"Jeder Mensch stirbt zweimal." Schon mit diesem ersten Satz hatte mich der Autor. Er erklärt, dass es neben dem natürlichen Tod noch den "sozialen" Tod gibt - der des Vergessens in der sozialen Gemeinschaft. ...
"Jeder Mensch stirbt zweimal." Schon mit diesem ersten Satz hatte mich der Autor. Er erklärt, dass es neben dem natürlichen Tod noch den "sozialen" Tod gibt - der des Vergessens in der sozialen Gemeinschaft. Wenn sich niemand mehr an einen Menschen erinnert, ist er zum zweiten Mal gestorben.
Und so versucht Henning Sussebach, anhand weniger Belege, Fotos und persönlicher Aufzeichnungen, das Leben seiner Urgroßmutter Anna nachzuvollziehen und für die Leser erlebbar zu machen. Dinge, die nicht historisch zu belegen sind, schmückt er mit liebevollem Blick auf seine Ahnin aus: "ich wünsche Anna, dass es ein großes, fröhliches Fest gab" oder so ähnlich.
Und so können die Leser ein Leben nachvollziehen, das absolut gewöhnlich für die damalige Zeit war und doch recht ungewöhnlich anhand der Umstände, die Anna zu bewältigen hatte und der Entscheidungen, die sie dabei traf. Gleichzeitig lässt uns der Autor teilhaben an den großen und kleinen Entwicklungen jedes Jahres - in der Welt und in Annas Wohnort.
Ich habe Henning Sussebach sehr gern auf seiner Spurensuche begleitet und freue mich sehr, dass er Anna mit diesem Buch ein verdientes Denkmal gesetzt hat - stellvertretend für all die tüchtigen Frauen ihrer Generation.
Mit diesem Buch bin ich abgetaucht ins Frankreich der 1940er Jahre. Viele kennen den Begriff der Resistance, des französischen Widerstands, nach der Kapitulation Frankreichs 1940. Aber dass daneben die ...
Mit diesem Buch bin ich abgetaucht ins Frankreich der 1940er Jahre. Viele kennen den Begriff der Resistance, des französischen Widerstands, nach der Kapitulation Frankreichs 1940. Aber dass daneben die britische Spezialeinheit SOE in Frankreich agierte, der auch Frauen angehörten, das war mir neu.
Umso interessierter war ich an ihrer Geschichte, die Elisabeth Sandmann anhand von Zeitzeugnissen aufgearbeitet und in einen Roman verpackt hat. Dieser spielt auf zwei Zeitebenen (Zweiter Weltkrieg und 1998). Im Jahr 1998 schreibt eine BBC Moderatorin ein Buch über die SOE-Agentinnen und kommt deren Geschichte auf die Spur.
Obwohl ich die Thematik super interessant fand, war das Lesen für mich ab und zu verwirrend. Die Agentinnen hatten ja Tarnnamen und so kam im Roman eine herausfordernde Zahl an Figuren vor - welcher Tarnname zu welcher Figur aus dem späteren Erzählstrang gehörte, wurde erst am Ende aufgelöst. Das hat es mir manchmal schwer gemacht, den vielen Lebensläufen zu folgen.
Dennoch konnte ich mit diesem Buch mein Wissen erweitern und habe zusätzlich auch Podcasts zum Thema gehört und Internetrecherchen betrieben. Wer sich für Frauen im zweiten Weltkrieg interessiert, kann hier auf unterhaltsame Weise viel lernen.
Die ägyptische Königin Kleopatra ist eine schillerndsten Gestalten der Geschichte – weshalb in regelmäßigen Abständen neue Romane bzw. Biografien über sie erscheinen. Diesmal hat sich die junge Autorin ...
Die ägyptische Königin Kleopatra ist eine schillerndsten Gestalten der Geschichte – weshalb in regelmäßigen Abständen neue Romane bzw. Biografien über sie erscheinen. Diesmal hat sich die junge Autorin Saara El-Arifi, die vorher im Fantasybereich zuhause war, an dieses ehrgeizige Projekt gewagt. Herausgekommen ist eine moderne Interpretation des Mythos, mit Kleopatra selbst als Erzählstimme und einem Plot, bei dem Fakten und Fiktion verschwimmen.
Ich habe mich am Anfang mit dem Buch etwas schwer getan, das muss ich zugeben. Auf den ersten ca. 80 – 100 Seiten wirkte der Roman noch nicht rund, sondern eher wie ein punktuelles Eintauchen in bestimmte Momente von Kleopatras Leben. Dabei wirkte die eine oder andere Szene noch etwas befremdlich auf mich (Kleopatra steigt nackt vor ihren Untertanen aus den Fluten und macht ihren Thronanspruch geltend) und ich war generell entsetzt, wie schnell mal hier und dort ein Familienmitglied geopfert und hingerichtet wurde, damit der Regentschaft (eines anderen Familienmitglieds) nichts entgegenstand. Naja – andere Zeiten, andere Sitten.
Wirklich interessant wurde das Buch für mich, als Julius Caesar auf der Bildfläche erschien und endlich hatte ich auch das Gefühl, dass das Buch eine strukturierte Handlung bekommt. Ab diesem Punkt fand ich den Roman spannend und konnte besser in Kleopatras Gedankenwelt eintauchen. Sie muss ja tatsächlich eine faszinierende Frau gewesen sein, allerdings kommt man beim Lesen den Fakten über sie nicht unbedingt näher.
Die Autorin stellt schon im Vorwort klar, dass es nur sehr wenige Zeitzeugnisse mit belastbaren Fakten über Kleopatra gibt, weshalb sie sich die Freiheit genommen habe, alles Weitere nach Gutdünken auszuschmücken. Und das ist dann tatsächlich mein Haupt-Kritikpunkt an diesem Buch. Es wirkt, als habe man nur grob einige bekannte Mythen (oder Fakten?) über Kleopatra herangezogen und daraus eine bunte, dramatische und mystische Geschichte gesponnen. Ich habe leider nach dem Lesen nicht das Gefühl, mehr über das tatsächliche Leben Kleopatras erfahren zu haben, weil ich den genannten Fakten nicht vertrauen konnte. Mir fehlte eine klare Abgrenzung von Fakten und Fiktion. Aber das war mein persönlicher Anspruch ans Lesen dieses Buches – wer eine unterhaltsame und moderne Interpretation des Kleopatra-Mythos lesen möchte und weniger Wert auf einen „Lerneffekt“ legt, kommt mit diesem Buch definitiv auf seine Kosten!
Zum Teil war es mir schon zu modern, muss ich zugeben, denn die Spielchen von Kleopatra mit Marcus Antonius (ich denke hier an den Briefwechsel nach ca. 2/3 des Buches) erinnerten mich stark an New-Adult-Romane und lasen sich eher wie ein WhatsApp Chat – was für mich nicht ganz passend war im historischen Kontext. Aber ich denke, jüngere Leser als ich werden es lieben…
Mein Fazit:
Ich kann mir vorstellen, dass das Buch insbesondere Leser bis zum Alter von ca. 35 begeistert, weil es in seiner Aufarbeitung des Stoffs typische Muster moderner Romances aufgreift und auch einen Hauch Fantasy besitzt. „Konservativen“ Lesern von historischen Romanen würde ich dieses Buch nicht uneingeschränkt empfehlen, diese würde ich eher auf die (sehr umfassende) Romanbiografie von Margaret George verweisen.
So viele von euch lieben Ein Jah voller Bücher und Wunder - und ich tue es jetzt auch 🥰
"𝘋𝘪𝘦 𝘸𝘢𝘩𝘳𝘦 𝘔𝘢𝘨𝘪𝘦 𝘷𝘰𝘯 𝘉ü𝘤𝘩𝘦𝘳𝘯 𝘴𝘦𝘵𝘻𝘵 𝘥𝘢𝘯𝘯 𝘦𝘪𝘯, 𝘸𝘦𝘯𝘯 𝘥𝘪𝘦 𝘭𝘦𝘵𝘻𝘵𝘦 𝘚𝘦𝘪𝘵𝘦 𝘬𝘦𝘪𝘯 𝘌𝘯𝘥𝘦, 𝘴𝘰𝘯𝘥𝘦𝘳𝘯 𝘦𝘪𝘯 𝘈𝘯𝘧𝘢𝘯𝘨 𝘪𝘴𝘵." Das steht auf den letzten Seiten des Romans - und ich habe selbst festgestellt, wie wahr das ist. Denn vor 10 Jahren hat ein Buch den Gedanken in meinem Kopf festgesetzt, an die Jurassic Coast zu reisen und im Sommer 2025 stand ich endlich in Lyme Regis und habe am Strand Fossilien gesucht. Es war einer der schönsten Urlaube, die ich je hatte!
Autorin Libby Page schreibt nahbar, authentisch und mit viel Herzblut über das Glück, das Bücher in ein Leben bringen können und ich habe jede Seite genossen.
Wenn ich jetzt jemand wie Buchhändler Alfie wäre, der einer Kundin 12 Monate voller Bücher zusammenstellen sollte - was meint ihr, was definitiv das Januar-Buch wäre? 😉
Im vierten Band der „Blumentöchter“-Reihe ist es Magnolia, die ihre Wurzeln sucht. Sie weiß, dass ihre Mutter aus Neuseeland stammt und dass diese bei Adoptiveltern aufwuchs – aber damit erschöpft sich ...
Im vierten Band der „Blumentöchter“-Reihe ist es Magnolia, die ihre Wurzeln sucht. Sie weiß, dass ihre Mutter aus Neuseeland stammt und dass diese bei Adoptiveltern aufwuchs – aber damit erschöpft sich das Wissen um die Familiengeschichte. Wegen der anhaltend starken Depressionen der Mutter sieht Magnolia einen Hoffnungsschimmer darin, die Herkunft ihrer Mutter näher zu ergründen, denn sie vermutet, dass dort die Wurzel der Depressionen liegen könnte. Und so macht sie sich auf nach Neuseeland und findet heraus, wer die wirklichen Eltern ihrer Mutter – und somit ihre eigenen Großeltern – sind.
Die Reihe von Tessa Collins ist an die 7-sisters-Reihe von Lucinda Riley angelehnt – wer also diese Geschichten mochte, wird sicherlich auch mit den Blumentöchtern angenehme Lesestunden verbringen. In jedem Band spielt ein anderes Land bzw. sogar immer ein anderer Kontinent die Hauptrolle – diesmal eben Neuseeland. Und da viele den langen Flug scheuen und die Insel nicht selbst bereisen, hat die Autorin in ihre Geschichte praktischerweise eine Rundreise in Neuseeland eingebaut. Die Schnitzeljagd zur Familiengeschichte ist gleichzeitig ein Road-trip durch das Land der Kiwis. Von Queenstown auf der Südinsel bis Rotorua auf der Nordinsel führt die Geschichte die Leser einmal quer über das „schönste Ende der Welt“. Und nebenbei wird natürlich das Familiengeheimnis gelüftet und Magnolia findet einen Partner fürs Leben. In diesem Sinne also keine Überraschungen in der Storyline, sondern eher ein „you know what you get“-Roman. Und das muss ja nicht schlecht sein. Denn entspannende Lesestunden sind mit diesem Roman auf jeden Fall garantiert.
Ein kurzer Hinweis noch zu Triggern: wer auf die Themen Depressionen und/oder Selbstmordgedanken sensibel reagiert, dem würde ich dieses Buch nicht uneingeschränkt empfehlen.
Gesamteindruck:
Familienroman mit Herz und emotionaler Spurensuche. Viel Neuseelandflair und garantiert entspannende Feierabend-Lektüre. Für Fans von Lucinda Riley oder Soraya Lane.