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Cleopatra0103

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.01.2026

Hin- und hergerissen

Der Nachbar
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Der neue Thriller von Sebastian Fitzek lässt mich offen gesagt etwas ratlos zurück. Spannung und Thrill sind auf jeden Fall an der Tagesordnung. Dennoch weiß ich nach dem Ende der Lektüre nicht so recht, ...

Der neue Thriller von Sebastian Fitzek lässt mich offen gesagt etwas ratlos zurück. Spannung und Thrill sind auf jeden Fall an der Tagesordnung. Dennoch weiß ich nach dem Ende der Lektüre nicht so recht, was ich von dem Buch halten soll. Zu allererst: der neue Fitzek ist wie gewohnt absolut packend. Der knackige Schreibstil und die kurzen Kapitel sorgen für einen enorm hohen Lesefluss. Ich fliege regelrecht durch die Seiten und kann das Buch stellenweise kaum aus der Hand legen. Was man aber auch wissen muss, wenn man dieses Buch liest, es ist meiner Meinung nach, das bisher brutalste, das ich von dem Autor gelesen habe, und das waren einige. Jede Tat, die im Buch geschildert wird, ist absolut widerwärtig. Das führt dazu, dass ich stellenweise abbrechen muss beziehungsweise eine Pause einlegen muss. Insbesondere die geschilderten Taten an Kindern sind schwer zu ertragen. Ja, Fitzeks Bücher sind in der Regel nichts für schwache Nerven. Das sollte jedem Leser klar sein. Hier finde ich das Geschriebene dennoch hart an der Grenze des Erträglichen. Was mir außerdem nicht so gut gefällt, sind die vielen Personen, die auf- und abtreten. Das führt auch dazu, dass man sehr viele Personen für den möglichen Täter oder den Nachbarn hält. Das ist sicher so gewollt und soll die Spannung erhöhen, ist aber insbesondere im hinteren Teil etwas anstrengend. Die Lösung, die letztlich präsentiert wird, ist für mich ehrlich gesagt etwas enttäuschend. Ich gebe zu, dass ich vom aktuellen Fitzek etwas enttäuscht bin und mir die früheren Thriller, die vor allem auf subtil-psychologischer Ebene für Grauen gesorgt haben, deutlich besser gefallen haben.

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Veröffentlicht am 05.01.2026

Erschütterndes Schicksal

Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104
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Der neue Roman von Susanne Abel zeigt auf erschütternde Weise, welchem grausamen Schicksal Kinder in Heimen in den 50er und 60er Jahren ausgeliefert waren. Die Geschichte wird in zwei Zeitebenen erzählt. ...

Der neue Roman von Susanne Abel zeigt auf erschütternde Weise, welchem grausamen Schicksal Kinder in Heimen in den 50er und 60er Jahren ausgeliefert waren. Die Geschichte wird in zwei Zeitebenen erzählt. Die aktuelle Ebene stellt die kleine Emily in den Mittelpunkt, die von ihrer Mutter vernachlässigt wird und schließlich bei ihren Ur-Großeltern aufwächst. Diese wollen unter allen Umständen verhindern, dass die Enkelin ins Heim kommt. Zu schlimm sind die Erinnerungen an ihre eigene Zeit in einem Kinderheim nach dem Krieg. Dies ist die zweite Zeitebene im Buch, die Jahre ab 1945. Ein kleiner Junge, der seinen Namen nicht weiß und letztlich Hardy genannt wird, kommt in den Nachkriegswirren in ein Kinderheim. Dort wird er aufgrund seiner Sprachlosigkeit als schwachsinnig eingestuft. Allein das ist schon schlimm genug. Doch die Nonnen drangsalieren und quälen die Kinder. Die meisten haben nicht einmal einen Namen, sie werden mit Nummern gerufen. Der kleine Hardy findet in Margret eine Stütze und Freundin. Doch eines Tages findet Margret ihre Verwandten wieder und entkommt dem heim. Hardy ist fortan auf sich allein gestellt. Er kommt in eine weiter Erziehungsanstalt, die noch viel schlimmer ist als die erste. Hier werden Medikamententests an den Kindern durchgeführt. Dies berührt mich sehr. Unfassbar wie Hardy sich dennoch zu einem liebevollen, sozialen Freund, Mann, Vater und Opa entwickeln konnte. Schließlich begegnet er Margret wieder, mit der es das Schicksal auch nicht gut gemeint hat. Beiden gelingt die Flucht und sie verbringen den Rest ihres Lebens miteinander. Diese tiefe Liebe und Verbundenheit macht den Kern des Romans aus. Margret ist aber auch eine sehr dominante Frau, die den Ton angibt und für Hardy alles regelt. Ich frage mich beim Lesen, ob das gut für ihn und seine Entwicklung ist. Doch die beiden sind glücklich und zufrieden in ihren eigenen vier Wänden, ohne Türen, ohne Reisen. Zufrieden mit sich. Während es Hardy ganz gut gelingt, den Schrecken der Vergangenheit zu verdrängen, wird Margret immer wieder von ihren Schatten eingeholt. Die kleine Emily bringt Licht in das Leben. Doch auch sie hat Probleme, sich der übermäßig behütenden Uroma zu entziehen. In der ersten Hälfte nahm mir die Geschichte um Emily und ihre Mutter etwas zu viel Raum ein. Im letzten Drittel fand ich es dann seff sehr rührend, wie die mittlerweile fast erwachsene Emily sich kümmert und sorgt. Ein berührender Roman, der in lebhafter, sehr direkter, aber auch str liebevoller Art eine Familiengeschichte erzählt, die von tiefen Gräben und Schatten geprägt ist.

