Platzhalter für Profilbild

Chrihart

aktives Lesejury-Mitglied
offline

Chrihart ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Chrihart über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.06.2026

Alles in Bewegung - das Leben tanzen

Fünf, sechs, sieben, acht
0

Arenz macht der Kunst auf der Tanzbühne und dem künstlerischen Leben an sich eine Liebeserklärung.

In dem Buch: Fünf Sechs Sieben Acht von Ewald Arenz, im Dumont Verlag erschienen, geht es um Anton. Er ...

Arenz macht der Kunst auf der Tanzbühne und dem künstlerischen Leben an sich eine Liebeserklärung.

In dem Buch: Fünf Sechs Sieben Acht von Ewald Arenz, im Dumont Verlag erschienen, geht es um Anton. Er ist auf dem Höhepunkt seiner Karriere angelangt, als Stepptänzer und als Choreograf. Anders als Fußballer oder andere Profisportler, die mit vierzig ihre Karriere beenden, denkt er mit seinen sechzig noch nicht ans Aufhören. Allerdings wird er kurz nach der Premiere seines jüngsten Stückes von der neuen Intendantin davon in Kenntnis gesetzt, dass er von einer jungen Kollegin ersetzt werden soll. Sie bekommt seinen Posten. Das Theater, an dem er inszeniert, soll sich verjüngen. Die neue ist ihm nicht unbekannt. Ausgerechnet seine erwachsene Tochter Emma soll nun die Stücke choreografieren. Er ist geschockt. Niemand hat ihn vorgewarnt. Mit diesem Ereignis kommen die Dinge ins Rollen.

Anton zweifelt alles in seinem bisherigen Leben an und macht sich auf die Suche nach der Lücke in seinem Leben, der verpassten Chance, dem ungelebten Leben. Seine erste große Liebe verschwand vor 35 Jahren von dem einen auf den anderen Tag aus seinem Leben. Doch was er in Irland, wohin ihn seine Suche führt, erfährt, ist nicht das, was er erwartet. Alles erscheint in neuem Licht und sein Leben ist doch gar nicht so schlecht, wie er noch zuletzt gedacht hat. Sein Blick zurück ermöglicht es ihm wieder, nach vorne zu sehen. Er kann jetzt endlich seine sorgenvollen Gedanken übers Altern loslassen und sich an dem Erfolg seiner Tochter erfreuen. Erst jetzt kann er stolz auf sie sein und sich darauf zu konzentrieren, seine Erfahrungen an die jüngere Generation weiterzugeben und neue Tanztalente zu fördern. Anton lebt seine Kunst und tanzt das Leben. Alles ist für Anton Bewegung und kann in die Inszenierung als Tanzpart eingebaut werden. Emma ist wie er.

Die Inspiration schöpfen Anton und Emma aus dem Erlebten. Nach vielen Streitereien tanzen sie zusammen unterwegs auf einer Treppe. Spontan improvisieren sie eine neue Szene. An einer Stelle heißt es im Buch: Das war es, weshalb man tanzte. Um auszudrücken, was man nicht in Worten sagen konnte. So waren sie beide. Arenz lässt seine Sprache durch die Seiten tanzen, grazil und leichtfüßig. Emma inszeniert am Ende des Buchs König Lear neu und macht daraus eine Liebeserklärung an ihren Daddy. In ihrem Stück verarbeitet sie vieles aus dem Erlebten und integriert auch die Szene mit ihrem Vater auf der Treppe. Ewald schreibt aber nicht nur über die Vater-Tochter-Beziehung, übers Tanzen und das Altern, sondern über das Leben eines Künstlers an sich. Und Arenz weiß, wovon er schreibt. Der Schriftsteller und Lehrer hat ein Musical geschrieben und hat selbst Stepptanz gelernt. Auch er schöpft als Künstler aus dem Erlebten.

Fazit: Der Tänzer Anton entdeckt, dass es sich immer lohnt, egal wie alt man ist, nach vorn zu sehen und das Leben zu tanzen. Unbedingt lesen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.06.2026

Jeder hat seine eigene Version der Erinnerung

Gretas Männer
0

Kurzmeinung: Eine gelungene Geschichte mit einem überraschenden Ende und einem Plädoyer dafür, Empathie zu entwickeln für den jeweils anderen.

In der Literatur und im Film ist die Bezeichnung „Bienenkönigin“ ...

