Tiefschürfend
Before we were innocentIch bin letztes Jahr eher zufällig über Autorin Ella Berman gestolpert, aber sie hat nachhaltig Eindruck hinterlassen, weshalb ich auch an ihrem neuen Buch sehr interessiert war, was ich auch thematisch ...
Ich bin letztes Jahr eher zufällig über Autorin Ella Berman gestolpert, aber sie hat nachhaltig Eindruck hinterlassen, weshalb ich auch an ihrem neuen Buch sehr interessiert war, was ich auch thematisch sehr spannend fand. Es werden die sozialen Dynamiken der Jugend, zwischen Freundschaft und Rivalität beleuchtet und in den Kontext eines unaufklärten Todesfalls gesetzt. Nervenaufreibend, erschreckend, ungeschönt.
Ich fand es beim Lesen grausam wie die Mädchen von der Presse zu kaltblütigen Mörderinnen stilisiert werden. Die Macht der Medien und wie sie jemanden diffamieren können, wird hier sehr anschaulich gezeigt. Doch als sich die Ereignisse 10 Jahre später in einen nicht unähnlichen Rahmen wiederholen, begannen sich leiser Zweifel in mir breitzumachen. Ich fand es schwierig Bess und Joni wirklich einzuschätzen; beide geben wenig von sich preis.
Nach und nach verdichtet sich die Geschichte und offenbart viel über die Mädchen, ihre Beziehungen zueinander, ihre Lebensverhältnisse und was sie bewegt. Viel spannender fan dich aber die Frage der Schuld, die hier in Raum geworfen wird. Ab wann ist man schuldig? Wenn man offiziell schuldig gesprochen wird? Oder wenn man sich selbst schuldig fühlt? Und was sagt es über einen aus, wenn man keine Schuld empfindet?
Es geht um Loyalität, um Geheimnisse und darum, wie so ein Vorfall einem ein Leben lang nachhängt. Während die eine Freundin Kapital aus den Ereignissen schlägt, wird die andere immer weniger, bis sie förmlich in ihrem Abgrund zu verschwinden droht. Das war wirklich nervenaufreibend und perfide geplottet und ich wurde richtig in dieses moralische und rechtliche Dilemma hineingezogen. Eine Story, die einen nicht so leicht loslässt