Cover-Bild Der Junge
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25,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Rowohlt
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: Klassisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 256
  • Ersterscheinung: 18.02.2025
  • ISBN: 9783498007386
Fernando Aramburu

Der Junge

Das literarische Phänomen aus Spanien. Über 100.000 begeisterte Leserinnen und Leser, große Netflix-Verfilmung.
Willi Zurbrüggen (Übersetzer)

«Leuchtende Momente der Nähe und der Zärtlichkeit, skurril-witzige Passagen, verborgene Geschichten, die spannungsvoll ans Licht kommen und zum Schluss auch ein Moment der Hoffnung.» RBB Radioeins. Ein mitreißender Familienroman voller Schmerz und Trost, der im Werk des Autors an seinen großen internationalen Erfolg  Patria  anknüpft.

Jeden Donnerstag geht der alte Nicasio zum Friedhof und besucht das Grab seines Enkels Nuco. Er spricht mit ihm, erzählt dem Jungen, was vor sich geht in der Welt.  Am 23. Oktober 1980 gab es im Keller der Schule, die der sechsjährige Junge besuchte, eine gewaltige Propangasexplosion, die das gesamte Erdgeschoss zerstörte. Fünfzig Kinder und drei Lehrer kamen bei dem Unglück ums Leben; darunter auch Nuco. Der ganze Ort Ortuella steht unter Schock. Die Eltern des Jungen verarbeiten das Ereignis auf unterschiedliche Weise. Während José Miguel alle Erinnerung kappen und nach vorne schauen will, um nicht an Trauer zu zerbrechen, lässt Mariaje das Geschehene nicht los.  Irgendwann versuchen die beiden wieder ins Leben zu kommen. Doch eines Tages verschwindet José Miguel. 

Eine bewegende Geschichte voller Menschlichkeit, die erzählt, was wir voreinander verbergen, worauf wir hoffen, wie wir noch einmal von vorne anfangen.

«Aramburu erweist sich als großartiger Geschichtenschreiber in der Tradition eines Gabriel García Márquez.»  Tages-Anzeiger

«Aramburu gelingt es meisterhaft, Großes im Kleinen zu erzählen.» Stern


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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.03.2025

Trauerarbeit

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Der Junge – Fernando Aramburu
Ein neues Werk des spanischen Autors des Bestsellers „Patria“. Anders als jenes, ist dieses jedoch mit 256 Seiten ein eher schmales Bändchen.
Es ist ein schreckliches Unglück, ...

Der Junge – Fernando Aramburu
Ein neues Werk des spanischen Autors des Bestsellers „Patria“. Anders als jenes, ist dieses jedoch mit 256 Seiten ein eher schmales Bändchen.
Es ist ein schreckliches Unglück, bei dem der sechsjährige Nuco, sowie 49 weitere Kinder und drei Lehrer, 1980 bei der Explosion im Keller seiner Schule ums Leben kam. Dieser Roman beschäftigt sich mit dem riesigen Verlust und den extrem unterschiedlichen Möglichkeiten für die Angehörigen damit umzugehen.
Während Nucos Vater, Jose Miguel, die Ereignisse schnell hinter sich lassen will und Erinnerungen vermeidet, lässt die Mutter Mariaje der Verlust nicht los. Sehr verständlich, obwohl auch sie zur eher pragmatischen Sorte gehört.
Besonders spannend fand ich die Figur des Großvaters Nicasio. Um nicht daran zu zerbrechen, weigert er sich einfach, den Tod des Enkels anzuerkennen. Weiterhin geht er mit ihm an der Hand spazieren und führt Gespräche mit ihm. Schwierig wird da vor allem der Kontakt mit seiner Tochter Mariaje, die davon nichts hören will. Und dann verschwindet Jose Miguel.
Es ist eine verwobene Familiengeschichte, die immer wieder für eine Überraschung gut ist. Wie inhaltlich, ist dieser Roman auch erzähltechnisch extravagant. Nicht nur, dass die Geschichte immer wieder von unterschiedlichen Figuren aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden, nein, auch der Text selbst kommt zu Wort.
Ein Roman, der zeigt, wie unterschiedlich Trauerarbeit aussehen kann. Sehr berührend und ruhig – extrem menschlich. Wunderbar erzählt.
5 Sterne

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Veröffentlicht am 19.02.2025

Ein baskischer Ort muß eine Tragödie verarbeiten

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Am 23.10.1980 gibt es in der Marcelino Ugalde Schule von Ortuella/Spanien eine Gasexplosion und 50 Kinder und 3 Lehrer verlieren dabei ihr Leben. Von einem Tag auf den anderen ist nichts mehr wie zuvor, ...

