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Veröffentlicht am 30.08.2025

Die Schwestern und ihre Geheimnisse

True Colors – Das Geheimnis der Schwestern
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Kristin Hannahs Buch »True Colors« beleuchtet erneut die Themen tiefer Emotionen und familiärer Verbundenheit. Im Zentrum stehen Verlust, Anerkennung und die Kraft der Liebe. Es erzählt die bewegende Geschichte ...

Kristin Hannahs Buch »True Colors« beleuchtet erneut die Themen tiefer Emotionen und familiärer Verbundenheit. Im Zentrum stehen Verlust, Anerkennung und die Kraft der Liebe. Es erzählt die bewegende Geschichte von drei Schwestern, die mutig gegen die ihnen auferlegten Einschränkungen kämpfen.

Kristin Hannahs Buch »True Colors« beleuchtet erneut die Themen tiefer Emotionen und familiärer Verbundenheit. Im Zentrum stehen Verlust, Anerkennung und die Kraft der Liebe. Es erzählt die bewegende Geschichte von drei Schwestern, die mutig gegen die ihnen auferlegten Einschränkungen kämpfen.
Die Bindung zwischen den drei Schwestern Grey ist unerschütterlich, auch nach dem Tod ihrer Mutter. Im Kontrast dazu verhärtet sich ihr Vater durch den Verlust seiner Frau.

Vivi Ann, die sich voll und ganz der Arbeit mit den Pferden auf der Ranch hingibt, ist die Einzige, die die Anerkennung und Liebe ihres Vaters gewinnt. Winona, ihre ältere Schwester, kämpft vergebens um die Anerkennung ihres Vaters.

Obwohl sie sich bemühen zusammenzuhalten, konkurrieren die Schwestern immer stärker miteinander. Männer nehmen daran einen wichtigen Platz ein, was jedoch verheerende Folgen hat. Schließlich revoltiert Vivi Ann gegen die väterliche Ordnung, was beinahe zum Zerbrechen der Familie führt …

Kristin Hannah präsentiert ihre Geschichte »True Colors« mit Sinnlichkeit und Feingefühl. Die Reaktionen und Handlungen der Figuren werden so detailliert beschrieben, dass man sie lebhaft vor Augen hat und gut verstehen kann. Trotz der Fokussierung auf die Gedankenwelt der Figuren sorgen immer wieder neue unerwartete Wendungen für Spannung in der Handlung.

Kristin Hannah hat die starken Konflikte auf eindrückliche Weise dargestellt und damit starke Emotionen bei den Lesern ausgelöst.

Der Roman »True Colors« ist eine intensive Geschichte, die jedoch über das reine Liebesgenre hinausgeht und weitaus mehr Tiefe besitzt. Jede der Schwestern strebt auf ihre individuelle Weise danach, ihr Leben zu gestalten. Obwohl ihnen bewusst ist, dass sie am besten zusammenhalten sollten, müssen sie dies letztendlich nach all den überstandenen Konflikten unter Beweis stellen.

Mir hat dieser großartige Roman viel Freude bereitet, besonders weil ich die Atmosphäre einer Pferderanch immer wieder schätze.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2025

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
Veröffentlicht am 30.08.2025

Lady Agnes und ihr Butler

Lady Agnes und der tote Gärtner im Rosenbeet
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Dieser Krimi von HELEN HERBST ist als Cosy Crime angelegt und bedient dieses Genre hervorragend. Gedacht als englicher Landhauskrimi, ist er in einem Herrenhaus angesiedelt und es geht um Garten, Blumen, ...

Dieser Krimi von HELEN HERBST ist als Cosy Crime angelegt und bedient dieses Genre hervorragend. Gedacht als englicher Landhauskrimi, ist er in einem Herrenhaus angesiedelt und es geht um Garten, Blumen, Tee und vieles mehr. Vergleichbar ist dieser Krimi mit dennen von Agatha Christie, Dorothy L. Sayers, Thomas Chatwin, Rebecca Michéle oder auch einige von Ralf Kramp.

Im Garten des Herrenhauses Rosewood Manor von Lady Agnes Blackwood, die hier ihre Gesellschaft lediglich in ihrem Butler Thomas, ihrer Köchin Grace und bislang mit ihrem Gärtner Danierl sieht, wird der Gärtner tot im Rosenbeet gefunden. Er wurde nicht von der Arbeit übermannt von seiner anstrengenden Tätigkeit zwischen den Rosen. Nein, in seinem Herz steckte eiine Gartenschere.

Die Polizei wird gerufen und beginntz sofort zu ermitteln, doch der Inspector Sterling hat eine Aversion gegenüber den Blackwoods und ist der Lady nicht sehr wohlgesonnen. Deshalb beschließt die Lady, selbst mit ihrem Butler nach dem Täter zu suchen. Schnell merkt man, dass da eine eigenwillige aber liebevolle Beziehung zwischen Lady Agnes und ihrem Butler, den sie nur einmal am Morgen bei seinem Vornamen Thomas, anschließend den Rest des Tages bei seinem Nachznamen Henderson anspricht. Zugegeben ein stets distanziertes Dienstverhältnis.

Letztendlich geht es in diesem Krimi aber nicht nur um diesen einen Todesfall. Nein, es passieren so viele schreckliche Dinge, die alle nacheinander aufgeklärt werden müssen. Neben dem toten Gärtner muss ein Kunstfälscher entlarvt und eine verschwundene Katze gefunden werden. Und wie auch bei Inspector Barnaby darf ein Wettbewerb in der Gemeinde nicht fehlen. In diesem Fall geht es um die jährliche Auszeichnung des schönsten Gartens. Da kommt glattweg auch noch Sabotage ins Spiel.

Schließlich bemührt sich Lady Agnes auch, einer jungen Frau den Weg zu deren verhassten Mutter zu begradigen,.

Die Spannung richtet sich also auf ganz viele Bereiche in der Handlung, was natürlich dazu führt, dass man als Leser alles aufgeklärt haben möchte und gerne miträtselt. Die Figuren wurden von der Autorin charmant gezeichnet und nicht jeder, der im ersten Moment böse wirkt, ist auch wirklich böse. Auch in dieser Hinsicht gibt es Überraschungen. Skuril und amüsant wirkt der Aberglauben des Butlers, der damit für brenzlige Situationen sorgt.

Britische Gepflogenheiten und Traditionen, wie man sie aus Filmen, Serien und anderen Romanen kennt, wurden auf interssante und unterhaltsame Weise in den Hintergrund der Handlungen eingeflochten.

Beim Lesen von Büchern wie denen von Lady Agnes, die auf einem Landsitz in England lebt und ähnliche Nachbarn wie die Einwohner von Midsomer hat, fühlt man sich, als würde man auf Reisen gehen. Der Krimi aus Rosewood Manor bietet genau das, was man von solchen Geschichten erwartet: Spannung und Unterhaltung.

Mein Fazit zu Lady Agnes fällt also positiv aus. Das Lesen bereitet Freude, daher absolut empfehlenswert!

© Detlef Knut, Düsseldorf 2025

Veröffentlicht am 28.07.2025

Thriller, Fantasy und Romance

Rache im Blick
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Dies ist ein Thriller von Nora Roberts, mit dem sie ihre Ideen umsetzt, die sie unter diesem Schriftstellernamen verfolgt. Für Kriminalomane verwendet sie bekanntermaßen das Pseudonym J.D. Robb.

Als Nora ...

Dies ist ein Thriller von Nora Roberts, mit dem sie ihre Ideen umsetzt, die sie unter diesem Schriftstellernamen verfolgt. Für Kriminalomane verwendet sie bekanntermaßen das Pseudonym J.D. Robb.

Als Nora Roberts aber verflüchtigt sie sich gerne in die Welt der Fantasy, der Mythen und des Glaubens. Auf meinem Blog gibt es bereits Besprechungen zu der Fantasy-Schatten-Trilogie „Schattenmond“ und „Schattendämmerung“ und anderer Reihen von ihr.

Auch »Rache im Blick« kommt nicht ohne Mystik aus. Dennoch ist die Jagd nach einem Serienkiller ein unterhaltsam spannender Thriller. Daneben geht es aber auch um große Gefühle und die Leser können sich auf eine großartige Liebesgeschichte freuen.

Die zwölfjährige Thea Fox und ihr zwei Jahre jüngerer Bruder Rem wachsen in einer wohlbehüteten Famile auf. Die geschäftlich sehr erfolgreichen Eltern Cora und John Fox lieben sich nachwievor und sie lieben vorallem ihre beiden Kinder. John stammt aus einem enorm reichen Elternhaus, aber seine Eltern fanden, dass Cora nicht die richtige Ehefrau für ihren Sohn war. Deshalb mochten sie Johns Kinder nicht, haben John mit seiner Familie nie besucht und die Enkel nie wohlwollend behandelt. John hat darauf gepfiffen und sich umso mehr an Coras Eltern angeschmiegt.

Coras Mutter Lucy (Theas Großmutter) ist bereits Witwe und liebt ihren Schwiegersohn wie einen leiblichen Sohn. Ihre Liebe reicht aber auch für die Enkel Thea und Rem, die jedes Jahr in den Ferien zwei Wochen auf dem kleinen Bauernhof ihrer „Grammi“ verbringen. Und an jedem Weihnachten kommt Grammi zu ihnen zu Besuch.

Den Frauen dieser Familie verbindet eine besondere Gabe: Sie können gedanklich in die Köpfe anderer Menschen sehen. Während Lucy diese Gabe nur für ganz besondere Anlässe ausnahmensweise einsetzt, lehnt ihre Tochter Cora diese Gabe ab. Und Thea wird auf außergewöhnliche Weise mit dieser Gabe konfrontiert.

Zwischen den Kapiteln zur Beschreibung dieser kleinen Familie lernen die Leser Ray Riggs bei »Rache im Blick« kennen. Er ist ein Mensch voller Hass, Neid und Eifersucht. Er reist durch die Regionen und tötet Menschen, um sie auszurauben. Meist sind es Ehepaare oder kleine Familien. Nachdem er sie getötet hat, nimmt er sich von ihnen, was immer er meint gebrauchen zu können: Geld, Schmuck, Waffen und Autos. Seine Ziele wählt der Killer eher rein zufällig. Aber wenn er ein Ziel gefunden hat, dann entfacht das einen enormen Hass auf diese zukünftigen Opfer. Mit urgewaltiger Brutalität werden die Leser mit der Ermordung von Cora und John Fox konfrontiert.

Dramaturgisch aufebreitet hat Nora Roberts diesen Roman wie einen ganz normalen Thriller: einerseits die Kapitel um die Protagonisten und dazwischen die Kapitel mit dem Täter. Spannend nähern sich die beiden Stränge einander an, bis der Täter endgültig vernichtet ist.

Den Emotionen der Figuren widmet sich die Autorin in ganz besonderer Weise. Einerseits wird der unbändige Hass und die Wut des Killers sehr detailreich beschrieben. Andererseits erleben die Leser die schier unerschöpfliche Liebe und Fürsorge einerseits der Großmutter ihren beiden Enkeln gegenüber, aber auch Theas gegenüber ihrem kleinen Bruder und schließlich der Verwandten und der Nachbarn gegenüber dieser kleinen Familie, die so viel Leid erlfahren musste. Einen Hauptstrang nimmt die Liebesgeschichte von Thea zu einem neu im Dorf sich ansiedelnden Nachbarn mit seinem vierjährigen Sohn. Ein alleinerziehender Vater, der den Argumenten seines Sohnes kaum widersprechen kann.

Dabei geht es aber auch nicht nur um die Jagd nach einem Täter. Es geht sehr viel um Familie, den Zusammenhalt in einer Familie, das Vertrauen untereinander. Es geht auch um die Weitergabe dieser Gefühle und dem Wissen von einer Generation an die nächste.

Trotz aller Mystik haben mir die Figuren und die Handlung in »Rache im Blick«gut gefallen. Schließlich bleibt es auch nicht bei der Festnahme des Killers, sondern die Jagd geht noch viel weiter und es ist ja auch nicht nur dieser eine spannende Handlungsstrang, so dass man unweigerlich bis zum Ende des Romans lesen möchte.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2025

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.07.2025

Viel Wissen bläht die Geschichte auf

Bretonische Nächte
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In diesem elften Roman um Kommissar Dupin und sein Team geht es um historische Gebäude, Vögel und Äpfel. Und selbstverständlich ums Essen. Vor allem aber um die Aufklärung eines Verbrechens.

Joelle Contel, ...

In diesem elften Roman um Kommissar Dupin und sein Team geht es um historische Gebäude, Vögel und Äpfel. Und selbstverständlich ums Essen. Vor allem aber um die Aufklärung eines Verbrechens.

Joelle Contel, eine hochaltrige Familienmatriarchin gibt zu erkennen, dass sie nicht mehr lange auf Erden vertweuilen wird. Das ist für die Bretonen nichts Ungewöhnliches. Doch dass sie plötzlich tot ist und zunächst alles auf eine Sache mit dem alten Herzen hindeutet, sind die Menschen doch erschreckt. In der Nacht nach ihrem Tode möchte ihr Neffe Kadeg, der zur Polizeitruppe von Dupin gehört, Abschied von seiner Tante nehmen. Schließlich wird er denselben Anteil wie deren engeren Verwandten erhalten. Doch Kadeg wird niedergeschlagen.

Wer sollte etwas gegen Inspektor Kadeg haben? Es wird ein Einbrecher vermutet.

Aber dann stellt sich heraus, dass Joelle Contel, die Matriarchin, gar nicht eines natürlichen Todes gestorben war. Was ist hier los? Der Angriff auf Kadeg erscheint in einem anderen Licht. Erst recht nach weiteren Vorfällen.

Als süffisante Urlaubslektüre lässt sich der Krimi sehr gut lesen. Der Kriminalfalls ist verzwickt und spannend. In insgesamt vier Kapiteln, sprich vier Tagen der Romanhandlung, wird der Fall gelöst und die Leser haben jede Menge Gelegenheit, zu spekulieren.

Mir persönlich war die Geschichte um den Kriminalfall zu aufgebläht und wurde damit künstlich dermaßen in die Länge gezogen, dass es schon fast langweilig wurde. Man erfährt viel über die klösterlichen alten Gebäude, sehr sehr viel über die Vögel dieser Region (Hobbyornithologen werden ständige Begleiter) und über die Produktion von Cidre und anderen auf Äpfel basierenden Getränken und Produkten. Das hätte für die Plausibilität und Herleitung der Motive für die Verbrechen auch mit weniger Sätzen gereicht.

Freuen können sich Leser erneut auf humorvolle Figuren in gelöster Urlaubsstimmung und kribbelnde Spannung.

Insgesamt bietet „Bretonische Nächte“ eine fesselnde Kriminalhandlung, die durch die verworrenen Ermittlungen des Teams um Kommissar Dupin glänzt. Die liebenswerten Figuren bringen Leben in die Geschichte, während langatmige Erläuterungen über nebensächliche Themen manchmal den Fluss der Handlung bremsen. Trotz dieser kleinen Schwächen bleibt das Buch ein spannendes Lesevergnügen für Krimifreunde.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2025

Veröffentlicht am 13.07.2025

Eine deutsch-deutsche Sache? Ein verzwickter Fall in einer noch selbst erlebten Vergangenheit

Kollateralschaden
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Willi Vögeli’s Kriminalroman »Kollateralschaden« versetzt die Leser zurück in die 1980er Jahre, in eine Zeit mit zwei deutschen Staaten, in der die Staatssicherheit und der Verfassungsschutz einander beobachteten, ...

Willi Vögeli’s Kriminalroman »Kollateralschaden« versetzt die Leser zurück in die 1980er Jahre, in eine Zeit mit zwei deutschen Staaten, in der die Staatssicherheit und der Verfassungsschutz einander beobachteten, und in der Handys noch nicht existierten.

Nachdem Wilhelm Beck, ein pensionierter Kriminalhauptkommissar, aufgrund eines Nervenzusammenbruchs infolge eines Falls in den Ruhestand trat, eröffnete er eine Buch- und Weinhandlung. Jetzt, da er sich von seiner Krankheit erholt hat, fühlt er sich ziemlich wohl in seinem neuen Unternehmen.

Es passiert hin und wieder, dass bekannte Personen an ihn herantreten und um Unterstützung bei Ermittlungen bitten. Neben seinem Job als Buch- und Weinhändler arbeitet er als Privatdetektiv. Bei seiner Arbeit erhält er Hilfe von seiner ehemaligen Kollegin Senta, die nach wie vor für die Polizei tätig ist.

Eines Tages wendet sich auch eine Frau mittleren Alters an Kommissarin Senta, die ihrerseits dann Beck um Hilfe bittet, die vor Kurzem verschwundene Tochter zu finden. Da die Polizei den vermissten Fall nicht ernst nimmt, da auch ein Koffer mit Kleidung aus der Wohnung der Tochter verschwunden ist, wird die Versicherung der Mutter, dass ihre Tochter nie ohne ein Wort zu sagen verschwinden würde, von der Polizei ignoriert. Deshalb hat Senta diese Frau an ihren früheren Chef weitergeleitet.

Zu Beginn zögert er, der Mutter eine klare Zusage zu machen, da die Art von Ermittlungen zu anspruchsvoll für einen Privatdetektiv wie ihn ist. Um ihre Tochter zu finden, müsste er die Polizei hinzuziehen. Ohne die Unterstützung seiner ehemaligen Kollegin kann er die vermisste Tochter nicht suchen.

Alles beginnt recht unscheinbar mit dem Vermisstenfall des Mädchens, doch schnell wird klar, dass die Suche weitreichendere Konsequenzen hat. Es stellt sich heraus, dass weitere Frauen auf ähnliche Weise verschwunden sind wie das Mädchen. Es ergeben sich auch Hinweise, die in eine völlig andere Richtung, wie das Drogenmilieu, deuten. Beck und sein Freund stoßen eher zufällig auf ein Drogenlabor, das möglicherweise mit dem Verschwinden des Mädchens in Verbindung steht.

Während des Kriminalsromans »Kollateralschaden« existieren beide deutsche Staaten, da die Handlung 1983 spielt. Ein Verdächtiger für Beck und seine Kollegin ist ein Chemietechniker in einem großen Chemiekonzern, der aus der DDR in den Westen gebracht wurde. Er galt als Dissident in der DDR, wurde im Jugendwerkhof festgehalten und schließlich von der BRD freigekauft. Dies führt zu Ermittlungen in Halle an der Saale, wo er sich zwischen den Geheimdiensten Staatssicherheit und Verfassungsschutz wiederfindet.

Mir hat zunächst die Zeit, in der die Handlung stattfindet, gefallen. Es ist weder ein historischer noch ein gegenwärtiger Roman, dennoch wird eine vergangene Ära beschrieben, die man persönlich erlebt hat, die aber heute nicht mehr existiert. Der Autor hat darauf geachtet, dass die Figuren nicht mit Handys, sondern lediglich mit Telefonzellen agieren. Die Atmosphäre dieser Zeit wurde in beiden Teilen Deutschlands, im Westen wie im Osten, angemessen dargestellt. Die vergangene Zeit in Ost- und Westdeutschland wirkt authentisch und einfühlsam.

In der knappen Inhaltsangabe oben sind bereits spannende Ansätze in verschiedenen Richtungen erkennbar. Im Verlauf des Romans nehmen die Verwicklungen zu, je weiter man in die Ermittlung eintaucht. Die Spannung steigert sich kontinuierlich, während die Ermittlung immer komplexer wird. Es ist faszinierend, wie die Charaktere ohne moderne Technologie auskommen und dennoch überzeugend agieren. Durch die geschickt gelegten Spuren entsteht eine vielschichtige Handlung mit unerwarteten Wendungen.

Der Roman »Kollateralschaden« entführt die Leser auf eine Reise in die Vergangenheit, die durch geschickte Dramaturgie und raffinierte Ermittlungsarbeit überzeugt.

Die Charaktere um Wilhelm Beck, den Hauptprotagonisten, sind glaubwürdig und liebenswert. Sie bilden eine feste Freundesgruppe, die ihm zur Seite steht, wenn er sie braucht. Nur seine Freundin ist eine Ausnahme, mit der er momentan streitet und sich bemüht, ein normales Familienleben aufzubauen. Somit bleibt auch das Privatleben des Ermittlers nicht außer Acht.

Der Roman »Kollateralschaden« macht viel Spaß und ist unterhaltsam. Auch wenn der Buchsatz (z.B. unterschiedliche Zeilenzahl auf jeder Seite) nicht gerade perfekt ist, empfehle ich ihn sehr gerne. Er kann ruhigen Gewissens in den Koffer mit der Urlaubslektüre gepackt werden. Der Urlaub wird umspo spannender.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2025