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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.03.2025

Erschreckend, Realistisch, Lesenswert!

Und der Schönbuch schweigt
1

Da meine Schwägerin Schwäbin ist, kenne ich den Naturpark Schönbuch von einigen gemeinsamen Spaziergängen. In der Literatur schlägt mein Herz für den Krimi. Damit liegt es für mich nahe, dass ich um diesen ...

Da meine Schwägerin Schwäbin ist, kenne ich den Naturpark Schönbuch von einigen gemeinsamen Spaziergängen. In der Literatur schlägt mein Herz für den Krimi. Damit liegt es für mich nahe, dass ich um diesen Krimi gar nicht drum herum komme. Das idyllische Cover trügt und zeigt dennoch das Herz dieser Erzählung auf einen Blick. Den Jagdstand, die wunderbare Natur im Sonnenauf- oder -untergang. Der Titel und der Name der Autorin ist gut lesbar. Es ist der erste Regionalkrimi, den ich von Sybille Baecker lese und sicher nicht der letzte. Sie hat mich auf eine ganz andere Art und Weise mitgenommen, als viele ihrer Autorenkollegen das tun.

„Und der Schönbuch schweigt“ so lautet der treffende Titel von diesem Kriminalroman, den die Autorin am 17. Oktober 2024 gemeinsam mit dem Verlag emons: herausgebracht hat. Es handelt sich um den 12. Band der Reihe mit Kommissar Brandtner und seinem Team. Er kann ohne Vorkenntnisse gelesen werden.

Auf einem Jagdstand für die Wildbeobachtung wird die Leiche eines Mannes gefunden. Alles deutet auf Suizid hin. Was ist geschehen? Warum hat dieser Mann sich das Leben genommen? Im Dorf wurde er ausgegrenzt und angefeindet. Kommissar Brandtner und sein Team ermitteln und decken eine fatale Spirale aus Lügen, Hass, Hetze und Mordlust auf.

Dieser Krimi hat mich ganz schön erschreckt. Er wirkt noch nach. Gestern habe ich ihn ausgelesen und erst einmal zur Seite gepackt. Noch heute schwirren meine Gedanken rund um den Plot. Er könnte aktueller und realistischer nicht sein. In erster Linie beschäftigt er sich mit dem Gedanken, was wir zu wissen glauben. Und darauf basieren unsere Handlungen. Unbedacht bin ich in diese Geschichte gestartet, die vom ersten bis zum letzten Buchstaben meinen Geist beschäftigt hat. Schnell habe ich Zugang in die Geschichte gefunden. Kommissar Brandtner und seinem Team bin ich gedanklich zu jeder Zeit gefolgt. Zu keiner Zeit habe ich gezweifelt. Dem Kommissar ging es ebenso und ehe wir uns versehen haben, haben wir eine Geschichte aufgedeckt, die uns im Mark getroffen hat. Ich würde mich nicht wundern, wenn der Kommissar jetzt erst einmal eine Auszeit braucht. Der Plot dieser Geschichte muss erst einmal verdaut werden. Auch von ihm.

Mit dem Regionalkrimi „Wenn der Schönbuch schweigt“ hat die Autorin Sybille Baecker ein Werk auf den Büchermarkt gebracht, das im Deutschunterricht zur Pflichtlektüre für pubertierende Schüler werden sollte. Es beschäftigt sich und uns mit der Macht und den Folgen von Fake News. Von mir bekommt die Autorin 5 verdiente Lesesterne und eine uneingeschränkte Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 26.03.2025

Spannend, Temporeich, Zynisch!

Müller und das letzte Gefecht
1

Im September 2024 hat Raphael Zehnder den Kriminalroman „Müller und das letzte Gefecht“ gemeinsam mit dem Verlag emons: herausgebracht. Es ist der 11. und der letzte Fall mit dem Baseler Kommissar Benedikt ...

Im September 2024 hat Raphael Zehnder den Kriminalroman „Müller und das letzte Gefecht“ gemeinsam mit dem Verlag emons: herausgebracht. Es ist der 11. und der letzte Fall mit dem Baseler Kommissar Benedikt Müller. Er kann ohne Vorkenntnisse gelesen werden.

