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Veröffentlicht am 18.03.2025

Viele interessante Praxisbeispiele & wertvolle Tipps für mehr Freude im Berufsleben

Wie Arbeit glücklich macht
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Prof. Dr. Claas Lahmann ist Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Freiburger Universitätsklinik. Als solcher beschäftigt er sich forschend und beratend mit ...

Prof. Dr. Claas Lahmann ist Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Freiburger Universitätsklinik. Als solcher beschäftigt er sich forschend und beratend mit dem Thema, wann Arbeit krank macht und was wir ändern können, damit Arbeit glücklich, oder zumindest nicht unglücklich, macht.

Es ist ein sehr praxisnahes, zugängliches und zugleich pragmatisches und realistisches Buch, dem man die viele Erfahrung, die der Autor in diesem Bereich mitbringt, anmerkt. Besonders wohltuend habe ich den bedachten Ansatz des Autors gefunden, genau zu analysieren, woran es liegen könnte, wenn man beruflich unglücklich ist, und nicht aus einer Impulsreaktion heraus spontan alles hinzuschmeißen, ohne sich mit dem Thema tiefgründiger auseinandergesetzt zu haben. Damit hebt sich das Buch von der Vielzahl an unseriösen Ratgebern in dem Bereich, die blind jedem raten, "die eigenen Träume zu verwirklichen", ohne Rücksicht auf Nachteile, Verluste und Lebbarkeit dieser Träume, angenehm ab. Hier spricht ein Experte, der weiß, wovon er spricht, und der gleichzeitig auf ein großes Inventar praktischer Tipps und Tools verweisen kann, um die eigene berufliche Situation zu analysieren und gegebenenfalls zu verändern.

Auch optisch ist das Buch sehr ansprechend gestaltet, in einem fröhlichen Gelb und mit beiliegenden Karten mit dem Slogan "Love it, change it, or leave it". Die verschiedenen Kapitel beginnen mit Praxisbeispielen aus dem Beratungsalltag des Autors. Gleich im ersten Kapitel geht es um das Thema, ob der von vielen im Berufsleben unglücklichen Menschen erträumte komplette Ausstieg aus dem Berufsleben die Lösung ist und wirklich glücklicher macht. Bezug nehmend auf viele Studien zu dem Thema legt der Autor überzeugend da, dass das für die meisten Menschen nicht die Lösung ist, weil berufliche Arbeit im Idealfall neben dem Lohn oder Gehalt noch so viel mehr bietet, beispielsweise eine sinnvolle Aufgabe, soziale Anbindung und Tagesstruktur.

Dann geht es um die vier Prinzipien für eine Arbeit, die gut tut: Autonomie, die feine Balance des Gebens und Bekommens, Gerechtigkeit und psychologische Sicherheit (das Gefühl, gut aufgehoben zu sein). Auch diese werden praxisnah, spannend und gut verständlich vermittelt. Ich habe diese Prinzipien danach gleich auf verschiedene Stationen meines beruflichen Weges angewandt und sie haben mir geholfen, rückblickend so einiges besser zu verstehen.

Auch in den weiteren Kapiteln stellt der Autor viele praxisnahe Modelle vor, die man gut auf den eigenen Berufsalltag anwenden kann, zum Beispiel zu den verschiedenen Arten von Konflikten (Sach-, Macht-, Rollen-, Beziehungs-, Verteilungs- oder Ziel- und Wertkonflikte) und ein Modell, mit diesen umzugehen (Analyse von Grenzen, Autorität, Rollen und Aufgaben), zum Entschärfen von Konflikten, zum Umgang mit schwierigen Vorgesetzten oder zu Gehaltsverhandlungen, Urlaubs- und Pausenplanung und zum Umgang mit Über- oder Unterforderung.

Damit zeigt der Autor gut auf, an wie vielen kleineren Schräubchen gedreht werden kann, um aus einem herausfordernden Arbeitsplatz einen zufriedenstellenden zu machen, wenn möglich. Er geht aber auch darauf ein, woran man erkennen kann, wenn es gefährlich wird und Richtung Burnout oder anderer ernst zu nehmender körperlicher und psychischer Belastungen geht. Aufgelockert wird das Buch auch weiterhin durch Praxisbeispiele und Selbsteinschätzungsfragebögen, zum Beispiel zum Thema Resilienz.

Diese Themen machen etwa gut zwei Drittel des Buches aus. Im verbleibenden Drittel geht es darum, was man machen kann, wenn der Beruf grundsätzlich nicht mehr passt und wie man eine gute Entscheidung für einen beruflichen Wechsel planen und aktiv angehen kann. Schließlich finden sich am Ende des Buches noch weitere hilfreiche Tools wie z.B. ein Fragebogen zum Thema Zufriedenheit mit der eigenen Arbeit sowie Tipps zur Suche eines guten Coaches oder Therapeuten.

Insgesamt handelt es sich um ein sehr interessantes, praxisnahes Buch, das man gut für die Analyse der eigenen beruflichen Situation einsetzen kann, auch ohne Coach oder Therapeuten, und das viele wertvolle Anregungen gibt, das eigene Berufsleben mit all seinen Vor- und Nachteilen zu analysieren und gegebenenfalls zu verbessern oder einen Wechsel zu planen. Leseempfehlung für alle, die aktiv ihre berufliche Situation reflektieren wollen - nicht nur für die, die schon sehr unzufrieden sind, sondern auch für alle anderen.

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Veröffentlicht am 18.03.2025

Leidenschaftliches persönliches Plädoyer für einen freundlicheren Umgang miteinander

Radikale Freundlichkeit
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Nora Blum ist eine bewundernswerte, mutige, junge Frau, die im Alter von 24 Jahren gemeinsam mit Katrin Bermbach und Farina Schurzfeld das Unternehmen "Selfapy" gegründet hat, bei dem Menschen, die lange ...

Nora Blum ist eine bewundernswerte, mutige, junge Frau, die im Alter von 24 Jahren gemeinsam mit Katrin Bermbach und Farina Schurzfeld das Unternehmen "Selfapy" gegründet hat, bei dem Menschen, die lange auf einen Therapieplatz warten müssen, die Zwischenzeit mit therapeutischen Übungen, die ihnen eine App vermittelt, überbrücken können. Mittlerweile gibt es erste Studien zur Effektivität dieser App.

Als junge Gründerin auf der Suche nach Kapital, aber auch davor in ihrem Arbeits- und Privatleben hat Frau Blum immer wieder die erschütternde Erfahrung machen müssen, dass unsere Gesellschaft tendenziell unfreundlicher wird und Freundlichkeit insbesondere beruflich kein Wert ist, der hoch geschätzt ist. Einmal bekam sie sogar von potentiellen Investoren das Feedback, dass sie nicht in ihr Unternehmen investieren würden, weil sie bei der Präsentation zu freundlich gewesen sei und sie ihr die erforderliche Ellbogenmentalität nicht zutrauen würden.

Nun hat Nora Blum, die sich vor einiger Zeit aus dem operativen Geschäft bei Selfapy zurückgezogen hat, mit diesem Buch ein leidenschaftliches Plädoyer für mehr Freundlichkeit im Umgang miteinander geschrieben. Persönlich und nahbar leitet sie jedes Kapitel mit einer Geschichte aus ihrem Leben ein, die sie dann analysiert. Darauf folgen die Verbindung mit psychologischen Konzepten und wissenschaftlichen Studien dazu, wie sehr Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Spenden auch unserer körperlichen und psychischen Gesundheit und unserem Lebensglück zuträglich sind, und praktische Ideen und Beispiele, wie man durch kleine, leicht umsetzbare Handlungen im persönlichen Umfeld Freundlichkeit leben und damit zu einer lebenswerteren, angenehmeren Welt für alle beitragen kann.

Besonders eingegangen wird auf aktuelle Themen wie den Umgang mit dem Smartphone, das uns oft durch seine intensive Nutzung von unseren Mitmenschen distanziert, oder die sogenannte "Königsdisziplin", auch unter Stress - unter dem viele Menschen heutzutage leiden - freundlich zu bleiben, genauso wie in herausfordernden politischen Diskussionen mit Menschen, die eine ganz andere Weltanschauung haben, die wir nicht teilen können.

Was trägt zu Freundlichkeit im Alltag bei? Da finden sich im Buch viele Beispiele, von Blickkontakt und Anlächeln der Kassierin im Supermarkt, über kleine Gesten der Hilfsbereitschaft gegenüber Fremden (z.B. jemandem helfen, den Kinderwagen in die Straßenbahn zu heben) über Spenden bis zu regelmäßigem freiwilligem Engagement. Deutlich wird aber auch klar, dass hinter diesen nach außen sichtbaren Zeichen eine menschenfreundliche Haltung steht.

Ich habe das Buch sehr gerne gelesen, es ist unterhaltsam, gut verständlich, persönlich und nahbar geschrieben. Besonders die Geschichten aus dem Lebensalltag der Autorin haben mir sehr gut gefallen, auch, weil sie als so junge Unternehmensgründerin so eine spannende Persönlichkeit ist und ich mich gefreut habe, auf diesem Weg nicht nur über das Thema des Buches, sondern auch über sie und ihren Lebensweg ein bisschen etwas zu erfahren. Ich kann das Buch allen empfehlen, denen das Thema "Freundlichkeit" ein Anliegen ist oder sein sollte - also uns allen.

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Veröffentlicht am 17.03.2025

Spannender literarischer Thriller mit Tiefgang

Der Gott des Waldes
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"Der Gott des Waldes", das neue Buch von Liz Moore, weckt schon von der Aufmachung her enorm hohe Erwartungen: in der gebundenen Ausgabe sehr hochwertig mit fast 600 dicken Seiten aus robustem Papier, ...

"Der Gott des Waldes", das neue Buch von Liz Moore, weckt schon von der Aufmachung her enorm hohe Erwartungen: in der gebundenen Ausgabe sehr hochwertig mit fast 600 dicken Seiten aus robustem Papier, mit einem geheimnisvollen Titelbild, einem See, über den ein rosafarbener Blutstrom rinnt, der sich sogar haptisch vom Rest des Buches abhebt. Dazu Lobpreisungen an verschiedenen Stellen auf dem Schutzumschlag, die von einem "literarischen Thriller der Spitzenklasse", einem "seltenen Juwel" und einem "Meisterwerk" sprechen. So ein Marketing lässt also ein ganz besonderes Buch erwarten. Ist es das?

Ich lese sehr gerne anspruchsvolle Literatur und gelegentlich mal den einen oder anderen Krimi oder Thriller, kenne also beide Genres. Viele Thriller sind mir zu banal konstruiert und haben wenig glaubwürdige, sehr stereotype Figuren. Davon hebt sich der "Gott des Waldes" durchaus wohltuend ab: es wird nicht nur einfach eine sehr spannende Handlung erzählt, sondern das Setting und die Figuren regen auch zum Nachdenken über die Zeit zwischen 1950 und 1975 in den USA, die Geschlechterrollen damals, soziale Ungleichheit und die mit Geld und Macht einhergehenden Privilegien und unfairen Vorteile an. Damit bietet das Buch deutlich mehr als ein einfacher Krimi oder Thriller und kann sich durchaus als literarisch bezeichnen.

Die Handlung spielt überwiegend im Sommer 1975, mit Rückblenden erzählt aus der Perspektive der 1950er und 1960er Jahre, um die Hintergründe und insbesondere die Entwicklungen einer Familie zu zeigen. Wir befinden uns in den Adirondacks Mountains, wo die vermögende Familie Van Laar ihren Sommersitz hat und außerdem, gemeinsam mit einer befreundeten Familie, ein Abenteuerferiencamp für Kinder betreibt, in dem diese den Sommer verbringen, Spaß und Unterhaltung haben, neue Freundschaften knüpfen können und lernen, wie man alleine im Wald überleben kann.

Die Familie Van Laar ist sehr reich, verschlossen und konservativ, und sie möchte genau ein Kind pro Generation haben, damit niemand das Erbe teilen müsse: am besten einen Jungen, Peter Van Laar, der erste, der zweite, der dritte und der vierte. Peter Van Laar I, der Gründervater, ist schon verstorben, doch mit seinem Sohn, Peter Van Laar II, mittlerweile ein alter Mann, dessen Sohn, Peter Van Laar III, einem Mann mittleren Alters, und wiederum dessen Sohn Peter Van Laar IV, genannt "Bear", einem Kind, leben zeitweise drei dieser Peters van Laar in der großen, aus der Schweiz hergeschafften und in den USA wieder aufgebauten Villa "Self-Reliance" am Rande des Feriencamps. Jeden Sommer wird das Fest "Blackfly Goodbye" gefeiert, bei dem sich alle gemeinsam darüber freuen, dass die Zeit der lästigen, blutsaugenden Kriebelmücke "Blackfly" für die Saison zu Ende geht, und zu dem all jene eingeladen werden, die die Familie als Freunde ansieht oder von denen sie sich geschäftliche Vorteile erhofft.

Frauen gibt es natürlich auch in der Familie, generationenlang als angeheiratete Gattinnen, blass und machtlos an der Seite der übermächtigen und manipulativen Peters. "Bear", der jüngste Peter, scheint aus der Reihe zu schlagen, alle haben ihn als freundliches, empathisches und zugewandtes Kind beschrieben... bis er leider auf tragische Weise im Wald verschwunden ist. Nach seinem Verschwinden brauchte es einen neuen Erben und Peter III und seine Gattin Alice machten sich an diese Zeugung desselben... doch diesmal wurde es ein Mädchen, Barbara. Ein sehr rebellisches, unabhängiges Mädchen, das sich nicht unterdrücken lassen will und sich gegen die lieblose Erziehung auflehnt. Mit 12 oder 13 Jahren möchte Barbara auch am Feriencamp teilnehmen und es wird ihr gewährt - die Eltern sind froh, sich mit der rebellischen Tochter mal einen Sommer weniger herumschlagen zu müssen. Doch gegen Ende des Feriencamps verschwindet auch sie im Wald.

Dieses Buch hat einige sehr interessante Charaktere. Besonders gemocht habe ich die unangepasste und trotz all ihrer Kindheitsverwundungen selbstbewusste und ihren eigenen Weg gehende jugendliche Barbara. Weitere interessante Figuren sind Tessie Jo, genannt "T.J.", die ebenfalls nicht den Geschlechternormen der damaligen Zeit entspricht, wild und frei ist, sich androgyn kleidet, nicht heiraten will und ihren Weg geht. Sie hat das Glück, von ihrem Vater die Campleitung übertragen bekommen zu haben und damit eine Aufgabe und ein Einkommen zu haben. Außerdem gibt es Judyta, eine junge Ermittlerin polnischer Abstammung, die es als eine der wenigen Frauen bei der Polizei nicht leicht hat, aber auch mutig ihren Weg gibt. Tracy, eines der Ferienkinder, die sich mit Barbara anfreundet und diese bewundert. Oder Louise, mit schwierigem familiärem Hintergrund, die im Camp als Sommerbetreuerin arbeitet und sich um die Zukunft ihres jüngeren und von der Mutter vernachlässigten Bruders sorgt. Alice, die Frau von Peter III, eine wenig selbstbewusste Frau, die von ihrem Mann und dessen mächtiger Familie unterdrückt wird und sich in eine psychische Erkrankung und die Einnahme von Medikamenten flüchtet.

Das sind nur einige der Figuren, die wir in diesem umfangreichen Buch sehr genau kennen lernen, denn es wird abwechselnd aus der Perspektive verschiedener Charaktere erzählt. Dadurch, dass somit Perspektive und Erzählzeit wechseln, bekommen wir einen sehr vielschichtigen, umfassenden Einblick in die Welt des Buches. Es werden insbesondere ganz verschiedene Frauenfiguren gezeigt, die jeweils mit den Normen und Beschränkungen ihrer Zeit zu kämpfen haben und sich ganz unterschiedlich dazu positionieren. Aus männlichen Perspektiven wird nur selten erzählt - wenn ich nichts vergessen habe, gibt es nur einen männlichen Protagonisten, dessen Sicht wir lesend kennen lernen können: Carl, der im Camp arbeitet, dem jungen Bear viel beibringt und ihn als letzter vor dessen Verschwinden gesehen haben soll. Es könnte sein, dass das Buch mit dieser Darstellung eher weibliche als männliche Lesergruppen anzieht. Ach ja, und Jacob, einen verurteilten Frauenmörder, der aus dem Gefängnis ausgebrochen und auf dem Weg in diese Gegend ist, und der aus dessen Perspektive ganz selten zwischendurch auch erzählt wird.

Es ist keineswegs offensichtlich, was mit Bear und mit Barbara geschehen ist, und bis zum Ende des Buches gibt es so einige spannende Überraschungen, die sich aber durchaus plausibel in die Handlung einfügen. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass für klassische Thriller-/Krimi-Lesende die Handlung etwas zu langsam voranschreitet bzw. sich in zu vielen Nebenaspekten verliert... um dieses Buch zu mögen, sollte man sich schon für mehr interessieren als für die Spannungsaspekte alleine (obwohl das Buch sich durchaus sehr spannend liest) und auch die sozialen Hintergründe interessant finden.

Es ist ein gutes Buch, ein solider literarischer Thriller, den ich sehr gerne gelesen habe und der mir neben Unterhaltung auch Aspekte zum Nachdenken geboten hat. Sehr geschätzt habe ich auch die leserfreundliche und hochwertige Gestaltung des Buches: so gibt es etwa eine Übersichtskarte des Camps und außerdem am Anfang der Kapitel Zeitleisten, die die Orientierung, wo wir uns zeitlich gerade in der Handlung befinden, sehr erleichtern.

Für ein 5-Sterne-Buch fehlt mir dennoch ein bisschen etwas. Insbesondere in der Auflösung und Verbindung der Handlungsstränge am Ende gab es Aspekte, die ich in Bezug auf die vorherige Figurenzeichnung und -entwicklung nicht sonderlich plausibel gefunden habe, dafür einen Stern Abzug (inhaltlich mehr dazu zu erwähnen würde spoilern). Dennoch insgesamt ein wunderschön gestaltetes, unterhaltsam und spannend geschriebenes und lesenswertes Buch.

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Veröffentlicht am 14.03.2025

Sensibel erzählte Geschichte von sozialem Abstieg

Bis die Sonne scheint
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Christian Schünemann, bisher eher für Krimis bekannt, hat sich mit diesem Roman in den Bereich der autofiktionalen Literatur begeben, und das gleich in hoher Qualität. In "Bis die Sonne scheint" erzählt ...

Christian Schünemann, bisher eher für Krimis bekannt, hat sich mit diesem Roman in den Bereich der autofiktionalen Literatur begeben, und das gleich in hoher Qualität. In "Bis die Sonne scheint" erzählt er einen Ausschnitt aus seiner eigenen Familiengeschichte, basierend auf seinen Jugenderinnerungen sowie auf vielen Briefen, die die mittlerweile verstorbene Mutter mit ihrer in Amerika lebenden Schwester ausgetauscht hat.

Überwiegend spielt die Handlung in den 1980er Jahren, doch es gibt auch immer wieder Rückblenden in frühere Zeiten, sodass wir erfahren, woher die väterliche und die mütterliche Seite der Familie kommen, wie die Eltern aufgewachsen sind und was sie geprägt hat. Das schafft nochmal mehr Verständnis und Mitgefühl.

Durch die Augen des jugendlichen Daniels, der jüngste von vier Geschwistern und kurz vor der Konfirmation stehend, erleben wir, wie eine ehemals erfolgreiche und sehr fleißige Familie in immer größere finanzielle Schwierigkeiten gerät, vor denen die Eltern jedoch die Augen verschließen. Die unternehmerische Tätigkeit des Vaters läuft aufgrund veränderter wirtschaftlicher Bedingungen und eigener kurzfristiger Planung nicht mehr so wie früher, und auch die Versuche der Mutter, Geld zu verdienen, sind nicht dauerhaft erfolgreich, sodass bald der Exekutor vor der Tür steht und "Kuckuck-Pfändungsmarken" auf Klavier und Fernseher klebt.

Daniel muss sich für seine Konfirmation mit einer viel kleineren Feier und bescheidenerer Kleidung zufrieden geben, auch der ersehnte Frankreich-Trip mit der Schule ist nicht mehr möglich... und doch schmeißen die Eltern auch immer wieder impulsiv für scheinbar sinnlosen Konsum das Geld zum Fenster heraus, während die finanzielle Misere immer größer wird. Man will sich schließlich belohnen. Und man lebt in einer Zeit und einem sozialen Umfeld, in dem es extrem wichtig ist, zu zeigen, wer man ist und was man hat.

Aus der Nachkriegsarmut kommend haben die Eltern sich mit harter Arbeit und Fleiß ihren Wohlstand und Status bitter erarbeitet... umso schwieriger ist es, den Tatsachen des immer größer werdenden finanziellen Ruins ins Auge zu sehen... da fährt man lieber noch schnell ein letztes Mal auf Urlaub, dorthin, wo die Sonne scheint - während daheim das Haus demnächst zwangsversteigert wird und die Kaufinteressenten schon im Garten stehen.

Es ist eine Familiengeschichte von sozialem Aufstieg, Abstieg und Verleugnung. Ein Zeitporträt der 1980er Jahre in der BRD und der damals weit verbreiteten Werte. Dabei gelingt es dem Autor, seine Familie keineswegs vorzuführen oder zu verurteilen, sondern durch die vielschichtige und mehrere Jahrzehnte umfassende Betrachtungsweise und die sensible Charakterisierung der einzelnen Figuren auch Mitgefühl und Verständnis für sie zu schaffen.

Sprachlich liest sich das Buch angenehm, locker und unterhaltsam, ist vom Stil her zugänglich und interessant, und regt bei aller Leichtigkeit doch zum Nachdenken über sozialen Aufstieg und Abstieg, Ehrlichkeit vs. Verschweigen in der Familie und in der Gesellschaft und generell die gesellschaftlichen Werte in der BRD im 20. Jahrhundert an. Wer zu dieser Zeit gelebt hat, wird einiges wieder erkennen. Wer jünger ist, kann einiges lernen, was zum besseren Verständnis älterer Generationen beitragen kann. Damit ist es ein empfehlenswertes Buch für eine breite Leserschaft.

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Veröffentlicht am 11.03.2025

Die letztlich unerfüllte Kinderwunschreise einer eher unreflektierten Frau

Lebensschlenker
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Mir fällt es schwer, eine Rezension über "Lebensschlenker" von Nova Meierhenrich zu schreiben. Das liegt darin, dass ich in meiner Beurteilung zwiegespalten bin. Einerseits habe ich großen Respekt vor ...

Mir fällt es schwer, eine Rezension über "Lebensschlenker" von Nova Meierhenrich zu schreiben. Das liegt darin, dass ich in meiner Beurteilung zwiegespalten bin. Einerseits habe ich großen Respekt vor allen, die so wie die Autorin mutig ihre eigene Geschichte teilen. Ihr Leben war in vielem nicht leicht, nicht nur hat sich ihr Kinderwunsch am Ende nicht erfüllt, sie hatte auch einen depressiven Vater, der sich am Ende das Leben genommen hat. Dafür hat sie mein Mitgefühl. Andererseits kann ich das Buch selbst nur teilweise empfehlen und insbesondere Menschen mit unerfülltem Kinderwunsch würde ich eher zu anderen Büchern raten.

Die bekannte Schauspielerin und Moderatorin Nova Meierhenrich teilt in diesem Buch ihren sehr persönlichen Kinderwunschweg. Ein Wunsch, der sich nicht erfüllt hat... auch mit allen Mitteln der modernen Kinderwunschmedizin konnte sie am Ende nicht Mutter werden und musste mit dem Thema abschließen.

Wir lernen schon ganz am Anfang des Buches eine sehr disziplinierte, planungs- und zielorientierte Frau kennen, die meint, im Leben alles kontrollieren und steuern zu können. Nova weiß, sie will Mutter werden, und zwar am besten von einer Tochter, die sie "Luka" nennen will, nach dem Lied von Suzanne Vega. Diese Vision von ihrem Leben trägt sie seit ihrer Jugend jahrzehntelang in sich: "Und wie an allen anderen Plänen meines persönlichen Lebens-Moodboards hatte ich auch keinerlei Zweifel daran, dass irgendwann Luka zu meinem Leben gehören würde." (S. 13) Was wäre eigentlich, wenn sie mit einem Sohn schwanger geworden wäre? Wäre sie dann eine der Frauen gewesen, die beklagen, wie sehr sie unter "Gender Disappointment" leiden?

Auch ist sie bereit, diesen Weg, wenn nötig, ohne einen Partner an ihrer Seite zu gehen. "Es mag befremdlich klingen, aber ich habe schon in meinen Zwanzigern gewusst: Im Zweifel mache ich es allein. Mein Kind und ich." (S. 20). Doch noch nicht "jetzt", jetzt ist erst einmal die berufliche Karriere dran, reisen, feiern, Selbstverwirklichung. In dem Weltbild der Autorin sollte Kinder-Kriegen kein Problem sein, solange alle biologischen Parameter stimmen.

Um das sicherzustellen, lässt sie schon ab ihren frühen 30ern regelmäßig gynäkologisch ihren Anti-Müller-Hormon-Wert bestimmen. Dieser ist bei ihr ausgezeichnet, sie habe die Werte einer 10 Jahre jüngeren Frau, meinen die Ärzte, deshalb wiegt sie sich in Sicherheit, noch sehr lange problemlos Kinder bekommen zu können. Sie wartet bis zum reifen Alter von 42 Jahren, bis sie überhaupt ihre Kinderwunschreise startet, mangels passenden Partners an ihrer Seite als Solo-Mutter und mit Samenspende in Dänemark, da dieser Weg zu dieser Zeit in Deutschland rechtlich noch nicht erlaubt ist.

Sie wählt aus der riesigen Samenspenderbank den ihr am idealsten erscheinenden Spender aus, "Gordon", und unternimmt mit dessen Samen mehrere Versuche, erst einmal einer Insemination, in der Kinderwunschklinik. Schwanger wird sie nicht. Zwischenzeitlich muss sie weitere Samenhalme besorgen, doch jener von "Gordon" ist ausverkauft, was sie erst einmal in eine Krise stürzt, da sie sich innerlich schon so auf "Gordon" eingestellt hat. Doch schließlich entscheidet sie sich für einen weiteren Spender, und später noch einen weiteren, da auch dieser ausverkauft ist, und weitere Versuche. Irgendwann probiert sie dann IVF und ICSI aus, das klappt aber auch alles nicht, bis sie dann schließlich mit Mitte 40 bei einer Reise zum Nordkap mit ihrem unerfüllten Kinderwunsch abschließt.

Das macht drei Viertel des Buches aus. Danach folgen noch ein paar kurze Beiträge anderer Frauen - meist aus dem beruflichen und privaten Umfeld der Autorin - und Statements zu deren Leben als freiwillig Kinderfreie, nach einer Fehlgeburt oder als lesbische Frau im Co-Parenting mit einem schwulen Mann. Das soll die Vielfalt der möglichen Wege in Bezug auf das Kinder-Thema aufzeigen. Insgesamt plädiert die Autorin für einen toleranteren, freieren Umgang mit dem Thema und für mehr Sensibilität in Bezug auf ungefragte Kommentare und Nachfragen dazu.

Ich muss ehrlich sagen, sonderlich sympathisch war mir die Autorin in diesem Buch nicht. Sie hat einen gewissen Humor und einen lockeren, frischen Schreibstil, wirkt aber wenig reflektiert und nicht sehr zugänglich. Sie ist sehr überzeugt davon, dass die Selbstbestimmung der Frau über ihr Leben über allem steht - zweifellos ein wichtiger Wert, aber sie wirkt auf mich wie eine recht einsame Frau, die insbesondere die Perspektive des Kindes zu wenig in Betracht zieht (aber zumindest will sie sich für eine offene Spende entscheiden, damit das Kind mit 18 die Möglichkeit hat, seine Abstammung zu erfahren).

Von ihrem Kinderwunschweg erzählt sie außer ihrer Mutter und einer einzigen Freundin jahrelang niemanden. Stürzt sich währenddessen in Partyleben und unverbindliche Dates und sucht dabei bewusst nur nach Männern ohne Kinderwunsch, diesen will sie ja alleine verwirklichen: Mit einem Partner gemeinsam hätte sie nur ein Kind bekommen, wenn sie den absolut perfekten Partner dafür gefunden hätte, was ihr - wie so gut wie allen Menschen mit diesen Vorstellungen - natürlich nicht gelungen ist.

Was mich aber am meisten geärgert hat an dem Buch, weil es Lesende, die sich noch nicht viel mit dem Thema auseinandergesetzt haben, in die Irre führen könnte, ist der geringe Wissensstand der Autorin über den Faktor Alter beim Kinderwunsch. Nicht nur am Anfang ihrer Kinderwunschreise, sondern auch noch beim Verfassen des Buches. So ist es ihr bis heute unerklärlich, warum sie letztlich kinderlos geblieben ist, obwohl sie erst mit 42 gestartet ist (in einem Alter, in dem statistisch auch mit Unterstützung von Kinderwunschkliniken die Erfolgschancen schon sehr gering sind).

Der gute AMH-Wert lässt sie daran glauben, viel länger als andere Zeit zu haben mit dem Kinder-Kriegen. Dabei lässt sie außer acht, dass dieser nur wenig über die (mit dem Alter meist stark abnehmende) Qualität der Eizellen aussagt, sondern nur über die Quantität, und auch stark schwanken kann. Dieses Thema wird im Buch überhaupt nicht behandelt oder kritisch reflektiert, stattdessen meint sie, an "idiopathischer", unerklärter Sterilität zu leiden (daran würden sehr viele leiden, wenn diese dadurch definiert wäre, dass man erst mit 42 zum ersten Mal versucht, schwanger zu werden, und es dann nicht mehr klappt).

Hoffnungslos naiv war schon der Beginn der Kinderwunschreise: selbst, als sie schon den Entschluss dazu gefasst hatte, hat sie noch weitere zwei Jahre gewartet (gerade zwischen 40 und 42 gibt es statistisch einen enormen Fruchtbarkeitsabfall), um alles medizinisch und finanziell genau zu planen, bevor sie dann mit 42 überhaupt den ersten Versuch unternimmt, schwanger zu werden. Traurig genug, dass niemand die Autorin genauer über diesen Faktor Alter aufgeklärt hat, als sie mit ihrem Weg begonnen hat (oder sie es nicht hören wollte? Das klingt auch immer wieder im Buch durch). Mich als Leserin macht es ärgerlich, dass sie es auch in der Reflexion in diesem Buch nicht mehr betont und sich nicht erklären kann, warum es nicht mehr geklappt hat.

Sprachlich ist das Buch sehr umgangssprachlich geschrieben, so schreibt die Autorin beispielsweise immer wieder vom "Loslaufen", wenn es um den Start ihrer Kinderwunschreise geht: "Und so stießen wir an Weihnachten 2015 gemeinsam an, als ich ihr erzählte, dass ich losgelaufen bin. 2016 sollte DAS Jahr werden. Ich war bereit." (die Autorin ist Jahrgang 1973).

Auch inhaltlich ist es keine Offenbarung... wir lesen über den Weg der Autorin und eingestreut, sowie in den Geschichten am Ende, leidenschaftliche Plädoyers dafür, dass jede Frau ihren eigenen Weg auf der Kinderwunschreise gehen und dabei gesellschaftlich unterstützt werden sollte. Kritisch betrachtet wird kaum etwas, auch nicht das Thema der Solo-Mutterschaft, zu dem nur angemerkt wird, es gäbe erste Studien, dass das Kindern nicht schaden würde (dem eine Vielzahl an Studien zu den gesundheitlichen und sonstigen Risiken, denen Kinder, die vaterlos aufwachsen, ausgesetzt sind, gegenüberstehen - das erwähnt sie aber nicht). Fundierte medizinische Informationen über die Kinderwunschreise oder auch nur wissenschaftliche Quellenangaben sucht man vergebens.

In meinem Umfeld habe ich viele Menschen mit unerfülltem Kinderwunsch. Diesen empfehle ich dieses Buch ausdrücklich nicht, denn sie könnten sich über einige der erwähnten Themen und die mangelnde Selbstreflexion der Autorin sehr ärgern, vor allem aber auf nicht hinterfragte Fehlinformationen stoßen, so wie die Autorin selbst. Ich wüsste auch nicht wirklich, wie dieses Buch jemanden mit unerfülltem Kinderwunsch abgesehen von Binsenweisheiten unterstützen könnte. Somit empfehle ich das Buch nur jenen, die sich insbesondere für Nova Meierhenrich und ihr Leben interessieren, aber von dem Thema persönlich nicht sonderlich betroffen sind.

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