Profilbild von DetlefKnut

DetlefKnut

Lesejury Star
offline

DetlefKnut ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit DetlefKnut über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.10.2025

Psychothriller mit Gruseleffekt

Apartment 5B
0

Dies ist ein weiterer Psychothriller der amerikanischen Autorin Lisa Unger. Ihre Thriller landen regelmäßig in den amerikanischen Bestsellerlisten und sie reiht sich ein in die Riege der Top-Thrillerautorinnen, ...

Dies ist ein weiterer Psychothriller der amerikanischen Autorin Lisa Unger. Ihre Thriller landen regelmäßig in den amerikanischen Bestsellerlisten und sie reiht sich ein in die Riege der Top-Thrillerautorinnen, die ich auf meinem Blog bereits vorgestellt habe.

Die Autorin Rosie Lowan und ihr Ehemann Chad, der seine Brötchen als Schauspieler verdient, kommen nicht gerade besonders gut über die Runden. Ablehnung von Manuskripten, Absagen von Engagements. Zwar hatte Rosie vor wenigen Jahren einen True-Crime-Bestseller gelandet, aber das Geld davon ist längst aufgebraucht.

Doch dann gibt es plötzlich eine sehr erfreuliche Nachricht. Nach dem Tod von Chads verstorbenen Onkels erben sie dessen riesieges Apartment. Nachdem sich dessen Tochter nicht mehr um ihren Vater gekümmert hatte, watten Rosie und Chad ihn mehr als regelmäßig besucht und sich um ihn gekümmert. Von den Nachbarn wurden sie als Dauergäste fast schon selbst wie Nachbarn behandelt. Aber deswegen haben sich trotzdem nie daran gedacht, dessen Wohnung in dem luxuriösen Haus The Windermere zu erben. Eine Kleinigkeit vielleicht schon, aberf keine Immobilie im Wert von fünf Millionen Dollar.

Rosie und Chad können ihr Glück kaum begreifen. Aber kurz nach ihrem Einzug beschleicht Rosie ein eigenartiges Gefühl. Zwar werden sie von den Nachbarn, die sie fast alle schon kennen, mehr als freundlich in den Kreis der Wohnungseigentümer aufgenommen, aber die vielen Kameras im Haus und das teils überfürsorgliche Gebaren der Nachbarn und des Concierges empfinden sie als beklemmend.

Und dann gibt es noch die vielen Gerüchte um merkwürdige Todesfälle im Windermere. Obwohl Rosie dies als Aufhänger für ein neues Buch bei ihrem Verlag vorstellt, kommt ihr das Leben in diesem Haus etwas gespenstig vor. Als dann noch eine neue Leiche im Haus auftaucht, muss Rosie auf jeden Fall tiefer recherchieren und die Wahrheit über das historische Windermere herausfinden.

Das Setting des Romans erinnert an den Film „Rosemarys Baby“, dessen Handlung ebenfalls in einem Apartment-Haus mitten in New York spielt. Ich persönlich wurde sofort daran erinnert und war von Anbeginn sehr skeptisch, was die einzelnen Figuren anging. Lisa Unger hat jede Menge Figuren mit geheimnissvollem und ungewöhnlichem Verhalten eingebaut. Bei nahezu jeder Figur kann man an der Loyalität gegenüber der Protagonistin zweifeln. Allen voran ihr Ehemann. Aber nichts ist in Stein gemeißelt. Es ist genügend Raum für Wendungen. Das ist fantastisch gemacht und die Autorin weiß, wie man die Leser an den Roman fesselt.

Neben dem merkwürdigen Verhalten der einzelnen Leute trägt auch die Einbildung im Kopf von Rosie ihren Anteil an dem Grusel. Menschen zu sehen, die eigentlich tot sind, lässt sie an ihrem Verstand zweifeln.

Kurze und knappe Kapitel sorgen für ein schnelles Tempo. Darüber sind in größeren Abschnitten vier Akte gelegt, die jeweils mit dem Zitat eines Schriftstellers eröffnet werden.

