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Veröffentlicht am 21.04.2025

Freundschaft

Die Wahrsagerin kleiner Schicksale
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Nur begleitet von ihrem Maulesel Laohu, streift die junge Wahrsagerin Tao durch das Land. Sie sagt kleine Schicksale voraus, nichts Großes, nur Kleinigkeiten eben, die das Leben nicht weiter beeinflussen. ...

Nur begleitet von ihrem Maulesel Laohu, streift die junge Wahrsagerin Tao durch das Land. Sie sagt kleine Schicksale voraus, nichts Großes, nur Kleinigkeiten eben, die das Leben nicht weiter beeinflussen. Lange verweilt sie nicht an einem Ort, denn wenn sich die Vorhersagen bewahrheiten, wollen die Menschen mehr und mehr und mehr. Außerdem muss sie der Gilde ausweichen, die Tao als Seherin in ihre Reihen pressen wollen.
Auf der Flucht vor der Vergangenheit und auch der Zukunft streift Tao durch Eshtera. Bis sie durch Zufall - oder doch Schicksal - Gefährten findet, die ihren Weg begleiten. Und plötzlich lernt Tao, was Freundschaft, Familie und Beständigkeit bedeutet.

Das Cover zeigt Tao. Sie sitzt mit Fidelitus zu ihren Füßen auf den Stufen ihres Wagens, blickt ins Feuer und scheint gedanklich den Tag Revue passieren zu lassen. In weiter Entfernung sieht man ein in der Abenddämmerung erleuchtetes Dorf, beschienen von einem Sternenhimmel. Auf mich macht die Szene einen friedlichen und entspannten Eindruck. Ich finde das Bild sehr gut zum Inhalt gewählt, da es mich in eine ruhige Stimmung versetzt und gleichzeitig bereit macht, von Abenteuern zu träumen.

Julie Leong hat ein magisches Kleinod geschaffen. Mit ihrem ruhigen und bewegenden Schreibstil, hat sie schnell mein Herz und auch meine Phantasie erobert. Die Autorin schreibt nicht bildgewaltig, gewaltig ist für so einen zarten Roman einfach das falsche Wort, vielmehr schreibt sie magisch, so dass die Landschaft, die Orte und vor allem Tao mit ihrem Gefährt vor meinem inneren Auge zum Leben erwachten. Ich konnte sie nicht nur sehen, sondern auch begleiten. Ob das in den dunklen Dornenwäldern, im steinigen Gebirge oder einfach in einer Gaststätte war; stets nahm Tao mich mit. Ich genoss die Reise sehr und ließ mich gerne auf die Geschichte der Wahrsagerin und ihrer Gefährten ein.

Denn noch schöner und intensiver als die örtliche Umgebung und die Beschreibung Eshteras waren die Beschreibungen der Freundschaft der Menschen unter sich. Julie Leong schildert das Wachsen der Gefühle, der inneren Zugewandtheit und das Reifen der Charaktere sehr anschaulich, liebevoll und zärtlich. Aus jeder Zeile sprach die innige Verbundenheit der Gruppe, aber auch der Verbundenheit zwischen Autorin und ihren Protagonisten.
Besonders begeistert hat mich, dass ich bei der inneren Reifung der Personen dabei sein durfte. Als Bindeglied schien mir ursprünglich die Shinn-Wahrsagerin Tao. Doch nach und nach kristallisierte sich heraus, dass einer nicht ohne den anderen kann. Jeder ist bedeutend für den anderen und die Gruppendynamik scheint ein Selbstläufer; Da sie wie Magnete zueinander sind.
Tao sah als Kind den Tod ihres Vaters vorher und leidet seit dem unter den Folgen, die diese Vorhersage für sie bedeutet haben. Als Einzelgängerin, misstrauisch und ängstlich der Welt gegenüber, sucht sie einen Weg, mit dem Verlust und dem Schmerz umzugehen.
Mash, der Krieger. Mutig, selbstsicher und bärenstark steht er in allen Situationen wie ein Fels in der Brandung. Nichts kann ihn erschüttern; kein Kampf ist zu brutal, kein Gegner zu stark, keine Situation ausweglos. Und doch scheint er an dem Verlust seiner kleinen Tochter schier zu zerbrechen. Die Suche nach ihr ist sein einziger Lebensinhalt.
Silt, der Dieb mit der weichen Seite. Er begleitet seinen besten Freund. Nicht nur im Kampf, sondern auch auf der Suche nach dem Kind, das Mash die Welt bedeutet. Doch Silt möchte kein Dieb mehr sein, kann aus seiner Natur nur schwer ausbrechen.
Und schließlich die Bäckerin Kina. Ohne Selbstvertrauen, stets im Schatten, scheint es gerade für sie unheimlich wichtig, einen Schritt nach vorne zu gehen. Raus aus den Schatten, hin zum Leben.
Eine Truppe, die mein Herz im Sturm erobert hat! Denn Julie Leong hat ihnen Leben eingehaucht und lässt die vier Personen das Buch tragen. Ich hätte noch viel mehr von ihnen lesen können und ja, es würde mich nicht überraschen, falls die Autorin irgendwann die Reise der Gruppe erneut aufleben lassen würde.