Kurzmeinung: Eine gelungene Geschichte mit einem überraschenden Ende und einem Plädoyer dafür, Empathie zu entwickeln für den jeweils anderen.

In der Literatur und im Film ist die Bezeichnung „Bienenkönigin“ für Frauen, die mehrmals heiraten und deren Partner kurz darauf versterben, ein beliebtes Motiv. In dem Buch „Gretas Männer“ von Judith Reusch, erschienen im List Verlag, wird die Geschichte von Greta erzählt, deren Urenkelin nach ihr benannt wird. Lola, ihre Enkelin und Mutter von der kleinen Greta, möchte mehr über ihre Oma wissen. Um die Person von Greta wird ein großes Geheimnis gemacht. Der Kontakt zur „schwarzen Witwe“ wurde abgebrochen. Sie war fünf Mal verheiratet und alle ihre Männer sind gestorben. Aber ist das ein Verbrechen? Was ist wirklich dran an den Geschichten, die innerhalb der Familie herumgeistern? Wie schnell entstehen Vorurteile, Missverständnisse, Streit. Lola, ihre Enkelin, nimmt gegen den Willen der eigenen Mutter, der Tochter von Greta, den Kontakt wieder auf und wünscht sich Aufklärung. Und die bekommt sie auch. Denn Greta hat ihre Erinnerungen aufgeschrieben und liest Lola daraus vor und möchte ihre Version erzählen.

Die Leser erfahren, dass die junge Greta ihre Eltern bei einem Unfall verliert und bei einer strengen Pfarrersfamilie aufwächst. Daraus bricht sie aus und heiratet den Schwarm der Schule, der nach zwei Jahren bei einem Motorradunfall stirbt. So wird sie in jungen Jahren schon zum ersten Mal Witwe und trägt Zeit ihres Lebens mit einigen Ausnahmen die Farbe Schwarz. Sie lebt ihre neuen Lieben immer gegen alle Widerstände bzw. die damaligen gesellschaftlichen Bedenken. Es gibt von Anfang an viele Neider im Umfeld, weil sie einfach macht, was sie möchte. Das ist natürlich unerhört. Wie kann das eine Frau in der damaligen Zeit wagen? Reusch lässt verschiedene Menschen und deren Perspektiven zu Wort kommen und zeigt, wie verschieden die Menschen Erinnerungen an dieselben Ereignisse abspeichern. Nach vielen Verlusten schafft Greta es, immer wieder neu anzufangen, sich neu zu erfinden und weiterzumachen. Weiter zu leben und weiter zu lieben. Das kann man einem Menschen doch eigentlich nicht vorwerfen, oder?

Die verschiedenen Perspektiven finde ich sehr gelungen, um die Figur Greta und ihre Familie besser kennenzulernen. Lola möchte endlich alles von Greta wissen, erfährt aber, wie anstrengend so eine Spurensuche im Seniorenheim, in dem Greta mit ihrem letzten demenzkranken Mann Gernot lebt, sein kann. Und sie merkt, dass die Welt der nicht mehr so fitten älteren Herrschaften eingeschränkt ist. Für die Menschen, die Greta nicht näher kennen, muss es nach Bereicherung aussehen, denn Greta ist diejenige, die nach dem Tod der Männer profitiert. Greta hat ihre Version für die nachfolgenden Generationen niedergeschrieben, wirbt für Verständnis für ihre Entscheidungen. Der Kniff am Schluss mit dem wachen Zustand von Gernot ist genial, um noch seine Version erzählen zu können. Ein wunderbares Buch über Familien, über Frauen, über Vorurteile, über Erinnerungen. Und über das Vergeben.

Fazit: Ich habe das Buch teilweise mit angehaltenem Atem gelesen und war sehr gespannt, wie das Buch endet. Ein tolles Porträt einer beeindruckenden Frau, die ihren Weg gegangen ist und sich nicht verbogen hat. Auch wenn nicht alle damit klarkamen. Das Buch ist eine Aufforderung, sein Leben zu leben. Immer wieder aufs neue.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.05.2026

Ausflippen? Sei du selbst!

Ausflippen.
0

Unterhaltsamer Ratgeber für ein besseres Leben in den Wechseljahren

Die Farbgebung des Covers, Rosa und Neongelb, und der umwerfende Titel fallen sofort auf. Das Buch mit dem Titel Ausflippen von Nina ...