„Apartment 5B“ ist ein packender Roman, der inmitten des hektischen Lebens in New York City spielt. Die überraschende Erbschaft der sympathischen Protagonistin zieht einen sofort in die Geschichte hinein. Die kurzen Kapitel sorgen für einen flotten Lesefluss, während das Psychospiel unter die Haut geht und die merkwürdigen Nachbarn sowie die vielen Verdächtigen für ordentlich Spannung sorgen. Ideal für alle, die auf der Suche nach einer fesselnden Lektüre sind!

© Detlef Knut, Düsseldorf 2025

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.10.2025

Spannung in Christiania!

Schwelbrand
0

Dieser Thriller mit dem Untertitel „Die Narben der Wahrheit“ ist der dritte Band um die Privatdetektivin Liv Jensen von Katrine Engberg. Und es istz wohl auch ihr persönlichster Fall, schließlich wird ...

Dieser Thriller mit dem Untertitel „Die Narben der Wahrheit“ ist der dritte Band um die Privatdetektivin Liv Jensen von Katrine Engberg. Und es istz wohl auch ihr persönlichster Fall, schließlich wird das Wissen um die Vergangenheit benötigt, um den aktuellen Fall aufzuklären. Aber in der Vergangenheit war ihr Idol, der Opa, als Polizist darin verwickelt.

Die Privatdetektivin Liv Jensen wird telefonisch kontaktiert. Der Anrufer fühlt sich stark gestört und hat den Eindruck, dass bei ihm eingebrochen wurde. Er bittet Liv Jensen, Sicherheitskameras in seiner Wohnung anzubringen. Liv ist anpassungsfähig und handelt zügig, um ihre Miete zu decken, und bringt die Kameras schnell zum Klienten.

Während sie dabei ist, eine Kamera im Keller zu installieren, wird das Haus erneut von jemandem betreten! Sie vernimmt nur das Geräusch, als die Kellertür von außen abgeschlossen wird. Sie ist gefangen. Jemand plant Böses. Plötzlich hört sie, wie ihr Klient ermordet wird, und ist machtlos, etwas dagegen zu unternehmen. Schließlich gelingt es ihr, sich mit einem Feuerlöscher als Rammbock aus dem Keller zu befreien.

Sie fängt an zu recherchieren und entdeckt einen Zusammenhang zu einem vier Jahrzehnte alten Fall. Damals starb in der Freistadt Christiania ein junger Mann, dessen Ermittlungen Livs Großvater leitete. Hat die Wahrheit all die Jahre im Verborgenen verharrt? Haben die Geheimnisse all diese Zeit unentdeckt weiterexistiert? Liv vertieft sich in ihre eigene Familiengeschichte und erkennt, dass ein Mörder auf freiem Fuß ist. Ein Mörder, der sie im Auge behält und genau weiß, wer sie ist.

In diesem Roman nutzt Katrine Engberg zahlreiche kurze Szenen, die aus unterschiedlichen Handlungslinien hervorgehen, was sowohl die Spannung steigert als auch das Lesetempo anhebt. Neben den zunächst privat wirkenden Erzählungen gibt es tatsächlich einen zweiten Kriminalfall, der mit der Ermittlerin nicht direkt verbunden ist. Dieser wird eher beiläufig präsentiert und ist ebenso fesselnd wie der Hauptstrang. Die Figuren, die in allen Handlungslinien miteinander interagieren, bilden die einzige Gemeinsamkeit. Das habe ich sehr gelungen empfunden.

Ein Kommissar, der Anzeichen von Demenz zeigt, ist ebenfalls eine ungewöhnliche Figur und sorgt dafür, dass das Interesse der Leser bleibt. Die komplexen Beziehungen zwischen Liv und ihren Freunden verleihen der Geschichte eine zusätzliche Dimension. Jeder Bekannte hat offenbar seine eigenen Geheimnisse, die nach und nach ans Licht kommen.