Ein Buch über Freundschaft und alle Facetten, die dieses Wort und vor allem das Gefühl, mit sich bringt.

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Veröffentlicht am 13.04.2025

Liebe liegt in der Luft

Lieber solo als allein
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Eine Traumhochzeit in Italien! Das ist der Wunsch von Leonie und Luca. Endlich reist Leonies Familie an, um einige Tage vor dem besonderen Ereignis miteinander zu verbringen. Doch der Charme Italiens schlägt ...

Eine Traumhochzeit in Italien! Das ist der Wunsch von Leonie und Luca. Endlich reist Leonies Familie an, um einige Tage vor dem besonderen Ereignis miteinander zu verbringen. Doch der Charme Italiens schlägt unbarmherzig zu: Liebe liegt in der Luft.

Das Cover zeigt die Leonie mit ihrer Mutter Katrin und ihrer Oma Gabriele. Sie stehen mit dem Rücken zum Leser und blicken auf das Familien Hotel in Perugia. Aufbruchstimmung liegt in der Luft und Vorfreude auf das Kommende.

Tessa Hennig hat eine lockeren, flapsigen und frechen Schreibstil. Mir war es fast eine Idee zu locker und zu modern, doch nachdem ich mich reingefunden habe, fand ich die Abwechslung mal ganz nett.
Die Autorin schildert drei Frauen einer Familie. Ganz normale Frauen, die sich gerade im Aufbruch befinden. Ich mag generationenübergreifende Romane und so gefiel mir die Idee von Tessa Hennig gut. Tochter, Mutter und Enkelin treffen zusammen und begleiten sich ein Stück des Weges. Jede auf ihrem eigenen Lebensweg und doch gemeinsam für kurze Zeit.
Im Mittelpunkt der Geschehnisse steht eigentlich Leonie und ihre Hochzeit mit Luca. Der schönste Tag im Leben und die Vorbereitung auf diesen sollten geprägt sein von Glück. Doch natürlich spielt das Leben in diesem Fall nicht ganz so mit. Immer mehr Verstrickungen warten auf das Paar und alle Menschen ihrer Familie. Wahrheiten kommen ans Licht. Einst verbissen versteckt, spüle Umstände sie ans Tageslicht. Und einmal angesprochen, sind sie - vielleicht - gar nicht so schlimm.

Ein Buch über die Liebe und ihre Verstrickungen. Ein Buch, dass zeigt, dass wahre Liebe keine Grenzen kennt und Hindernisse nur dafür da sind, die Bindung zu stärken. Eine leichte Sommerlektüre, die mich gut unterhalten hat.

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Veröffentlicht am 09.04.2025

Freiheit und Gleichheit

Im Wind der Freiheit
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Nach dem Tod der Eltern stehen Louise und ihre Schwestern alleine da. Noch lange ist es nicht selbstverständlich, dass Frauen sich alleine um ihr Erbe kümmern dürfen; alleine ohne die Herrschaft eines ...