Unterhaltsamer Ratgeber für ein besseres Leben in den Wechseljahren

Die Farbgebung des Covers, Rosa und Neongelb, und der umwerfende Titel fallen sofort auf. Das Buch mit dem Titel Ausflippen von Nina Grygoriew, im Kneipp Verlag erschienen, ist ansprechend gestaltet. Die Einleitung ermöglicht einen guten Einstieg ins Thema und durch die persönlichen Erfahrungen der Autorin fühlt sich die Leserin sofort angesprochen und mitgenommen. Die sieben Säulen der Resilienz sind nicht nur Programm, sondern auch gleichzeitig die Überschriften der sieben Kapitel, die die Leserinnen durch die anstrengenden Jahre des Älterwerdens leiten sollen und durchs Buch. Akzeptanz heißt das erste Kapitel und erklärt neben den Zuständen und Symptomen vor allem die Hormone, die alles steuern oder auch nicht. Erstaunlich ist, dass die ellenlange Liste der Symptome den Wechseljahren zugeordnet werden kann. Der Text ist eine gelungene Mischung aus Informationen und Unterhaltung.

Sich selbst erkennen ist einer der Schlüssel im Umgang mit der Veränderung. Nicht alles Beschriebene trifft auf jede zu, ist aber trotzdem interessant. Erfahrungen von anderen in Form von Zitaten und Buchtipps sowie Übungen in rosa Infokästen runden die Kapitel ab. Als Leserin kann man viele Anregungen für den Alltag mitnehmen, z.B.: gut riechender Regen, Schokoladen-Toast, die Zuneigung eines Haustiers und, dass jemand im Job mitgelacht hat - viele kleine Freuden können die zuweilen getrübte Stimmung in den mittleren Jahren entscheidend verbessern und sogar zu mehr Erfüllung bzw. Lebenszufriedenheit führen. Über alles reden, wenn sich die Beziehungen verändern, wird hier als einer der wichtigsten Aspekte herausgehoben. Was will ich? Was kann ich? Was zählt? Nina Grygoriew stellt die Fragen, die im mittleren Alter oft nicht nur bei Frauen auftauchen. Klar ist vieles schon oft geschrieben worden, aber in diesem Ratgeber ist es gut auf den Punkt gebracht.

Die Autorin gibt wunderbare Tipps, wie mit gelingendem Zeitmanagement und Priorisierung die meist hohen Anforderungen trotz Belastung bewältigt werden können. Und Erholung braucht eben Raum für Mini-Pausen. Hier gibt es noch einiges dazuzulernen: Stress kann man tatsächlich einfach wegatmen und bei Mental Overload gibt es verschiedene Strategien, um immer noch effektvoll gute Entscheidungen zu treffen. Mit Hilfe von Wertelisten, Auswertungshilfen und weiteren Fragen nähert sich die Leserin den eigenen Werten an. Es gibt außerdem Übungen, um ins kalte Wasser springen zu üben, also Unsicherheit auszuhalten, mit der frau im mittleren Alter zu kämpfen hat. Nennt sich Ambiguitätstoleranz. Das Credo ist hier also in allen Kapiteln: mutig voran, das Alter ist dabei egal.

Das Schlusswort des Ratgebers, der sich thematisch nicht nur um die Wechseljahre, sondern auch um alles andere in den mittleren Jahren kümmert, nämlich um ein besseres Leben, ist gleichzeitig auch Fazit: Sei du selbst! Auch im fortgeschrittenen Alter oder gerade dann.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 08.05.2026

Ein neuer Held in der Kinderliteratur

Banditensommer
0

Wenn man den Weg mit dem Helden gegangen ist, gibt einem das Zuversicht in diesen düsteren Zeiten und ein gutes Gefühl.

Der Prolog erzeugt sofort Spannung. Die Kapitel des Buchs „Banditensommer“ von Mirjam ...

Wenn man den Weg mit dem Helden gegangen ist, gibt einem das Zuversicht in diesen düsteren Zeiten und ein gutes Gefühl.

