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Veröffentlicht am 29.07.2020

Eines der besten Bücher, die ich in diesem Jahr gelesen habe

Girl running, Boy falling
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Inhalt:

Reseys Alltag ist mehr durchgetaktet denn je. Sie arbeitet bei Woolworth, spielt die Hauptrolle in einem Musical und die erste Klarinette im Schulorchester. Sie liest gerne Gedichte, backt mit ...

Inhalt:

Reseys Alltag ist mehr durchgetaktet denn je. Sie arbeitet bei Woolworth, spielt die Hauptrolle in einem Musical und die erste Klarinette im Schulorchester. Sie liest gerne Gedichte, backt mit großer Kunstfertigkeit und hilft in der Mensa aus. Sie ist jemand, die alle Rollen in sich vereint. Sie ist der Footballfan, die beste Freundin und die Nichte. Doch hinter all diesen Facetten verbirgt sich eine Jugendliche, die sich nach der Aufmerksamkeit der Mutter sehnt, die sie verlassen hat.

Wenn Resey auf der Arbeit ist, dann versteht sie sich gut mit ihren Kollegen. Sie hat Freunde, die zu ihr stehen und eine Tante, die vielleicht ein wenig verrückt ist, aber alles tun würde, um Resey glücklich zu machen. Und dann gibt es da noch diesen Jungen, Wally, den Footballstar an der Schule. Der Junge, der ihr damals das Versprechen abgenommen hat, dass sie sich fortan um ihn kümmern würde.

Mit Wally ist die Welt ein wenig anders. Er ist der ewig begehrte und niemals erreichbare Footballstar, hinter dessen Fassade nur sie blicken kann. Ihr gegenüber zeigt er sich als Feingeist mit Gespür für die schönen Künste. So teilt er mit Resey seine Vorliebe für Gedichte. Und Resey verliebt sich nach und nach immer mehr in ihn.

Resey hat sich noch nie getraut aus ihrer Komfortzone auszubrechen. Spaß zu haben, etwas Verrücktes zu machen. Dann gibt es diesen einen Kuss im Schuppen und Resey glaubt, dass Wally sie auch liebt. Doch die Tage darauf meldet er sich nicht bei ihr und dann passiert das Schlimmste, was Resey sich jemals hätte vorstellen können: Tante Kath holt sie von der Schule ab und ihr Blick ist voller Mitleid und Trauer. Und dann spricht sie das aus, was Resey den Boden von einer Sekunde zur anderen unter den Füßen wegreißen wird: Wally hat sich das Leben genommen.



Meinung:

Kate Gordon hat ein wunderbares Gespür für skurrile Figuren, die einem schnell ans Herz wachsen. Resey hat eine Menge Freunde, die ihr zur Seite stehen und so ungewöhnlich wie erfrischend daherkommen.

Es gibt hier zum Beispiel Melody, ihre beste Freundin, die als bekennende Feministin versucht andere zu missionieren und die leidenschaftlich gerne ihre Mitmenschen therapiert. Es gibt Rhino, Reseys Arbeitskollegen, der ihr ständig mit Tigerwitzen in den Ohren liegt. Und Roz, die sich zu Hause den strengen Regeln ihrer Eltern unterordnen muss und nur bei ihren Freunden ein Stück weit „loslassen“ und sich entspannen kann.

Es gibt diese Bücher, zu denen „Girl running, Boy falling“ gehört, deren Brillanz eine Leseerfahrung ist, die durch eine Inhaltsangabe nicht transparent werden kann.

Kate Gordon gelingt es in „Girl running, Boy falling“ den Leser auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle mitzunehmen. Denn die Geschichte legt, sofern es überhaupt möglich ist, ab dem großen Wendepunkt erst richtig los. Ab diesem Moment greift die Autorin das Thema Trauerbewältigung auf. Sie vermittelt dem Leser mit ihrer Geschichte, die Botschaft, dass Menschen unterschiedlich auf ein einschneidendes Ereignis reagieren können und dass das auch gut so ist. Man muss nicht diesen einen Weg gehen, der sich für viele bewährt hat, um wieder in den Alltag zurückzufinden und auf eine Weise wieder glücklich zu werden. Zugleich greift Kate Gordon in ihrem Buch das Thema Freundschaft auf. Resey begegnet in ihrem Leben unglaublich vielen tollen Menschen und jeder ist auf seine eigene Art einzigartig und besonders.

Neben Trauerbewältigung behandelt Girl running, Boy falling außerdem das Thema Depressionen. Besonders gefreut habe ich mich über die Auflistung an Hotlines und Hilfeseiten am Ende des Buches, an die sich Jugendliche mit ähnlichen Problemen wenden können.



Fazit:

„Girl running, Boy falling“ ist so vieles: Traurig, lustig, ein Umgang-mit-Trauer- und Depression Buch, vor allem aber ist es unglaublich berührend. Die Story geht ans Herz und scheint aus dem "wahren Leben" zu kommen.

All die Figuren, die Resey durch ihr Leben begleiten, sind liebevoll gestaltet und kommen mit ihren Schrulligkeiten unglaublich originell daher.

Kate Gordons Geschichte gleicht einer Achterbahnfahrt der Gefühle: Zwischen lachen, weinen und staunen.

Mich hat „Girl running, Boy falling“ auf so vielen Ebenen berührt. Diese Geschichte ist so facettenreich wie ihre Figuren. Es ist auch erstaunlich, wie viel an Erkenntniswert in dem schmalen Buch enthalten ist Dieses Buch sollte in jedem Buchregal stehen. Eines der besten Bücher, die ich in diesem Jahr gelesen habe.



Buchzitate:

Du bist immer noch ein Kind, Tiger. Du hast es nur vergessen.

Du siehst deprimiert aus. Aber keine Sorge. Wenn ich groß bin, werde ich Psychologin. Ich krieg dich schon wieder hin.

Melody isst, wie sie lebt – sie pflückt alles auseinander und untersucht die Einzelteile, dann zieht sie eine Schicht nach der anderen ab und schaut, was sich darunter verbirgt.

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Veröffentlicht am 22.07.2020

Ein facettenreicher Reihenauftakt

Elbendunkel 1: Kein Weg zurück
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Inhalt:

Jago, Luz Vater und Oberbefehlshaber der Elb Liberation Organization, ist keiner, der über den Schatten seiner Ressentiments springen kann. Niemals hätte er daher erlaubt, dass Luz ihr Date Niall ...

Inhalt:

Jago, Luz Vater und Oberbefehlshaber der Elb Liberation Organization, ist keiner, der über den Schatten seiner Ressentiments springen kann. Niemals hätte er daher erlaubt, dass Luz ihr Date Niall zu einem Poetryslam ins Elben-Ghetto begleitet. Elben sind die Paria der Gesellschaft und die Elb Liberation Organization Teil des Unterdrückungsapparates.

War es vielleicht nur der Reiz des Verbotenen? Oder die Reize der Subkultur, die das Viertel so unheimlich attraktiv aussehen lässt? Andererseits fühlt Luz sich als Fremdkörper und wird auch so wahrgenommen.

Und dann kommt es plötzlich zu einer Razzia. Durchgeführt von Luz Vater. Luz landet unfreiwillig auf dem Polizeirevier. Noch bevor sie genau weiß, wie ihr geschieht, passiert etwas Unerwartetes. Luz wird mit einer Wahrheit konfrontiert, die ihr gesamtes Leben von einem Moment auf den anderen verändern wird.