Nach dem Tod der Eltern stehen Louise und ihre Schwestern alleine da. Noch lange ist es nicht selbstverständlich, dass Frauen sich alleine um ihr Erbe kümmern dürfen; alleine ohne die Herrschaft eines männlichen Vorwundes. Doch in Sachsen ist dies möglich und so besteht Louise auf ihre Unabhängigkeit. Ein Verhalten, dass nicht von allen für gut befunden wird. Doch Louises Weg steht fest: Sie will für die Rechte von Frauen kämpfen!
Auch Susanne steht alleine da. Nachdem sie und ihre Mutter die Anstellung in einer Tuchfabrik verloren haben, müssen sich die beiden durchs Leben schlagen. Susannes Mutter ist schwer krank und kann nicht mehr arbeiten. Susanne bleibt nur ein Weg: Sie verkauft ihren Körper. Ihr ist die Ungerechtigkeit durchaus bewusst und als sich ihr der Weg zum Kampf für die Rechte von Frauen bietet, greift sie zu!

Das Cover zeigt Louise, wie sie auf die Wirren des Bürgerkriegs blickt. Soldaten gegen Bürger mitten in den Straßen Berlins und sie als Frau kann nur flüchten und mit Worten kämpfen. Die deutsche Flagge flattert über der Szene, schon halb zerrissen.
Ich finde das Coverbild sehr stark und passend zum Inhalt des Buches gewählt. Mir sprang es sofort ins Auge und zusammen mit dem Klapptext ließ es mich zu dem Buch greifen.

Tanja Kinkel hat mit ihrem Roman Im Wind der Freiheit bei mir einen Nerv getroffen. Die Autorin schildert die Anfänge der Bundesrepublik Deutschland. Den Anfang des Grundgesetzes und den Kampf um das Recht von Gleichberechtigung. Viele der geschilderten Geschehnisse, sind natürlich allgemein bekannt und trotzdem verleiht Tanja Kinkel der Geschichte Lebendigkeit. Plötzlich ist alles so nah, so greifbar und der Kampf für die Freiheit und die Gleichheit ein ehernes Ziel. Dass, was ich jetzt genießen kann, ist wirklich noch nicht lange ein allgemeines Gut. Und deshalb tut es mir gleich doppelt weh, wenn ich die Nachrichten einschalte und sehe, dass der damalige Kampf auch heute noch aktuell ist. Und noch viel schlimmer, dass die erkämpften Rechte nicht nur als selbstverständlich angesehen werden, sondern vor allem als Selbstläufer. Doch um Freiheit und Gleichheit muss leider immer noch gekämpft werden. Wählen gehen darf keine Pflicht sein, sondern ist ein teuer erkämpftes Recht, das jeder von Herzen gerne nutzen sollte!

Mich hat Tanja Kinkels Buch deswegen so bewegt, weil sie mit so viel Herzblut und Energie schreibt, dass ich mich in die Geschehnisse förmlich hineingezogen fühlte. Ja, an einigen Stellen war das Buch sehr politisch und auch langatmig. Und doch war jedes Wort es wert, gelesen und verinnerlicht zu werden. Der Kampf um die Freiheit ist mir natürlich bekannt, was es mit den einzelnen Menschen, egal ob arm oder reich wirklich gemacht hat, das zeigte mir Tanja Kinkel. Anschaulich, bewegend und mitreißend.

Die beiden Protagonistinnen, oder sollte ich besser sagen Heldinnen des Buches, Susanne und Louise könnten nicht unterschiedlicher sein. Während die eine in bitterer Armut aufwuchs und schon früh das Gesetz der Straße lernen musste um zu überleben, kämpft die andere in ganz anderen gesellschaftlichen Gefilden. So unterschiedlich die beiden Frauen und ihre Herkunft auch ist, sie kämpfen beide für die gleiche Sache: Die Gleichberechtigung von Frauen. Und doch könnte der Unterschied nicht größer sein.
Während Louise für die Freiheit und für das Wahlrecht einsteht, möchte Susanne gleichen Lohn und die Anerkennung von der weiblichen Arbeitskraft. Der Schlachtruf "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" ist leider auch heute, knapp zweihundert Jahre später, immer noch aktuell.

Aktuell, schonungslos und aufrüttelnd. So bleibt mir dieses wunderbare Buch von Tanja Kinkel in Erinnerung!

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Veröffentlicht am 02.04.2025

neues Zuhause der Menschheit

Roter Mars
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100 Menschen wurden durch ein langjähriges Verfahren auserwählt, den Mars bewohnbar zu machen. 100 Menschen besteigen mit ihren Träumen, Wünschen und einer konkreten Aufgabe ein Raumschiff und reisen zum ...