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Veröffentlicht am 02.01.2026

Brisant, aktuell und erschütternd

2033
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Das erste Buch des Jahres ist schon mal ein richtiger Hammer. Politik, Verschwörung, ein Gerichtsprozess, ein Anschlag – die richtigen Zutaten für einen Thriller. Die junge Anwältin Marie wird mit ihrer ...

Das erste Buch des Jahres ist schon mal ein richtiger Hammer. Politik, Verschwörung, ein Gerichtsprozess, ein Anschlag – die richtigen Zutaten für einen Thriller. Die junge Anwältin Marie wird mit ihrer Chefin Ava zur Verteidigung einer mutmaßlichen Terroristin aufgerufen. Dann entspinnt sich nach und nach eine regelrechte Jagd nach der Wahrheit. Wer hat etwas zu verbergen? Wer sagt die Wahrheit? Wer lügt? Und noch wichtiger: Was ist eigentlich die Wahrheit? Marie wird immer tiefer in das Dickicht aus Lügen und politischen Intrigen hineingezogen. Irgendwann ist sie selbst nicht mehr sicher. Besonders erschreckt hat mich, neben den gerichtlichen Entwicklungen, das, was am Rande der Handlung passiert. Der Abbau des Holocaust-Mahnmals in Berlin, die Einschränkung der Rechte von Menschen, mit doppelter Staatsbürgerschaft, die Anerkennung von Berufserlaubnissen und dem Entzug des Rechts, in Deutschland zu leben. Wie weit ist dieser fiktive Roman von einer möglichen Entwicklung in Deutschland entfernt? Der Autor schildert mit großem Einblick und Fachkenntnis die juristischen Hintergründe eines Prozesses, in dem es nicht nur um Anstiftung zur Tat geht sondern um viel mehr. Besonders erschüttert hat mich das absolute Versagen von Polizei, Rechtsstaat und Bundesregierung. Ja, die geschilderte Handlung ist in einigen Abschnitten etwas vorhersehbar, der Plottwist nicht wirklich überraschend. Dennoch ist dieses Buch aufwühlend, eindringlich und hochspannend. Im letzten Drittel nimmt die Spannung immer mehr zu. Die Verfolgungsjagd hätte für meinen Geschmack etwas weniger aufwändig geschildert sein können. Dieser Teil erinnert ein wenig an einen Actionfilm. Dennoch ist dem Autor ein hochspannendee, hochbrisanter Polit-Thriller gelungen, der meiner Meinung nach unbedingt gelesen werden sollte.

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Veröffentlicht am 30.12.2025

Bewegender Abschluss der Trilogie

Trag das Feuer weiter
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Der dritte Teil der Reihe um die Familie Belhaj bildet den Abschluss der Geschichte. Über fast 80 Jahre taucht der Leser in die bewegte und bewegende Familien-, aber auch Landesgeschichte Marokkos ein. ...

