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Veröffentlicht am 23.07.2023

düster und spannend

Aus dem Nebel
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Als der Nick seine Arbeit als Journalist verliert, suchte er verzweifelt nach einem neuen Job. Da erscheint es ihm wie ein Geschenk des Himmels, als sein Pat, sein Freund aus Kindertagen, ihn um einen ...

Als der Nick seine Arbeit als Journalist verliert, suchte er verzweifelt nach einem neuen Job. Da erscheint es ihm wie ein Geschenk des Himmels, als sein Pat, sein Freund aus Kindertagen, ihn um einen Artikel zu der Clarity-App bittet. Einen Haken hat die Sache allerdings; Nick muss zurück in seine Heimatstadt und sich dort den Geistern der Vergangenheit stellen. Und das nicht nur im übertragenen Sinne...

Das Cover zeigt Nicks Hütte am Rosewood Lake. Die hell erleuchteten Fenster schimmern zwischen dichten Zweigen hervor und spiegeln sich in der glatten Oberfläche des ruhig in der Nacht liegenden Sees. Wolken umrahmen die Szenerie; teils behütend wie eine Daunendecke, teils bösartig bedrohlich. Ich liebe das Bild! Zusammen mit dem Klapptext verursacht es bei mir einen leichten Schauer des Unbehagen, da nicht ganz klar ist, ob mich etwas Böses erwartet, oder doch nur meine Phantasie mir einen Streich spielt.

Von der ersten Seite an, hat mich Scott Carson mit seinem spannenden und intensiven Schreibstil in seinen Bann gezogen. Da ich an die Macht der Träume glaube und ganz fest davon überzeugt bin, dass mehr zwischen Himmel und Erde existiert, als wir allgemein annehmen, traf der Autor meinen Geschmack. Ohne Probleme konnte ich mich in das Thema Träume hineinversetzen und was diese mit einem Menschen machen und auslösen können. Dabei geht es eigentlich gar nicht so sehr um Alpträume an sich, sondern eher, was die Psyche zu leisten im Stande ist. Und was es mit einem Menschen machen kann, wenn am Unterbewusstsein herumgepfuscht wird.
Denn an Nicks Unterbewusstsein wurde gepfuscht. Seine Mutter, renommierte Ärztin und Forscherin wollte ihrem Kind den Unfalltod des Vaters erträglicher machen und hat unabsichtlich irreparablen Schaden angerichtet. Nick kann nicht träumen. Und diese Tatsache möchte sich nur der App-Entwickler Bryce Lermond zu nutze machen. Mit seiner App möchte er Menschen helfen, zur Ruhe zu kommen und Dank wohliger Träume Ruhe und Entspannung zu finden. Anfangs scheint dies auch zu funktionieren, doch satt Ruhe und Entspannung findet Nick puren Terror und Tod.
Scott Carson schildert diese düsteren Geschehnisse erst ruhig und nimmt immer mehr Fahrt auf, so dass die Erzählung immer dichter, bedrohlicher und unheimlicher wird. Mir hat es sehr gut gefallen, da ich mich treiben lassen konnte, ohne mich zu verlieren. Denn das Verlieren übernahm Nick für mich. Er verlor sich nicht nur in den Geschehnissen der Vergangenheit, sondern auch im hier und jetzt. Besonders interessant in der Umsetzung fand ich, dass ich nie an Nick zweifelte. Nicht an seinem Verstand und schon gar nicht an seiner Wahrnehmung. Erst im Nachhinein, wenn sich der Nebel lichtet, wird klar, was wirklich geschehen ist und noch geschehen wird.
Mich hat Scott Carson nicht nur mit seiner packenden Handlung, sondern auch mit seinen authentischen Charakteren überzeugt. Allen voran natürlich Nick, den ich als sympathischen Menschen kennenlernen durfte, der mal plan- und orientierungslos durchs Leben triebe und dann doch wieder zielgerichtet. Eben ein ganz normaler Typ wie du und ich. Mit Freunden aus der Kindheit, an die man sich gerne erinnert und über deren Kontakt man sich Jahre später erneut erfreuen kann, ohne die Tatsachen zu hinterfragen. Und natürlich darf der Bösewicht nicht fehlen. Auch dieser ist dem Autor hervorragend gelungen. Mit seiner geldgierigen und schmierigen Art, konnte ich ihn von der ersten Sekunde an nicht leiden. Selbst die Randfiguren gefielen mir und traten hin und wieder mehr in den Vordergrund, als ich anfangs vermutete. Kurz, ein rund rum stimmiges und tolles Buch!

