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Veröffentlicht am 04.08.2019

Ungeschöntes Bild vom Wandel eines Familienglücks

Überflieger
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Am Cover sehen wir einen Luftballon dem die Luft ausgegangen zu sein scheint. Dieses Bild ist wunderschön auf die Familie der von Koppensteins zu übertragen. Realistische, ungeschönte, an wenigen Stellen ...

Am Cover sehen wir einen Luftballon dem die Luft ausgegangen zu sein scheint. Dieses Bild ist wunderschön auf die Familie der von Koppensteins zu übertragen. Realistische, ungeschönte, an wenigen Stellen etwas überzeichnete Familiengeschichte.

Claire und Niko sind die Eltern von Raffi und Cordelia. Besonders Claire ist davon überzeugt, dass das Leben ihrer Familie nur Gutes zu bieten hat, da sie in ihren Augen intelligenter als andere Familien sind und somit nur richtige Entscheidungen treffen. Sie selbst sieht sich als Nabel der Welt und blickt leicht lächelnd nicht nur auf ihre Freunde, „die Hullis“, sondern auch auf Lehrer, Rektoren und die Welt im Allgemeinen.

Niko lässt sich von Claire gerne in eine Richtung bewegen. Er beginnt allerdings im Laufe der Geschichte ein eigenes Denkverhalten. Cordelia fühlt sich gegenüber ihrem Bruder benachteiligt in der Aufmerksamkeit ihrer Eltern. Entfremdung und schulischer Leistungsabfall sind ihr stummer Hilfeschrei. Doch kann er von den überforderten Eltern als solcher Wahrgenommen werden?

Gemeinsam mit Claire ist eindeutig Raffi der Hauptprotagonist. Als hochbegabtes Kind, oder zumindest von Claire als solches wahrgenommen, hat er im sozialen Umgang doch einigen Nachholbedarf. Jahrelang sahen Claire und Niko ihren Kindern jegliche Unart liebevoll nach, da sie doch so intelligent sind. Der Mangel an einer Erziehungsline sollte sich am deutlichsten ab Raffis erstem Schuljahr zeigen. Langsam beginnt der Familie der Boden unter den Füßen zu entgleiten.

Karin Ernst zeichnet in „Überflieger“ ein ungeschöntes, meist realistisches Bild der begünstigten, finanziell und gesellschaftlich gut gestellten Familie der von Koppensteins, ihrer eigenen Selbstüberschätzung, Sprachlosigkeit, Überforderung und Hilflosigkeit beim späten Erkennen der tatsächlichen Sachlage.

Das Buch regt zum Nachdenken und eigenem Überprüfen der Vorstellungen an. So manche Leser werden sich selbst in den verschiedenen Abschnitten wiederfinden können. Wer will nicht das Allerbest für sein Kind und versucht dies mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mittel zu erreichen? Leider ist manchmal, so wie bei Claire, der Blick nicht unvoreingenommen wenn es sich um die eigene Familie handelt.

Für all jene Leser, die Bücher zum Nachdenken, Hinterfragen und mit einem offenen Ende bevorzugen, kann ich diese Geschichte empfehlen.

Veröffentlicht am 31.07.2019

Möglicherweise für Einsteiger ein erster Einblick

Gehorche, Sklavin! Erotischer SM-Roman
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Als Katrin entführt und nach Mauretanien in ein Nobelbordell verschleppt wird, bemerkt sie dort ihre Neigung zur sexuellen Unterwürfigkeit. Verstört, dass so ein traumatisches Erlebnis wie ihre Entführung ...

Als Katrin entführt und nach Mauretanien in ein Nobelbordell verschleppt wird, bemerkt sie dort ihre Neigung zur sexuellen Unterwürfigkeit. Verstört, dass so ein traumatisches Erlebnis wie ihre Entführung auch andere Gefühle als Wut, Angst, Verzweiflung oder auch Hass auslösen könnte, benötigt sie einige Zeit um zu ihren Empfindungen stehen zu können.

Dann lernt sie Corinne kennen und diese vermittelt Katrin, dass diese ihre Neigung mit vielen anderen Menschen teilt und sich dafür nicht verurteilen muss. Corinne führt Katrin ein Stück weit in die Welt der Dominanz und Unterwerfung ein.

