Profilbild von Buchtrunken

Buchtrunken

aktives Lesejury-Mitglied
offline

Buchtrunken ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Buchtrunken über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.10.2024

Wie weit würdest du gehen, um dein gewissen zu bereinigen?

POSTER GIRL - Wer bist du, wenn dir niemand zusieht?
0

Cover: Ich liebe das Cover von dem regulären Band. Pluspunkt gibt es, weil es richtig gut zur Story passt.

Darum geht es:
Wirklich jeder kennt Sonya Kontor. Immerhin war ihr Gesicht im ganzen Land auf ...

Cover: Ich liebe das Cover von dem regulären Band. Pluspunkt gibt es, weil es richtig gut zur Story passt.

Darum geht es:
Wirklich jeder kennt Sonya Kontor. Immerhin war ihr Gesicht im ganzen Land auf Propaganda-Plakaten der Delegation zu sehen. Sonya, das liebe Mädchen, das sich immer vorbildlich an alle Regel gehalten hat, sich für Coins bereitwillig dem Regime unterworfen hat. Sonya, die junge Frau, die nach dem Regierungs-Putsch in einem abgesperrten Häuserblock gefangen gehalten wird. Weggesperrt, für die Rolle ihrer Eltern im alten Regime. Weggesperrt, für ihre Symbolik, ihr Gesicht.

In „Poster Girl“ begleiten wir Sonya, die nach dem Sturz der Delegation ein einsames und tristes Leben zwischen vier abgeriegelten Häuserblocks führt. Bis ihr ausgerechnet ein alter Bekannter, einen Ausweg bietet. Einen Deal, mit dem sie ihre Freiheit wiedererlangen kann. Sie soll ein vermisstes Mädchen ausfindig machen und zurück nach Hause bringen. Doch Sonya, weißt mehr über das Mädchen als sie zugeben möchte. Und der Auftrag ist gefährlicher, als sie geahnt hätte.

Meine Meinung:
Der Einstieg in die Geschichte ist sehr langatmig. Man lernt viel über Sonyas Lebensumstände in der Gefangenschaft kennen, gleichzeitig, wird immer wieder versucht zu erklären, warum Sonya so Delegationstreu war und jede Regel befolgt hat ohne sie zu hinterfragen. Es zeichnet sich ein Bild von einem naiven Mädchen, die ohne bösen Willen, aber sehr wohl für das Geld und die Anerkennung bereitwillig die Augen verschlossen hat. Nicht sehen wollte was vor ihren Augen passiert. Der Leser bekommt dennoch das Gefühl, dass ihr zu unrecht viel negatives widerfahren ist.

Obwohl so viel passiert, sammelt der Leser nur spärliche Informationen über die gestürzte „Delegation“ und die neue Regierung, die sich „Triumvirat“ nennt. Irgendwie zu wenig. Dystopien leben von ihrem gesellschaftskritischen Inhalt. Veronica Roth zeichnet zwar durchaus eine unschöne und fragwürdige Zukunft, dennoch spielt diese für meinen Geschmack (für eine Dystopie) inhaltlich eine viel zu untergeordnete Rolle. Mir fehlt der Input, mir fehlen verschiedene Blickwinkel. Ein Überwachungsstaat mit Geburtenkontrolle – schlecht für die, die überwacht werden und gut, für alle die eine hohe Position in der Maschinerie haben. Das ist nichts neues.

Die Geschichte rund um Sonya gefällt mir, sehr gut. Der Schreibstil von Veronica Roth ist bildlich und recht flott. Es gibt unzählige Nebencharaktere, die alle Beschrieben werden, wirklich mehr erfahren wir aber nur, wenn sie für Sonya nützlich werden. Die Charakterentwicklung von Sonya ist mir persönlich etwas zu schwach. Sie lernt, dass sie früher etwas hätte sagen müssen anstatt stumpf Regeln zu befolgen und kämpft nun dafür nicht wieder wie eine Marionette behandelt und eingesperrt zu werden. Wichtige Learnings. Wichtige Eigenschaften. Aber sie ist nun mal auch kein kleines Kind mehr, wie zur Zeiten der Delegation. Eigenständiges Denken und Handeln darf man von einer erwachsenen Frau erwarten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.10.2024

Unvorhersehbar. Spannend. Fesselnd bis zur letzen Seite.