Mein Fazit
Ein spannender Horror-Thriller mit einem überraschenden Ende, das ich so lange nicht habe kommen sehen! Lesenswert! Nicht nur im Sommer, sondern besonders gut an düsteren Herbsttagen...

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Veröffentlicht am 13.07.2023

Rätselhaft

Ingenium
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Genie, Rätselmeister, Alleswisser. So sind die Bezeichnungen, die Mike Brink nach seinem Unfall trägt. Vorher ein gefeierter Sportler, besitzt er jetzt ein umfangreiches geistiges Wissen, das seines gleichen ...

Genie, Rätselmeister, Alleswisser. So sind die Bezeichnungen, die Mike Brink nach seinem Unfall trägt. Vorher ein gefeierter Sportler, besitzt er jetzt ein umfangreiches geistiges Wissen, das seines gleichen sucht. Kein Rätsel ist vor ihm sicher, kein Zauberwürfel zu verdreht.
Dieses Wissen möchte sich die verurteilte Mörderin Jess Price zu nutze machen, um ihre Unschuld zu beweisen. Denn selbst sie weiß nicht, was in jener Nacht in dem unheimlichen Herrenhaus passierte, auf das sich achten sollte.
Doch je tiefer Mike in das Gottesrätsel eintaucht, desto gefährlicher wird es. Nicht nur für ihn.

Das Cover ist in einem flammenden orange-rot Ton gehalten. In der Mitte steht Mike Brink und um ihn herum verwaschene, psychedelische Linien, die auf ein Pentagramm zuzusteuern scheinen. Auf mich wirkt das Bild unheimlich, abgedreht und seltsam. Und doch war es neben dem spannend klingenden Klapptext ausschlaggebend, dass ich zu diesem Buch gegriffen habe.

Danielle Trussoni hat mit Ingenium ein eher ungewöhnliches Werk geschaffen. Mystisch, krimihaft, mit Agentenflaire, Horrorelemente und wissenschaftlich, lässt sich ihr Stil nur schwer greifen und beschreiben. Ich mag Bücher, die sich nicht klassische in eine Schublade pressen und mit einem Stempel versehen lassen! Und doch fehlte mir in Danielle Trussonis Werk der rote Faden. Mal ging die Geschichte in diese, mal in jene Richtung, festlegen ließ sie sich allerdings nicht. Was mir zuvor als reizvoll neu erschien, wurde mir zum Schluss hin mühsam und zäh. Nicht ganz spannend, nicht ganz gruselig und nicht ganz wissenschaftlich plätscherten die Ereignisse vor sich hin. Ich ließ mich einlullen und fand den Rückweg in die Spannung nicht mehr, auch wenn ich das Thema durchaus mein Interesse geweckt hatte.

Mit den Charakteren erging es mir leider ähnlich. Mike Brink fand ich als Helden einfach grandios! Ein gefeierter Sportler, der durch eine Kopfverletzung zum Genie wird. Leider büßt er auch seine gesellschaftlichen Umgangsformen ein, denn ein Rätsel kann Mike lösen, einen Gesichtsausdruck hingegen nicht. Den Ansatz fand ich super, doch leider verlor sich Mikes Besonderheit und die Autorin beschränkte sich einzig auf die Rätsel, was ich schade fand. Die Person Mike Brink ist mir immer noch fern.
Ebenso wie die anderen Protagonisten. Eine wirkliche Bindung oder Beziehung konnte ich zu keinem wirklich aufbauen, auch wenn sie mir gefielen. Die Autorin Jess Price, die als Nebenjob auf Häuser aufpasst und bei deren letzten Job plötzlich etwas schief geht, hätte ich genauso gerne kennengelernt wie den geheimnisvollen Dr. Gupta, der Fäden im Hintergrund zieht.

Mein Fazit
Für mich war das Buch etwas zu durcheinander, um es wirklich genießen zu können.

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.07.2023

hell und dunkel

Der Hexenzirkel Ihrer Majestät. Die falsche Schwester
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Viel Zeit ist nicht vergangen, dass sich die Hexenwelt neu sortieren konnte. Jeder kämpft mit den Nachwirkungen des letzten Kampfes und orientiert sich neu. Vor allem Theo hat schwer an ihrem Los zu knabbern, ...

