Erwartung. Daher lebe ich in meiner Wohnung ein bisschen wie ein Tier. Nah am Boden. Oder in der Ecke." (ZITAT)
Cover, Klappentext und Titel konnten sofort mein Interesse wecken. Den Schreibstil von Bernemann mochte ich gleich ab der ersten Seite.
Der eigensinnige Protagonist Gunnar Bäumer hat vor sieben Jahren mit Ende Zwanzig die Provinz verlassen, um nach Berlin zu ziehen.
Jetzt kehrt er für eine Woche in sein Elternhaus zurück, um »das Haus zu hüten«.
"Irgendetwas ist nicht in Ordnung, das weiß ich schon länger. Aber ich unternehme nichts dagegen, weil ich nicht genau weiß, was es ist. Ich möchte jetzt mindestens zwei Tage schlafen und in einer Welt aufwachen, die mit weniger Problemen vollgestellt ist. Stattdessen kaufe ich ein Ticket für einen Nachtzug. Berlin—Dort mund-Reckfeld— Dörrfeld." (ZITAT)
In diesen Tagen findet auch das alljährliche Schützenfest statt, dem er sich eigentlich verweigern wollte, um zur Ruhe zu kommen.
Doch dem Fest entkommt er nicht und muss sich innerhalb der nächsten Tage dem Dorfleben, seinen Lebenskonzepten und seiner Vergangenheit stellen, vor allem auch seiner Jugendliebe Franziska mit deren Ehemann.
Die Entwicklung, als der Protagonist wieder in der Provinz auftaucht, seine Gefühle und Eindrücke, habe ich sehr gerne verfolgt. Das Buch bekommt eine klare Leseempfehlung meinerseits, da es mich gut unterhalten und vor allem positiv überraschen konnte.
Dirk Bernemann wurde im Dezember 1975 geboren. Während seiner Zeit als Poetry-Slamer veröffentlichte er in verschiedenen Anthologien und spielte in Punk-Bands. 2005 erschien dann sein erster Erzählband unter dem Titel "Ich habe die Unschuld kotzen sehen", dem zwei Jahre später ein zweiter Band folgte.