Mimik
0

Okay, wow! An Phsychothriller traue ich mich nur sehr selten heran. Nicht, weil mich das Genre nicht interessiert. Nein, ich finde sie oftmals einfach viel zu vorhersehbar. Doch Fitzek ist es mit "Mimik" ...

Okay, wow! An Phsychothriller traue ich mich nur sehr selten heran. Nicht, weil mich das Genre nicht interessiert. Nein, ich finde sie oftmals einfach viel zu vorhersehbar. Doch Fitzek ist es mit "Mimik" bis zum Schluss gelungen, mich immer wieder auf falsche Fährten zu schicken, bis es mit einem richtigen Knall endet.

Darum geht es: Hannah Herbst ist Deutschlands führende Mimikresonanz-Expertin. Sie „liest“ aus den Gesichtern von Serientätern und Schwerverbrechern. Als Hannah nach einer OP mit Gedächtnisverlust, aufwacht, steht ihre Welt plötzlich Kopf. Angeblich hat sie ihre eigene Familie ermordet. Doch ist sie das wirklich? Um der Frage auf den Grund zu gehen, muss sie ihre eigene Mimik analysieren – und das obwohl sie nach einem traumatischen Kindheitserlebnis schreckliche Angst vor ihrem eigenen Spiegelbild hat.

Das Cover. Ist. Ein. Traum. Es spiegelt die Story in verschiedenen Aspekten so perfekt wider. Nicht nur das man seine eigene Mimik erkennt, die Spiegelfolie spielt auch mit der größten Angst der Hauptfigur Hannah. Für mich einfach nur Produktdesign par Excellence.

Meinung: Bereits auf der ersten Seite befinden wir uns mitten in der Handlung. Keine Zeit sich erst einmal voran zu tasten, mit den Charakteren warm zu werden. Wir sind gleich drin. Und es wird sofort spannend.

Fitzek’s Schreibstil ist einfach aber enorm fesselnd. Er schafft es genau den richtigen Rhythmus zu finden, zwischen emotionaler Tiefe, Charakterentwicklung und spannenden Gänsehaut-Momenten. Jedes mal, wenn ich beim lesen das Gefühl habe, das Ende Voraus schauen zu können, werde ich wieder in eine neue Richtung geschubst. Dabei ist das geschriebene Wort, so bildlich formuliert, dass ich glatt denken könnte einen Film zu schauen.

Das Ende des Buches habe ich nicht voraussehen können. Es war so unerwartet und doch so perfekt und harmonisch in den Plot integriert. Und es hat mich in einem absoluten Gefühlschaos zurückgelassen. Noch ein Gänsehaut-Moment. Und mein Kopf schreit: gib mir mehr davon.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.10.2024

Ade Mexiko, Hallo Drachen, Hexen und Feen

Flowers & Bones, Band 1 - Tag der Seelen
0

Ein Buch das in Mexiko spielt? Rund um den Día de los Muertos? Das ist anders, neu. Wie spannend! Ich musste es also einfach kaufen. (Und lasst mich gar nicht erst von dem wunderschönen Cover anfangen)

Darum ...

Ein Buch das in Mexiko spielt? Rund um den Día de los Muertos? Das ist anders, neu. Wie spannend! Ich musste es also einfach kaufen. (Und lasst mich gar nicht erst von dem wunderschönen Cover anfangen)

Darum geht es:

Valentina weiß schon seit einigen Jahren, dass die Frauen in ihrer Familie echte Catrinas sind – jene sagenumwobene Wesen, die in mexikanischer Folklore Verstorbenen helfen, ins Reich der toten überzugehen. Auch Valentina selbst wird mit ihrer Volljährigkeit zu einer Totengöttin. Doch für Valentina entwickelt sich die Reise zu ihrer Bestimmung ganz anders als geplant. Für den Leser ebenfalls.

