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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.04.2025

Ohren auf!

Der Klang des Bösen
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Der vierte Fall, den die True-Crime-Podcasterin Jula Ansorge und der forensische Phonetiker Professor Matthias Hegel gemeinsam angehen, ist persönlicher Natur. Hegel, der praktisch schon auf dem OP-Tisch ...

Der vierte Fall, den die True-Crime-Podcasterin Jula Ansorge und der forensische Phonetiker Professor Matthias Hegel gemeinsam angehen, ist persönlicher Natur. Hegel, der praktisch schon auf dem OP-Tisch liegt, versucht, das Rätsel um den Tod einer alten Freundin zu lösen. Verdächtiger Nummer eins ist deren Sohn, der just an diesem Tag aus der geschlossenen Jugendpsychiatrie entlassen wurde. Als die Polizei endlich am angeblichen Tatort ankommt, gibt es keine Leiche.

Kliesch greift auf sein bewährtes Muster zurück: Kurze Kapitel, die häufig mit einem Cliffhanger enden und einer raschen Handlung, in der immer wieder unverhoffte Ereignisse um die Ecke kommen. Dieses Mal spielt die Geschichte an einem einzigen Tag, was den Plot natürlich sehr zusammenzieht, d.h. es passiert ziemlich viel auf engem Raum.

Man kann dieses Buch auch ohne die Kenntnis der anderen Bände lesen, aber die Reihenfolge einzuhalten, macht schon Sinn. Wer die Serie kennt, wird sich über ein Wiedersehen mit Julas Bruder Elyas und dessen Kumpel Friedrich freuen. Für mich stiehlt Elyas allen die Show, wenn er seine Auftritte hat.

Ingesamt ein Thriller, der mich nicht vor Spannung hat erzittern lassen, aber der sich gut in die Reihe einfügt und der die Fans der Serie nicht enttäuscht.

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Veröffentlicht am 14.04.2025

Nur Katastrophen verkaufen sich gut

Reisen mit mir und einem Anderen
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Martha Gellhorn (1908-1998), Kriegsreporterin und Weltreisende, erzählt in fünf Episoden von katastrophalen Reisen in die Karibik, nach China, Afrika, Russland und Israel, wobei die Afrika-Reise nahezu ...

Martha Gellhorn (1908-1998), Kriegsreporterin und Weltreisende, erzählt in fünf Episoden von katastrophalen Reisen in die Karibik, nach China, Afrika, Russland und Israel, wobei die Afrika-Reise nahezu das halbe Buch (insgesamt 531 Seiten) ausmacht.

1975-77 zu Papier gebracht, hat Gellhorn die Reisen teilweise Jahrzehnte früher unternommen und kann sich doch noch an so viele Einzelheiten erinnern, dass man es kaum glauben mag. Teilweise greift sie auf Notizen zurück, die sie aber nicht für alle Reisen angefertigt hatte. Sie selbst bedauert (und auch ich), dass sie kaum Fotografien gemacht habe. Das wäre eine so schöne Ergänzung gewesen.

Ich habe die Reisebeschreibungen sehr gerne gelesen. Einerseits weil es Unternehmungen waren, die so heute schlicht nicht mehr möglich sind und weil es wirklich viele witzige und haarsträubende Episoden gibt, die das Buch für mich zu einer kurzweiligen Lektüre gemacht haben. Gellhorn geht teilweise recht naiv an ihre Unternehmungen heran, gerade wenn man bedenkt, dass sie Kriegsreporterin war, bereits im spanischen Bürgerkrieg und dann bei allen wichtigen internationalen Konflikten bis ins hohe Alter dabei war. Sie ist durchaus kritisch und reflektiert, wenn es um Kolonialismus und Rassismus geht. Dennoch ist ihr Ton für heutige Verhältnisse stellenweise zumindest bedenklich. Gerade die Afrika-Reise wären ihr ohne Menschen, nur in Gegenwart von Tieren und Natur offenbar am liebsten gewesen.

