Mord im Wallfahrtsort
Die Henkerstochter und die schwarze Madonna (Die Henkerstochter-Saga 9)Der Glaube an eine Religion hat vor allen Dingen in der Vergangenheit für die Menschen eine sehr große Rolle gespielt. In diesem historischen Roman treffen unterschiedliche Glaubensgrundsätze aufeinander, ...
Der Glaube an eine Religion hat vor allen Dingen in der Vergangenheit für die Menschen eine sehr große Rolle gespielt. In diesem historischen Roman treffen unterschiedliche Glaubensgrundsätze aufeinander, welche sich nur schwer in Einklang bringen lassen. Demut und Hoffnung trifft dabei auf puren Fanatismus. Spannung und Dramatik lassen das historische Krimiherz einfach höherschlagen. In der Geschichte geht es erneut um die berühmte „Henkersfamilie Kusel“, welche wieder einmal in ein Krimi-Abenteuer verwickelt wird. Peter Fronwieser, der Enkelsohn vom berühmten Henker Jakob Kuisl, pflegt eine sonderbare Freundschaft zum bayerischen Herrscher Kurfürst Max Emanuel. Dieser bittet Peter um einen Gefallen, er soll für ihn spionieren. Dabei geht es um eine politische Allianz mit Kaiser Leopold I. Nachdem Peter sich mit seiner Familie getroffen hat, beschließen diese ihn bei diesem sonderbaren Auftrag in den Wallfahrtsort Altötting zu begleiten. Kurz nach dem Eintreffen in Altötting werden die Kuisls Zeugen eines Attentatsversuches. Bald darauf wird ein Toter Geistlicher aufgefunden. Peter Fronwieser wird von Max Emanuel unter Druck gesetzt. Gerüchte über eine mysteriöse Person aus dem Orient machen die Runde. Handelt es sich um einen Attentäter aus dem Orient oder ist es alles ganz anders? Eine spannende Jagd nach den Tätern beginnt.
Diese Geschichte besticht durch ihre vielen Charaktere. In diesem Fall ist es erneut das Zusammenspiel der Familie Kuisl, was diesen Roman so einzigartig werden lässt. Jakob Kuisl ist auf seine alten Tage sehr kränklich geworden, dennoch lässt er seine Familie aber niemals im Stich und weiß seine schindenden Kräfte geschickt einzusetzen. Seine Tochter Magdalena Fronwieser lebt mit ihrem Mann Simon und ihren drei Kindern in München ihr eigenes Leben. Aber sie ist einigen Punkten wie ihr Vater und die Familie geht ihr über alles. Ihre drei Kinder Peter, Paul und die kleine Sophia zeigen in diesem Fall sehr gut aus welchem harten Holz sie geschnitzt sind. Paul Fronwieser trägt die Urgene seines Großvaters in sich und möchte ebenfalls ein Henker werden. Er ist manchmal sehr impulsiv und weiß noch nicht so recht mit seinen Kräften umzugehen. Peter ist der belesenere von den Kindern und möchte wie sein Vater Simon Mediziner werden. Die kleine Sophie ist ein sehr aufgewecktes Kind und weiß für ihr junges Alter schon sehr gut, was sie möchte. Als weitere wichtige Figuren sind neben Kurfürst Max Emanuel, Lucia eine junge Wallfahrtshändlerin, Alois ein kurfürstlicher Küchenjunge sowie drei französische Musketiere zu nennen. Gerade Lucia hatte sich im Laufe der Erzählung sehr in mein Herz geschlichen und ich mochte ihre für die damalige Zeit außergewöhnliche selbstbewusste, aber auch pragmatische Art. Der Aufbau der Handlung ist stringent und spielt im Jahr 1681 in den Orten Altötting und Burghausen. Gerade die beiden Erzählstränge, welche einerseits in Altötting und andererseits in Burghausen spielen, haben für einen sehr großen Spannungsaufbau beim Lesen gesorgt. Auch die Dramatik, welche sich durch die unterschiedlichen Handlungsorte ergibt, hat mir sehr gut gefallen. Der Schreibstil des Autors ist mit historischen Begriffen behaftet, dialogorientiert und sehr gut beschreibend. Die Spannung der Erzählung nimmt im Laufe des Romans immer mehr Fahrt auf und weiß durch einen interessanten Turn im letzten Drittel des Buches den Leser sehr zu fesseln. Auch die politischen Verstrickungen und das damalige gesellschaftliche Denken kommt in diesem Roman wieder sehr gut zu Geltung. Die Entwicklung der einzelnen Charaktere habe ich ebenfalls sehr positiv wahrgenommen. Jakob Kuisl ist immer noch ein Faktor, aber er steht nicht mehr so im Mittelpunkt wie in den früheren Romanen. Dem Autor ist es gelungen verschiedene Charaktere hervorragend weiterzuentwickeln und die Aufmerksamkeit bzw. Aufgabenlast auf verschiedene Schultern zu verteilen. Dies sorgt für zusätzliche Diversität beim Lesen und die Romanhandlung ist noch unvorhersehbarer geworden, was ein zusätzlicher Spannungsfaktor ist. Als Besonderheit sind neben einem Personenregister eine Karte von Altötting im 17. Jahrhundert, sowie ein kleiner Zeitreiseführer über die Bedeutung der Orte im Roman am Ende zu nennen. Das Fazit ist sehr positiv. Spannend, dramatisch und historisch mit sehr gut recherchierten Fakten unterfüttert ist dieser Roman ein großes Leseerlebnis. Ich bin ein großer Fan der Henkerstochter-Saga geworden und ich hoffe noch viele weitere Abenteuer, um die charismatische Kuisl Familie lesen zu dürfen. Wie heißt es nicht nur bei den Musketieren, „Einer für alle und alle für Einen“.