Viel Zeit ist nicht vergangen, dass sich die Hexenwelt neu sortieren konnte. Jeder kämpft mit den Nachwirkungen des letzten Kampfes und orientiert sich neu. Vor allem Theo hat schwer an ihrem Los zu knabbern, auch wenn all ihre Wünsche in Erfüllung gegangen sind. Sie ist endlich auch körperlich ein Mädchen, der Fluch, alles zu vernichten lastet nicht mehr auf ihren Schultern, sie hat Familie und Freunde und kann das erste Mal in ihrem Leben einfach ankommen. Doch leider überschlagen sich die Ereignisse und die Bedrohung gegen die Welt der Hexen wächst. Aus einer Richtung, mit der niemand gerechnet hätte.



Um den flüssigen und lockeren Erzählstil, der mir in Teil eins gut gefallen hat, auch hier wieder zu finden, benötigte ich doch eine gewisse Zeit. Denn Juno Dawson geizt gewaltig mit Rückblicken und so fiel es mir denkbar schwer, in den Erzählfluss zurückzufinden und den roten Faden der Geschichte erneut aufzugreifen. Viele Personen und unterschiedliche Schauplätze erschwerten mir dies. Als diese Hürde jedoch genommen war, konnte ich tief in den neuen Roman der Autorin abtauchen. Voller atemloser Spannung folgte ich den Hexen auf ihrem magischen Weg, der teils brutal, teils durchdacht zynisch, aber immer mit viel Herz war. Ich weiß nicht, ob mein Eindruck mich täuscht, aber ich finde diesen Teil wesentlich brutaler und grausamer, fast so, als wäre der erste Band nur eine Einstimmung gewesen, auf das was jetzt kommt. Mit der Bedrohung der Hexen, steigt nicht nur die Unvorhersehbarkeit der Ereignisse, sondern auch die Gegner werden mächtiger. Anfangs dachte, dass es eine nette Geschichte um Hexen in der jetzigen Zeit ist, aber nach und nach kristallisiert sich immer mehr der Action geladene Stil von Juno Dawson heraus. Erst war ich verblüfft ob der Wendung, doch dann genoss ich es in vollen Zügen! Nicht nur das mystische Rätselraten hat mir Spaß gemacht, sondern auch die grausame Seite, die Seite der dunklen Magie begeisterte mich sehr!



Die Charaktere von Juno Dawson sind einfach umwerfend! Jeder ist anders und einzigartig, strotzen vor Leben und die Ränkespiele sind ganz großes Kino! Ob Hexe, Hexer, Mensch, Dämon oder sonst wer, alles greift nahtlos ineinander und macht das Buch zu einem wahren Hochgenuss. Wenn, ja wenn, es nicht so viel Charaktere wären. Ich habe mir wirklich schwer getan, sie alle nicht nur auseinander zu halten, sondern sie auch in der Geschichte zu verorten. Und wenn ich mal dachte, prima, ich hab's; kam eine unvorhergesehene Wendung. Und doch liebe ich jeden einzelnen und fand sie unschlagbar grandios!

Im Sturm erobert hat mich Luke! Schon im ersten Teil fand ich diesen eher stillen Blumenverkäufer mit dem Herz aus Gold und den Modelmaßen, super! Ein Ruhepol zu dem ganzen Magischen. Jetzt zeigte er eine andere Seite und ich verliebte mich gleich noch mehr in ihn. Denn auch die dunklen Schatten machen Luke sexy.

Dieses hell und dunkel, gut und böse, ist in diesem Band maßgeblich. Vorher sehr liebe und brave Charaktere verändern sich; das Böse hingegen entdeckt seine guten Seiten. Mir hat es gefallen!



Mein Fazit

Magisch, brutal, spannend, mystisch und doch mit viel Herz und Freundschaft. Eine sehr gelungene Mischung, die mich mal wieder begeisterte und mich voller Freude auf den nächsten Teil blicken lässt!

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Veröffentlicht am 18.06.2023

schwere Kost

Unwesen
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Als in dem verschlafenen Küstenstädtchen Norrtälje plötzlich ein Container am Hafen steht, dem keiner zu gehören scheint, beginnt das Rätseln raten. Spekulationen in alle Richtungen werden laut. Als er ...

Als in dem verschlafenen Küstenstädtchen Norrtälje plötzlich ein Container am Hafen steht, dem keiner zu gehören scheint, beginnt das Rätseln raten. Spekulationen in alle Richtungen werden laut. Als er endlich geöffnet wird, entlässt er nacktes Grauen. Nicht nur Unmengen an Leichen befinden sich zwischen seinen metallenen Wänden, sondern auch etwas anderes; etwas böses.

