Viele interessante Praxisbeispiele & wertvolle Tipps für mehr Freude im Berufsleben
Wie Arbeit glücklich machtProf. Dr. Claas Lahmann ist Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Freiburger Universitätsklinik. Als solcher beschäftigt er sich forschend und beratend mit ...
Prof. Dr. Claas Lahmann ist Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Freiburger Universitätsklinik. Als solcher beschäftigt er sich forschend und beratend mit dem Thema, wann Arbeit krank macht und was wir ändern können, damit Arbeit glücklich, oder zumindest nicht unglücklich, macht.
Es ist ein sehr praxisnahes, zugängliches und zugleich pragmatisches und realistisches Buch, dem man die viele Erfahrung, die der Autor in diesem Bereich mitbringt, anmerkt. Besonders wohltuend habe ich den bedachten Ansatz des Autors gefunden, genau zu analysieren, woran es liegen könnte, wenn man beruflich unglücklich ist, und nicht aus einer Impulsreaktion heraus spontan alles hinzuschmeißen, ohne sich mit dem Thema tiefgründiger auseinandergesetzt zu haben. Damit hebt sich das Buch von der Vielzahl an unseriösen Ratgebern in dem Bereich, die blind jedem raten, "die eigenen Träume zu verwirklichen", ohne Rücksicht auf Nachteile, Verluste und Lebbarkeit dieser Träume, angenehm ab. Hier spricht ein Experte, der weiß, wovon er spricht, und der gleichzeitig auf ein großes Inventar praktischer Tipps und Tools verweisen kann, um die eigene berufliche Situation zu analysieren und gegebenenfalls zu verändern.
Auch optisch ist das Buch sehr ansprechend gestaltet, in einem fröhlichen Gelb und mit beiliegenden Karten mit dem Slogan "Love it, change it, or leave it". Die verschiedenen Kapitel beginnen mit Praxisbeispielen aus dem Beratungsalltag des Autors. Gleich im ersten Kapitel geht es um das Thema, ob der von vielen im Berufsleben unglücklichen Menschen erträumte komplette Ausstieg aus dem Berufsleben die Lösung ist und wirklich glücklicher macht. Bezug nehmend auf viele Studien zu dem Thema legt der Autor überzeugend da, dass das für die meisten Menschen nicht die Lösung ist, weil berufliche Arbeit im Idealfall neben dem Lohn oder Gehalt noch so viel mehr bietet, beispielsweise eine sinnvolle Aufgabe, soziale Anbindung und Tagesstruktur.
Dann geht es um die vier Prinzipien für eine Arbeit, die gut tut: Autonomie, die feine Balance des Gebens und Bekommens, Gerechtigkeit und psychologische Sicherheit (das Gefühl, gut aufgehoben zu sein). Auch diese werden praxisnah, spannend und gut verständlich vermittelt. Ich habe diese Prinzipien danach gleich auf verschiedene Stationen meines beruflichen Weges angewandt und sie haben mir geholfen, rückblickend so einiges besser zu verstehen.
Auch in den weiteren Kapiteln stellt der Autor viele praxisnahe Modelle vor, die man gut auf den eigenen Berufsalltag anwenden kann, zum Beispiel zu den verschiedenen Arten von Konflikten (Sach-, Macht-, Rollen-, Beziehungs-, Verteilungs- oder Ziel- und Wertkonflikte) und ein Modell, mit diesen umzugehen (Analyse von Grenzen, Autorität, Rollen und Aufgaben), zum Entschärfen von Konflikten, zum Umgang mit schwierigen Vorgesetzten oder zu Gehaltsverhandlungen, Urlaubs- und Pausenplanung und zum Umgang mit Über- oder Unterforderung.
Damit zeigt der Autor gut auf, an wie vielen kleineren Schräubchen gedreht werden kann, um aus einem herausfordernden Arbeitsplatz einen zufriedenstellenden zu machen, wenn möglich. Er geht aber auch darauf ein, woran man erkennen kann, wenn es gefährlich wird und Richtung Burnout oder anderer ernst zu nehmender körperlicher und psychischer Belastungen geht. Aufgelockert wird das Buch auch weiterhin durch Praxisbeispiele und Selbsteinschätzungsfragebögen, zum Beispiel zum Thema Resilienz.
Diese Themen machen etwa gut zwei Drittel des Buches aus. Im verbleibenden Drittel geht es darum, was man machen kann, wenn der Beruf grundsätzlich nicht mehr passt und wie man eine gute Entscheidung für einen beruflichen Wechsel planen und aktiv angehen kann. Schließlich finden sich am Ende des Buches noch weitere hilfreiche Tools wie z.B. ein Fragebogen zum Thema Zufriedenheit mit der eigenen Arbeit sowie Tipps zur Suche eines guten Coaches oder Therapeuten.
Insgesamt handelt es sich um ein sehr interessantes, praxisnahes Buch, das man gut für die Analyse der eigenen beruflichen Situation einsetzen kann, auch ohne Coach oder Therapeuten, und das viele wertvolle Anregungen gibt, das eigene Berufsleben mit all seinen Vor- und Nachteilen zu analysieren und gegebenenfalls zu verbessern oder einen Wechsel zu planen. Leseempfehlung für alle, die aktiv ihre berufliche Situation reflektieren wollen - nicht nur für die, die schon sehr unzufrieden sind, sondern auch für alle anderen.