Meinung:

Die Geschichte von Elbendunkel spielt in der Zukunft, im Jahre 2044. Nachdem die Elben aus der Anderswelt Alfheimr in die Menschenwelt geflohen waren, stand diese Kopf. Aus Angst vor den stärkeren und mental überlegenen Wesen, wurden kurzerhand Gesetze zur Sicherheit der Menschen ins Leben gerufen und nach und nach immer weiter verschärft. Nur wenige Länder waren überhaupt bereit gewesen, Elben aufzunehmen. Für die Neuankömmlinge gibt es Sonderregeln.

Eine Organisation, die Elb Liberation Organization, soll die Einhaltung dieser Regeln überwachen. Jeder Elb wird beispielsweise dazu verpflichtet, sich einen Chip unter die Haut einpflanzen zu lassen, der bei Aggression eine tödliche Substanz freisetzt und für den sofortigen Tod des Elbs sorgt. Kein Wunder also, dass die Widerstandsbewegung im Kampf gegen die Unterdrückung langsam zur ausgewachsenen Rebellion wird.

Die Protagonisten der Geschichte erweisen sich als vielschichtige Figuren, die sich je nach Herkunft, Charakter und sozialem Kontext als Träger von gesellschaftspolitischer Kritik oder als Identifikationsfiguren entpuppen.

Die Zukunft wird in diesem literarischen Werk oft zum Spiegelbild unser Gegenwart.

Die Protagonistin Luz muss auf ihrem Weg durch die Geschichte einige Rückschläge einstecken und führt uns dabei durch eine berührende Coming-of-Age-Geschichte.

Besonders gefallen haben mir die kleinen Psychospielchen, die sich im Buch zwischen dem Poetryslammer und Luz abgespielt haben.

Rena Fischer bedient sich einer gut durchdachten Handlung, denn sie beleuchtet die Motive ihrer Figuren von vielen Seiten. Fischer schreibt nicht fürs schnelle Lesen, sondern zwingt den Leser zur Konzentration, zum permanenten Lesen zwischen den Zeilen und Dechiffrieren ihrer Allegorien.

Als kleine Unterstützung findet der geneigte Leser am Ende des Buches ein Verzeichnis der wichtigsten Personen und ein Sachverzeichnis, in dem unter anderem die Hierarchie der Lichtelben, die Organisationen, Institute und technologische Besonderheiten sowie besondere Elbenbegriffe aufgeschlüsselt werden.



Fazit:

Wow! Das ist wohl der erste Gedanke, der einem nach der Lektüre von "Elbendunkel – Kein Weg zurück" durch den Sinn geht. Rena Fischer schafft es, aktuelle Themen in ihrer Vielschichtigkeit offenzulegen, Charaktere aufzubauen, mit denen man mitempfindet.

Der Roman ist lesenswert – wegen der erfrischenden, unkonventionellen Geschichte, wegen der überraschenden Nuancen in den Beschreibungen von Menschen und gesellschaftlichen Zusammenhängen, und nicht zuletzt wegen des perfekt durchdachten Plots, der bis zum Schluss für Spannung sorgt.

Allerdings ist anzumerken, dass viele Passagen dem Leser höchste Konzentration und Geduld abverlangen. Belohnt wird dieser mit einem Meisterwerk, auf dessen Fortsetzung man sich schon jetzt freuen kann.



Buchzitate:

Am schlimmsten ist es, wenn das, was wir lieben, sich gegen uns wendet, Feind wird, wo es uns doch so vertraut ist.

„Opa hat gesagt, jeder hat Angst. Aber tapfer ist, wer seine Angst ignoriert.“ … Angst ist nur ein Gefühl wie Liebe, Freude, Sehnsucht oder Wut. Sie ist dein Freund, Luz. Sie warnt dich.

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Veröffentlicht am 16.07.2020

Leseempfehlung!

Stolen 1: Verwoben in Liebe
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Inhalt:

Darkenhall ist eine Schule, die sich damit rühmt, mit jeder Art von Kind fertigzuwerden. Jeder noch so unzähmbare Geist wird hier ausgetrieben. Eltern werden mit einer sozialkonformen Persönlichkeitsentwicklung ...