Der dritte Teil der Reihe um die Familie Belhaj bildet den Abschluss der Geschichte. Über fast 80 Jahre taucht der Leser in die bewegte und bewegende Familien-, aber auch Landesgeschichte Marokkos ein. Dabei berührt mich dieser letzte Teil am stärksten. Die Frauen der früheren Bände wie die Großmutter Mathilde oder auch Aicha sind mir doch etwas fremd geblieben. Dieser Teil ist vor allem aus der Perspektive der älteren Tochter Mia erzählt, aber auch Ines, die jüngere Schwester kommt zu Wort. Sie ist neben Mia ein zweiter starker Frauencharakter im Buch. Daher ist es etwas verwunderlich, dass sie im Personenverzeichnis gar nicht vorkommt. Ihre Rolle ist stark und für die Geschichte der Frauen dieser Zeit nicht unerheblich. Das ist aber auch der einzige Makel, den ich finde. Die Geschichte ist sehr interessant und sehr berührend erzählt. Durch die Perspektivwechsel und auch den ein oder anderen Zeitsprung ist es an keiner Stelle langatmig, selbst wenn nicht viel passiert. Im Mittelpunkt stehen die Jahre von 1980 bis Anfang der 2000er. Es ist erschreckend, wie wenig ich über das Land und die Geschichte Marokkos weiß. Ebenso erschreckend, die Rolle der Frau im Laufe des 20. Jahrhunderts, die eher Rück- als Fortschritte machte. Das Leben der Familie läuft lange in geregelten Bahnen, sie zählen zur Elite. Gebildete Töchter, höhere Schulen, Studium in Frankreich. Erfolg scheint vorgezeichnet. Die Töchter finden ihren Platz im Leben. Doch immer wieder steht auch die Frage nach Zugehörigkeit, Heimat, Fremde und Tradition im Raum. Mehdi, der Vater, ist für mich die tragischste Figur des Romans, ja der ganzen Trilogie. Vom Intellektuellen mit Idealen, der Karl Marx genannt wurde, zum Bankdirektor und Teil des Systems bis zum Arbeitslosen, der schließlich im Gefängnis sitzt. In diesen letzten Monaten in Haft scheint er zumindest etwas Stärke und den alten Funken wiederzufinden. Die Männer scheinen mir trotz ihrer privilegierten Stellung eher die schwächeren Charaktere zu sein. Im Zentrum stehen die Frauen, Mütter, Schwestern. Mia muss ihre Liebe und ihr echtes Ich lange verstecken. Auch die Problematik des Brain Fog ist gut eingefangen. Beängstigend, wie einem plötzlich das eigene Leben, Erinnerungen entgleiten. Die Geschichte ist von der Familie der Autorin inspiriert. Ich frage mich beim Lesen immer wieder was Fiktion ist und was erdacht. Ein wirklich berührendes Buch, ohne sentimental zu sein. Starke Frauen und die bewegte Geschichte eines Landes im Umbruch.

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Veröffentlicht am 22.12.2025

Wieder einmal überzeugt

Rostiges Grab
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Ich hatte mich sehr auf dieses Buch gefreut und wurde nicht enttäuscht. Zunächst war ich etwas skeptisch, da die Geschichte wieder mit Urban Explorern und einem verlassenen Ort im Wald startet. Aber die ...

Ich hatte mich sehr auf dieses Buch gefreut und wurde nicht enttäuscht. Zunächst war ich etwas skeptisch, da die Geschichte wieder mit Urban Explorern und einem verlassenen Ort im Wald startet. Aber die mysteriöse Geschichte um das Graumädchen und den Mord an der jungen Elena packt mich sofort. Leo Asker ermittelt mit ihrem bunt gemischten, etwas seltsamen Team auf die übliche unkonventionelle Art. Ich mag ihre Figur, die Härte, aber auch die Verletzlichkeit. Ihre sehr komplexe Beziehung zu ihrem Vater klingt in diesem Teil eher an als das sie das Geschehen bestimmt. Auch ihr Jugendfreund Martin Hill bekommt wieder seinen Auftritt, obwohl er mir dieses Mal mit seiner Naivität und Verliebtheit etwas auf die Nerven geht. Aber der sehr spannende Fall und die packende Erzählweise reißen mich wieder mit. Der Ausblick auf den vierten Teil der Serie ist ein schöner Ausklang.

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