Ein informatives Nachwort von Sigrid Löffler zu Gellhorns rückblickend als Höllenfahrten titulierten Reisen, ein nun "fabelhafter Erzählstoff" (S. 534), runden das Buch ab.

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Veröffentlicht am 11.04.2025

Ein umkämpftes Erbe

Das Pfauengemälde
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Ana, in Deutschland geboren, hat Rumänische Wurzeln und stammt aus einer einstmals vermögenden Familie. Unter der Herrschaft der Kommunistischen Partei wurde die Familie enteignet. Anas Vater Nicu hatte ...

Ana, in Deutschland geboren, hat Rumänische Wurzeln und stammt aus einer einstmals vermögenden Familie. Unter der Herrschaft der Kommunistischen Partei wurde die Familie enteignet. Anas Vater Nicu hatte alles daran gesetzt, die Besitztümer zurückzuerlangen, besonders das Pfauengemälde, das er Ana schenken wollte. Jahrelange Prozesse liegen hinter der Familie, Nicu ist seit zwei Jahren tot, da kommt endlich das erhoffte Urteil. Ana reist nach Rumänien, um endlich zu beenden, was ihrem Vater nicht gelungen war, das Pfauengemälde wieder in Besitz zu nehmen.

Gemeinsam mit Ana stürzen wir uns in ihre weit verzweigte, schnatternde und liebevolle Familie. (Die vielen Namen und Verwandtschaftsbeziehungen stiften Verwirrung.) Wir haben Teil an den guten Erinnerungen, während der Sommermonate in Rumänien und den schmerzvollen, als die Geheimpolizei Securitate und Staatspräsident Ceaușescu die Macht in Händen hielten. Wir sind auf dem Land, wo die Zeit stehen geblieben zu sein scheint und in der Stadt, wo Demonstrantinnen um ihr Leben fürchten müssen. Durchwirkt wird alles durch die unglaubliche Bürokratie in Rumänien, die schon an Satire grenzt und die Lethargie und Gleichgültigkeit der Beamteninnen.

So wechseln sich komische, traurige und herzliche Episoden ab und durchdringen einander. Durch das Schicksal der Familie wird der Geschichte des Landes nachgespürt. Das beschreibt die Autorin mehr poetisch als rasant.

Insgesamt hatte ich etwas ganz Anderes erwartet. Eher die spannende Suche nach dem titelgebenden Gemälde, das aber mehr im Hintergrund als Symbol fungiert. Der ruhige Roman ist eine Familiengeschichte, die mich stellenweise an "Brilka" erinnert hat, aber mich nicht so uneingeschränkt überzeugen konnten.

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Veröffentlicht am 10.04.2025

Flucht aus Sibirien

Fanny oder Das weiße Land
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Für die beiden österreichischen Brüder Karl und Viktor ist der Erste Weltkrieg schnell vorbei. Bereits im Januar 1915 wartet Karl in der Nähe von Moskau auf den Transport in ein sibirisches Lager. Im Herbst ...

Für die beiden österreichischen Brüder Karl und Viktor ist der Erste Weltkrieg schnell vorbei. Bereits im Januar 1915 wartet Karl in der Nähe von Moskau auf den Transport in ein sibirisches Lager. Im Herbst des folgenden Jahres ist auch Viktor dort. Gemeinsam stehen sie drei harte Winter in dem Offizierslager durch, gemeinsam mit vier engen Freunden. Im Frühjahr 1918 wagt die Gruppe die Flucht in Richtung Heimat.

Das Buch handelt von dieser Flucht, die sich über Jahre hinzieht und die ich mir ganz anders vorgestellt hatte. Auch das beschriebene Lagerleben hat mich überrascht: Die Gefangenen hatten Freigang in die Stadt. Sie konnten Post und Pakete empfangen, Briefe verschicken und sie bauten Möbel für ihre Unterkunft. Sicher ging es in anderen Lagern anders zu, aber so wie hier beschrieben, in Chabarowsk, war es wohl in vielen Offizierslagern. Die Flucht beginnt unerwartet mit einer Zugfahrt und bringt die Männer schon ein gutes Stück voran - aber das Land ist riesig. Karls Freundin Fanny schreibt aus Wien: "Du bist dem Pazifik näher als ich dem Atlantik." (S. 13)

Die Erinnerung an Fanny und ihre Briefe sind es auch, die Karl helfen, die Gefangenschaft und die Entbehrungen der Flucht durchzustehen.

Die Fluchtgeschichte war für mich ungewöhnlich und hat mir wirklich gut gefallen. Es gibt zahlreiche Stationen, die die Gruppe passiert und immer wieder geschieht Außergewöhnliches, haben die Freunde Glück im Unglück. Ich habe viel Neues erfahren, z.B. dass es Elsa Hanneken, die Frau eines in der Nähe von Peking lebenden Industriellen war, die den Postbetrieb zwischen den Lagern und Europa organisierte.

Insgesamt ist die Handlung, trotz aller Dramatik, eher ruhig und nüchtern erzählt. Was mich aber praktisch gar nicht erreicht hat, ist die Liebe zwischen Fanny und Karl, die Karl immer wieder heraufbeschwört, indem er sich an die Vergangenheit erinnert oder aus den auswendig gelernten Briefen zitiert. Das hat die Handlung - für mich - eher gestört. Über die Gruppe, ihren Zusammenhalt und Erfindungsreichtum habe ich sehr gerne gelesen, aber mir war von Beginn an klar: Alle werden es nicht nach Hause schaffen. Bedrückt hat mich auch, dass die Gabe, die Karl und seine Freunde mehr als einmal rettet und die ihm viel bedeutet, aus seinem Leben verschwindet.

Die Autorin hat den Roman übrigens auf der Basis von verschriftlichten Erinnerungen eines Offiziers der k.&k.-Armee geschrieben.

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Veröffentlicht am 01.04.2025

Moloch Tübingen

WintersSchlaf
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Der erste Teil der Reihe konnte mich noch nicht ganz überzeugen, den zweiten habe ich nicht gelesen und den dritten fand ich ganz unterhaltsam. Die Autorin schickt hier ihre Ermitterin Henry Winter ein ...

Der erste Teil der Reihe konnte mich noch nicht ganz überzeugen, den zweiten habe ich nicht gelesen und den dritten fand ich ganz unterhaltsam. Die Autorin schickt hier ihre Ermitterin Henry Winter ein weiteres Mal auf Verbrecherjagd durch Tübingen. Von den ursprünglichen Verbindungen nach Skandinavien ist in diesem Band nicht mehr ganz so viel übrig geblieben.

Winters Freund und früherer Kollege, Professor Christian Singer, ein charmanter Wiener, steckt in Schwierigkeiten. Versehentlich war er auf der Zugfahrt nach Wien in ein falsches Abteil getreten, in dem fatalerweise später eine Leiche gefunden wird. Singer ist der Verdächtige Nummer eins und wird umgehend verhaftet. Bereits nach kurzer Zeit treten Verbindungen nach Tübingen auf und Kommissarin Winter und ihre Kollegen ermitteln.

Regionalkrimis sind immer ganz unterhaltsam für diejenigen, die sich im beschriebenen Handlungsort auskennen. So ist es auch hier. Die Autorin geht sogar so weit, Personen beim Namen zu nennen, die in gleicher Profession in Tübingen tätigen sind, so wie im Krimi dargestellt. Wenn man als Leserin dann über eine Bekannte, die mit der genannten Person eng verwandt ist, quasi noch dichter in die Handlung gezogen wird, ist das wirklich "nett". Dieser Krimi lebt vom Lokalkolorit und von den Hauptfiguren, die witzig miteinander umgehen und alle ganz freundlich agieren. Vielleicht fehlt hier der eigentlich typische Querschießer, der vielen Krimis den nötigen Pfiff gibt. Der Plot ist gut durchdacht und bietet auch Überraschungen.

Insgesamt hat mich dieser dritte Teil gut unterhalten, auch wenn er stellenweise etwas sehr leicht daherkommt.

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