100 Menschen wurden durch ein langjähriges Verfahren auserwählt, den Mars bewohnbar zu machen. 100 Menschen besteigen mit ihren Träumen, Wünschen und einer konkreten Aufgabe ein Raumschiff und reisen zum Mars. Die Reise dauert lange, sehr lange und doch ist die Stimmung unter der Besatzung beseelt von dem Wunsch, diesen Planeten bewohnbar zu machen. Für sich selber, für nachfolgende Generationen, für die Menschheit.

Das Cover ist sehr schlicht gehalten und hat mich genau dadurch verzaubert und neugierig gemacht. Es zeigt den Mars. Rötlich beschienen von einer Sonne, die um eine Ecke des Planeten hervorlugt. Bereit, mit ihrem Licht die Welt zu erobern. Für mich symbolisiert das Bild zum einen Aufbruch, zum anderen allerdings auch einen dunklen Schatten mit tiefen, sehr tiefen Geheimnissen. Keiner weiß, was in der Dunkelheit lauert.

Kim Stanley Robinson hat einen schier epischen Roman über die Besiedlung des Mars geschaffen! Seine detaillierten Beschreibung versetzten mich in Erstaunen! Denn erst verlor er sich und dann leider auch mich in immer wieder kehrenden und ausführlichsten Schilderungen der Marsoberfläche. Und des Marsinneren und der vorherrschenden Wetterbedingungen. Nicht am Stück, sondern immer mal wieder, ließ er sich förmlich gehen. Diese Selbstvergessenheit und das aus jeder Zeile sprechende Herzblut von Kim Stanley Robinson und seiner Liebe zu diesem Planeten rührten mich, auch wenn ich es nicht immer nachvollziehen kann und konnte. An dieser Stelle ist Ausdauer gefordert, die ich leider nicht immer aufbrachte, um ehrlich zu sein.

Besonders interessant fand ich, mit welchen Wünschen und Hoffnungen die ersten 100 Marsbewohner gestartet sind. Und dann zu sehen, was davon übrig geblieben ist. Traurig, realistisch, zu erwartend oder eine Mischung aus beidem. Ich persönlich fand es erschreckend zu lesen, wie schnell wir auf einem neuen Planeten mit neuen Chancen, wieder in alte Muster verfallen. Wie schnell Träume platzen können, die uns zuvor angetrieben und dem Leben einen Sinn gegeben haben.
Ebenfalls sehr realistisch und für mich absolut nachvollziehbar hat Kim Stanley Robinson die Gefühle der Siedler geschildert. Ihre Beweggründe, die Erde zu verlassen und später den Schmerz der Erkenntnis, dass die Erde Heimat ist. Und der Mars eben nicht. Getrieben von einem Willen zur Neuerschaffung eines Traums, fehlt einigen plötzlich der Halt. Zuhause ist eben nicht zu unterschätzen.

Mir hat die Mischung des Buches gefallen! Mal schildert Kim Stanley Robinson die Besiedlung im Großen, mal im Kleinen. Heißt, an einigen Stellen finde ich das Buch ziemlich technisch, wenn der Aufbau der Habitate beschrieben wird und der Abbau der Bodenschätze, um diesen Aufbau zu ermöglichen. Was alles logistisch zu bewerkstelligen ist, um einen Wohnort zu errichten, versetzt mich immer noch in pures Staunen!
Neben dieser logistischen Meisterleistung kommen die Erbauer dieser neuen Welt zum Glück nicht zu kurz! Ich fand es mehr als spannend zu beobachten, wie erst die Reise, dann der Aufbau und schließlich das Leben auf dem Mars jeden einzlnen verändert und wie alles auf ihn wirkt. Größenwahn, Ergebenheit, Liebe, Resignation und purer Lebenswille, um nur ein paar Dinge aufzuzählen, die dieses Buch so lesenswert machen.
Einzig mit den Protagonisten wurde ich nicht recht warm. Die meisten waren mir fremd und sind es auch geblieben. Rückblickend muss ich sagen, dass keiner mir recht in Erinnerung geblieben ist, sondern eher das große Ganze. Mich stört es nicht und ich bin mehr als gespannt, ob ich diese fehlende Beziehung im zweiten Band aufbauen kann.