Das Geschehen in der Gegenwart und in der Vergangenheit führt zu einem ungewöhnlichen Zusammenhang und Leser können sich auf zahlreiche Wendungen gefasst machen. Alle Informationen und Erkenntnisse scheinen irgendwann doch nicht mehr zu stimmen und es muss neu durchdacht werden. Nicht nur vom Leser, sondern eher von der Protagonistin. Die Vergangenheit wird durch einen anderen Schriftstil sehr gut kenntlich gemacht, so dass es keine Probleme für das Verständnis des Geschehens gibt.

Während die Ermittlungen voranschreiten, werden die Verbindungen zwischen den Fällen immer klarer. Diese unerwarteten Wendungen halten die Spannung bis zur letzten Seite hoch. Engberg gelingt es meisterhaft, die Leser in eine Welt voller Intrigen und unerwarteter Enthüllungen zu entführen.

Mit diesen Kriminalermittlungen stellt Katrine Engberg die Freistadt Christiania auf ganz besondere Weise vor. Eine Stadt, die für Hippies, Kiffer und Aussteiger steht, wird ihrem Aussehen umfangreich und detailreich beschrieben. Sowohl Straßenzüge, Häuserfassaden als auch die Wohnungen von innen. Dsa ist alles interessant und ein zusätzlicher Leckerbissen.

„Schwelbrand“ ist ein echt fesselnder Roman, der mit mehreren Handlungssträngen und interessanten Figuren aufwartet, von denen jeder sein eigenes Geheimnis hat. Besonders spannend sind die Einblicke in die Örtlichkeiten von Christiania, die den Hintergrund lebendig werden lassen. Die Protagonistin zeigt einen beeindruckenden Pragmatismus, der die Geschichte noch greifbarer macht. Ein echter Lesetipp! Einziger Wermutstropfen: Die für Skandinavien typischen Anredeformen mit Vornamen und „Du“ können etwas gewöhnungsbedürftig sein. Aber lass dich davon nicht abschrecken – das Buch ist definitiv lesenswert!

© Detlef Knut, Düsseldorf 2025

Veröffentlicht am 08.10.2025

Spannung ohne Ermittler

Noch fünf Tage
0

Der Roman von Andrea Schultheiss Fischer, der bei Pendragon erschienen ist, wird zwar als Kriminalroman geführt, jedoch würde ich ihn nicht in diese Schublade stecken wollen. Es geht um Verbrechen, keine ...

Der Roman von Andrea Schultheiss Fischer, der bei Pendragon erschienen ist, wird zwar als Kriminalroman geführt, jedoch würde ich ihn nicht in diese Schublade stecken wollen. Es geht um Verbrechen, keine Frage, aber auf Ermittlungen müssen Leser nicht hoffen.

Wie der Titel schon sagt, scheint alles in den nächsten fünf Tagen zu passieren. Und die Frage ist: Was wird da passieren? Diese Frage baut die Spannung für diesen Roman auf.

Protagonistin dieses Romans ist Amanda. Sie fühlt sich nicht wohl in dieser Welt. Es ist nicht ihre Welt, in der sie leben wollte. So lernen die Leser Amanda depressiv im Bett liegend kennen. Im Laufe der Geschichte erfährt man, dass Amanda auch ein Problem mit Alkohol hat und ihrem Körper ständig damit versorgen muss.

Langsam und behutsam in ruhigen Tönen erfahren die Leser die Geschichte von Amanda. Sie folgt ihrer Großmutter und ihrer Mutter in dem Willen, aus eigener Kraft aus dem Leben zu scheiden. Auch diese beiden Frauen hatten sich das Leben genommen und waren dem Alkohol verfallen. Offenbar waren beide schlechte Mütter gewesen, denn sowohl Amandas Mutter fühlte sich ungeliebt und nicht willkommen in der Welt, genauso wie Amanda selbst. Sie hatte nie ein nettes Wort oder auch nur einen Krümel Zuneigung erfahren.

Doch nun hat Amanda ihren Großvater, einen verbitterten und zynischen alten Mann zur Pflege in ihre Wohnung genommen. Er ist alles andere als dankbar darüber. Doch ihr Sohn Benjamin hatte ihr zugesprochen. Als Amanda dessen Freundin Hannah kennenlernt und erfährt, dass Hannah ein Kind erwartet, spürt sie zärtliche Gefühle für die beiden.

Andrea Schultheiss Fischer hat eine düstere Geschichte entwickelt, in der immer mehr aus dem Leben von Amanda und ihrer Familie preisgegeben wird. Immer wieder gibt es neue Informationen und somit auch einige Überraschungen, die den Leser gedanklich spekulieren lassen, was wohl am Ende der fünf Tage passieren mag. Solange man davon ausgeht, dass sich Amanda das Leben nehmen wird, fragt man sich vielleicht noch, wie das geschehen wird. Und dann gibt es eine ganz große Überraschung.

Das ist schon sehr gut gemacht und trotz des besinnlichen Stils mit einiger Spannung versehen, obwohl ich zuvor beinahe der Depressionen überdrüssig war.

Wer gerne auf Ermittlungen und reißerische Szenen verzichten mag und dafür einen Roman rund um düstere Familiengeheimnisse und Verbrechen lesen möchte, sollte »Noch fünf Tage« auf seine Liste setzen. Er wird mit einer mysteriösen Spannung belohnt werden.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2025

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.10.2025

Der Donnerstagsmordclub auf der Suche nach einem Code für Bitcoins

Der Donnerstagsmordclub und der unlösbare Code (Die Mordclub-Serie 5)
0

Dieser Kriminalroman von Richard Osman ist der mittlerweile fünfte Roman aus dieser überaus beliebten Cosy Crime Reihe. Für mich war es der erste, den ich gelesen habe. Und wie bei den meisten Autoren, ...

Dieser Kriminalroman von Richard Osman ist der mittlerweile fünfte Roman aus dieser überaus beliebten Cosy Crime Reihe. Für mich war es der erste, den ich gelesen habe. Und wie bei den meisten Autoren, die Reihen schreiben, ist dieser Roman losgelöst von den vorhergehenden lesbar. Zwar wird hin und wieder auf ein Ereignis in der Vergangenheit hingewiesen, aber gelesen haben muss man den dafür zugrundeliegenden Roman nicht.

Joyce ist stark in die Vorbereitungen für die Hochzeit ihrer Tochter Joanna eingebunden. Joanna wird Paul heiraten, dessen Freund Nick Silver als Trauzeuge fungiert. Obwohl Holly Lewis, die Geschäftspartnerin von Nick, ebenfalls eine Freundin von Paul ist, hat sie sich mit einer nichtssagenden Ausrede von den Feierlichkeiten abgemeldet und fehlt daher. Nick und Holly arbeiten gemeinsam, und Paul hatte sich vor einigen Jahren an ihrem Unternehmen beteiligt.

Elizabeth wird vom Trauzeugen Nick angesprochen und um Hilfe gebeten. Am Morgen hätte er unter seinem Auto, welches draußen auf dem Parkplatz steht, eine Bombe entdeckt. Offenbar wollen ihn jemand töten.

Elizabeth wittert die Möglichkeit einer Ermittlung für den Mordclub, obwohl bislang ja noch gar kein Toter existiert. Aber der Versuch eines Anschlages reicht ihr bereits. Schnell wird klar, dass Nick einen Code kennt, mit dem der Zugang zu einem Tresor voller Bitcoins erlangt werden kann. Einen zweiten Teil des Codes kennt nur seine Geschäftspartnerin Holly.

Doch bevor der Mordclub weiter ermitteln kann, ist Nick Silver spurlos verschwunden. Und dann explodiert ein Auto und es gibt eine Tote.

Die Kapitel sind relativ kurz, was den Roman insgesamt unterhaltsam macht. In chronologischer Reihenfolge und mit den entsprechenden Wochentagen versehen, kann der Leser die Ermittlungen nachverfolgen.

Die Kapitel werden aus unterschiedlichen Perspektiven dargestellt. Teile davon sind aus der Ich-Sicht von Elizabeth und Joyce geschrieben, während die meisten Passagen von einem fiktiven Erzähler in der dritten Person wiedergegeben werden. Obwohl die Ich-Erzähler in den Überschriften klar gekennzeichnet sind, geschieht der Wechsel der Perspektive so geschmeidig und unauffällig, dass er kaum bemerkt wird. Dies fügt sich gut in die Erzählung ein.

Richard Osman hat eine komplexe Handlung erschaffen, die zahlreiche kleine Abzweigungen enthält, um die Leser zu verwirren. Es gibt viele Verdächtige und verschiedene Szenarien, die erklären könnten, was geschehen ist und wer die Drahtzieher sind. Dies sorgt für Unterhaltung und steigert das Lesetempo.

Der Erzählstil ist angenehm und entspannt. Die vier Hauptcharaktere der Geschichte – Elizabeth, Joice, Ron und Ibrahim – werden durch ihre Taten und Gespräche mit anderen Figuren lebhaft und detailliert präsentiert. Es macht Spaß, ihnen zu folgen, und man kann oft schmunzeln, denn viele der Situationen kennt man nur zu gut aus dem eigenen Alltag.

Der Donnerstagsmordclub wird auch durch eine bunte Truppe weiterer Charaktere aufgepeppt. Besonders der Enkel von Ron bringt frischen Wind in die Runde der Rentner – als kleiner Wirbelwind ist er zwar nur ein Dreikäsehoch, hat aber einen gehörigen Anteil an den Ermittlungen!

Es wundert nicht, dass es eine brandneue Verfilmung bei Netflix gibt, die nur so voller hochkarätiger Schauspieler (Helen Mirren, Pierce Brosnan, Ben Kingsley und Celia Imrie) wimmelt.

Obwohl es ganz schön aufregend zugeht, finde ich einige der kleinen Abschnitte eher überflüssig. Sie entfernen sich so weit vom Hauptplot, dass sie nur dazu dienen, gute Laune zu verbreiten, ohne wirklich etwas zur Geschichte beizutragen. Aber keine Sorge, diese Stellen mindern nicht den Spaß am Lesen – das können wir schon mal festhalten! Und hey, wer könnte schon dem Donnerstagsmordclub widerstehen?

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass dieser Cosy Crime in Südengland nicht nur spannend ist, sondern auch voller falscher Fährten, die selbst die cleversten Detektive ins Schleudern bringen. Mit einer schier endlosen Liste von Verdächtigen und amüsanten Wortwechseln wird die Geschichte zu einem wahren Vergnügen. Die humorvollen Situationen und interessanten Figuren sorgen dafür, dass man vor Schmunzeln kaum aus dem Lesen herauskommt.

Wer auf der Suche nach einem unterhaltsamen Lesevergnügen bist, sollte unbedingt in die Welt des Donnerstagsmordclubs eintauchen.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2025

Veröffentlicht am 18.09.2025

Clete Purcel erzählt seine Story

Clete
0

Dies ist der vierundzwanzigste Roman aus der Dave-Robicheaux-Reihe von James Lee Burke und ist gerade in einer deutschen Übersetzung bei Pendragon erschienen. Diesen hardboiled Roman zeichnet aus, dass ...

Dies ist der vierundzwanzigste Roman aus der Dave-Robicheaux-Reihe von James Lee Burke und ist gerade in einer deutschen Übersetzung bei Pendragon erschienen. Diesen hardboiled Roman zeichnet aus, dass der Erzähler der Geschichte gewechselt hat. Kein unabhängiger Erzähler und auch nicht die Hauptfigur dieser Reihe erzählt, was so abgeht. Nein es ist Robicheauxs langjähriger Freund Purcel.

Obwohl es immer noch ein Kriminalroman ist, hat sich der Fokus deutlich verschoben. Verbrechen und ihre Lösung sind nach wie vor zentrale Themen. Allerdings gewinnen die Charaktere der Protagonisten Robicheaux und Purcel, ihre Umgebung und die politischen Aspekte in den USA zunehmend an Bedeutung. Trotz dieser Veränderungen hat der Roman keineswegs an Spannung und Unterhaltungswert eingebüßt, im Gegenteil.

Zunächst beginnt alles ganz harmlos. Clete hat seinen Caddilac Eldorado bei einem Kumnpel in der Waschanlage abgegeben, um ihn reinigen zu lassen. Doch kaum hat er ihn von dort abgeholt, da wird der Wagen von zweilichtigen Typen auseinander genommen und zerfleddert. Offenbar haben sie etwas gesucht und nicht gefunden.

Diese Typen sind aber harnäckig und fordern immer wieder von Clete zur Herausgabe ihrer Sachen ein. Dabei schrecken sie nicht vor Gewalt zurück und gehen auch über Leichen. Clete selbst kommt kaum unverletzt aus so mancher Begenung heraus. Aber er hat ein riesengroßes Problem: Er weiß gar nicht, um was es geht. Was wollen die Typen von ihm? Auch von seinem Waschstraßenkumpel Eddy wird er nichts erfahren.

Die Jagd nach dem, was in Cletes Caddy versteckt sein soll, bestimmt den Roman. Wobei Clete und Dave aber den Spieß umdrehen und Jagd auf die Ganoven machen, die hinter Clete her sind.

Es ist faszinierend, wie anders die Geschichte klingt, wenn eine andere Figur sie erzählt und mit welcher Akribie der Autor daran gearbeitet zu haben scheint. Zwar ähneln sich die beiden Figuren, Dave und Clete, an vielen Stellen, aber doch ist der eine Cop und an Regeln gebunden, die er bei weitem nicht immer einhält, es aber versucht, der andere als Privatdetektiv völlig freier und nimmt auch mal Jobs von Verbrechern an. Der Erzählstil dieses Romans gibt also mal eine andere Stimmung wieder.

James Lee Burke, ein politischer Schriftsteller, artikuliert seine Ansichten durch die Handlung seiner Romane. In diesem Buch integriert er viele metaphorische Details in die Visionen des Erzählers, der regelmäßig Jeanne d’Arc aus dem 15. Jahrhundert sieht und sogar mit ihr interagiert. Diese Visionen scheinen den Erzähler jedoch in den Wahnsinn zu treiben, was er nicht leugnen kann. Dennoch unterstützen sie ihn dabei, sich weiterhin für Gerechtigkeit einzusetzen. Verbrechen gegen Frauen und Juden belasten Clete sehr. Obwohl er gelegentlich für Kriminelle tätig ist, sind Kinder und Frauen für ihn unantastbar. Hier zeigt sich, dass die heutigen USA unter Donald Trump sich unweigerlich in Richtung Mittelalter bewegen.

James Lee Burkes Erzählstil bietet eine Vielfalt an Darstellungsmöglichkeiten. Er integriert Landschaften, Orte, Figuren und Ereignisse ausgewogen in seine Geschichten und schafft so ein umfassendes Gesamtbild. Es ist deutlich spürbar, wie sehr er die Menschen, die Landschaften von Louisiana und das Streben nach Gerechtigkeit schätzt, obwohl er auch die Hoffnungslosigkeit betont, dass diese Gerechtigkeit vielleicht nie erreicht werden kann.

In den vorangegangenen Büchern war Sarkasmus ein wiederkehrendes Element. Witzige und anzügliche Dialoge sorgen für Lebendigkeit. Der spezielle Humor zwischen Dave und Clete zeigt sich oft in ihrer langjährigen Partnerschaft als die „Bobbsey Twins von der Mordkommission“, was zu Wortgefechten führt, die nur zwischen engen Freunden entstehen können. Letzteres ist eine Anspielung der beiden auf ihre gemeinsame Zeit bei der Polizei.

Wie auch bei den anderen Büchern dieser Serie, kann ich einfach nicht anders, als »Clete« zu empfehlen. Aufgrund der einzigartigen Freundschaft der Hauptfiguren und der kontroversen Thematik in einem Südstaaten-Setting der USA ist es ein Roman, den man unbedingt gelesen haben sollte.

© Detlef Knut, Düsseldorf 2025

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere