Ein Roman mit vielen Ebenen
Ungebetene GästeAls ein Hammer von ihrem Balkon fällt und einen Passanten erschlägt, weiß Naomi ohne es gesehen zu haben, was geschehen ist: Zwar verspürte sie von Beginn an ein Unbehagen gegenüber dem arabischen Handwerker ...
Als ein Hammer von ihrem Balkon fällt und einen Passanten erschlägt, weiß Naomi ohne es gesehen zu haben, was geschehen ist: Zwar verspürte sie von Beginn an ein Unbehagen gegenüber dem arabischen Handwerker in ihrer Wohnung, doch zu einer solchen Tat wäre er nicht fähig gewesen. Stattdessen war es ihr einjähriger Sohn, der das Werkzeug des Mannes in einem unbeobachteten Moment vom Balkon gestoßen hat. Als die Polizei auftaucht, fällt der Verdacht augenblicklich auf den Handwerker, der daraufhin abgeführt wird. Naomi, die ihn vor dem Gefängnis bewahren könnte, schweigt über den tatsächlichen Unfallhergang. Doch die Schuld, die auf ihr lastet, wird ihr Leben und das weiterer Menschen für immer verändern… .
„Ungebetene Gäste“ ist nach „Löwen wecken“ nun das zweite Buch der Autorin, dass ich kennenlernen durfte. Ayelet Gundar-Goshen setzt sich auch in diesem Roman wieder damit auseinander, wie Schuld und Moral unser Denken, Handeln und schließlich unser Leben beeinflussen:
Nachdem ein Hammer von ihrem Balkon gefallen ist und fälschlicherweise der arabische Handwerker dafür verhaftet wurde, ringt Naomi lange mit sich, ob sie ihre Schuld gegenüber der Polizei eingestehen oder weiter schweigen soll. Interessant finde ich, dass die Autorin an dieser Stelle nicht nur an die Moral eines Menschen appelliert, sondern zugleich den Aspekt unterschiedlicher Nationalitäten ins Spiel bringt, denn mit Naomi, Juval und Uri hat die Autorin eine israelische Familie zum Mittelpunkt des Geschehens gemacht. Die Vorbehalte Naomis gegenüber dem arabischen Mann und seiner Familie sind von Beginn an deutlich zu spüren, womit Gundar-Goshen ein Stück weit den Nahostkonflikt aufgreift – und bei diesem bleibt es nicht: Ohne zu viel zu verraten, sei nur gesagt, dass die Autorin Figuren weiterer Nationalitäten einbringt und mit diesen aus meiner Sicht teils Kritik an der Politik ihres Landes übt. Den Kern der Geschichte bildet aber wohl Naomis Flucht vor ihrer Verantwortung für den Unfall. Im Laufe des Romans müssen sie und ihr Mann lernen, dass die Geschehnisse sie so lange verfolgen werden, bis sie sich ihrer Verantwortung stellen.
Die Art, wie Gundar-Goshen das Ganze erzählt, mag ich sehr gerne, wenn auch das Ende für mich ein wenig zu plötzlich kam und einige Fragen offenließ.