Inhalt:

Darkenhall ist eine Schule, die sich damit rühmt, mit jeder Art von Kind fertigzuwerden. Jeder noch so unzähmbare Geist wird hier ausgetrieben. Eltern werden mit einer sozialkonformen Persönlichkeitsentwicklung der Kinder belohnt.

Als Abby das Schulgelände betritt, weiß sie, dass Darkenhall ihre letzte Chance darstellt. Das Leben hat ihr bis jetzt eine wenig schöne Jugend in diversen Pflegefamilien bereit. Nach langen heimatlosen Jahren hat sie eine Härte entwickelt und versteckt ihren Schmerz hinter Aufmüpfigkeit. Diese soll ihr nun ausgetrieben werden.

Das Zusammentreffen mit einigen Mitschülern am ersten Tag lässt Abby hoffen. Keineswegs sind die Schüler, die ihr hier bislang begegnet sind, perfekt. Mit ihrem Zeichenblock und einem Stift bewaffnet, überbrückt Abby die erste Wartezeit. Ihr Motiv stellt ein Junge dar, dessen Uniform zerknittert wirkt und dessen Haare wild abstehen. Ein schöner Kontrast zu den perfekt lächelnden Kindern auf den ausliegenden Schulflyern.

Und dann gibt es da noch Tristan. Der arrogante Junge ist ein notorischer Womanizer, der auch ihr sofort den Hof macht. Was soll's, denkt sich Abby, neue Freunde erleichtern das Sich-Eingewöhnen.

Schnell erkennt Abby ihre neue Welt und deren Abgründe. Der Junge vom ersten Tag wirkt beim Wiedertreffen wie ausgetauscht. Akkurat gekleidet und absolut ausgeglichen, aber auch fleisch- und seelenlos also, quasi Konfektionsware. Und auch Tristan scheint etwas zu verbergen. Das wird spätestens klar, als er Abby seinen zwielichtigen Bruder vorstellt.



Meinung:

Emily Bold schreibt mit „Stolen – Verwoben in Liebe“ einen Trilogieauftakt und schenkt ihren Lesern erste Orientierung in einer Welt, die sich langsam entwickelt.

Auf den ersten Seiten lernt der Leser die Protagonistin Abby kennen, die mit den Geistern ihrer Vergangenheit zu kämpfen hat. Insbesondere Ungerechtigkeiten bringen das Mädchen aus der Fassung. So lässt sie es sich nicht nehmen, den Klassenfiesling am ersten Tag um den Finger zu wickeln, um ihn im nächsten Moment zu bestehlen. Eine Tat, die, so gerechtfertigt sie vielleicht auch ist, einen Regelverstoß darstellt.

Schnell findet Abby bereits zu Anfang Anschluss. Sie trifft auf den arroganten Tristan, der vermutlich jedes Mädchen an der Schule schon einmal klargemacht hat. Hier entwickeln sich geschliffene Dialoge voller Witz und Schärfe, die das Gegenüber oft buchstäblich zu Boden gehen lassen.

Abseits ausgetretener, oft erzählter Pfade erzählt die Autorin immer undogmatisch, immer phantasievoll und oftmals magisch durchwirkt.

Neben den interessanten Brüdern gibt es weitere Charaktere, die Abbys Alltag verdichten. So gibt es einen Lehrer mit zweifelhaften Therapieansätzen, der sich auch nicht scheut Abby vor der Klasse bloßzustellen. Es gibt die beiden Influencerinnen, mit denen sie sich ein Zimmer teilen muss, die ihre Sätze mit Abkürzungen wie OMG einleiten und stets auf der Suche nach neuen Fotomotiven für Instagram sind. Oder das frühere Mobbingopfer Gwynedd, das nunmehr zum Täter wird.



Fazit:

"Stolen – Verwoben in Liebe" zeigt, wie innovative Fantasy aussieht – anfangs allerdings mit nicht unerheblichen Längen.

Neben der klugen Erzählweise und der ausgezeichneten Dialoge ist vor allem Emily Bolds stilistische Finesse hervorzuheben.

Ohne Spoiler ist der weitere Verlauf der Geschichte kaum zu besprechen. Also müsst ihr mir schon glauben, wenn ich euch versichere, dass die Geschichte nicht gradlinig, nie konstruiert, dafür aber phantasievoll und bisweilen witzig ist.

Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 23.06.2020

Eine fesselnde und zugleich berührende Geschichte

Denn Geister vergessen nie
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Inhalt:

Amy kämpft täglich mit leidvollen Erinnerungen. Sie kann ihren Alltag meist nur noch noch mit großer Anstrengung bewältigen. Als ihre Freunde sie fragen, ob sie nicht Lust hätte, an einem gemeinsamen ...

Inhalt:

Amy kämpft täglich mit leidvollen Erinnerungen. Sie kann ihren Alltag meist nur noch noch mit großer Anstrengung bewältigen. Als ihre Freunde sie fragen, ob sie nicht Lust hätte, an einem gemeinsamen Segeltrip teilzunehmen, zögert sie. Doch dieser Trip könnte eine Ablenkung von ihren düsteren Gedanken sein.

Die Brüder Mian und Jano verbindet weit mehr als Blutsverwandtschaft. Beide nehmen ihre Umwelt hochsensibel wahr. Mians Antennen sind so sensibel wie sein Gemüt. Er hat eine Intuition, die ihm ganz schnell sagt, wenn mit einem Menschen etwas nicht stimmt. Ihm kann man nichts vormachen. Jano wiederum empfindet eine starke Bindung zu Tieren.

Auch Mian wird von seinem Freund Ben zu dem Segeltörn eingeladen. Auch er ist nicht vom ersten Moment an begeistert. Doch als er Amy begegnet, spürt er sofort die tiefe Trauer, die sie ausstrahlt. Mian möchte nichts mehr, als dem Mädchen zu helfen. Eine gemeinsame Zeit auf dem Boot könnte da helfen.



Meinung:

Jessica Koch ist eine Könnerin, die sich stets an schwierige Themen heranwagt. So war meine Vorfreude auf eine weitere, erbauliche Neulektüre groß.

In „Denn Geister vergessen nie“ sucht die Autorin nunmehr nach dem Übersinnlichen.
Eine Gruppe von Freunden begibt sich aus einer spontanen Idee heraus auf einen gemeinsamen Segeltörn.

Wir begegnen hier Collin, einem Jungen, der sich zum Ziel gesetzt hat, endlich eine Freundin zu finden. Sein Augenmerk liegt auf Amy mit dem kummervollem Blick, die immer noch mit den Geistern ihrer Vergangenheit zu kämpfen hat.

Jayden ist bodenständig und nahbar. Ihm gehört das Boot. In Krisensituationen versucht er die Lage zu konsolidieren.

Und dann gibt es noch Mary, über die ich sehr gerne mehr erfahren hätte. Aufgrund ihrer Schwangerschaft kann sie ihren Mann Jayden und seine Freunde leider nicht auf dem Trip begleiten. Gerade sie erschien mir aber von den Figuren mit am interessantesten. Mary wurde in der Vergangenheit in der Schule gemobbt. Wenn sie sich gestresst fühlt, beginnt sie zu stottern. Ich wollte mehr über sie erfahren. Am Ende des Buches erschien ein Hinweis, dass Marys Geschichte in dem bereits erschienenem Buch „Wenn das Meer leuchtet“ ausführlich behandelt wird.

Die Brüder Mian und Jano verbindet ein besonderes Band. Als Mian dem Tode nahe war, haben die Eltern, die durch ihren Job als Entwicklungshelfer schon viel rumgekommen sind, einen folgenschweren Entschluss gefasst. Ein Medizinmann im tiefsten Dschungel sollte den Jungen heilen. Ein Geschenk solch einer Art fordert auch immer einen Tribut. Welche Art von Opfer die Eltern für die Rettung des Kindes letztlich bringen mussten, das wird ihnen erst viel später bewusst.

Das Buch wird in erster Linie aus der Perspektive von Amy und Mian erzählt. Besonders interessant war zu beobachten, wie Mian gemeinsam mit seinem Bruder Jano agiert. Ihre starke Empathie für andere Menschen macht es den Brüdern nicht immer einfach. Nicht selten spüren den sie Hass, die Wut und den Schmerz, den andere Menschen ausstrahlen.

Auf dem Boot müssen die verschiedenen Charaktere miteinander auf kleinstem Raum klarkommen. Es entwickelt sich ein psychologisches Kammerspiel, das zeigt, dass Jessica Koch in der Lage ist, die Leser an die Seiten ihres Buches zu fesseln.



Fazit:

„Denn Geister vergessen nie“ ist der Folgeband zu „Wenn das Meer leuchtet“, kann aber genauso gut als Einzelband gelesen werden.

Der Fokus der Geschichte liegt auf Amy, die einen schweren Schicksalsschalg erleiden musste. Es scheint für sie keinen Ausweg aus der Depression zu geben. Doch dann begegnet das Mädchen den beiden Brüdern Mian und Jano und mit einem Mal zeigt sich ihr das nicht allzu utopische Bild eines Lebens ohne Unglück, Depression und Erschöpfung.

Mit den verschiedenen Erzählebenen gelingt Jessica Koch die Schilderung spannender Geschichten, deren komplexe Verknüpfung langsam zutage tritt. Sie nimmt sich die nötige Zeit, um das vielschichtige Gefüge aus Tragik, Vergangenheit und Übersinnlichem sichtbar werden zu lassen.

Es sind hierbei die oftmals minutiös geschilderten Rückblenden, die das Ausmaß der Ereignisse unterstreichen und Spannung erzeugen.

Neuerung für Fans sind die übersinnlichen fiction-Elemente, die in der - durchaus weltlichen - Geschichte ihren Platz haben.

Lässt man sich darauf ein, wird man mit einer Geschichte belohnt, die nachwirkt.

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Veröffentlicht am 19.06.2020

Leseempfehlung trotz kleiner Kritikpunkte

Broken Darkness: So verführerisch
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Inhalt:

Annie hat es geschafft. Sie ist endlich vor ihrem Ehemann geflohen und möchte sich nun eine neue Existenz aufbauen. Ein eigener Wohnwagen und ein Job als Hausmeisterin in einem heruntergekommenen ...

Inhalt:

Annie hat es geschafft. Sie ist endlich vor ihrem Ehemann geflohen und möchte sich nun eine neue Existenz aufbauen. Ein eigener Wohnwagen und ein Job als Hausmeisterin in einem heruntergekommenen Trailerpark ist alles, was sie braucht, um neu anzufangen.

Während der ersten Begutachtung ihrer neuen „Wohnung“ vernimmt Annie ein Klingeln. Es scheint zwischen den Ritzen der Sitzbänke zu kommen. Voller Hoffnung vielleicht neben Unrat auch noch ein paar Münzen zu finden, fischt Annie ein Handy aus der Polsterung hervor. Kurzentschlossen nimmt sie den Anruf an. Am anderen Ende verlangt eine männliche Stimme ohne zu zögern nach der ursprünglichen Besitzerin des Smartphones. Annie klärt das Missverständnis auf. Ein lockeres Gespräch mit dem Fremden erscheint ihr als eine nette Abwechslung. Doch bald schon wird die Unterhaltung intim. Der ominöse Anrufer stellt sich als Dylan vor. Er fragt, ob Annie sich im Trailerpark sicher fühlt, und bietet ihr bald schon einen Auftrag an. In einem der Wohnwagen wohnt ein Mann, den die Vorbesitzerin für ihn im Auge behalten hat. Dieser Job sei nun neu zu besetzen. Kurzerhand willigt Annie in dieses sonderbare Angebot ein.

Während der nächsten Tage lebt sich Annie im Trailerpark ein. Ein bunter Schal soll die Blutergüsse am Hals verdecken. Eine Sonnenbrille schützt zumindest imaginiert vor den Blicken der „Nachbarn“. Doch schnell muss Annie feststellen, dass ihre Verkleidung alles andere als unauffällig wirkt und dass auch die anderen Menschen, die hier im Trailerpark wohnen, eine düstere Vergangenheit haben, über die sie nicht immer sprechen wollen. Gerade aber der Mann, vor dem Dylan sie kürzlich noch gewarnt hat, scheint Annie am nettesten von allen zu sein.



Meinung:

Bereits auf den ersten Seiten des Buches wird klar, dass es Annie in ihrem Leben nicht immer einfach gehabt hat. Ihre körperlichen Verletzungen sind kaum verheilt, die seelischen Folgen erheblich.

Schnell wird klar, dass in dem neuen Umfeld, in dem die junge Frau nun Fuß fassen möchte, Menschen mit ähnlichen Problemen leben. Es sind die Menschen mit dunklen Geheimnissen und starken Gefühlen.

Als Annie ein Telefonat von einem vergessenen Handy annimmt, meldet sich am anderen Ende ein Mann, der sie unvermittelt nach ihrer Sicherheit fragt und ihr zugleich einen Job anbietet. Nämlich den, einen Trailerparknachbarn zu beobachten. Dieser sehe harmloser aus, als er in Wirklichkeit sei. Hier läuten bei jedem klar denkenden Menschen die Alarmglocken. Annie jedoch nahm die Botschaft des Fremden relativ locker. Auch Warnungen vor der Gefährlichkeit ihres Nachbarn schlägt sie in den Wind. Das Telefonat mit Dylan geht der attraktiven, aber einsamen Frau nicht so schnell aus dem Kopf.

Dylan meldet sich kurz darauf auch erneut bei Annie. Die beiden bauen eine Bindung zueinander auf, die sich im Wesentlichen auf Telefonsex beschränkt. Doch zwischen den Zeilen merkt Annie, dass der Fremde zu einer Bezugsperson wird, die sie in ihrem Leben so dringend benötigt. Dylan schenkt ihr, für den Leser schwer nachvollziehbar, ein Gefühl von Sicherheit.

Nach und nach lernt Annie weitere Menschen kennen. Die Bewohner des Trailerparks haben allesamt ihre eigenen Geheimnisse. Und auch, wenn Annie das gar nicht unbedingt geplant hat, gerät sie immer mehr in das Leben der neuen Nachbarn hinein.



Fazit:

In „Broken Darkness“ entspinnt sich eine spannende Geschichte, getragen von einer oft allzu naiven und weltfremden, aber herzensguten Protagonistin.

Dennoch gelingt es dem Leser schnell Annie ins Herz zu schließen. Die Autorin lässt die chaotische Lebensweise schließlich nicht naiv, sondern lebensbejahend, als Überlebensmöglichkeit wirken.

Für mich ist sie Musterbeispiel für Resilienz. Damit ist jenes Phänomen gemeint, dass es manchen Menschen gelingt, trotz erlebter Widrigkeiten oder Traumata psychisch gesund zu bleiben.

Die unvermeidliche „prickelnde Erotik“ gibt's natürlich auch. Manchmal scheint das Buch sogar mit erotischen Szenen überladen.

Beim Lesen fällt auch der gekonnte Sprachgebrauch sofort auf: Der Schreibstil ist flüssig und leicht. Der Auftakt von Broken Darkness lässt sich nicht so schnell beiseitelegen.

Von mir gibt es daher – trotz kleiner Kritikpunkte – eine Leseempfehlung.


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