Da ich sehr gerne Krimis lese und regelmäßig auf der Suche nach neuem Lesestoff bin, habe ich zugegriffen, als mir dieser Krimi in die Hände fiel. Von Basel kenne ich in erster Linie den Hauptbahnhof. Von Zürich schon etwas mehr. Es ist eiskalt und an der Dorenbach-Promenade liegt ein Toter. Erfroren. Kommissar Müller rätselt. Wie ist der abgestürzte und verprügelte Ex-Banker in diese Situation gekommen? Kurz darauf wird sein Kollege verletzt. Müller fordert für die Ermittlungen Verstärkung an und stößt auf Hinweise, die ihm so gar nicht gefallen.

Vom ersten Moment an ist mir die ungewöhnliche Schriftfarbe von Raphael Zehnder aufgefallen. Er nutzt gerne kurze Sätze. Dadurch erhöht er das Tempo, das in der ganzen Erzählung hoch ist. Er erzählt im Präsens, das lässt mich glauben, ich sei bei den Ermittlungen dabei. Er nutzte eine kodderige Ausdrucksweise und schwärzt viele Stellen. Das sehe ich zum ersten Mal und normalerweise behagt mir so etwas gar nicht. In diesem Fall passt es, wie die Faust auf das Auge. Mich erinnert Benedikt Müller an Schimanski, wenn er auch ganz anders ist. Ich habe eine Weile gebraucht, um mich an den Stil des Autors zu gewöhnen. Dann hat er mir Spaß gemacht und dann fand ich ihn nahezu genial. Raphael Zehnder ist ein Autor, den man gelesen haben sollte.

Alles in allem hat Raphael Zehner mit „Müller und das letzte Gefecht“ einen Kriminalroman auf den Büchermarkt gebracht, den es sich zu lesen lohnt. Wer sich von einer kodderigen Ausdrucksweise, einer ordentlichen Portion Sarkasmus und gepfeffertem Zynismus nicht abhalten lässt, der kommt hier mit einem spannenden Kriminalfall voll auf seine Kosten.

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Veröffentlicht am 25.03.2025

Atmosphärisch, Spannend, Lesenswert!

Die Mündung
1

Ende März 2025 hat Tim Pieper den Thriller „Die Mündung“ gemeinsam mit dem Verlag emons: herausgebracht. Das Cover passt gut zur Geschichte. Von Tim Pieper habe ich schon „Raue Havel“ gelesen. Da ich den ...

Ende März 2025 hat Tim Pieper den Thriller „Die Mündung“ gemeinsam mit dem Verlag emons: herausgebracht. Das Cover passt gut zur Geschichte. Von Tim Pieper habe ich schon „Raue Havel“ gelesen. Da ich den Kriminalroman super fand, bin ich voller Spannung in „Die Mündung“ gestartet.

Der Autor startet seine Erzählung mit einem Prolog, der mich neugierig macht und mir nicht zu viel verrät. Noch nicht einmal, in welcher Zeit ich mich beim Lesen befinde. Die folgenden Kapitel sind kurz gehalten. Der Autor hat 14 Kapitel auf den ersten 75 Seiten untergebracht. Ich mag kurze Kapitel. Sie erzählen in kleinen Häppchen aus verschiedenen Zeiten. Das Erzähltempo empfinde ich als hoch. Die Sprache ist modern gehalten und lässt sich flüssig lesen.

Lena Funk, Kommissarin, gönnt sich eine Auszeit auf einer abgelegenen Insel. Sie möchte nach dem Tod ihrer Schwester Jette zur Ruhe kommen. In einer stürmischen Nacht wird ein Toter angespült. Brutal ermordet. In seiner Jackentasche findet Lena Schmuckstücke und sie ist sich sofort sicher. Es sind Trophäen des Gezeitenmörders, der auch ihre Schwester auf dem Gewissen hat. Lena stürzt sich auf die Arbeit, als gäbe es kein Morgen. Endlich sieht sie eine Chance auf Gerechtigkeit. Doch ehe sie sich versieht, wird dieser Fall gefährlich für Lena. Sie erkennt, dass sie niemanden trauen kann, noch nicht einmal ihrem eigenen Gedächtnis.