In „Gehorche, Sklavin“ erzählt Corinne du Pre zuerst die Entführung von Katrin und ihre Erlebnisse bis zum Zeitpunkt des Kennenlernens zwischen Katrin und Corinne. Danach wechselt die Erzählperspektive zu Corinne. Auch wird ein Teil als Tagebuchauszug von Katrin wiedergegeben.

Die Sprache ist gefühlvoll, die Idee der Geschichte originell. Trotzdem wurde ich leider weder mit den Protagonisten noch mit ihrer Darstellung warm. Corinne hat Erfahrung und möchte Katrin Hilfestellung geben, das merkt der Leser, doch die Person Corinne bleibt ebenso flach wie Katrin. Die Geschichte selbst konnte mich nicht so gefangen nehmen, wie ich es mir aus der Kurzbeschreibung erwartet hatte.

Fazit: Für Neueinsteiger in das Thema Dominanz und Unterwerfung kann das Buch durchaus einen ersten Einblick geben.

Veröffentlicht am 25.07.2019

Hoher Lesespaß bei heißen Szenen

Wehrlose Begierde - Sind drei einer zuviel? | Erotischer Roman
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Drei Personen in einer sexuellen Beziehung. Kann das ohne Probleme funktionieren? Hier haben wir Lucy und Joseph, das Stammpaar. Eines Tages kommt in diese Beziehung auch noch Gabriel, der beste Freund ...

Drei Personen in einer sexuellen Beziehung. Kann das ohne Probleme funktionieren? Hier haben wir Lucy und Joseph, das Stammpaar. Eines Tages kommt in diese Beziehung auch noch Gabriel, der beste Freund von Joseph. Die drei erleben eine intensive, lusterfüllte Zeit. Von Joseph hat Gabriel ein paar Verhaltensregeln auferlegt bekommen. Wird er sich an diese in den heißesten Phasen auch halten können? Wie entwickeln sich die Gefühle der Protagonisten zueinander?

Lucy entdeckt schnell die enorme Stimulation dieser Konstellation und ihr Verlangen nach beiden Männern wächst. Sie ist sich sicher Joseph zu lieben, doch wo ordnet sie die Gefühle für Gabriel ein? Was empfindet er für sie?

Schön beschreibt Nancy Greyman in „Wehrlose Begierde – Sind drei einer zuviel?“ die sexuellen Begegnungen der drei Personen. Mit sehr ästhetischen Worten, einer leicht lesbaren Sprache und phantasievollen Szenen dürfen wir die intimsten Momente mitverfolgen. Dennoch wird auch die nicht so schöne Seite einer Dreierbeziehung beleuchtet. Eifersucht. Sie schleicht sich leise bei den drei Protagonisten hier ein. Wird sie die Beziehung zwischen Lucy und Joseph gefährden?

Wir dürfen hier wirklich einen Roman mit Handlung und Hintergrundgeschichte lesen. Nicht nur eine Abfolge von Sexszenen. Natürlich wird Sex hoch geschrieben und dominiert das Geschehen, allerdings auf eine erotische Weise.

Die Protagonisten entwickeln sich im Laufe der Geschichte. Besonders an Lucy erkennt man die Spuren der Veränderung. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass eine derartige Dreierkonstellation auch real mit diesen Problemen zu kämpfen hat.

Von mir gibt es für Geschichte, Lesefluss, Sprache, bildhafter Beschreibung, Atmosphäre, Entwicklung der Protagonisten und auch für das Cover eine uneingeschränkte Leseempfehlung. Ich hatte ein paar Stunden hoher Lesefreude.

Veröffentlicht am 03.07.2019

Auf gleicher Ebene dahinplätschernd

Das Licht der Toskana
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Im Laufe der Geschichte begleiten wir nicht nur die Schriftstellerin Kit Raine, sondern auch Susan, Julia und Camille so zirka ein Jahr lang. Susan, Julia und Camille sind drei amerikanische Seniorinnen, ...

Im Laufe der Geschichte begleiten wir nicht nur die Schriftstellerin Kit Raine, sondern auch Susan, Julia und Camille so zirka ein Jahr lang. Susan, Julia und Camille sind drei amerikanische Seniorinnen, die sich lieber ihren Alterssitz in die Toskana verlegen wollen, als in eine Residenz für Rentner zu gehen. Zumindest begeben sie sich auf die Reise in die Toskana um hier die Villa Assunta für ein Jahr zu mieten. Ob sie länger hier bleiben werden, lassen sie sich vorerst offen. Kit Raine ist ihre Nachbarin.

„Das Licht der Toskana“ vermittelt uns schöne Bilder der Toskana. Abschnittweise hätte die Geschichte vielleicht etwas weniger davon vertragen um dafür die Protagonistinnen mehr in den Vordergrund zu rücken. Leider hat Frances Mayes hier auch keine durchschnittlichen Frauen gezeichnet. Ihrem Lebensstil nach müssen alle drei sehr wohlhabend sein. Sie können reisen, Kurse belegen und einkaufen wonach ihnen der Sinn steht. Dies lässt die Geschichte allerdings unrealistisch wirken. Ebenso finde ich bedauerlicherweise keinen Spannungsbogen. Die Handlungen laufen beinahe auf einer Ebene ab.

Ein Stolperstein für mich waren auch die relativ vielen italienischen Wörter, die nicht übersetzt werden. Die Grundidee der Geschichte gefällt mir, auch die Landschaftsbeschreibungen und eigentlich die Lebensläufe der Frauen. Würde mehr Spannung, mehr Realität, mehr Alltag, mehr Probleme vorkommen, würden sich die Figuren vielleicht auch entwickeln. So ist mein Eindruck der eines, träge fließenden Baches.

  • Einzelne Kategorien
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  • Figuren
Veröffentlicht am 30.06.2019

Gut gezeichnete Protagonisten mit schlüssiger Entwicklung

Find mich da, wo Liebe ist
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Acht lange Jahre sind Grace und der verheiratete David heimlich ein Paar. Mehr oder weniger heimlich. Acht lange Jahre in denen sie wartet, dass er seine Frau für sie verlässt und mit ihr eine Familie ...

Acht lange Jahre sind Grace und der verheiratete David heimlich ein Paar. Mehr oder weniger heimlich. Acht lange Jahre in denen sie wartet, dass er seine Frau für sie verlässt und mit ihr eine Familie gründet. Acht lange Jahre in denen sie ihr Leben nach ihm ausrichtet und ganz auf ihn vertraut. Und plötzlich findet sie sich inmitten von Fragen. Fragen, die ihre gesamte Beziehung betreffen, die nach missbrauchtem Vertrauen und Lügen riechen.

Dieses unerwartete Ereignis trifft Grace bei den Vorbereitungen zu einem wichtigen Karrieresprung. Endlich hat sie gedacht die Geister der Vergangenheit langsam bewältigen zu können, als sie sich so unvorbereitet diesen Fragen stellen muss. Wird nicht nur ihre private sondern auch ihre berufliche Zukunft von dieser Entwicklung beeinflusst werden, vielleicht sogar vernichtet?

Ihr liebenswerter, lebenslustiger Kunde, Mr. Williams, und die quirlige, jugendliche Nadja stehen Grace bei, so gut es ihnen möglich ist. Werden die beiden ihr die Hilfe geben könne, die Grace so bitter nötig hat?

Anstey Harris bedient sich in „Find mich da, wo Liebe ist“ eines lockeren Schreibstils, der fließend und leicht zu lesen ist. Beschreibungen über das Handwerk der Geigenbauerin, den Beruf von Grace, werden geschickt und in verständlichen, interessanten Worten erläutert.

Die Handlungen von Grace waren für mich völlig nachvollziehbar, da man in manchen Situationen einfach den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht. Alle drei Protagonisten erleben eine schlüssige Entwicklung, die sie menschlich und lebendig werden lassen.

Einzig mit dem Titel hadere ich etwas, da ich keinen richtigen Bezug zur Geschichte gefunden habe. Wer findet wen? Grace sich selbst? Grace David, oder ist nicht die Liebe zwischen Mann und Frau gemeint? Vielleicht zur Musik? Doch sollte dieser kleine Punkt dem Buch und der wirklich gelungenen Geschichte keinen Abbruch tun.

Meine Leseempfehlung kann ich uneingeschränkt für Liebhaber von sich schnell bewegenden Geschichten, interessanten Protagonisten und lebensnahen Verhalten ebendieser Protagonisten abgeben.