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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.11.2016

Bin zwiegespalten

Calendar Girl - Berührt (Calendar Girl Quartal 2)
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Beim zweiten Teil der „Calendar Girl“-Reihe bin ich zwiegespalten und weiß nicht so recht, wie ich ihn einordnen soll. Einerseits finde ich die Idee, die hinter der Geschichte steht (12 Monate – 12 Männer) ...

Beim zweiten Teil der „Calendar Girl“-Reihe bin ich zwiegespalten und weiß nicht so recht, wie ich ihn einordnen soll. Einerseits finde ich die Idee, die hinter der Geschichte steht (12 Monate – 12 Männer) noch immer sehr gut und auch sehr gut umgesetzt. Ganz unterschiedliche Geschichten stehen hinter den Einsätzen des exklusiven Escort Girls Mia. Und sie wächst einem wirklich ans Herz, so dass man immer wieder mittendrin ist im Geschehen und mitfiebert. Zudem entwickelt sich Mia zu einer erfolgreichen Kupplerin und auch diese Geschichten sind einfach süß…

Der negative Aspekt ist die – für meine Begriffe – zu typisch amerikanische Schreibweise. Mia ist von vielen Männern, die sie trifft, begeistert und drückt es jedes Mal so aus, als sei der neueste Mann der attraktivste, den sie je getroffen hat. Sie wirft des öfteren mit Superlativen um sich und so frage ich mich, ob es wirklich realistisch ist, immer wieder tollere, besser aussehende, leidenschaftlichere Männer kennenzulernen – die in der Regel dann auch noch innerlich schön sind. Nun ja.

Darüber hinaus kann ich leider mit Mias bester Freundin Ginelle wenig anfangen. Sie ist laut, schrill und wirkt auf mich wenig sympathisch. Dass sie und Mia sich untereinander mit "Schlampe" und „Miststück“ (im Original vielleicht beides mit „bitch“ besetzt) anreden, finde ich finde ich nicht unkonventionell (wie es vielleicht gemeint ist), sondern einfach nur ordinär. Ich zucke dann die Schultern, sage mir: „Amerikaner halt…“ und versuche, dem nicht allzuviel Bedeutung beizumessen. Es nervt mich aber schon...

Davon abgesehen verfolge ich die Story um Mia aber wirklich gerne und werde sicher auch die weiteren zwei Bände noch lesen. Trotzdem – zu mehr als drei Sternen kann ich mich nicht überwinden. Damit würde ich Bücher, die ich mit 4 Sternen bewertet habe deutlich ungerecht behandeln… insofern kann ich es nur als „gut gemeinte 3 Sterne“ bezeichnen.

PS. Neuleser sollten bei dieser Reihe nicht mit diesem oder späteren Bänden einsteigen. Vom Aufbau der Geschichte her ist es aus meiner Sicht erforderlich, mit Band 1 einzusteigen und der Reihe nach zu lesen. Zumal öfters Personen aus dem vorherigen Band auftauchen und die Zusammenhänge wohl nur unzureichend erklärt sind, wenn man den früheren Band nicht kennt.

Veröffentlicht am 12.11.2016

Ein Verwirrspiel auf ganzer Linie – sauclever konstruiert

Zorn - Wie du mir
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Hibbelig wie immer hab ich auf den neuesten Band der Zorn & Schröder-Reihe gewartet. Und wie immer war das Lesen ein Genuss für Augen und Hirn. Ich kann einfach nicht mehr ohne die beiden, ich würde fast ...

Hibbelig wie immer hab ich auf den neuesten Band der Zorn & Schröder-Reihe gewartet. Und wie immer war das Lesen ein Genuss für Augen und Hirn. Ich kann einfach nicht mehr ohne die beiden, ich würde fast sagen, sie gehören schon zur Familie

Nachdem die „Machtverhältnisse“ sich nun umgekehrt haben und Schröder mittlerweile der Chef von Zorn ist, gibt es für Neu-Leser dieser Reihe in diesem Band eine harte Nuss zu knacken. Denn was sich im Vorfeld abgespielt hat, wird kaum zusammengefasst, und die Tatsache, dass Schröder den Kommissar, Verzeihung Hauptkommissar, zuweilen immer noch als „Chef“ anspricht, ist sicher nicht geeignet, Klarheit in die Verhältnisse zu bringen. Also, in aller Deutlichkeit: Neu-Leser fangen bitte nicht mit diesem Band an, sondern beginnen bitte mit „Tod und Regen“ und arbeiten sich dann bis zu diesem Buch vor. Ich verspreche hoch und heilig – es lohnt sich!

Fans der Krimi-Reihe werden definitiv ihre Freude haben an diesem Fall, der unheimlich clever konstruiert ist. Der Klappentext gibt ja schon einen Einblick und viel mehr kann man auch nicht sagen, ohne zu viel von diesem wirklich saucleveren Verwirrspiel zu verraten. Ich hab die ganze Zeit mitgerätselt und bin doch nicht auf die Zusammenhänge gekommen. Trotz allem hatte ich nicht den Eindruck einen „konstruierten“ Krimi zu lesen, und dass Ludwig das geschafft hat, finde ich bemerkenswert. Ich persönlich fand ja, dass der Vorgänger-Band „Kalter Rauch“ ein wenig schwächelte (nicht beim Zusammenspiel der beiden Hauptfiguren, aber der Fall hat mich einfach nicht sonderlich mitgerissen). Das macht Stephan Ludwig mit diesem Buch auf jeden Fall wieder wett.

Der Veröffentlichungszeitpunkt ist gut gewählt – die Handlung spielt weitestgehend im November und somit kann man sich derzeit so richtig gut in die Stimmung des Buches reinfühlen. Da pfeift einem selbst auf der Couch der kalte Novemberwind um die Nase  Tolle Atmosphäre, die super zu dem Fall passt.

Kurzum: ich bin mal wieder begeistert und zähle jetzt schon die Tage bis zum nächsten Fall… Herr Ludwig, bitte weiter so!

Veröffentlicht am 08.11.2016

12 Monate - 12 Männer

Calendar Girl - Verführt (Calendar Girl Quartal 1)
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Die Idee für diese Reihe finde ich ziemlich gut: 12 Monate - 12 Männer, die Mia Saunders als exclusives Escort-Girl kennenlernt. Jeden ihrer Kunden begleitet sie einen ganzen Monat lang und gerät dabei ...

Die Idee für diese Reihe finde ich ziemlich gut: 12 Monate - 12 Männer, die Mia Saunders als exclusives Escort-Girl kennenlernt. Jeden ihrer Kunden begleitet sie einen ganzen Monat lang und gerät dabei in ziemlich viele ziemlich unvorhergesehene Situationen.

Ich muss aber auch sagen: den Anfang dieses Buches, in dem die Hintergründe für Mias Tätigkeit erklärt werden, fand ich recht schwach: Weil ihr Vater, Alkoholiker und Spieler, von Auftragsschlägern eines Kredithais zusammengeschlagen wurde, versucht Mia innerhalb eines Jahres die Schulden ihres Vaters zurückzuzahlen. Die stolze Summe von 1 Million Dollar. Und zufällig hat Mia eine Tante, die einen so exclusiven Escort-Service betreibt, dass die Mädchen dort über 100.000 Doller pro Monat verdienen können… Und zufällig ist Mia so schön, dass sie von ihrer Tante sofort einen Job angeboten bekommt... Nee, wers glaubt, wird selig. Das kam mir eher vor wie in einem unterdurchschnittlichen amerikanischen Film und deshalb hab ich mich am Anfang mit dem Buch schwer getan.

Die zarte Liebesgeschichte im ersten Teil „Januar“ allerdings hat mich dann positv überrascht und auch die Sexszenen waren recht ansprechend beschrieben. Nun ja… im Laufe dieses ersten Bandes gibt es noch viele weitere und was soll ich sagen – es ist wie in einer längeren Beziehung – irgendwann ist der Sex halt nicht mehr so aufregend wie ganz am Anfang. Sprich: man kann auch in der Erotikliteratur das Rad nicht ständig neu erfinden und so stellte sich bei diesen Szenen gegen Ende des Buches ein wenig Routine ein und ich habe sie nicht mehr so intensiv gelesen wie noch am Anfang.

Trotzdem hat es die Autorin geschafft, mich für die Story an sich zu erwärmen – ich bin gespannt, wen Mia im Laufe des Jahres noch so alles kennenlernt und werde auch die weiteren Bände lesen

Veröffentlicht am 02.11.2016

Verrückte Reise mit verrückten Jungs

Drei Freunde, ein Taxi, kein Plan ...
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Der Titel des Buches spricht Bände… Die zwei Worte „Kein Plan“ hätte ich allerdings doppelt so groß geschrieben, denn diese drei Jungs haben so ziemlich alles, aber absolut keinen Plan, auf was sie sich ...

Der Titel des Buches spricht Bände… Die zwei Worte „Kein Plan“ hätte ich allerdings doppelt so groß geschrieben, denn diese drei Jungs haben so ziemlich alles, aber absolut keinen Plan, auf was sie sich da einlassen Irgendwann dämmert es ihnen dann auch, aber das dauert ein paar Tausend Kilometer…

Dieser Reisebericht strotzt vor Unbekümmertheit und Wagemut. Ob das in jeder Situation immer so gut ist, ist natürlich fraglich – besonders wenn man morgens aus seinem Zelt kriecht und im Morgenlicht begreift, dass man mitten im Iran auf dem Gelände der Flugabwehr wild gecampt hat. Nicht gut. Oder wenn man sich in Russland mit der Polizei anlegt. Nicht gut. Oder wenn man… ach, lesen Sie selbst. Es gibt Unmengen dieser Situationen, in die sich die drei jungen Kerls da reinmanövrieren und bei denen man wirklich mitfiebert, wie sie da wohl wieder rauskommen werden. Es macht Spaß, dieses Buch zu lesen – mir persönlich aber erst nach einer kleinen „Anlaufzeit“, denn im ersten Drittel des Buches war es mir einfach zuviel Party und zu wenig Reisebericht. Dafür ein Sternchen Abzug. Andere Leser stört das vielleicht nicht, die finden eventuell die Schilderungen der vergnügungssüchtigen Briten sogar sehr amüsant. Ist eben Geschmackssache.

Trotzdem war es ein wirklich vergnüglicher Roadtrip, den uns der Dumont Verlag hier präsentiert. Ich habe das Buch innerhalb eines Wochenendes ausgelesen, weil ich nicht aufhören konnte und immer wieder wissen wollte, wo die Jungs als nächstes landen, wen sie treffen und ob Hannah (so der hübsche Name des 20 Jahre alten London Cab, mit dem sie unterwegs sind) mal wieder die Puste ausgeht und Improvisationstalent bei der Reparatur gefragt ist. Denn zwei Dinge sind Fakt: Erstens -Hannah ist eine alte Dame. Und zweitens – für ein London Cab bekommt man Ersatzteile nun mal selten, wenn man sich nicht in Großbritannien befindet…

Ich hab mich gut amüsiert mit Hannah und ihren drei Gefährten. Und ich denke, das Buch ist das Richtige für alle, die schon immer mal von einer abenteuerlichen Weltreise geträumt haben. So schnell wie mit diesem Buch kommt man sonst auf keinen Fall um die Erde – ich habe gerade mal zwei Tage gebraucht ;)

Veröffentlicht am 30.10.2016

Als wäre man selbst dabei gewesen...

Berlin 1936
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Von Oliver Hilmes‘ Buch „Berlin 1936“ war ich überrascht, und zwar äußerst positiv. Ich hatte ein Sachbuch erwartet, das mich im besten Fall mit einem guten Schreibstil halbwegs bei der Stange hält. Dass ...

Von Oliver Hilmes‘ Buch „Berlin 1936“ war ich überrascht, und zwar äußerst positiv. Ich hatte ein Sachbuch erwartet, das mich im besten Fall mit einem guten Schreibstil halbwegs bei der Stange hält. Dass ich ein Buch bekommen würde, das spannend ist wie ein Roman und mich von der ersten bis zur letzten Seite fesselt, hätte ich aber nicht gedacht.

Hilmes beschreibt chronologisch Geschehnisse in der Zeit vom 01. bis zum 16. August 1936 – die Tage, in denen die Olympischen Spiele in Berlin stattfanden – und vermittelt plastisch das Lebensgefühl dieser Zeit. Tage zwischen Angst und Größenwahn. Man reist mit dem amerikanischen Schriftsteller Tom Wolfe als Tourist durch die Stadt, besucht Bars und In-Lokale mit Göring, Goebbels & Co. und sorgt sich mit jüdischstämmigen Künstlern um die Zukunft. Hilmes hat nicht nur ein Porträt der Ereignisse geschaffen, sondern vor allem ein Porträt der Emotionen.

Ich ziehe meinen Hut vor der Recherchearbeit, die Oliver Hilmes da auf sich genommen hat, denn es ist offensichtlich, dass er Unmengen von Quellen ausgewertet haben muss, um dieses Buch schreiben zu können. Und dann liest man das alles anschaulich aufbereitet und in moderner Sprache (so wie man heute selbst erzählen würde). Ich habe selten ein Sachbuch gelesen, das mich so unterhaltsam durch die Geschichte geführt hat (auch wenn die Geschichte wahrlich nicht immer Grund zum Lächeln gab).

Ein großes & wichtiges Buch auf 280 Seiten!