Vom ersten bis zum letzten Buchstaben habe ich die Spannung in diesem Thriller als hoch empfunden. Zu jeder Zeit ist mein Geist tief mit der Erzählung beschäftigt. An Lenas Seite folge ich ihren Erlebnissen. Der Autor geizt nicht mit Hinweisen, auch nicht mit falschen. Ich beginne mich regelmäßig zu fragen, ob nicht vielleicht doch alles ganz anders ist. An den richtigen Stellen hat Tim Pieper unerwartete Wendungen gesetzt und so überrascht er mich mit einer Auflösung, die ich auch so nicht erwartet habe. Von diesem Thriller bin ich schlichtweg begeistert. Mir hat er viel Spaß gemacht. Während ich diese Zeilen schreibe, freue ich mich bereits auf Neues aus dem Köpfchen und der Feder des Autors.

Alles in allem hat Tim Pieper mit „Die Mündung“ einen Thriller auf den Büchermarkt gebracht, den es sich zu lesen lohnt. In atmosphärischer Umgebung der rauen Küste zeigt er mit einem spannenden Kriminalfall, dass die Kommissarin Lena Funk ihrem Gedächtnis nicht trauen kann. Und warum. Von mir bekommt der Autor 5 sturmgeschützte Lesesterne und eine klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 22.03.2025

Spannend, Fesselnd, Lesenswert!

Biberbrugg
1

Ende November 2024 hat Silvia Götschi gemeinsam mit dem Verlag emons: den Regionalkrimi „Biberbrugg“ auf den Büchermarkt gebracht. Das Cover passt gut zu ihrer Reihe mit Valérie Lehmann. Der Titel und ...

Ende November 2024 hat Silvia Götschi gemeinsam mit dem Verlag emons: den Regionalkrimi „Biberbrugg“ auf den Büchermarkt gebracht. Das Cover passt gut zu ihrer Reihe mit Valérie Lehmann. Der Titel und der Name der Autorin sind gut lesbar. Der Button „Bestseller“ verrät mir, dass Silvia Götschi bereits viele Leser mit ihren Kriminalromanen begeistern konnte. Mich wundert das nicht. Von ihr habe ich bereits „Alpstein“ und „Stille Nacht, mörderische Nacht“ gelesen. Ein Blick auf den Buchrücken verrät mir mehr über den Inhalt.

Auf dem Klosterplatz in Einsiedeln findet sich die Leiche einer jungen Frau. Ausgerechnet am Güdelmontag. Valérie und ihr Team rätseln. Niemand scheint die Tote zu vermissen. Einen Tag später meldet die Polizei einen zweiten Toten. Valérie will nicht von einer Serie ausgehen, sie denkt, so etwas passiert nur in großen Städten. Nicht jedoch in Biberbrugg. Oder doch?

In einem anderen Erzählstrang lese ich von Colin. Er ist der Sohn von Valérie und ebenfalls bei der Kantonspolizei. Allerdings legt Colin einen Undercover-Einsatz hin, der gründlich nach hinten losgeht. Er patzt, wo er nur patzen kann. Gerne möchte er dafür seinem Chef Hubi die Schuld in die Schuhe schieben. Doch ehe er sich versieht, erreicht Valérie die Nachricht, dass ihr Sohn auf der Intensivstation liegt. Mit einer Kugel im Kopf.

Silvia Götschi macht es in ihrem Jubiläumsband ihrer Valérie nicht leicht. Es ist ihr zehnter Fall. Er fordert alles von ihr. Valérie zerreißt sich zwischen ihren Mordermittlungen und der Sorge um ihren Sohn. Es gelingt der Autorin hervorragend, diesen inneren Kampf zu zeigen. Und zwar ohne viel Gefühlsduselei.

Die Mordermittlungen gestalten sich spannend. Berufliches und Privates halten sich im Verhältnis so ungefähr hälftig. Mich beschäftigt der private Erzählstrang rund um Valéries angeschossenen Sohn intensiver als die Mordermittlungen. Ehe ich mich versehe, sind die ca. 348 Seiten gelesen und der Krimi ist sauber gelöst. Hier hätte ich mir ein etwas spektakuläreres Ende gewünscht und ich bin mir sicher, die Autorin hätte das auch gekonnt.

