Eine Familie fängt im Norden neu an
Willkommen in Deerhusen. Scheitern mit SeeblickFamilienroman: die Hauptfiguren müssen ihre Komfortzone abrupt verlassen und quartieren sich abgebrannt in der Pension der Schwester ein.
„Willkommen in Deerhusen – Scheitern mit Seeblick“ heißt der ...
Familienroman: die Hauptfiguren müssen ihre Komfortzone abrupt verlassen und quartieren sich abgebrannt in der Pension der Schwester ein.
„Willkommen in Deerhusen – Scheitern mit Seeblick“ heißt der erste Roman von dem Autorinnenteam Indra Janorschke und Jenna Schönberg, deren Pseudonym Bente van der Meer ist. Das Taschenbuch, im Lübbe Verlag erschienen, beginnt mit einem Finanzskandal in der eigenen Familie. Ein interessanter Ausgangspunkt, um eine Geschichte zu entwickeln. Für ein Wohlfühlbuch ungewöhnlich, aber keine Angst, das Buch wird diesem Anspruch im Laufe der Geschichte noch gerecht. Anfangs dauert es aber noch mit dem Wohlfühlen. Die Figuren – Isabell und ihre erwachsenen Kinder Lucas und Clara – stehen vor einem Scherbenhaufen und machen sich notgedrungen auf die Reise vom noblen München in die nordische Dorfidylle, die keine zu sein scheint und zudem Isabells alte Heimat ist.
Die Hauptfiguren müssen ihre Komfortzone abrupt verlassen und quartieren sich völlig abgebrannt in der leidlich laufenden Pension der Schwester von Isabell ein. Allerdings wird das eine Herausforderung, denn die sehr gegensätzlichen Schwestern, Isabell und Stine, haben seit 30 Jahren nicht mehr miteinander gesprochen. Aber alle machen dann doch noch eine überraschende Wandlung durch. Lucas mutiert vom Anwalt zum Handwerker, Tomke-Isabell von der Society-Lady zur Konditorin und Clara von der verwöhnten Tochter und nicht sehr erfolgreichen Influencerin zur guten Organisatorin von Kinderfesten. Alle packen mit an, nicht uneigennützig, damit die Pension wieder mehr Geld abwirft.
Mit der Zeit werden einem die Figuren immer sympathischer. Alle Figuren springen über ihre Schatten und erfinden sich neu. Man kann sich als Leser gut in die Figuren hineinversetzen. Es wird in wechselnden Perspektiven erzählt. Das hat mir gut gefallen, auch der Schreibstil an sich. Der Familienzuwachs ist allerdings etwas zu wenig authentisch für meinen Geschmack. Dennoch hat die kurzweilige Geschichte Spaß gemacht. Eine ungewöhnliche Geschichte mit einem überraschenden Fortgang und einem Happy End. Die Lektüre eignet sich besonders für entspannende Lesestunden am Urlaubsstrand im Norden oder auf der Couch bei original Schietwetter und einer Tasse Tee.