Das Cover zeigt einen Ausschnitt des kleinen Ortes Norrtälje, während eines heraufziehenden Unwetters. Dunkle Wolken bedecken den Himmel, ballen sich drohend zusammen und scheinen gemeinsame Sache mit dem Meer zu machen, um das Dorf in den Untergang zu reißen. Ich finde es wunderbar zum Inhalt gewählt, da es die bedrohliche Stimmung des Buches widerspiegelt.

Unwesen ist mein erstes Buch von John Ajvide Lindqvist. Da er oft mit Stephen King verglichen, bzw. in einem Satz genannt wird, hatte ich ihn mir als Horror-Buch Autor vorgestellt. Unwesen ist grausam, aber ich hatte wegen des Klapptextes mit einer unheimlichen Macht gerechnet, die sich wie ein Schleier über Norrälje legt. Diese Erwartung wurde nicht wirklich erfüllt. Eine wie auch immer geartete Macht des Bösen, um es mal überspitzt zu formulieren, entströmte nicht dem Container und manifestierte sich an Land. Nichts kam, was bekämpft und bezwungen werden konnte. Unwesen ist in meinen Augen eher ein gesellschaftskritischer Roman, der auf die Missstände in der Bevölkerung hinweist. Und dies recht unschön, ungefärbt und sehr direkt. Nachdem ich mich von meinen Erwartungen befreit hatte, gegen Monster oder das Böse an sich zu kämpfen, gefiel mir der individuelle Schreibstil von John Ajvide Lindqvist recht gut.
Im Mittelpunkt der Geschehnisse, stehen sechs sehr unterschiedliche Menschen, die sich ihren Platz im Leben suchen. Es ist eine Geschichte um Max. Einen reichen Jungen, der sich von seinen Eltern los sagt und auf eigenen Beinen stehen will. Finanziell nicht erfolgreich, aber er reift zu einer interessanten Persönlichkeit heran.
Anna und ihre Freundin Siw. Zwei Mädchen aus der unteren Mittelschicht, die viel zahlen, um ein glückliches Leben haben zu dürfen. Mal mehr als sie schultern können, mal weniger. Aber die Freundinnen halten zusammen und stehen für sich ein.
Die ehemaligen Flüchtlingskinder Marko und Maria, die in ihrem zweiten Leben zu Ruhm und Ehre gelangen, aber immer noch auf der Suche sind.
Und schließlich Johan, der seinen Selbsthass auf andere projiziert.
Sechs völlig unterschiedliche Menschen, die nach Jahren den Weg zueinander finden, auf sich und die anderen blicken und reflektieren. Es ergeben sich neue Bindungen, neue Wege, doch sie sind nicht immer gut.

Für mich war das Buch schwer zu lesen. Ich hatte mit etwas ganz anderem gerechnet und wurde in diesem Fall nicht positiv überrascht. Der Schreibstil von John Ajvide Lindqvist ist schwer und drückend, stellenweise erdrückend. Die fiktiven Probleme anderer und das Weltgeschehen sind für mich zu schwere Kost. Trotzdem freue ich mich schon auf andere Bücher des Autors, da mich der Schreibstil irgendwie berührt hat.

Mein Fazit
Wer wie ich mit einem Horror-Roman gerechnet hat, wird enttäuscht werden. Trotzdem ist der eigenwillige Schreibstil von John Ajvide Lindqvist interessant zu lesen.

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Veröffentlicht am 11.06.2023

Liebe und Freundschaft

Die unerhörte Reise der Familie Lawson
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Victor wächst zusammen mit seinem Vater und seinen Freunden im Wald auf. Er ist ein besonderer Junge, der zu einem ganz besonderen Mann heranwächst. Denn in einer Welt der Roboter ist er ein Mensch. Er ...

Victor wächst zusammen mit seinem Vater und seinen Freunden im Wald auf. Er ist ein besonderer Junge, der zu einem ganz besonderen Mann heranwächst. Denn in einer Welt der Roboter ist er ein Mensch. Er weiß ob seiner Andersartigkeit, doch sie stört ihn nicht. Bis eines Tages fremde Roboter kommen und seinen Vater mitnehmen. Gemeinsam mit seinen Freunden Rambo, Tom und Schwester Grob macht Victor sich auf die Reise, Gio zu retten.

Das Cover zeigt das kleine Backsteinhaus, in dem Gio seinen Neuanfang wagte. Es ist etwas verfallen, von stattlichen Bäumen umringt, die in den Wipfeln der gesamten Familie Lawson Schutz und ein Zuhause bieten. Ich liebe dieses Coverbild, da es nicht nur von der Farbgestaltung wunderschön anzusehen ist, sondern viele versteckte Details beinhaltet, die erst nach und nach zu Tage treten. Während des Lesens sah ich es mir oft an und stellte mir die Bewohner dort vor.

T.J. Klune ist ein Autor, der es einfach meisterhaft versteht, mit Worten eine Welt zum Träumen zu erschaffen. Locker und leicht nahm er mich mit in eine Welt, in der Menschen Mangelware sind und KI die Herrschaft übernommen haben. Es klingt nicht brutal oder gar abschreckend, sondern nach der natürlichen Weiterentwicklung von Dingen, die jetzt gerade auf den Weg gebracht werden. Ohne Probleme konnte ich mich in diese neuartige Welt hineinversetzen und sie mit den staunenden Augen Victors betrachten. Und doch ist keine Herrschaft der Maschinen, sondern eine Herrschaft des Lebens; nur anders eben. T.J. Klune macht deutlich, dass Blut und Fleisch keine Familie ausmacht, sondern Freundschaft. Und die existiert auch in nicht schlagenden Herzen und Metallgestellen oder Fleisch.

Mich hat nicht nur die Geschichte von vier Freunden fasziniert, die ihren fehlenden Partner suchen und die daraus resultierende Abenteuer, sondern die liebevolle Art und die innige Freundschaft, die die Gruppe miteinander verbindet. Natürlich fesselte mich in erster Linie zu Beginn des Buches - und eigentlich bis zum Schluss hin - die bildgewaltigen Beschreibungen des Autors von dieser neuen, mir fremden und zu gleich vertrauten Welt. Was würde eine KI mit dem Planeten machen? Werden drängende Probleme wie Wasser- und Nahrungsknappheit gelöst sein oder verschiebt sich die Problematik einfach nur? Werden andere Ressourcen plötzlich Mangelware? Immer wieder lockt T.J. Klune mich in Gedankenexperimente, über die ich noch nie nachgedacht habe. Völlig fasziniert folgte ich ihm und staunte über die Welt.

Aber nicht nur die Welt hat sich verändert, sondern auch das Leben auf ihr. Denn auch wenn Roboter den Planeten beherrschen, obsiegt das menschliche, oder eher das, was uns Menschen in meinen Augen ausmacht: Der freie Wille. T.J. Klune geht das Thema sensibel und zugleich mutig an. Was macht Menschlichkeit aus? Offensichtlich Freundschaft, Liebe und eine große Portion Humor. Ich habe so gelacht über den kleine, eifrigen und treuen Staubsaugerroboter Rambo. Ein kleiner Kerl mit einem riesen Herzen, der stets nicht nur das Gute, sondern das Beste in allem zu sehen vermag. Er hat unendliches Vertrauen in seine Gefährten und weiß einfach, dass er immer auf sie zählen kann und sie in schützen und beschützen.
Aber auch Schwester Grob hat mir zu mehr als einem Lacher verholfen. Mit ihrer nüchternen Art und der Versessenheit aufs Bohren, treibt sie ihrer Mitstreiter oft in den Wahnsinn, hilft allerdings immer weiter. Besonders, wenn es um den spontanen Wechsel von Leben zum Tod geht. Eigentlich ist nichts komisches dabei, wenn eine Krankenschwester sich Mordphantasien hingibt, aber so ist eben ihre Programmierung.
Victor. Einziger Mensch. Woher nimmt er seine Menschlichkeit? Spiegelt die KI nur sein Verhalten und die Maschinen haben keinen eigenen Willen? Ich sage, sie leben und entscheiden. Aber vermutlich nur, weil die Geschichte so in meinen Gedanken schöner ist, als die andere Möglichkeit. Durch das Heranwachsen unter KIs, hat Victor ein ganz besonderes Geschenk erhalten. Er kann bedingungslos lieben. Diese Vorstellung geht mir ganz besonders unter die Haut und macht die Geschichte der Familie Lawson zu etwas Besonderem.

Mein Fazit
Mal wieder ein absoluter Lese-Hochgenuss eines wunderbaren Autors, der es meisterlich versteht, mit Wörtern zu spielen und neue Welten zu erschaffen. Tiefgreifend, mit Action und Abenteuer und was fürs Herz. Einfach toll!

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