Alles in allem hat Silvia Götschi mit „Biberbrugg“ einen Regionalkrimi aus der Schweiz auf den Büchermarkt gebracht, den es sich zu lesen lohnt. In ihrem Jubiläumsband kämpft Valérie Lehmann persönlich und beruflich mit all ihrer Kraft für das Recht und für ihren Sohn. Dieser Teil kann ohne Vorkenntnisse gelesen werden. Von mir bekommt die Autorin 4 verdiente Lesesterne und eine klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 18.03.2025

Spannend, fesselnd, authentisch!

Das Erbe der Karolinger
6

Im Februar 2025 hat der Autor Claudius Crönert den historischen Roman „Das Erbe der Karolinger“ gemeinsam mit dem Verlag Lübbe herausgebracht. Über ca. 816 Seiten erzählt er aus der Zeit von 817 bis 840 ...

Im Februar 2025 hat der Autor Claudius Crönert den historischen Roman „Das Erbe der Karolinger“ gemeinsam mit dem Verlag Lübbe herausgebracht. Über ca. 816 Seiten erzählt er aus der Zeit von 817 bis 840 nach Christus. Das Cover wirkt durch den goldfarbenen Aufdruck auf mich eher modern als historisch. Zu Beginn findet sich eine hilfreiche Namensliste von wichtigen Personen. Beim Lesen hilft das all denen, die geschichtlich nicht voll im Detail stecken.
Ludwig, Kaiser der Franken, macht sich früh Gedanken um seine Nachfolge. Er hat Franken von Karl dem Großen geerbt und ernennt seinen Sohn Lothar zu seinem Mitregenten. Dafür überträgt er Lothar einige Ländereien. Es zeigt sich früh, dass Vater und Sohn verschiedene Vorstellungen über das Regieren und die Zukunft haben. Als Ludwigs Frau stirbt, möchte Ludwig erneut heiraten. Er entscheidet sich für Judith. Leider hat auch Lothar ein Auge auf Judith geworfen und macht ihr einen Antrag. Judith entscheidet sich für Ludwig. Zwischen dem friedliebenden Ludwig und dem machtgierigen Lothar entwickelt sich eine Rivalität, die eine gefährliche Entwicklung nimmt. Sie ist geprägt von Neid, Gier und Streit im politischen und im persönlichen Bereich. Bis irgendwann alles auf dem Spiel steht.
Ich lese gerne historische Romane. Sie vermitteln mir einen guten Einblick in die Zeit und versetzen mich beim Lesen in eine andere Welt. So bin ich völlig unbelastet in diese Erzählung gestartet. Vom ersten bis zum letzten Buchstaben habe ich an den Zeilen geklebt. Von den ca. 816 Seiten habe ich jede einzelne als lesenswert und unterhaltsam empfunden. Für meinen Geschmack hätte es auch noch gut ein wenig weitergehen können.
Besonders gut gefallen hat mir die Art und Weise, wie Claudius Crönert mich an die historischen Persönlichkeiten herangeführt hat. Ich lerne sie früh kennen und von Beginn an fasziniert mich Judith. Sie hat eine willensstarke Persönlichkeit und ist zur Kaiserin geboren. Im Laufe der der Geschichte gewinnt sie immer mehr Charakter. Der Autor zeigt sie geschickt in den unterschiedlichsten Situationen, die ihr mit der Zeit immer mehr Ausstrahlung verleihen. Es ist nicht nur Judith. Auch ihre Schwester Emma, Ludwig und Lothar lässt der Autor immer lebendiger werden. Beim Lesen entwickelt sich bei mir eine Vorstellung davon, wie sich das Leben in dieser Zeit abgespielt hat. Und das hat mir hervorragend gefallen.
Alles in allem hat Claudius Crönert mit „Das Erbe der Karolinger“ einen historischen Roman auf den Büchermarkt gebracht, den es sich zu lesen lohnt. Mit den Zutaten Neid, Macht und Gier werden daraus unterhaltsame Lesestunden und eine exzellente Zeitreise in die Jahre 817 bis 840 nach Christus. Von mir bekommt der Autor 5 verdiente und blankpolierte Lesesterne und eine klare Leseempfehlung.

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