Meine Meinung:

Sandra Grauer entführt den Leser auf den ersten wenigen Seiten nach Mexiko und lässt ihn detailliert an den Traditionen rund um den Dia de los Muertos teilhaben. Ich kann die engen mexikanischen Gassen vor meinem inneren Auge sehen: farbenfroh und bunt geschmückt. Glückliche Menschen, die sich darauf vorbereiten, bald ihre verstorbenen Ahnen begrüßen zu dürfen. Nur wenige Seiten später finde ich mich plötzlich in Irland wieder. Catrinas und Todesgötter? Fehlanzeige. Magische Wesen gibt es dennoch: Drachen, (VoodHexen & Feen.

Wow, das ist anders. Und zwar ganz anders als erwartet.

Kurz war ich versucht abzubrechen. Enttäuscht von dieser Wendung, das war immerhin nicht das, was ich lesen wollte. Sandra Grauers Schreibstil hat mich aber animiert weiter zu machen. Denn dieser gefällt mir wirklich richtig gut. Die Geschichte geht in einem ordentlichen Tempo voran, die Charaktere sind schön beschrieben und mir gefallen die Beziehungen untereinander wirklich sehr. Ich musste beim lesen das ein oder andere Mal schmunzeln, sodass ich gut meine falschen Erwartungen hinweg blicken konnte.

Spannend, finde ich außerdem das Flowers & Bones Teil eines eigenen Universums ist. Alle Charaktere spielen auch in anderen Büchern von Sandra Grauer eine Rolle, dennoch kann das Buch auch allein und für sich gelesen werden. Interessiert man sich für Ereignisse, die in diesem Buch erwähnt werden, wie der Große Krieg gegen die Feen, ließt man einfach ein anderes Buch von ihr. Ich selbst kannte die Autorin nicht und wurde ausreichend in die Geschichte geholt, um die Zusammenhänge zu verstehen, auch ohne die anderen Bücher gelesen zu haben.

Insgesamt würde ich dem Buch 2.5 Sterne geben (da das nicht möglich ist, vergebe ich nur zwei). Ich bin schnell durch die Seiten geflogen und konnte mich mit der Handlung anfreunden – dennoch, wenn ich vorher gewusst hätte das es hauptsächlich um Drachen geht, hätte ich mir das Buch nicht gekauft.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.10.2024

Hochemotional, mitreisend, poetisch und verdammt anspruchsvoll

i fell in love with hope
0

„Die Liebe meines Lebens will sterben.“

Wenn das der erste Satz eines Buches ist, weißt du eigentlich schon genau worauf du dich einlässt. Tränen, Tränen und noch viel mehr Tränen. Und gleichzeitig schafft ...

„Die Liebe meines Lebens will sterben.“

Wenn das der erste Satz eines Buches ist, weißt du eigentlich schon genau worauf du dich einlässt. Tränen, Tränen und noch viel mehr Tränen. Und gleichzeitig schafft es die Autorin auf wundersame weise, mir beim lesen über den Kopf zu streicheln und mich fest zu drücken.

I fell in love with hope‘ erzählt die Geschichte von fünf jungen Heranwachsenden, die außer den vier Wänden des eigenen Krankenhaus-Zimmers, nur wenig kennen. Doch irgendwie schaffen sie es sich, neben den schmerzhaften Behandlungen, gegenseitig Freundschaft zu schenken und halt zu geben, liebe zu finden und wieder zu verlieren, Hoffnung zu machen und Mut zu zusprechen. Dabei verpackt die Autorin diese tragischen Themen auf eine höchst emotionale und mitreisende Art. Sie geht das Thema mit einer wichtigen und auch nötigen Portion Sensibilität an. Sie schenkt keine unnötige Hoffnung, nimmt keinen Platt vor den Mund, beschönigt nicht – redet im Gegenzug aber auch nur schlecht, konfrontiert nicht nur. Sie schafft es genau die Grauschattierungen zwischendrin einzufangen. Die Zwischendrin-Momente, die Krankheit zwar nicht schön reden aber die einem zeigen, dass es auch in schrecklichen Zeiten, schöne Momente geben kann.

