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Veröffentlicht am 30.04.2019

Außergewöhnliches Denk- und Reisetagebuch

Wale und Nachtfalter
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Meine Meinung und Inhalt
Dieses Buch hat mich vor allem aufgrund des tollen Covers und interessanten Titels neugierig gemacht.

Schnell habe ich - nachdem ich zu Lesen begonnen hatte - jedoch feststellen ...

Meine Meinung und Inhalt
Dieses Buch hat mich vor allem aufgrund des tollen Covers und interessanten Titels neugierig gemacht.

Schnell habe ich - nachdem ich zu Lesen begonnen hatte - jedoch feststellen müssen, dass dieses Werk Zeit zum Lesen benötigt, da es keine unbedingt leichte Kost war, was vor allem an dem Schreibstil von Szczepan Twardoch lag, denn dieser ist sehr detailliert, malerisch, umfassend und teilweise poetisch.


In seinem Buch berichtet er unter anderem über Krakau, Warschau und Deutschland mit seinen ganz persönlichen Erfahrungen, Meinungen und Ansichten.

Mit "Wale und Nachtfalter schafft Twardoch eine große Erzählkunst – und zugleich ein lebenspralles Bild unserer Zeit, indem er mit allen Sinnen, Facetten und Rollen -
als Vater
„Was ist los?“
„Ich habe so ungeschickte Angst“, erklärte er. ….
„Was heißt das: ungeschickte Angst haben?“, frage ich.
„Also, man kann geschickt Angst haben und ungeschickt. Geschickt ist, wenn man vor etwas Angst hat. Vor Ungeheuern, Dunkelheit oder bösen Menschen, oder vor Raubtieren.“
„Und ungeschickt?“
„Ungeschickt ist, Angst vor nichts zu haben. Einfach nur Angst.“ (ZITAT)


Reisender
"Wenn die schreckliche Zerrissenheit der zwanziger Jahre überhaupt etwas Gutes für Schlesien hatte,dann diesen Wettlauf zweier Modernismen. Ich freue mich, dass dem oberschlesischen Ballungsraum das Schicksal einer muffigen, vom Firnis des kleinbürgerlichen Konservatismus übertünchten Mumienstadt erspart geblieben ist. Erhaben ist die Landschaft der demobilisierten totalen Mobilmachung, die Landschaft abgestorbener Fabriken, Hütten und Bergwerke wirken wie Skelette uralter Leviathane, die Stahldrähte in den Betonschollen wie die ewigen Rippen des Blauwals, die den nördlichen Göttern der Strände von Spitzbergen drohen." (ZITAT)

und Autor
" Ich habe das Ewige Tannenberg abgeschlossen, und mir ist klargeworden, dass kein Buch mich bislang so viel gekostet hat; als hätte ich mich auf den Seiten ausgewrungen. Als wäre ich durch die Tastatur in die Datei gesickert und als wären in mir schreckliche, leere Löcher geblieben." (ZITAT)

berichtet. Das Cover gefällt mir sehr gut mit seiner Schlichheit und erscheint mir sehr passend gewählt.

Veröffentlicht am 28.04.2019

Der Riss

Der Riss
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Meine Meinung und Inhalt

"Wie kann sich ein Leben von einer Sekunde auf die nächste so dramatisch verändern? Wie fällt es auseinander, bekommt einen Riss, wie schrumpft es einfach zusammen, bis es sich ...

Meine Meinung und Inhalt

"Wie kann sich ein Leben von einer Sekunde auf die nächste so dramatisch verändern? Wie fällt es auseinander, bekommt einen Riss, wie schrumpft es einfach zusammen, bis es sich im Nichts auflöst? Hatte Ogi, ohne es zu merken, seinem Leben geholfen, sich auf genau diese Weise zu entwickeln?" (ZITAT)

Ogi hat Schuld an dem Unfall, durch den seine Frau getötet wurde. Im Haus seiner Schwiegermutter vegetiert er nun schwer verletzt vor sich hin. Seine Welt schrumpft zu dem Bett, in dem er liegt. Im Inneren halten beunruhigende Gedanken an seine Frau ihn gefangen. Draußen verwandelt sich ihr üppiger Garten in einen welken Orten, entstellt von dunklen Löchern, die die Schwiegermutter wie besessen gräbt.

"Je deutlicher ihm die Erinnerung vor Augen trat und je bewusster er sich seiner Situation wurde, desto schlechter ging es ihm, er wurde trauriger, zutiefst unglücklich. Er wünschte sich sogar, manche Bilder würden nie zu ihm zurückkommen." (ZITAT)

Dieser Roman hat mich sehr bedrückt und nachdenklich zurückgelassen, denn die Handlung war wirklich teilweise erschreckend und verstörend und die Richtung, in welche die Geschichte sich entwickelt hat, war eine völlig andere, wie zu Beginn vermutet.

