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Cleopatra0103

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.09.2025

Bewegende Geschichte

Ich bleibe hier
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Dieses kleine Buch hat mich sehr berührt. Wenn man im kleinen Ort Reschen oder auch Graun steht und auf die versunkene Kirche schaut, wird das Surreale spürbar. Wie tiefgreifend und gravierend die Veränderungen ...

Dieses kleine Buch hat mich sehr berührt. Wenn man im kleinen Ort Reschen oder auch Graun steht und auf die versunkene Kirche schaut, wird das Surreale spürbar. Wie tiefgreifend und gravierend die Veränderungen für die Menschen vor Ort waren, wird aber erst bei der Lektüre wirklich klar. Erst als Deutsch sprechende Gemeinschaft von der italienischen Regierung ausgegrenzt, ohne Arbeit, ohne Zukunftsaussichten. Das Leben wir zur Hölle. Verfolgung und Verhaftungen sind an der Tagesordnung. Mit dem Krieg keimt zunächst etwas Hoffnung auf, doch auch diese weicht bald Ernüchterung und Angst. Trina und ihr Mann fliehen in die Berge der Umgebung. Dort schlagen sie sich mehr schlecht als recht durch, immer auf der Flucht, immer in Todesangst. Nach dem Krieg dann wieder etwas Hoffnung, doch die Bauarbeiten am Staudamm, der ihr Leben für immer verändern soll, gehen gnadenlos weiter. Für die meisten Familien heißt es das Land zu verlassen oder umgesiedelt zu werden. Der Autor schreibt sachlich und voller Dringlichkeit. Dennoch bleibt mir die Hauptfigur etwas fremd, sie wirkt oft abweisend. Ihr Schicksal und der Verlust der Tochter sind aber sehr bewegend erzählt. Ein wirklich wichtiges Stück Geschichte in einem kleinen Ort vor toller Landschaft, das leider zu oft zum Fotomotiv geworden ist. Auf jeden Fall sehr lesenswert.

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Veröffentlicht am 21.08.2025

Stürmisch, hart und dennoch voller Gefühl

Windstärke 17
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Nach dem ersten Roman von Caroline Wahl lag die Latte recht hoch. Der zweite Teil um Tildas Schwester Ida hält was „22 Bahnen“ versprochen hat. Ja, das Buch ist anders. Der Schreibstil ist wieder sehr ...

Nach dem ersten Roman von Caroline Wahl lag die Latte recht hoch. Der zweite Teil um Tildas Schwester Ida hält was „22 Bahnen“ versprochen hat. Ja, das Buch ist anders. Der Schreibstil ist wieder sehr direkt, sehr nah an den Figuren. Viele Gedanken, viele im Kopf formulierte Sätze. Gesagtes und Gedachtes. Ida ist erwachsen geworden. Nachdem Tilda zum Studium nach Berlin gegangen ist, musste sie allein klarkommen bzw. allein mit ihrer alkoholabhängigen Mutter. Nach deren Tod verlässt sie Hals über Kopf die Stadt und flieht nach Rügen. Dort findet sie bei Knut und Marianne eine Zuflucht. Die Annäherung der scheuen Ida an den wortkargen Knut und die liebevolle Marianne rührt mich sehr. Ida verliebt sich und scheint langsam wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Doch immer wieder fällt sie hin, steht sich selbst im Weg oder begegnen ihr Leid und Trauer. Dennoch zeigt sie eine unglaubliche Stärke. Die Liebesgeschichte zwischen Ida und Leif ist sehr bewegend, ohne schwülstig zu sein. Man ahnt auch hier die Gefahr, das Fragile. Tilda kommt seltsamerweise etwas muttihaft und bevormundend rüber, was nicht so richtig zu ihr passt. Doch auch das starke Band zwischen den Schwester ist noch da, wenn auch durch das Leben gedehnt und strapaziert. Mir fehlt in diesem sehr gefühlvollen zweiten Teil nur etwas der Witz von „22 Bahnen“, der sich in manchen, auch nachdenklichen Momenten anschlich, z.B. wenn Tilda die Einkäufe über die Kasse zieht und auf den Einkäufer schließt. Doch auch „Windstärke 17“ überzeugt mich wieder mit diesem ungewöhnlichen Schreibstil und der Nähe zu den Figuren.

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Veröffentlicht am 17.08.2025

Beklemmendes Dorfleben

Heimat
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Was zunächst wie ein ruhiges, beschauliches Leben auf dem Dorf anmutet, entpuppt sich mit der Zeit als beklemmendes System von konservativen Ansichten und Traditionen. Jana zieht mit ihrer kleinen Familie ...

Was zunächst wie ein ruhiges, beschauliches Leben auf dem Dorf anmutet, entpuppt sich mit der Zeit als beklemmendes System von konservativen Ansichten und Traditionen. Jana zieht mit ihrer kleinen Familie aus der Stadt aufs Land. Nur langsam wird sie dort heimisch. Nachdem sie völlig überstürzt ihren Job gekündigt hat, füllt sie die Zeit mit Hausarbeit, Langeweile und dem Warten auf ihr drittes Kind. Als sie der charismatischen Karolin begegnet, fühlt sie sich sofort verstanden und schnell immer heimischer in der Gemeinschaft von Freundinnen, die sich mit Backen, Filzen und Gartenarbeit die Zeit vertreiben, während sie wie ganz nebenbei ihre Kinder in völliger Freiheit und Naturverbundenheit großziehen. Jana bewundert die Frauen, insbesondere Karolin, die ihren traditionellen Lebensstil als Tradwife auch auf Social Media auslebt. Anfangs mischen sich noch leichte Misstöne und Zweifel in ihre Gedanken, doch schon bald geht sie ganz in ihrer Begeisterung auf. Von ihrem Ehemann entfremdet sie sich mehr und mehr und auch die Freunde aus der Stadt stoßen sie ab. Erschreckend wie schnell und leicht so ein Funke überspringt. Die nationalistischen Tendenzen und Gedanken sieht sie nicht. In einem gesellschaftlichen Klima, das sich immer mehr aufheizt, verschwimmen für Jana ihre Haltung und ihre Werte immer mehr. Dabei schildert die Autorin sehr sachlich, ohne zu werten. Das erhöht die Beklemmung zusätzlich. Wie schnell verfängt man sich in diesem Netz aus Freundschaft, Nähe, Heimat und oberflächlicher Geborgenheit. Die letzten Seiten lassen mich allerdings ratlos zurück. Das hinterlässt nach der Lektüre ein seltsam unfertiges Gefühl. Ich blättere vor und zurück, überlege ob ich etwas übersehen habe, aber kann den Faden einfach nicht finden. Das Ende soll sicher überraschen und originell sein, mir erschließt es sich leider nicht. Das ist schade und trübt den eigentlich guten Gesamteindruck des Buches.

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Veröffentlicht am 15.08.2025

Beeindruckend

Hochmair, wo bist du?
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Die Biographie von Philipp Hochmair hat mich sehr beeindruckt. Ein faszinierender Schauspieler, ob auf der Bühne oder vor der Kamera. Diese Energie, der Drang, auf der Bühne alles zu geben und so das Publikum ...

Die Biographie von Philipp Hochmair hat mich sehr beeindruckt. Ein faszinierender Schauspieler, ob auf der Bühne oder vor der Kamera. Diese Energie, der Drang, auf der Bühne alles zu geben und so das Publikum mitzureißen, eine magische Verbindung zu schaffen, ist im Buch sehr greifbar. Seine Entwicklung aus der Enge des Elternhauses auf die großen Bühnen, die Initialzündung Schauspielschule, der Weg von Engagement zu Engagement sind mitreißend geschildert. Ein Getriebener, der Erfüllung in jeder neuen Rolle findet. Manchmal fällt es schwer zwischen Figuren und Rollen den echten Hochmair zu finden, auch dieser Zwiespalt ist gut beschrieben. Ein Buch über einen Künstler, der alles gibt, nicht rastet und seine Liebe zur Kunst bis in jede Faser lebt. Absolut mitreißend.

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Veröffentlicht am 08.08.2025

Eine Bar mit Geschichte

Der Barmann des Ritz
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Das Hotel Ritz in Paris ist eine Legende, ein Ort, an dem sich die Schönen, Reichen und in den 20er und 30er Jahren auch Intellektuellen trafen. Ein elitärer, sagenumwobener Ort. In diesem Roman steht ...

Das Hotel Ritz in Paris ist eine Legende, ein Ort, an dem sich die Schönen, Reichen und in den 20er und 30er Jahren auch Intellektuellen trafen. Ein elitärer, sagenumwobener Ort. In diesem Roman steht das Hotel und insbesondere die Bar im Mittelpunkt, ist Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Im wahrsten Sinne des Wortes. Der Herrscher über die Geheimnisse der Cocktails, aber auch der Gäste ist Frank Meier, ein österreichischer Jude, der sein Geheimnis auf keinen Fall enthüllen darf. Die Handlung spielt hauptsächlich zwischen 1940 und 1944, der Zeit der deutschen Besetzung von Paris. Das Hotel ist Aufenthaltsort vieler deutscher Soldaten und Offiziere. Hinter den schönen und eleganten Kulissen verbergen sich Geheimnisse, Intrigen, Affären und auch immer wieder Kollaboration. Der Weg von Gehorsam und Zwang zu Kooperation und Fraternisierung ist nicht weit. Wer steht letztlich auf welcher Seite? Neben der Hauptfigur sind auch die anderen Charaktere sehr interessant gezeichnet und offenbaren nach und nach versteckte Seiten. Aus Feinden werden Verbündete. In der Bar trifft die künstlerische Elite auf Soldaten und Offiziere, man arrangiert sich. Besonders interessant sind auch die Schilderungen kurz vor der Befreiung durch die Alliierten. Den verhassten Beherrscher noch im Haus, beginnt man nach und nach mit Schadensbegrenzung. Unter dem Brennglas der engen Grenzen der Bar scheint sich ganz Paris zu vereinen. Der Schreibstil zwischen sachlicher Präzision und absolut packender Dramaturgie fesselt ungemein. Ein wirklich eindringlicher, fundierter Roman, der mich sicher noch länger beschäftigen wird.

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