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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.11.2025

„Die da oben“ ist ein ruhiger Roman mit viel Nachklang.

Die da oben
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Willkommen in einem Leipziger Mehrfamilienhaus, wo die Türen knarzen, das Leben durch die Wände dringt und sich alles irgendwie gleichzeitig bewegt und stillsteht.
Es ziehen Tess und Moyra ein. Ein junges ...

Willkommen in einem Leipziger Mehrfamilienhaus, wo die Türen knarzen, das Leben durch die Wände dringt und sich alles irgendwie gleichzeitig bewegt und stillsteht.
Es ziehen Tess und Moyra ein. Ein junges PaarAnfang 30, das nicht nur (kaputte) Möbel, sondern auch jede Menge unausgesprochene Themen mitbringt. Tess, kreative Schneiderin mit großer Vision, bekommt durch Moyras Eltern die Chance ihres Lebens: ein eigenes Atelier im Haus. Moyra dagegen? Hängt plötzlich in der Luft, was Job und Richtung angeht und das wackelt dann schnell auch privat.

Im Haus leben seit 30 Jahren Heike und Rolf. Seit Ewigkeiten also. Rolf hatte früher einen Getränkeladen im Haus (jetzt Tess’ Schneiderei! Hallo Schicksal), Heike hält den Alltag irgendwie zusammen. Doch der Laden ist zu, die Zeit hat Spuren hinterlassen und der Blick auf die Welt wird zunehmend schärfer und skeptischer.
Zwischen Tess’ Mitgefühl, Moyras Abstand und der unterschwelligen Frage: Wie halten wir eigentlich alle miteinander aus?, spannt sich ein ganz eigenes Universum auf: still, leise, nah.

Meine Lesefalten:

Ich mochte es, wie dieses Buch so tut, als wäre es zurückhaltend und dabei voller feiner Beobachtungen ist. Kein Drama mit Knalleffekt, sondern diese Art von Alltagsknistern, bei dem man denkt: Jep, genau so wohnen Leute. Genau so reden sie nicht. Genau so spürt man, wenn etwas kippt.
Ich wollte dauernd reinrufen: Redet doch einfach! Aber eben, wie im echten Leben → das ist leichter gesagt.
Der Stil ist klar, nie überladen, und trotzdem steckt zwischen den Zeilen so viel Gefühl. So viel Unsicherheit, Liebe, Wut, Ratlosigkeit.

„Die da oben“ ist ein ruhiger Roman mit viel Nachklang. Er zeigt, wie sehr wir alle mit unseren kleinen Welten beschäftigt sind und wie schwer es ist, Brücken zu schlagen.
Nicht laut, nicht dramatisch, sondern ehrlich, liebevoll, manchmal bitter aber immer menschlich.

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Veröffentlicht am 19.11.2025

Da wird nichts erklärt, sondern gespürt.

Was du siehst
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Ruth haut ab. Ost-Berlin, 1967. Schwanger, verletzt, mit einem Koffer voll Erinnerungen und einem Geheimnis, das tief sitzt. In einem kleinen Dorf im Nirgendwo von Mecklenburg findet sie einen Neuanfang.
Jahre ...

Ruth haut ab. Ost-Berlin, 1967. Schwanger, verletzt, mit einem Koffer voll Erinnerungen und einem Geheimnis, das tief sitzt. In einem kleinen Dorf im Nirgendwo von Mecklenburg findet sie einen Neuanfang.
Jahre später streifen ihre Tochter Jule und Andi (ihr bester Freund oder doch mehr?) durch die Kiefernwälder, teilen Träume, erste Liebe, stille Sommer. Alles fühlt sich richtig an.
Doch dann fällt die Mauer. Und mit ihr kippt auch etwas in Jules Welt. Ein alter Schatten wird sichtbar. Und plötzlich muss sie raus, raus aus dem Dorf, rein in die eigene Geschichte. Während Andi zurückbleibt und wartet.

Meine Leserillen:

Ich seh was, was du nicht siehst … und das ist ein Freund.

Ich hab diesen Roman fast wie ein Farbspiel gelesen – himmelblauer Lieferwagen, griesgraue Dörfer, saphirblaue Erinnerungen. Jede Figur, jeder Ort bekam so seinen eigenen Ton, seine eigene Stimmung.
Was mich besonders gepackt hat: wie feinfühlig die großen politischen Umbrüche, wie die DDR, der Mauerfall, der Aufbruch und alle mit den kleinen, leisen Momenten der Figuren versponnen sind.

Da wird nichts erklärt, sondern gespürt.

Jule und Andi haben mich begleitet wie alte Bekannte. Es war nicht nur eine Geschichte über Liebe, sondern über Verbundenheit. Und über das, was bleibt, wenn alles andere wackelt.

Ein Buch wie ein Blick in eine alte Kiste auf dem Dachboden: voll Erinnerungen, Farben, Geheimnisse und mit einem klopfenden 💛

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Veröffentlicht am 03.11.2025

Eine Alltagsheldinnen-Story mit Herz, Humor und einer Portion Wiener Charme.

Hätte ich es vorher gewusst, hätte ich es genauso gemacht
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Melanie lebt nicht das perfekte Insta-Life (nicht mehr) – eher das Gegenteil: alleinerziehend ohne Kind (Adele ist in Neuseeland!), pleite, Ex-Frau Nummer zwei. Aber sie hält sich über Wasser, mit Humor, ...

Melanie lebt nicht das perfekte Insta-Life (nicht mehr) – eher das Gegenteil: alleinerziehend ohne Kind (Adele ist in Neuseeland!), pleite, Ex-Frau Nummer zwei. Aber sie hält sich über Wasser, mit Humor, viel Herz und einem feministischen Hotel, das mehr Zuhause ist als Arbeitsplatz. Ihre Freundinnen? Goldwert. Und wenn alles zu viel wird, gibt’s da noch ihren Cousin, ein in die Jahre gekommener Surfer-Dude mit einer Alm, die wie ein kleiner Reset-Knopf funktioniert.
Mieze Medusa nimmt uns mit in ein Leben, das unperfekt, wild und wackelig ist, aber genau deshalb so lebendig.

Das Buch fühlte sich an wie ein Kaffee mit einer langjährigen Freundin. So einer, bei dem man sich sofort verstanden fühlt, auch wenn man sich ewig nicht gesehen hat. Melanie ist chaotisch, nicht immer logisch, aber sowas von echt. Ihre Sehnsucht nach Tochter Adele, die einmal um den Globus entfernt ist (geht es denn noch weiter?), tat beim Lesen richtig weh. Ich habe sie sofort ins Herz geschlossen, genauso wie ihre beiden Seelenfreundinnen Sam und Irene.

Die Szenen im Hotel Adele? Fast ein bisschen heimelig für mich. Ich war gedanklich sofort wieder mittendrin in meinen eigenen 15 Jahren Hotellerie und wenn wieder Hotellerie, dann so ein Hotel. Ganz toll beschrieben und speziell. Liebs. Und das Setting in Wien? Perfekt. Urban, manchmal schroff, manchmal charmant. Eben wie Melanie selbst.

Keine riesigen Plottwists, kein Drama deluxe, aber dafür so viel Atmosphäre, Wärme und Lebensnähe, dass man sich einfach fallen lassen kann in dieser kleinen großen Geschichte.

Eine Alltagsheldinnen-Story mit Herz, Humor und einer Portion Wiener Charme. Für alle, die das Leben feiern wollen auch (oder gerade), wenn’s mal schiefgeht.

"Manchmal ist Scheitern einfach nur eine andere Form von Mut." 💛

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Veröffentlicht am 26.10.2025

Was, wenn politisches Engagement, alte Freundschaften und private Zweifel aufeinandertreffen – mitten in einem Land im Umbruch?

Die Frau der Stunde
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Was, wenn politisches Engagement, alte Freundschaften und private Zweifel aufeinandertreffen – mitten in einem Land im Umbruch?
„Die Frau der Stunde“ erzählt von einer Frau, die sich in einem männlich ...

Was, wenn politisches Engagement, alte Freundschaften und private Zweifel aufeinandertreffen – mitten in einem Land im Umbruch?
„Die Frau der Stunde“ erzählt von einer Frau, die sich in einem männlich geprägten Machtapparat behauptet, während im Hintergrund alte Bande neu geprüft werden.
Es geht um Entscheidungen, Taktik, Enttäuschungen – aber auch um Mut, Loyalität und das ganz große Spiel mit der Macht.
Ein Roman mit Zeitgeist-Wumms: messerscharfer Zeitdiagnose!

Meine Leserillen:
Dieses Buch hat mich direkt reingezogen – nicht mit Pauken und Trompeten, sondern eher mit einem intensiven Summen im Hintergrund, das langsam lauter wird.
Was ich besonders mochte: Wie erschreckend aktuell viele Szenen sind. Die Haltung gegenüber „den Braunen“, die Diskussion um die „Ökos“ – das hätte man auch auf heute übertragen können. Es ist dieses Gefühl: Geschichte wiederholt sich, nur mit neuen Kostümen.

Ja, es ist kein Selbstläufer, vor allem, wenn man politisch nicht ganz sattelfest ist. Es wird einiges vorausgesetzt – Strukturen, Begriffe, Dynamiken. Aber ehrlich? Das passt total zum Thema. Politik ist eben kein Wohlfühl-Sandkasten. Und genau deshalb mochte ich diese Dichte.

Ich hab gelacht (Schneewittchen & die 8 Zwerge!), mit den Figuren mitgefiebert – und manchmal auch schwer geschluckt. Der Druck, der auf politischen Akteurinnen lastet, ist spürbar – ständig beobachtet, ständig bewertet. Keine Fehler erlaubt. Ein falscher Satz und zack – die nächste Schlagzeile.

Und dann das Ende! Wow.
Kein lautes Finale, aber eins mit Nachhall. Man klappt das Buch zu und denkt: Das war nicht einfach ein Roman. Das war ein Statement.

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Veröffentlicht am 11.10.2025

Nebensaison-Charme und Espresso-Stimmung

Alle weg
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Grado im Winter. Leere Gassen, geschlossene Hotels, das Meer raunt leise vor sich hin. Und mittendrin: Pinos Bar. Ein Ort, der nie ganz schläft – wo sich Einheimische treffen, über Politik diskutieren, ...

Grado im Winter. Leere Gassen, geschlossene Hotels, das Meer raunt leise vor sich hin. Und mittendrin: Pinos Bar. Ein Ort, der nie ganz schläft – wo sich Einheimische treffen, über Politik diskutieren, Espresso trinken, Alltag teilen. Stefan Maiwald lädt uns ein, einen Blick hinter die Touri-Kulisse zu werfen. Wenn der Sommervorhang fällt und alle „alle weg“ sind, beginnt ein neues Kapitel: stiller, echter, manchmal schräg – aber immer charmant. Eine liebevolle Beobachtung des Lebens abseits der Saison. 🌫🍷

Meine Leserillen
Ich liebe Italien im Sommer! Diese Hitze, das Leben auf der Straße, das ewige „un altro Spritz?“ und das Gefühl, kurz mal in einem anderen Leben zu wohnen.

Deshalb war ich super neugierig: Was passiert eigentlich, wenn wir alle wieder abreisen? Wenn die Sonnenschirme verschwinden und die Strandpromenade plötzlich schweigt?

Dieses Buch hat mir genau das geschenkt – einen Blick hinter die Sommerfassade. Und zwar ganz ohne Kitsch, sondern mit echtem Herz.

✨ Was ich mochte:

Diese Menschen, die bleiben. Ihre Routinen, ihre Ecken, ihre Gespräche.

Die Melancholie der Nebensaison – nicht traurig, sondern fast meditativ.

Dass es ein bisschen so ist, als würde man zufällig in ein Gespräch in der Bar platzen und sich dann nicht mehr losreißen können.

Den Humor, der nicht laut sein muss, um zu wirken.

🌬️ Und gleichzeitig hatte ich beim Lesen das Gefühl, dass ich Grado jetzt nicht nur im Sommer lieben könnte. Sondern gerade dann, wenn es ruhiger wird. Wenn man das echte Leben spürt.

Klar, es ist kein Page-Turner. Eher ein Slow-Read mit Seele. Aber genau das wollte ich.Charme und Espresso-Stimmung

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