Ein vielschichtiger, ein großer Roman über einen Menschheitstraum: Die Besiedlung eines fremden Planeten. Mal aus der Perspektive des Einzelnen, mal aus der der Gesellschaft. Abenteuer pur!

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Veröffentlicht am 30.03.2025

intensiv

Pearly Everlasting
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Mitten in den ungezähmten Wäldern von New Brunswick erblickt in einer rauen Nacht die kleine Pearly Everlasting das Licht der Welt. Irgendwo anders - fast zur gleichen Zeit - wird Bruno der Bär geboren. ...

Mitten in den ungezähmten Wäldern von New Brunswick erblickt in einer rauen Nacht die kleine Pearly Everlasting das Licht der Welt. Irgendwo anders - fast zur gleichen Zeit - wird Bruno der Bär geboren. Doch Bruno ist allein. Zufall, Glück oder Vorsehung führen die beiden zusammen. Fortan wachsen Pearly und Bruno wie Geschwister gemeinsam auf. Mitten im Holzfällercamp 33 erleben sie eine hart, aber auch ungetrübte Kindheit und Jugend. Bis Bruno eines Tages verdächtigt wird, einen Mord begangen zu haben. Der Bär wird weggebracht; doch seine Schwester Pearly kann nicht ohne ihn leben. Für beide beginnt das größte und gefährlichste Abenteuer ihres Lebens.

Das Cover zeigt den Bären Bruno. Er wandelt am Ufer eines Gewässers, im Hintergrund kann man Wälder erahnen. Das Bild wirkt wild, ungezähmt und voller Leben. Ich kann mir lebhaft vorstellen, wie Bruno durch die Wildnis streift, Pearly stets im Hintergrund.
Ich liebe dieses Coverbild. Es ist zwar recht schlicht und doch spiegelt es das ganze Buch gekonnt wieder.

Tammy Armstrong hat einen sehr intensiven und tiefbewegenden Schreibstil. Sie lässt die urtümlichen Wälder, die es 1934 noch gab, vor meinem inneren Auge entstehen. Doch es ist nicht nur die Wildnis, die mich berührt, sondern vor allem die Menschen, die in ihr leben. Dieses Urtümliche. Das Raue und Unbeugsame. Die Wildheit und zugleich ungezügelte Schönheit. Die Kraft der Menschen, die bereit sind, mitten in der Wildnis nicht nur zu arbeiten, sondern auch zu leben, spricht aus jeder Zeile. Für mich unvorstellbar, so ein Leben zu führen. Und doch gelang es der Autorin, mich mitten unter die Baumfällergemeinschaft zu bugsieren und ihre Lebensweise kennenzulernen. Besonders beeindruckt hat mich die stille Geschlossenheit der Gemeinschaft. Aus der Not geboren, machen diese Menschen das beste aus ihrer Situation.
Dass dort nicht nur ein Kind aufwächst, sondern ganze Familien leben, unvorstellbar! Und doch schickte mich Tammy Armstrong mitten unter sie. Und ich fühlte mich wohl. Vermutlich, weil Zusammenhalt und Ehrlichkeit hier noch groß geschrieben wird.

Es ist nicht nur die Schilderung der Lebensumstände und der Menschen, die mich bewegt haben. Sondern, oder vermutlich noch am meisten, die Beschreibung der Natur. Wunderschön, ungezähmt und stark. Hier ist die Natur, wie sie sein soll. Damals, heute und immer. Wer nicht aufpasst, geht verloren. Nur jemand, der im Einklang mit ihr lebt und sie versteht, hat eine Chance. Und wie tief dieses Verständnis gehen kann, wird an Pearly und Bruno deutlich. Die Reise, die beide antreten, bewegte mich zu tiefst. Fremd ist ihnen nicht die kanadische Nacht. Nicht die Stille, die Kälte, der Schnee. Fremd ist ihn die Menschheit, die Gier und der Egoismus. Hier prallen zwei Welten aufeinander und ich bin mir nicht sicher, dass der Fortschritt wirklich die bessere Alternative ist.

Ich bin dankbar, Pearly Everlasting und Bruno auf ihrem Lebensweg begegnet sein zu dürfen. Eine so tiefe Verbundenheit kennenlernen und ihre Verständnis zur Natur begreifen lernen zu können. Ein Buch mit Tiefgang, das die Seele berührt!

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