Der Prolog erzeugt sofort Spannung. Die Kapitel des Buchs „Banditensommer“ von Mirjam Raymond, im Ueberreuter Verlag erschienen, sind knackig kurz und gut zu lesen. Ich habe sehr gerne die Geschichte gelesen und bin wunderbar berührt und begeistert. Das Buch ist eine echte Entdeckung. Der Schreibstil ist ein Genuss und die Charaktere wachsen einem immer mehr ans Herz. Das erste Kapitel beginnt damit, dass Kroko, eigentlich Korbinian Kroll, mit seinem kleinen Bruder und dem Vater nach Kroatien in die Ferien fährt. Die kroatische Mama und der Vater haben sich zuvor getrennt und der große Bruder ist allein in ein Zeltlager gefahren. Wie das so ist, Kroko streitet sich immer mal mit dem Vater. Er fühlt sich von allen alleingelassen und verraten und kämpft zudem mit seinen Ängsten, vor allem vor Tieren.

Eigentlich will er sich versöhnen, will Frühstück besorgen und begegnet morgens einer Hundebande, die ihm die Tüte aus den Händen reißt. Der Vater glaubt ihm nicht. Nach einem großen Streit kommt die Geschichte ins Rollen, wie bei einem Dominospiel. Kroko will das Richtige tun, aber alles geht schief. Die Dinge verketten sich und plötzlich geraten Kroko und sein Bruder Luis auf ein Schiff und damit in die Fänge einer Gaunerbande, die die Hundebande fangen will. Warum bleibt noch im Ungewissen. Als Leser verfolgt man gespannt die atemlose Geschichte, leidet mit den beiden Kindern mit und ahnt, dass es noch dicker kommen wird. Eine unglaubliche Wendung: die beiden werden von Urlaubern zu blinden Passagieren.

Doch die Suche nach ihnen stockt und die Kinder können derweil ans Land entkommen, allerdings in einer ganz anderen Gegend. Auf der Polizeiwache bricht Chaos aus und die Missverständnisse reihen sich aneinander. Wie können sie das alles aufklären? Kroko ist überfordert. Was sollen sie essen? Wo sollen sie Unterschlupf finden? Ist das Geheimversteck, das sie dann doch noch finden, sicher? Man ist jetzt ganz in dem Geschehen und kann kaum das Buch zur Seite legen. Der Schiffsjunge hat etwas gesehen und das finden wiederum die Gauner auf dem Schiff heraus. Barba, der Hauptbösewicht, nimmt dem Matrosenjungen, der ohne Papiere für ihn gearbeitet hat, alles ab und jagt ihn davon. Nicht ohne ihn zu bedrohen, sollte er etwas verraten. Der Böse bekommt Oberwasser, denn er findet auch heraus, warum der Minister ausgerechnet das eine Rudel einfangen lassen will und kein anderes.

Die Brüder treffen auf das Mädchen Darija und nähern sich den Hunden an. Auch Kroko. Überraschende Wendungen beschleunigen den Puls der Leser. Die Kinder werden verraten und geraten in echte Gefahr. Man kann es kaum aushalten und möchte wissen, ob einem Mitglied des neu zusammengefundenen „Rudels“ etwas zustößt. Der Verräter bereut und versucht, seinen Fehler wieder gut zu machen und holt Hilfe. Aber die Gauner Barba und Jure sind längst am Ziel. Oder? Es passieren immer wieder Dinge, die die Hoffnung des Lesers wieder aufkeimen lassen. Werden Darija und Kroko auch in die Fänge geraten oder gelingt ihnen noch die Rettung von Luis und den Hunden? Kroko wächst über sich hinaus und bezwingt seine Ängste. Er beweist Mut. Aber wird das reichen? Die Ereignisse überstürzen sich und ein gelungener Showdown beginnt in dem verlassenen Schlachthof.

Fazit: Kein Krimiabenteuer ohne Auflösung und Happy End. Auch hier fügt sich alles nach einem erschütternden Finale. Ein neuer Held hat seinen Eingang in die Kinderliteratur gefunden. Kroko und sein Rudel gehen unter die Haut und ich kann es nur jedem ans Herz legen, die Geschichte zu lesen. Auch als Erwachsener. Es ist ein Buch, das Krimi und Abenteuer zugleich ist. Ja, es geht um Juwelen. Aber das ist nicht alles. Es handelt sich um eine Geschichte, die von echter Freundschaft, auch zu Tieren, erzählt. Und, dass es sich lohnt, darum zu kämpfen, dass alle in Freiheit leben können. Hier ist ein junger Held, der erst für andere seine Ängste bezwingt, um ihnen helfen zu können. Ein Held wie Richard Löwenherz, ganz bildlich gesprochen. Eben einer mit einem riesengroßen guten Herzen, denn nur bei ihm wirkt der Zauber...

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.04.2026

Die zauberhafte Marie lernt kochen

Maries Glücksküche – Die Schule am Meer
0

Kurzmeinung: Marie entdeckt ihr Talent fürs Kochen und die Magie. Ein Buch mit französischem Flair und einer mutigen, sympathischen Hauptfigur.

Man riecht förmlich die salzige Brise und fühlt den hügeligen ...

Kurzmeinung: Marie entdeckt ihr Talent fürs Kochen und die Magie. Ein Buch mit französischem Flair und einer mutigen, sympathischen Hauptfigur.

Man riecht förmlich die salzige Brise und fühlt den hügeligen Sandstrand unter der Picknickdecke, auf der unter anderem hauchdünne Macarons liegen. So der erste Eindruck vom Cover. In dem Kinderbuch „Die Schule am Meer“ von Claudia Schaumann, erschienen im Fischer Sauerländer Verlag, lernt der Leser die zauberhafte Marie kennen, die aber noch nicht weiß, dass sie zauberhaft ist und wie ihre Mutter und Oma zaubern kann. Sie zieht mit ihrer Familie ans Meer, nach Frankreich, wo ihre Mutter einen Job als Köchin angenommen hat.

Frankreich ist die Heimat der Oma. Während Maries Bruder und die kleine Schwester keinerlei Anlaufschwierigkeiten haben, sich einzugewöhnen, tut sich Marie schwer in der neuen Schule. Die Familie wohnt in der alten, zur Wohnung umgebauten Turnhalle, denn ihre Mutter kocht nun für alle Schüler der Schule, die auch Marie besucht. Als ihre Mutter noch etwas regeln muss und Oma für ein paar Tage die Schulküche vertritt, wird Marie in die Geheimnisse der Familie eingeweiht. Zaubern mit Zutaten, das ist das Talent, das Marie von den Frauen ihrer Familie vererbt bekommen hat.

Das Abenteuer nimmt Fahrt auf und als Leser kann man mit der Protagonistin gut mitfühlen. Denn der erste Kochzauber von Marie geht leider gründlich schief, aber Oma lobt sie dennoch für ihren Mut, es ausprobiert zu haben. Überraschenderweise gibt es auch positive Auswirkungen nach dem ersten Zauberversuch. Marie und ihre Mitschülerin Coco verabreden sich nach der Schule, womit Marie nie gerechnet hätte. Außerdem erfährt man, dass die Mutter Zauberei gar nicht gerne anwendet. Wie also wollen Oma und Marie es hinbekommen, dass das Buffet fürs Jubiläumsfest der Schule die drohende Langeweile während der Rede des Rektors verhindern kann? Denn der Rektor droht, wenn das Schulfest nicht gelingt, steht der Job der Schulköchin und somit der Umzug der Familie auf dem Spiel.

Besonders die Marktszene ist sehr gut gelungen und erhöht noch einmal die Spannung. Welcher Marktverkäufer ist denn nun ein magischer und verkauft Marie die magischen Zauberzutaten? Coco und Marie müssen, obwohl Marie vorher einkaufen war, abends alleine in den Wald, um ein bestimmtes Kraut zu finden. Das wird sehr spannend. Auf einmal ist Marie mittendrin in den Vorbereitungen für das Schulfest. Wird sie das alles schaffen? Wird der gemeinsame Kochzauber gelingen? Man fiebert mit ihr mit. Bis zum Schluss geben sie und ihre neue Freundin Coco alles, damit Marie und ihre Familie in der neuen Heimat bleiben können.

Fazit: Die Figuren sind einem sofort sympathisch. Mittels eingestreuter französischer Vokabeln und sinnlicher Beschreibungen der Strandlandschaft zaubert die Autorin eine tolle Atmosphäre ins Buch und erzählt die Geschichte eines schüchternen Mädchens, das über sich hinaus wächst. Der erste Band der Reihe „Maries Glücksküche“ überzeugt und lässt gespannt sein auf einen zweiten Band. Die Illustrationen von Nadine Jessler, mit lockerem Strich gezeichnet, geben den wunderbar leicht erzählten Kapiteln, um im Küchenjargon zu bleiben, noch die besondere Würze.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere