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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.12.2025

Vor allem das Ende war grandios

Zwischen Herzklopfen und Schneegestöber
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Marie steckt zu Beginn des Buchs in einer echten Krise. Gerade sie als Paartherapeutin muss sich eingestehen, dass ihre Beziehung zu ihrem Mann Julius am Ende ist, als sie ihn in flagranti mit seiner Assistentin ...

Marie steckt zu Beginn des Buchs in einer echten Krise. Gerade sie als Paartherapeutin muss sich eingestehen, dass ihre Beziehung zu ihrem Mann Julius am Ende ist, als sie ihn in flagranti mit seiner Assistentin erwischt. Und auch ein Jahr nach der Trennung hat sie sich aus dieser Krise noch nicht wieder herausmanövriert. Also verordnet sich die Wahlhamburgerin eine Auszeit über Weihnachten auf Fehmarn in ihrer Heimat, um ihrer Familie mehr unfreiwillig auf dem Alpakahof zu helfen. Doch statt Ruhe findet sie nur Chaos, als zuerst One Night Stand Tom und anschließend auch noch Exmann Julius mitsamt seiner neuen Freundin auf dem elterlichen Hof auftaucht.
Marie ist Mitte vierzig und wirkt zu Beginn ziemlich verzweifelt. Ich konnte mich gut in sie hineinversetzen und mochte sie direkt. Sie steckt irgendwie fest in ihrem Leben und das verdeutlicht der Zeitsprung von einem Jahr am Anfang des Buches noch, weil man sieht, dass sie das ganze Jahr an dem Betrug ihres Mannes zu knacken hatte. Trotz dieser Krise gibt es lustige Momente und man kommt gut in die Stimmung des Romans hinein. Ich mochte die Szenen aus der Praxis und auch auf dem Hof. Dennoch gab es eine Stelle, wo ich mich etwas überrumpelt gefühlt habe: Nämlich als One Night Stand Tom, von dem wir vorher noch nie etwas gehört hatten, auf dem Hof auftaucht und es von den Beschreibungen zunächst so wirkt, als wäre es ihr Exmann. Als ich mich dann aber mit dem plötzlichen Auftauchen angefreundet hatte, fand ich die Schilderungen, wie sich Marie vor ihm versteckt, ziemlich witzig. Auch als dann weitere Personen dazu kamen, habe ich mich gut unterhalten gefühlt und mochte die Mischung aus lustig und romantisch. Manchmal waren mir jedoch die Stimmungssprünge etwas zu schnell und Maries Handlungen kamen mir nicht immer ganz logisch vor. Würde eine Frau in diesem Alter wirklich sofort eifersüchtig werden, wenn der neue Mann mit einer anderen Frau tanzt? Ich denke, man wäre erwachsen genug, um es anzusprechen und nicht wegzulaufen.
Dennoch hat mir das Ende wirklich gut gefallen! Das war wirklich ein Highlight muss ich sagen, weil ich mit etwas viel Platterem gerechnet hatte und diese Variante wirklich überraschend gelungen fand. Ich möchte nicht zu viel verraten, aber dass Marie erst Zeit für sich braucht, um ihr Leben neu zu ordnen, wirkt sehr viel erwachsener als manche Handlung während der Erzählung. Dass dann aber auch die Romantik nicht zu kurz kommt und Weihnachten nochmal aufgegriffen wird, hat mir sehr gefallen.
Alles in allem gebe ich 4 Sterne und wünsche mir beim nächsten Mal etwas fließendere Stimmungswechsel, nachvollziehbarere Reaktionen der Protagonisten und behalte gerne ein so kreatives, süßes Ende.

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Veröffentlicht am 14.12.2025

Sehr liebevoll gestaltet und auf das Wesentliche reduziert

Mister O'Lui feiert Weihnachten
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Mister O’Lui ist ein süßer Biberbär, der in einem kleinen Häuschen in New York im Central Park wohnt. Mit ihm zusammen lebt Rupert, das kleine Streifenschwein. Und in diesem Buch feiern wir Weihnachten ...

Mister O’Lui ist ein süßer Biberbär, der in einem kleinen Häuschen in New York im Central Park wohnt. Mit ihm zusammen lebt Rupert, das kleine Streifenschwein. Und in diesem Buch feiern wir Weihnachten mit den beiden.
Ganz besonders ist dieses Weihnachtsfest, weil es das allererste für Rupert ist. Dementsprechend hat er natürlich viele Fragen und Mister O’Lui hat alle Hände voll zu tun, ihm alles zu erklären. Insbesondere das Thema Geschenke ist für Rupert eine große Sache. Er schreibt einen Wunschzettel und die Liste wird immer länger. Schließlich hat er sogar alle Dinge, die seine Freunde gerne haben wollen, ebenfalls. Doch kein Kinderbuch ohne Botschaft: Rupert teilt natürlich mit seinen Freunden, die bisher ohne Geschenke dastanden und so erfreuen sie sich am Beisammensein und an dem schönen Weihnachtsfest. Wenn das mal keine Botschaft für Kinder ist, die die Wunschzettel an das Christkind ebenfalls überstrapazieren.
Wie die gesamte Mister O’Lui-Reihe punktet auch dieses Buch durch die schöne, dezente Farbgebung und die wunderbaren Bilder. Sie finden genau die richtige Mischung zwischen Details und auf das wesentliche reduziert. Ganz besonders gefällt mir auch der ungleiche Freundeskreis und wie die verschiedenen Tiere dargestellt sind. Das ist mit ganz viel Liebe gemacht und dabei mit einem unverkennbaren Stil. Daher spricht dieses Buch nicht nur die Kleinsten an, sondern kann auch bei allen Erwachsenen punkten, die Bilderbüchern etwas abgewinnen können.
Von mir gibt es für dieses tolle Weihnachtsbuch definitiv eine Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 17.11.2025

Viele Personen und nicht nahbar erzählt

Wir dachten, das Leben kommt noch
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Starke Frauen in historischen Romanen begeistern mich immer sehr. Und so fiel mir die Wahl auf den Roman Wir dachten, das Leben kommt noch von Elisabeth Sandmann, nicht schwer. Denn auf dem Klappentext ...

Starke Frauen in historischen Romanen begeistern mich immer sehr. Und so fiel mir die Wahl auf den Roman Wir dachten, das Leben kommt noch von Elisabeth Sandmann, nicht schwer. Denn auf dem Klappentext ist die Rede von einer englischen Spezialagentin im zweiten Weltkrieg im besetzten Frankreich.
Diese Agentin aus Churchills geheimer Spezialeinheit heißt Pat und wir begegnen ihr auf zwei Zeitebenen: Einmal rund um den zweiten Weltkrieg, sowohl vor ihrem Einsatz in Frankreich als auch währenddessen. Und zweitens im Jahr 1998 – also der Neuzeit. Dort wird sie von Gwen kontaktiert, die für die BBC zu dieser Spezialeinheit recherchiert und ihre Kontaktdaten von einer gemeinsamen Bekannten bekommen hat. Zu diesem Zweck reist Gwen im Gegenwartserzählstrang nach Paris – mit Freundin, Kind und Tante – um ihre Recherchen vor Ort durchzuführen. Doch auch die Geschichte ihrer Großmutter scheint mit Paris verknüpft zu sein, was Gwen aus früheren Erzählungen und von ihrer Großmutter eingesprochenen Kassetten erfährt.
Wer jetzt bei dieser Personenaufzählung leicht durcheinanderkommt, befindet sich in bester Gesellschaft. Denn auch ich hatte meine Schwierigkeiten, mir alle Personen zu merken, sie einzuordnen und vor allem einen Zugang zu ihnen zu finden. Aufgrund der Vielzahl an Menschen fallen die Abschnitte, in denen man etwas zu jedem einzelnen erfährt, relativ kurz aus, sodass es für mich ziemlich oberflächlich erzählt ist. Zudem kann man bis zur Mitte des Romans überhaupt keine Verbindung zwischen den Personen herstellen und auch die Kapitel sind nicht wirklich miteinanderverknüpft, sondern reihen einfach Erzählungen aneinander. Natürlich kann man sich eine Verbindung über die Spezialeinheit und die Resistance herstellen, aber mir war das zu dünn. Die Geschichte hat sicherlich Potenzial für mehr, wurde aber aus meiner Sicht nicht überzeugend und nahbar umgesetzt. Es hätte mir besser gefallen, wenn es weniger Personen gewesen wären – zum Beispiel in der Gegenwart nur Gwen und in der Vergangenheit nur Pat und das im Wechsel, und wenn es in Summe weniger Neben-Personen gegeben hätte. Sie hatten für mein Dafürhalten gerade in der Gegenwartsperspektive wenig Bedeutung für die Erzählung.
Mir hat es leider nicht gefallen und ich habe den roten Faden vermisst. Daher gibt es von mir nur 2 Sterne.

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Veröffentlicht am 16.11.2025

Gut geschrieben, regt durch seine Nahbarkeit zum Nachdenken an

LEBEN. Meine Geschichte in der Geschichte
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Diese Biografie fand ich total inspirierend! Sie bringt uns den Vorgänger-Papst, Papst Franziskus, menschlich näher und wir tauchen in die prägendsten Erlebnisse ein.
Wer jetzt von einer ganz normalen ...

Diese Biografie fand ich total inspirierend! Sie bringt uns den Vorgänger-Papst, Papst Franziskus, menschlich näher und wir tauchen in die prägendsten Erlebnisse ein.
Wer jetzt von einer ganz normalen Biografie ausgeht, die das ganze Leben nacherzählt, liegt hier falsch. Denn die Biografie greift gezielt geschichtliche Ereignisse aus der Lebenszeit von Papst Franziskus auf. Zu diesen gibt es eine Art Kurzgeschichte, wo der Autor etwas zu einer Situation aus dem Leben Jorge Bergolios erzählt und dann auf das geschichtliche Ereignis zu sprechen kommt. Dann schließen sich vom Papst geschriebene Zeilen an, wo er aus heutiger Perspektive auf diese Zeit blickt. Das schafft einerseits eine echte Nähe, weil die Kurzgeschichte dafür sorgt, dass man sich in hineinversetzen kann. Andererseits zeigt er in seinen Zeilen auf, wie ihn das jeweilige Ereignis geprägt hat und gibt mehr Kontext weiter, als es in der Kurzgeschichte möglich gewesen wäre.
Ganz berührend fand ich die letzten beiden Kapitel zur Papst-Wahl und auch zur Corona-Pandemie. Es hat mich vor allem in die Zeit des Letzteren richtig zurückversetzt und mich zum Reflektieren angeregt. Ich habe mal gelesen, dass man in jeder Biografie auch etwa für das eigene Leben lernt. In dieser habe ich definitiv gelernt, mir die Frage zu beantworten, wie mich die Erfahrungen der Pandemie verändert haben.
Vermutlich finde ich zu der Biografie von Jorge Bergolio deshalb so einen guten Zugang, weil er das so nahbar geschrieben hat und so ungeschönt Erlebnisse aus seinem Leben teilt. Es zeigt den Menschen hinter dem Papst und gibt keine religiösen Weisheiten weiter, sondern einen weisen Blick auf die Welt mit der Perspektive der Armen. Selbst wer nicht gläubig ist, kann hier bestimmt gut anknüpfen. Mich hat es sehr berührt!

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Veröffentlicht am 16.11.2025

Der Rückblick auf ein Leben und seine Erinnerungen

Sonnenaufgang Nr. 5
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Wie blickt man auf das eigene Leben und wie sehen es dagegen andere? Und was bleibt am Ende übrig, wenn man sich erinnert? Das sind die zentralen Fragen im Roman Sonnenaufgang Nr. 5. Denn alles beginnt, ...

Wie blickt man auf das eigene Leben und wie sehen es dagegen andere? Und was bleibt am Ende übrig, wenn man sich erinnert? Das sind die zentralen Fragen im Roman Sonnenaufgang Nr. 5. Denn alles beginnt, als der junge Autor Jonas in einen kleinen Ort am Meer reist, um die Biografie der altgewordenen Filmdiva Stelle Dor zu schreiben.
Jonas will es seinem Vater nach seinem Literaturstudium beweisen, um nicht in dessen Restaurant arbeiten zu müssen und um sich nicht einzugestehen, dass er es nicht geschafft hat. Da kommt also der Auftrag als Ghostwriter für Stella Dors Biografie gerade recht. Nur leider macht es ihm Stella nicht gerade leicht. Denn sie ist alles andere als nahbar oder zugänglich. Stattdessen teilt sie mit Jonas hunderte von Erinnerungen, die in keiner Reihenfolge stehen und die sie jahrelang auf hunderten von Zetteln überall im Haus an den unmöglichsten Stellen aufgehoben hat, um die wichtigsten Erlebnisse nicht zu vergessen. Dennoch kommt er mit dem Schreiben voran und lernt in seinen freien Stunden so manchen kauzigen Dorfbewohner kennen, die mit ihm ebenfalls interessante Erinnerungen aus ihrem Leben teilen. Und zwischen alledem beginnt Jonas eine ganz andere Sicht auf Stellas Erzählungen aber auch auf sein eigenes Leben zu bekommen.
Erste einmal muss ich sagen, dass Carsten Henn schon fast poetisch schreibt. Es ist eine Freude es zu lesen oder, in meinem Fall, zuzuhören. An mancher Stelle fand ich die Ausdrücke so schön, dass ich sie mir am liebsten aufgeschrieben hätte. So hat mich schon der Schreibstil berührt.
Noch mehr gepackt haben mich aber die Begegnungen, die Jonas macht. Zum Beispiel trifft er auf eine alte Frau, die jeden Tag an einer Bushaltestelle der Ansage lauscht, weil sie ihr verstorbenen Mann vor Jahren eingesprochen hat. Oder die mit den weiteren Dorfbewohnern. Sie lehren den Wert von Erinnerungen und wie unterschiedlich doch der Rückblick auf ein Leben sein kann. Natürlich stellt sich anhand von Stellas Leben auch die Frage, wie sehr man die Vergangenheit im Rückblick beschönigen kann und wie unterschiedlich zwei Personen die gleichen Situationen in Erinnerung behalten haben.
In all das ist die persönliche Geschichte von Jonas, seinem Vater, seiner verstorbenen Mutter und eine Liebesgeschichte mit Nessa eingewoben. Ich konnte gar nicht mehr aufhören, weiterzuhören, weil ich so sehr in der Geschichte war und mich gleichzeitig die Botschaft über den Wert von Erinnerungen so sehr berührt haben. Für mich definitiv ein Highlight aus 2025!

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