Sam, Neo, Hikari, Couer und Sony sind dabei so nahbar, so menschlich, so unperfekt, so nervig und so tapfer, wie es nur wenige andere Buchcharaktere sind. Die Autorin erzählt ihre Geschichte so poetisch, so schön,, gleichzeitig aber so blumig und kaum greifbar, dass es mir oft beim lesen unglaublich schwer fällt, zu verstehen, was sie eigentlich sagen möchte. Das Buch hat 422 Seiten, doch das meiste der Geschichte spielt sich zwischen den Zeilen ab.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.10.2024

In den Bann gezogen

Böse Mädchen sterben nicht
0

Auch nach dem beenden des Buches, kann ich „Böse Mädchen sterben nicht“ nur ganz schwer beschreiben. Krimi aber auch Thriller, Dystopie aber auch Roman, schnell zu lesen aber auch fesselnd, spannend aber ...

Auch nach dem beenden des Buches, kann ich „Böse Mädchen sterben nicht“ nur ganz schwer beschreiben. Krimi aber auch Thriller, Dystopie aber auch Roman, schnell zu lesen aber auch fesselnd, spannend aber auch sehr feministisch. Wenn ich nur ein Wort verwenden dürfte wäre es: Pageturner.

Denn durch die Seiten bin ich tatsächlich nur so geflogen.

Die Autorin Christina Henry schenkt uns quasi drei Geschichten in einem Buch: Celia, Allie und Maggie wurden unter Drogen gesetzt, wissen nicht wo sie sind und wer es auf sie abgesehen hat – aber wenn sie überleben wollen, müssen sie dieses Rätsel irgendwie lösen. Die drei Frauen kennen sich nicht und erleben alle völlig unterschiedliche Situationen und Szenarien. Nur eine Sache ist bei allen drei gleich: Der Weg aus dem Albtraum.

Die Geschichten hätten unterschiedlicher nicht sein können. Während ich die erste Story rund um Celia nicht ganz so spannend fand, konnte ich von Allies-Szenario gar nicht genug bekommen. Und auch die dritte Geschichte war wieder ganz anders und hat mich stark an Tribute von Panem erinnert. Fesselnd waren sie alle.

Toll fand ich, dass die drei Damen ähnliche Charaktereigenschaften und Angewohnheiten hatten, so haben beispielsweiße alle innere Monologe geführt. Beim lesen hat das für eine Art roten Faden gesorgt – denn man sonst, durch die unterschiedlichen Geschichten nicht gehabt hätte

Apropos Situationen: Ganz egal wie aussichtslos es für die drei Frauen aussah, sie haben immer mutig und klug eine Entscheidung getroffen. Sie haben sich nie klein kriegen lassen – insbesondere nicht von Männern. Manche Aussagen sind da etwas speziell, aber immer nachvollziehbar und auf eine Art und Weiße geschrieben, als würdest du grade mit einer Freundin sprechen.

Auf 432 Seiten drei völlig unterschiedliche Handlungsstränge aufzumachen und aufzulösen ist eine Herausforderung, die meiner Meinung nach nicht immer gelungen ist. Einige Plottwists kamen zu plötzlich, zu schnell. Wenn der Spannungsbogen aufgebaut wurde und es richtig spannend wird,, kommt nicht der Höhepunkt, sondern das Ende. An vielen Stellen, bleiben zu viele Fragen offen. Ich finde alle Geschichten super spannend, denke aber, dass man sie als einzelne Bücher noch mehr hätte ausarbeiten und noch mehr aus ihnen rausholen können.



3 von 5 Sternen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere