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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.01.2026

Sanft und entschleunigend

Mathilde und Marie
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Als ich Mathilde und Marie beendet habe, hatte ich irgendwie das Gefühl, noch ein bisschen in diesem Buch weiterleben zu wollen. Es ist kein „Action-Buch“ und kein Thriller – sondern eines davon, das dich ...

Als ich Mathilde und Marie beendet habe, hatte ich irgendwie das Gefühl, noch ein bisschen in diesem Buch weiterleben zu wollen. Es ist kein „Action-Buch“ und kein Thriller – sondern eines davon, das dich ganz langsam umarmt und dann nicht mehr loslässt.

Die Geschichte beginnt damit, dass Marie, eine junge Frau aus Paris, plötzlich beschließt, ihr altes Leben hinter sich zu lassen und einfach zu reisen. So landet sie in Redu, einem kleinen Bücherdorf in den belgischen Ardennen, wo die Zeit ganz anders tickt und die Menschen sich mehr um echte Begegnungen als um ständige Erreichbarkeit kümmern.

Das Buch fühlt sich an wie eine sanfte Auszeit vom hektischen Alltag. Redu ist so liebevoll beschrieben – als Ort, an dem man spürt, wie entschleunigend echte Gemeinschaft sein kann. Es geht unglaublich viel um Bücher, Gespräche, Spaziergänge und darum, wieder zu sich selbst zu finden.
Was mir besonders gefallen hat, war die Freundschaft zwischen Marie und Mathilde. Die beiden könnten nicht unterschiedlicher sein, trotzdem oder gerade deswegen, entsteht etwas sehr Schönes und Echt‑es zwischen ihnen. Und irgendwie zeigt das Buch, dass Freundschaft, Achtsamkeit und kleine Gesten viel mehr verändern können als große Worte.

Fazit:
Mathilde und Marie ist für mich ein Buch, das man nicht „verschlingt“, sondern genießt. Es hat mich zum Nachdenken gebracht, über Freundschaft, über das, was wirklich zählt, und darüber, wie gut es tut, sich einfach mal Zeit zu nehmen. Absolut empfehlenswert, wenn du eine Geschichte suchst, die wärmt und berührt.

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Veröffentlicht am 01.01.2026

Ein düsterer Showdown im Oxen‑Universum

Oxen. Interregnum
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Mit Oxen. Interregnum legt Jens Henrik Jensen den siebten Band seiner gefeierten Thriller‑Reihe um den ehemaligen Jægersoldaten Niels Oxen und die kluge Agentin Margrethe Franck vor. Wer die Vorgänger ...

Mit Oxen. Interregnum legt Jens Henrik Jensen den siebten Band seiner gefeierten Thriller‑Reihe um den ehemaligen Jægersoldaten Niels Oxen und die kluge Agentin Margrethe Franck vor. Wer die Vorgänger kennt, weiß, dass die Serie skandinavische Spannung mit politischer Brisanz verbindet – und genau daran knüpft dieser Band an.

Im Mittelpunkt steht der PET‑Chef Axel Mossman, der Oxen und Franck zu sich ruft – und eine schockierende Erkenntnis präsentiert: Das geheime Machtnetzwerk Danehof, das sie einst zu Fall brachten, existiert weiterhin und wird von neuen mächtigen Figuren aus Justiz und Politik gesteuert. Innerhalb eines gefährlichen Interregnums – einer Zeit zwischen dem Rücktritt eines PET‑Chefs und der Ernennung eines neuen – sollen Oxen und Franck ein letztes entscheidendes Gefecht führen.
Schon bald katapultiert sich die Ermittlung in eine Kettenreaktion rätselhafter Ereignisse: Eine führende Figur wird tot in einem schwedischen See gefunden, eine junge Studentin hängt tot von einem Altan, während ihre Freundin mit ihrem Partner um Leben und Tod flieht. Es entsteht ein undurchsichtiges Netz aus Verschwörung, Machtspielen und tödlichen Dingen, in dessen Mitte Oxen und Franck stehen – und das sie zunehmend in Lebensgefahr bringt.

Jens Henrik Jensens Stärke liegt erneut in seiner detailreichen Handlung, die politische und gesellschaftliche Themen geschickt mit klassischer Krimispannung verbindet. Die bekannte nordisch‑düstere Atmosphäre bleibt erhalten, und Fans der Reihe bekommen genau das, was sie erwartet: ein vielschichtiges Katz‑und‑Maus‑Spiel mit internationalem Einschlag.

Allerdings hat der Band auch Schwächen. Für Leserinnen, die ohne Kenntnisse der vorherigen Bücher einsteigen, wirkt die Fülle an Figuren, Verstrickungen und historischen Anspielungen teilweise überwältigend – und die Spannungskurve fühlt sich streckenweise etwas langgezogen an. Die vielen Handlungsebenen verlangen Aufmerksamkeit, ohne immer sofort zu belohnen.
Insgesamt ist Oxen. Interregnum ein solider und tief recherchierter Thriller, der das Serienuniversum weiterführt und besonders Kenner
innen der Oxen‑Reihe begeistern dürfte. Die Mischung aus politischer Intrige, düsterer Stimmung und actiongeladenen Ermittlungen macht ihn zu einem starken Beitrag im modernen Skandi‑Thriller‑Genre, auch wenn der Showdown ein bisschen mehr Tempo vertragen könnte.

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Veröffentlicht am 01.01.2026

Ein Feuer, das in uns weiterleuchtet

Trag das Feuer weiter
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Mit Trag das Feuer weiter führt Leïla Slimani ihre Trilogie um Familie, Herkunft und Freiheit auf beeindruckende Weise zum Abschluss. Der Roman folgt der erfolgreichen Pariser Schriftstellerin Mia, die ...


Mit Trag das Feuer weiter führt Leïla Slimani ihre Trilogie um Familie, Herkunft und Freiheit auf beeindruckende Weise zum Abschluss. Der Roman folgt der erfolgreichen Pariser Schriftstellerin Mia, die unter einem lähmenden „brain fog“ leidet – einem Nebel, der ihre Erinnerungen und ihre Kreativität trübt. Auf ärztlichen Rat kehrt sie in das Marokko ihrer Kindheit zurück, zur Farm ihrer Großeltern in Meknès, und begibt sich dort auf eine Reise in ihre eigene Geschichte und damit auch in das kollektive Erbe ihrer Familie.
Der erzählerische Bogen des Romans spannt sich weit. Von Mias frühen Jahren in Rabat, wo sie und ihre Schwester Inès in sehr unterschiedlichen Lebenswelten aufwachsen, bis zu ihrem Studium in Paris, wo sie zum ersten Mal offen ihre Homosexualität leben kann. Diese Rückkehr in die Vergangenheit ist zugleich ein innerer Befreiungsprozess, der den Kampf gegen gesellschaftliche Grenzen und das Streben nach Selbstbestimmung in den Mittelpunkt rückt.

Slimanis Stärke liegt nicht nur in ihrer präzisen Beobachtungsgabe, sondern auch im nuancierten Porträt ihrer Figuren. Mia ist keine klassische Heldin. Sie ist verletzlich, mit Zweifeln und Erinnerungen beladen, und doch stark in ihrem Drang, das Feuer weiterzutragen, das ihr ihre Mutter und Großmutter vorgelebt haben. Ihre inneren Konflikte, ihre Suche nach Zugehörigkeit und Freiheit machen die Geschichte berührend und nachvollziehbar.

Die Sprache Slimanis ist klar, bedacht und literarisch, wodurch sich der Roman sowohl als Familiengeschichte als auch als Reflexion über kulturelle Zugehörigkeiten und Selbstverwirklichung liest. Trag das Feuer weiter fordert dazu auf, über die Grenzen von Identität und Tradition nachzudenken und bleibt dabei stets nah an den Menschen, von denen sie erzählt.

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Veröffentlicht am 31.12.2025

Stark, ehrlich und wichtig

Hazel sagt Nein
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Hazel sagt Nein erzählt die Geschichte von Hazel Blum, die mit ihrer Familie in eine kleine Stadt in Maine zieht, wo ihr Vater eine neue Professur angenommen hat. Alles scheint zunächst nach einem ganz ...

Hazel sagt Nein erzählt die Geschichte von Hazel Blum, die mit ihrer Familie in eine kleine Stadt in Maine zieht, wo ihr Vater eine neue Professur angenommen hat. Alles scheint zunächst nach einem ganz normalen Neustart bis der erste Schultag seiner dramatischsten Wendung begegnet. Der Schulleiter macht Hazel ein unangemessenes Angebot und legt dabei seine Machtposition über sie. Instinktiv und mit tiefem Mut sagt sie „Nein“ und damit beginnt ein Jahr, das ihr Leben, ihre Familie und das Gefüge der ganzen Gemeinschaft gründlich verändert.
Jessica Berger Gross gelingt dabei etwas Seltenes. Sie nähert sich einem schwierigen, sensiblen Thema mit Empathie, Respekt und Klarheit. Hazel wird nicht als verletztes Opfer porträtiert, sondern als junge Frau mit eigenen Zielen, Träumen und Widersprüchen, deren Reflexionen und Entscheidungen unmittelbar greifen. Durch die Perspektiven verschiedener Familienmitglieder wird nicht nur Hazels innere Welt greifbar, sondern auch, wie unterschiedlich Menschen mit Schock, Loyalität und Moral umgehen.

Der Roman ist kein reiner Thriller, sondern ein sozialer, emotionaler Coming‑of‑Age‑Roman, der Themen wie Machtmissbrauch, Gemeinschaftsdruck, familiäre Beziehungen und Selbstbehauptung aufgreift. Die Handlung bleibt trotz der Schwere des Themas nie kalt – sie berührt, regt zum Nachdenken an und zeigt, welche Wellen eine einzelne Entscheidung schlagen kann.

Einige Nebenstränge wirken etwas überfrachtet, und nicht alle Figuren werden gleich stark ausgearbeitet, doch gerade Hazel und ihr innerer Dialog bleiben glaubhaft, stark und berührend. Insgesamt bleibt Hazel sagt Nein ein Buch, das nachhallt und Gespräche provoziert, genau wie es Literatur schaffen sollte.

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Veröffentlicht am 30.12.2025

Zulassen von Emotionen

Wie fühlst du dich?
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Ich habe dieses Buch in einer Phase gelesen, in der sich alles irgendwie zu viel angefühlt hat – Gedanken, Erwartungen, Unsicherheiten. Und genau da hat Axel Hacke mich abgeholt. „Wie fühlst du dich?“ ...


Ich habe dieses Buch in einer Phase gelesen, in der sich alles irgendwie zu viel angefühlt hat – Gedanken, Erwartungen, Unsicherheiten. Und genau da hat Axel Hacke mich abgeholt. „Wie fühlst du dich?“ klingt wie eine einfache Frage, aber das Buch zeigt, wie schwer sie wirklich zu beantworten ist – und wie wichtig es ist, sich ihr trotzdem zu stellen.

Hacke schreibt nicht als Experte, sondern als jemand, der selbst beobachtet, hinterfragt, sich wundert. Seine Gedanken sind oft klug, manchmal witzig, und immer menschlich. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass jemand laut ausspricht, was ich oft still mit mir herumtrage: die Überforderung in einer Welt, die ständig etwas von einem will, die Angst, nicht zu genügen, das Bedürfnis, einfach mal durchzuatmen.

Besonders schön finde ich, dass das Buch keine Patentlösungen bietet. Es will nicht therapieren oder analysieren, sondern eher Raum schaffen – für Nachdenken, für das Zulassen von Emotionen, auch für Widersprüche. Die Texte sind wie kleine Gespräche mit einem älteren Freund, der nicht urteilt, sondern einfach zuhört und Impulse gibt.
Was mir besonders naheging, war Hackes Blick auf die Gesellschaft: Wie wir funktionieren sollen, funktionieren wollen – und dabei oft unsere echten Gefühle übergehen. Er erinnert daran, dass Emotionen nichts Schwaches oder Peinliches sind, sondern zutiefst menschlich.

Ein leises, kluges Buch, das nicht laut auf sich aufmerksam macht – aber genau deshalb lange nachhallt. Es hat mir geholfen, meine Gefühle ernster zu nehmen, sie nicht wegzuschieben. „Wie fühlst du dich?“ ist kein klassischer Ratgeber, sondern eher ein kleiner Kompass für den inneren Raum. Und vielleicht genau das, was wir gerade brauchen.

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