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Veröffentlicht am 08.04.2026

Vom Gehen und Bleiben

Elbland
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In „Elbland“ ergründet Claudia Rikl eine Schwesternbeziehung und zeigt, wie sich Entscheidungen der Vergangenheit auf die Gegenwart auswirken.
 

Nina und Kati waren sich als Kinder nah. Beide hatten ...


In „Elbland“ ergründet Claudia Rikl eine Schwesternbeziehung und zeigt, wie sich Entscheidungen der Vergangenheit auf die Gegenwart auswirken.
 

Nina und Kati waren sich als Kinder nah. Beide hatten für ihre Zukunft andere Pläne als ihre Eltern für sie vorsahen. Doch nur eine von ihnen verwirklichte sie vollständig. Kati ging. Nicht nur ihren eigenen Weg, sondern auch weg von der Familie, weg von der Mutter, die zeit ihres Lebens mit psychologischen Herausforderungen zu kämpfen hatte. Nina war der Meinung, dass sie es ihrer Mutter nicht antun könnte, ebenfalls zu gehen. Und so blieb sie. Und litt, vor allem im Stillen. Und ohne mit ihrer Schwester geklärt zu haben, was sie ihr insgeheim so viele Jahre lang vorgeworfen hat: dass sie ihr eigenes Glück über das der Familie gestellt und Nina mit der Verantwortung allein gelassen hat.

 

Nach dem Tod der Mutter hinterfragt Nina die letzten Jahre, die sie - als aufopferungsvolle Tochter - in einem Leben verbracht hat, das sich nicht wirklich wie ihr eigenes anfühlt. Sie rebelliert gegen sich selbst und versucht endlich, dem Kern ihrer Gefühle auf die Spur zu kommen. Und zwar, indem sie die Vergangenheit ihrer Mutter recherchiert. Dort, wo diese ursprünglich zuhause war: in Böhmen.

 

Die Autorin lässt Nina zunächst zaghaft, dann jedoch voller Enthusiasmus in die Rolle der Spurensucherin schlüpfen. Während Nina enthüllt, was in der Familie nie ausgesprochen wurde, aber ihre Mutter zeit ihres Lebens stark belastete, kommt sie schließlich auch ihrer Schwester Kati wieder näher. Das Enthüllen der schmerzhaften Vergangenheit ihrer Mutter ebnet den Weg für die Klärung der schwesterlichen Beziehung. Und so lässt sich dieser melancholische, aber gleichzeitig hoffnungsvolle Roman am besten mit einem Zitat von August Bebel  zusammenfassen: „Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten.“

 

Ich empfehle diesen Roman allen, die gern tiefgründige Familiengeschichten mit historischem Bezug lesen, die die psychologischen Fallstricke innerhalb familiärer Beziehungen ergründen möchten und die mehr wissen möchten über ein dunkles Kapitel deutsch-tschechischer Geschichte: die Vertreibung der Deutschen aus Böhmen nach dem Zweiten Weltkrieg.

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Veröffentlicht am 03.04.2026

Die rauhe Schönheit Islands in einem Roman

Moosland
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Die rauhe Schönheit Islands spiegelt sich in diesem (historischen) Roman wider. Er erzählt die Geschichte von Elsa , einer jungen Deutschen, die nach dem zweiten Weltkrieg aufgrund eines Zeitungsaufrufs ...

Die rauhe Schönheit Islands spiegelt sich in diesem (historischen) Roman wider. Er erzählt die Geschichte von Elsa , einer jungen Deutschen, die nach dem zweiten Weltkrieg aufgrund eines Zeitungsaufrufs nach Island kommt. Gesucht wurden junge Frauen, die für ein Jahr auf den Höfen aushelfen und die Bauernfamilien unterstützen. Und wenn einen im kriegsgebeutelten Deutschland nichts hält, meint man vielleicht, dort einen Neubeginn für sich zu finden.

Doch Elsa, die geprägt ist von Kriegstraumata, fällt das Ankommen schwer in dieser harschen neuen Gegend. Sie versteht die Sprache nicht, spricht selbst kaum, verschließt sich in ihrer eigenen Welt. Während ihre Bekannte Greta sich scheinbar bestens einlebt, kämpft Elsa mit dem Gedanken, völlig fehl am Platz zu sein… obwohl sie auch gar nicht wüsste, wo denn ihr Platz sein sollte.

Elsas oftmals schwermütige Gedanken und ihre innere Distanziertheit finden sich im Stil des Buches wieder. Was als stilistisches Element der melancholischen Geschichte noch mehr Tiefgang verleiht, hat mich jedoch persönlich nur schwer Zugang zu Elsa und ihrer Welt finden lassen. Ich selbst kann mich am besten in eine Geschichte fallen lassen, wenn ich mich mit der Hauptfigur in irgendeiner Weise identifizieren kann. Das ist mir bei Elsa leider nicht gelungen. Sie tat mir zwar unheimlich leid in ihrer Einsamkeit, aber ich konnte zu ihr auch keine Beziehung aufbauen. Daher wirkte die gesamte Geschichte sehr distanziert auf mich und ich habe sie nur „aus der Ferne“ verfolgt. Mich persönlich konnte das Buch daher nicht so gut abholen. Aber ich weiß, dass es viele Leser gibt, die so etwas überhaupt nicht stört und diese sollten Moosland dann auch gern zur Hand nehmen. Denn die Einblicke in die Zeit der „Esja-Frauen“ sind sehr interessant und vielschichtig.

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Veröffentlicht am 15.03.2026

Eine magische Liebesgeschichte

Zwei in einem Bild
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Die Liebe zwischen Claire und Jean ist magisch. Nicht nur im übertragenen Sinne, sondern ganz wörtlich gemeint - denn Claire kann Jean nur treffen, wenn das Museum still ist und sie in der Dunkelheit als ...

Die Liebe zwischen Claire und Jean ist magisch. Nicht nur im übertragenen Sinne, sondern ganz wörtlich gemeint - denn Claire kann Jean nur treffen, wenn das Museum still ist und sie in der Dunkelheit als Putzfrau durch diesen Raum der Galerie wirbelt. In ihrem einsamen Job entdeckt sie, dass sie eine besondere Fähigkeit hat: sie kann in Gemälde hineinsteigen und die abgebildeten Figuren treffen oder in den gemalten Landschaften wandeln. Ihr Lieblingsgemälde ist ein Familienportrait des Malers Henri Matisse. Unter anderem ist sein Sohn Jean darauf abgebildet und sein Gesichtsausdruck rührt sie. Eines Tages gelingt es ihr, Jean in seinem Bild zu treffen - und es beginnt eine zauberhafte Liebesgeschichte.

 

Man muss sich auf dieses Buch einlassen, um es genießen zu können. Wenn ich potentiellen Lesern einen Rat geben darf, dann ist es dieser: hinterfragt nicht. Zerdenkt es nicht. Nehmt es  einfach hin und lasst euch auf den Zauber ein. Dann ist es wirklich eine rührende, bittersüße Geschichte zweier Menschen, die einander finden und wissen, dass ihre Verbindung etwas Außergewöhnliches ist. Die keine Idee haben, wie sie ihre Beziehung auf einer langfristigen Ebene retten könnten und die deshalb absolut im Moment stehen und jeden Augenblick genießen, den sie miteinander verbringen dürfen.

 

Vielleicht ein kleiner Wink, dass wir alle uns mehr auf das Hier und Jetzt konzentrieren sollten und nicht Pläne machen sollten, was in zwei oder in zwölf oder in zwanzig Jahren sein wird. Denn das wissen wir nicht, und höchstwahscheinlich wird alles ganz anders kommen als gedacht.

 

So auch bei Claire und Jean, die letztlich durch sehr reale Ereignisse ausgebremst werden und nicht wissen, ob und wann sie sich wiedersehen werden...

 

Ich mochte beide Charaktere sehr. Das Buch ist abwechselnd aus Claires und Jeans Sicht erzählt, so dass man sehr nah an beide Figuren und ihr Innenleben herankommt. Jean, der 1917 in einem Bild verewigt wurde, wirkt mit seinem etwas altmodischen Charme auf eine sehr rührende Weise anziehend. Claire aus der heutigen Zeit kämpft mit Geldsorgen und Familienproblemen, hat eine geheimnisvolle Vergangenheit und man wünscht ihr von Herzen einfach etwas Glück im Leben. Die Autorin schafft es, uns beide einzeln als Menschen nahezubringen und für sie als potentielles Paar einzunehmen. Ich habe bis zum Schluss mitgefiebert und ihnen von Herzen gewünscht, dass sie einen Weg zu einer gemeinsamen Zukunft finden.

 

Ob ihnen das gelingt, muss natürlich jeder für sich lesen. Mir hat dieser Roman gut gefallen, mit einer natürlichen Sprache, die den Zauber gemalter Bilder einfängt und uns in eine Welt mitnimmt, in der mehr möglich ist, als sich unser Verstand vorstellen kann. Dennoch würde ich es nicht in den Bereich Fantasy einordnen. Für mich ist es eher ein Roman mit einem magischen Touch. Die Idee dieses Buches fand ich erfrischend und irgendwie „anders“, weshalb mir bestimmte Szenen sicher auch lange in Erinnerung bleiben werden.

 

Ich habe mich gut unterhalten gefühlt und empfehle das Buch gern jedem, der sich schon einmal gewünscht hat, die Grenzen von Raum und Zeit überwinden zu können und einfach in andere Welten eintauchen zu können. Mit diesem Buch ist das möglich!



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Veröffentlicht am 26.02.2026

Feelgood-Romanze für den Frühling

Der schwimmende Blumenladen von Amsterdam
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Im Frühling lässt jede Knospe das Herz höher schlagen, man sehnt sich nach dem frischen Grün - und was passt da besser, als eine Love Story inmitten der berühmten „Tulpen von Amsterdam“?


Wir begleiten ...

Im Frühling lässt jede Knospe das Herz höher schlagen, man sehnt sich nach dem frischen Grün - und was passt da besser, als eine Love Story inmitten der berühmten „Tulpen von Amsterdam“?


Wir begleiten Rosie auf ihrem Weg in ein neues Leben in Amsterdam. Eigentlich beheimatet in London, lässt sie alles hinter sich, um sich ihren Traum zu erfüllen: Floristin zu werden und einen Stand auf dem schwimmenden Blumenmarkt von Amsterdam zu betreuen. Doch der Weg ist steinig und die erste Zeit ist von diversen Rückschlägen geprägt. Noch dazu ist Nachbar Max alles andere als bereichernd für Rosie, wenn er sie angrummelt und ihre quirlige Art mit abschätzigen Blicken quittiert. Doch man kann sich denken, was daraus letztlich wird…

 

Ich muss zugeben, ich fand Rosie zunächst etwas anstrengend. Ihre naive Idee, einfach mal alle Zelte in London abzubrechen und spontan nach Amsterdam zu ziehen, um sich dort mit einem Blumenladen selbstständig zu machen, kann dem deutschen (bürokratieerfahrenen) Bürger nur ein Augenrollen entlocken. Ehrlich gesagt, ich fand das lächerlich. Mir schwante, dass ihr da vieles einen Strich durch die Rechnung machen könnte und dass es wohl ziemlich verrückt ist sich einzubilden, einfach mal so einen Standplatz zu bekommen auf dem berühmtesten Blumenmarkt der Welt. Insofern - den Realitätscheck besteht das Buch bzw. Rosie als Figur bei mir nicht, denn für so naiv halte ich eigentlich niemanden in der realen Welt. Aber sei’s drum - wir sind hier in einem Feelgood-Roman und wollen uns amüsieren. Da kann man das sicherlich verschmerzen.

 

Auf jeden Fall war die „Grumpy-meets-sunshine“-Story schön ausgearbeitet und hat mich gut unterhalten. In diesem Zusammenhang muss ich sagen, dass ich Max insgesamt als Charakter besser ausgearbeitet fand als Rosie, da er realistischerweise mit seinem Dasein als (kaum verdienender) Künstler haderte und damit für mich viel nachvollziehbarer war als Rosie in ihrer „Die-Welt-wird-schon-wieder-in-Ordnung-kommen“-Mentalität. Nur eine Sache fand ich bei Max merkwürdig und das war, wie seine Ex-Freundin in die Geschichte eingearbeitet wurde. Ich möchte nicht spoilern und werde das daher nicht näher beschreiben, aber es gab gegen Ende Szenen, die mich sehr verwundert die Stirn runzeln ließen und aus meiner Sicht nicht zu dem Trauma passten, das er aus der früheren Beziehung mit sich trug.

 

Alles in allem aber macht dieses Buch einfach Lust auf den Frühling und kommt damit genau zur richtigen Zeit. Wer sehnsüchtig auf die ersten warmen Sonnenstrahlen wartet, kann sich diese Wartezeit mit dem Roman unterhaltsam verkürzen. Und wem ein schwimmender Blumenladen nicht genug ist, der hat demnächst mit der schwimmenden Buchhandlung in Venedig (Buch 2 der Reihe) und dem schwimmenden Café in Kopenhagen (Buch 3 der Reihe) noch weitere Möglichkeiten, dem Alltag mit einer süßen Geschichte zu entfliehen.

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Veröffentlicht am 25.02.2026

Ein Panorama des Dresdner Lebens zu Anfang des 20. Jahrhunderts

Die Erfinderin der Freiheit
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Christine Hardt arbeitet im Lahmann–Sanatorium auf dem Weißen Hirsch in Dresden als Therapeutin. Aufgrund ihrer Erfahrungen mit Frauen, die wegen des Tragens eines Korsetts in Ohnmacht fallen, versucht ...

Christine Hardt arbeitet im Lahmann–Sanatorium auf dem Weißen Hirsch in Dresden als Therapeutin. Aufgrund ihrer Erfahrungen mit Frauen, die wegen des Tragens eines Korsetts in Ohnmacht fallen, versucht sie die Frauen zu anderen Kleidungsstücken zu überreden, die ihrer Gesundheit förderlicher sind - zum Beispiel einen von ihr erdachten Brusthalter. Sie muss ziemlich kämpfen, denn Konvention geht zum damaligen Zeitpunkt vor Innovation. Dieses Buch soll einer Frau ein Denkmal setzen, die ihrer Zeit voraus war.

 

Doch es geht in diesem Roman nicht nur um Christine. Auch die Mitbewohnerinnen ihres Hauses spielen eine große Rolle. Da ist zum Beispiel ihre Mitbewohnerin Lotta. Und auch Julia, die für sie ab und zu Näh- und Stickarbeiten übernimmt. Alle drei sind Protagonistinnen, deren Geschichten mit der von Christine verknüpft sind. Doch auch bekannte Dresdner Persönlichkeiten lässt die Autorin in diesem Roman wieder lebendig werden - allen voran Amalie Auguste Melitta Bentz, die Erfinderin des Kaffeefilters und Karl August Lingner, der Erfinder des Odol-Mundwassers, dem neben seinem Hang zum Flirten viele Wohltaten für die Dresdner Arbeiterklasse zugeschrieben werden. Das war für mich als Dresdnerin schon sehr interessant.

 

Man sollte aber bei diesem Buch wissen, dass es sich nicht ausschließlich mit der titelgebenden Erfindung des BH beschäftigt. Der wird spätestens ab der Hälfte des Buchs eher zur Nebensache. Vielmehr ist der Roman eigentlich ein Panorama des Dresdener Lebens zu Beginn des 20. Jahrhunderts und greift einige Anekdoten/Fakten/Begebenheiten aus dieser Zeit auf. Ich war darüber ein wenig überrascht. Anhand des Klappentextes hatte ich eine eher „straighte“ Story darüber erwartet, wie Christine auf die Idee kommt, ein neues Kleidungsstück zu designen und wie sie versucht es zu etablieren. Der Roman setzt jedoch bereits dort an, wo es um die Verbreitung des Kleidungsstücks geht und stellt statt dessen mehr die Freundschaft zu ihren Mitbewohnerinnen und deren Irrungen und Verwirrungen zwischenmenschlicher Art in den Mittelpunkt. Gegen Ende hin wird sogar noch fast ein Kriminalfall draus!

 

Mir persönlich war diese Mischung ein wenig zu bunt. Ich hatte mich einfach auf eine andere Art von Geschichte eingestellt und mir diese gewünscht. Das was ich bekam, war definitiv nicht schlecht, sondern ein gut erzählter und unterhaltsamer historischer Roman, der auch gut recherchiert zu sein scheint. Es entsprach nur eben nicht ganz meinen Erwartungen und konnte mich deshalb nicht ganz rückhaltlos begeistern.

 

 

Für alle, die einen Überblick über das Leben in Dresden um die Jahrhundertwende bekommen und auf unterhaltsame Weise einige bekannte Namen der Stadt kennenlernen möchten, ist das Buch auf jeden Fall sehr zu empfehlen!

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