Alles in Bewegung - das Leben tanzen
Fünf, sechs, sieben, achtArenz macht der Kunst auf der Tanzbühne und dem künstlerischen Leben an sich eine Liebeserklärung.
In dem Buch: Fünf Sechs Sieben Acht von Ewald Arenz, im Dumont Verlag erschienen, geht es um Anton. Er ...
Arenz macht der Kunst auf der Tanzbühne und dem künstlerischen Leben an sich eine Liebeserklärung.
In dem Buch: Fünf Sechs Sieben Acht von Ewald Arenz, im Dumont Verlag erschienen, geht es um Anton. Er ist auf dem Höhepunkt seiner Karriere angelangt, als Stepptänzer und als Choreograf. Anders als Fußballer oder andere Profisportler, die mit vierzig ihre Karriere beenden, denkt er mit seinen sechzig noch nicht ans Aufhören. Allerdings wird er kurz nach der Premiere seines jüngsten Stückes von der neuen Intendantin davon in Kenntnis gesetzt, dass er von einer jungen Kollegin ersetzt werden soll. Sie bekommt seinen Posten. Das Theater, an dem er inszeniert, soll sich verjüngen. Die neue ist ihm nicht unbekannt. Ausgerechnet seine erwachsene Tochter Emma soll nun die Stücke choreografieren. Er ist geschockt. Niemand hat ihn vorgewarnt. Mit diesem Ereignis kommen die Dinge ins Rollen.
Anton zweifelt alles in seinem bisherigen Leben an und macht sich auf die Suche nach der Lücke in seinem Leben, der verpassten Chance, dem ungelebten Leben. Seine erste große Liebe verschwand vor 35 Jahren von dem einen auf den anderen Tag aus seinem Leben. Doch was er in Irland, wohin ihn seine Suche führt, erfährt, ist nicht das, was er erwartet. Alles erscheint in neuem Licht und sein Leben ist doch gar nicht so schlecht, wie er noch zuletzt gedacht hat. Sein Blick zurück ermöglicht es ihm wieder, nach vorne zu sehen. Er kann jetzt endlich seine sorgenvollen Gedanken übers Altern loslassen und sich an dem Erfolg seiner Tochter erfreuen. Erst jetzt kann er stolz auf sie sein und sich darauf zu konzentrieren, seine Erfahrungen an die jüngere Generation weiterzugeben und neue Tanztalente zu fördern. Anton lebt seine Kunst und tanzt das Leben. Alles ist für Anton Bewegung und kann in die Inszenierung als Tanzpart eingebaut werden. Emma ist wie er.
Die Inspiration schöpfen Anton und Emma aus dem Erlebten. Nach vielen Streitereien tanzen sie zusammen unterwegs auf einer Treppe. Spontan improvisieren sie eine neue Szene. An einer Stelle heißt es im Buch: Das war es, weshalb man tanzte. Um auszudrücken, was man nicht in Worten sagen konnte. So waren sie beide. Arenz lässt seine Sprache durch die Seiten tanzen, grazil und leichtfüßig. Emma inszeniert am Ende des Buchs König Lear neu und macht daraus eine Liebeserklärung an ihren Daddy. In ihrem Stück verarbeitet sie vieles aus dem Erlebten und integriert auch die Szene mit ihrem Vater auf der Treppe. Ewald schreibt aber nicht nur über die Vater-Tochter-Beziehung, übers Tanzen und das Altern, sondern über das Leben eines Künstlers an sich. Und Arenz weiß, wovon er schreibt. Der Schriftsteller und Lehrer hat ein Musical geschrieben und hat selbst Stepptanz gelernt. Auch er schöpft als Künstler aus dem Erlebten.
Fazit: Der Tänzer Anton entdeckt, dass es sich immer lohnt, egal wie alt man ist, nach vorn zu sehen und das Leben zu tanzen. Unbedingt lesen!