Man denkt als Leser selbst darüber nach, wie schnell sich durch einen Unfall, eine Nachricht oder eine Entscheidung sich ein Lebern verändern kann. Es geht in diesem Buch um die Risse, die Einsamkeit, Schuld und Entwurzelung im Leben hinterlassen können.

Mir hat das Buch auf eine subtile Art und Weise wirklich gut gefallen.
Der Schreibstil war flüssig und angenehm.

Fürs Cover muss ich auch ein großes Lob ausprechen. Dies finde ich wirklich überragend und absolut passend! Viel besser hätte es nicht gewählt werden können.


Veröffentlicht am 26.04.2019

Die Geschichte über Robert Bley

Ein gemachter Mann
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Meine Meinung und Inhalt

Das Cover ist meiner Meinung nach sehr ansprechend und passt zu Mayers erstem im Dumont-Verlag erschienenen Werk "Rosalie". (Sein erstes Werk "Mandels Büro" erschien am 9. Januar ...

Meine Meinung und Inhalt

Das Cover ist meiner Meinung nach sehr ansprechend und passt zu Mayers erstem im Dumont-Verlag erschienenen Werk "Rosalie". (Sein erstes Werk "Mandels Büro" erschien am 9. Januar 2012 im Heyne Verlag).

Mayer hat einen unglaublich angenehmen flüssigen humorvollen Schreibstil und schafft es den Leser wirklich zu fesseln. Er hat ein unglaubliches Talent Gefühle und Dinge zu schmücken und anzusprechen.

Die Geschichte beginnt zugleich turbulent mit einer Kneipenschlägerei und man beginnt Robert Bley kennenzulernen.

"Wo bin denn hier?, denkt Robert, während die Schläge in seinen Nacken regnen. Als ob er alle Zeit der Welt hätte. In diesem mittelguten Leben bist du immer noch, antwortete er sich selbst in dieesn verlangsamten Sekunden. In diesem mittelguten Leben, das einfach nicht aufhört, nur mittelgut zu sein. Immerhin passiert was, denkt er dann und ist vorerst beruhigt. Immerhin schlägt jemand von hinten auf mich ein, und aus meinem Finger fließt ein bisschen Blut. Immerhin passiert was." (ZITAT)

Dieser hat eine Ewigkeit schon gewartet: Die Schule ist vorbei, endlich kann er weg von zu Hause, raus aus der Gärtnerei seines Vaters, und das tun, was er schon immer tun wollte. Was auch immer das sein soll. Auf jeden Fall in die Stadt ziehen und studieren, eine eigene Wohnung finden, neue Freunde, eine neue Band – und vor allem: die richtige Freundin, am besten eine Psychologin. Dabei sind die Mädchen aus der Stadt für Robert die reinste Naturgewalt, der er nicht immer standhalten kann.

>>"Ich will jetzt aber gar nicht darüber nachdenken", sagte sie, klang, als hätte sie es eilig. "Vielleicht mach ich das morgen. Ich weiß nur, dass du immer alles so schwer machst."
"Ich mach nichts schwer. Ich spüre nur, wenn es schwer wird."
"Dann spür bitte nicht so viel", sagte sie.<< (ZITAT)

Mit Antonia Brandt erlebt Robert seine eigene sexuelle Revolution. Seine Band Herman Lush hat tatsächlich Erfolg, Robert wird gefragter Barkeeper, und das Lehramtsstudium ödet ihn zwar an, fällt ihm aber einigermaßen leicht. Besser kann es im Grunde nicht mehr werden. Dann aber beschließt das Leben kurzerhand und radikal, die Erfolgs- und Abenteuerspur in die andere Richtung zu lenken.

Mir hat der warmherzige tolle Roman von Berni Mayer wirklich gut gefallen!

Veröffentlicht am 25.04.2019

Lauferfahrung

Gebrauchsanweisung fürs Laufen
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Inhalt und meine Meinung
Da ich selbst das Laufen liebe, hatte ich ein großes Interesse, dieses Buch zu lesen.

Das Cover ist verlockend, ebenso der Klappentext.
Nachdem ich das Buch gelesen habe, muss ...

Inhalt und meine Meinung
Da ich selbst das Laufen liebe, hatte ich ein großes Interesse, dieses Buch zu lesen.

Das Cover ist verlockend, ebenso der Klappentext.
Nachdem ich das Buch gelesen habe, muss ich sagen, dass der Titel jedoch eher unpassend gewählt wurde.

Schmidt möchte mit diesem Buch auf eine möglichst persölniche, offene und ehrliche Art beschreiben, wie er das Laufen erlebt / erlebt hat und was ihn dabei so begeistert. Er möchte zum Laufen animieren, sagt aber auch klar, dass es beim Laufen zu fast jeder Frage eine Ansicht gibt und man seine nun mit Nachsicht betrachten soll.

Der Autor, der im Schulsport eigentlich Angst vorm Ausdauertraining hatte, wurde dennoch vor über 25 Jahren zum passionierten Läufer. Heute joggt Schmidtd im Wald und in Städten, am Strand und im Stadion, in Hochhaustreppenhäusern und auf dem Laufband.

"Laufen ist ein Ausnahmezustand, der sich gesund anfühlt, ein paradoxer Vorgang, weil man entschleunigt und innerlich zur Ruhe kommt, während man sich gleichzeitig aktiviert. Der gleichmäßige Rhythmus von Beinen, Armen, Herzschlag, Atem beim langsamen Laufen, die Versorgung des Gehirns mit Sauerstoff, der schnelle Wechsel der Szenerie; die Freude daran, zu so einer Bewegungsform überhaupt fähig zu sein,..." (ZITAT)

In vielerlei Hinsicht spricht er mir aus meinem Läuferherzen und es fühlt sich toll an, Berichte darüber zu lesen. Jochen Schmidt hat einen sehr angenehmen, wirklich humorvollen, informativen und flüssigen Schreibstil.

"Wenn man sich mit der Geschichte der Laufliteratur beschäftigt, wird man bemerken, dass zu verschiedenen Zeiten völlig verschiedene Dinge empfohlen wurden, die zum Teil im krassen Widerspruch zueinander stehen..." (ZITAT)

Ich bin ziemlich erleichtert, dass es sich bei "Gebrauchsanweisung fürs Laufen" nicht wirklich um eine Ansammlung von Regeln und Verbesserungsvorschlägen handelt, vielmehr um einen langen Erfahrungsbericht mit Zusatzinformationen.

Das Buch beinhaltet viele interessante Fakten und Informationen, jedoch teilweise auch zu viele, welche das Lesen etwas beschweren.
Die Kapitel sind übersichtlich und die Titel außergewöhnlich und auffallend.


Veröffentlicht am 23.04.2019

Life-Overload

Mach mal halblang. Anmerkungen zu unserem nervösen Planeten
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Meine Meinung und Inhalt
Bereits sein Buch "Ich und die Menschen" hat mich sehr berühren können und ist mir noch heute in guter Erinnerung geblieben, nicht zuletzt wegen seines eindringlichen berührenden ...

Meine Meinung und Inhalt
Bereits sein Buch "Ich und die Menschen" hat mich sehr berühren können und ist mir noch heute in guter Erinnerung geblieben, nicht zuletzt wegen seines eindringlichen berührenden Schreibstils.

Er nimmt kein Blatt vor den Mund, spricht aus, was gesagt werden muss und bringt vor allem seine eigene Geschichte mit ins Buch.

"Das Problem bei Neurosen ist, dass viele der Dinge, die dir im Moment vermeintlich guttun, dir auf lange Sicht schaden. du verausgabst dich, wenn du eigentlich durchatmen müsstest." (ZITAT)

Haig trifft vieles auf den Punkt, was mir als Leser im Kopf herum schwirrt. Oft denke ich mir während des Lesens, "ja - er hat absolut recht".

Der Autor berichtet in "Mach mal halblang" über das aktuelle Zeitalter in dem wir Leben inklusive aller Ängste und Gefahren. Er schildert den sogenannten Life-Overload - wie er entsteht und wie man es ganz vermeiden / vermindern kann.

" Manchmal fühle ich mich wie ein Computer, bei dem zu viele Programme gleichzeit laufen. Zu viele offene Fenster auf dem Dektop. ... Aber welches Fenster soll ich schließen, wenn alle so ungeheuer wichig scheinen?" (ZITAT)

Matt Haig beschäftigt sich intensiv mit der Frage, wie die lärmende Außenwelt unser Denken beherrscht und wie wir uns zur Wehr setzen können. Es geht um große und kleine Dinge, um Weltpolitik, Gesundheit, Smartphones, Social Media, Sucht, Vernetzung.
Das Buch berührt und hallt nach. Es bringt einem zum Nachdenken und Analysieren.

Die Kapitel sind kurz, übersichtlich und jedes für sich absolut wunderbar.

"Es ist keine Schande, keine Nachrichten zu sehen. Es ist keine Schande, nicht auf Twitter zu gehen.Es ist keine Schande, abzuschalten." (ZITAT)

Das Cover gefällt mir auch wahnsinnig gut und ist sehr passend. Der Buchtitel ist meiner Meinung nach verbesserungswürdig, aber auf seine Art auch passend und hervorstechend.

Fazit:
Absolute Leseempfehlung meinerseits!