Am 23.10.1980 gibt es in der Marcelino Ugalde Schule von Ortuella/Spanien eine Gasexplosion und 50 Kinder und 3 Lehrer verlieren dabei ihr Leben. Von einem Tag auf den anderen ist nichts mehr wie zuvor, das Leben stockt, der Ort und die Menschen sind paralysiert. Auch der 6jährige Nuco war unter den Opfern. Um ihn trauern seine Eltern Mariaje und José Miguel sowie sein Großvater Nicasio.

Wie sie mit ihrem unendlichen Schmerz und der Trauer umgehen, das wird im Buch thematisiert. Es geschieht sehr unterschiedlich – Nicasio, der Großvater, und Nuco waren ein Herz und eine Seele. Er geht regelmäßig zum Grab, führt Gespräche mit dem Jungen, will ihn nicht aufgeben und verliert dabei den Verstand. Mutter Mariaje will nur einige Fotos aufbewahren, aber sie möchte keine Gespräche mit anderen Leuten und deshalb, will sie raus aus dem Ort und unerkannt unter die Leute. Aus diesem Grund fährt sie nach Bilbao. Vater José Miguel blickt in die Zukunft, will mit Nicos Sachen abschließen und denkt an ein weiteres Kind mit Mariaje. Dieser Wunsch erfüllt sich nicht schnell genug und eines Tages kommt José Miguel von einem Angelausflug mit seinen Freunden nicht mehr heim.


Es war für mich das erste Buch des Autors und er konnte mich damit voll und ganz überzeugen. Seine Leser hat er mit einer Einleitung auf ein Experiment vorbereitet. Er hat zehn Passagen dazwischengeschaltet und läßt es jedem freigestellt, ob er diese lesen möchte oder nicht. Sie nicht zu lesen, wäre nach meiner Meinung ein echter Verlust. Das angekündigte andere Schriftlayout konnte ich beim eBook leider nicht feststellen.

Es ist eine Geschichte voller Tragik, Emotionen, es beschreibt diesen unendlichen Schmerz und das Trauma, das sich Außenstehende nicht annähernd vorstellen können. Die Eltern mußten ihre Kinder identifizieren und dann diese brutale Dramatik bei der Beerdigung mit farbenfrohen Kränzen – einfach grausam!

Dem Autor ist damit ein großartiges, berührendes Buch gelungen, das trotz des Themas nicht nur deprimierend ist, sondern am Ende hoffnungsvoll in die Zukunft blickt. Ich werde es auf jeden Fall weiter empfehlen!

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Veröffentlicht am 18.02.2025

Der 23.Oktober 1980

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Fernando Aramburu ist in San Sebastian geboren, lebt aber schon lange in Deutschland. Doch seine Romane sind ganz und gar Spanien.
Ein schreckliches Ereignis 1980 in Spanien und wie die betroffenen Menschen ...

Fernando Aramburu ist in San Sebastian geboren, lebt aber schon lange in Deutschland. Doch seine Romane sind ganz und gar Spanien.
Ein schreckliches Ereignis 1980 in Spanien und wie die betroffenen Menschen damit umgingen, ist das Thema dieses großartig gemachten Buches. Durch eine Explosion gab es 50 Tote in einer Schule, überwiegend Kinder.
Stellvertretend wird die Familie des sechsjährigen Nuco, der unter den Todesopfern war, gezeigt. Für die Eltern Mariaje und Jose Miguel ein Schock. Sie versuchen auf verschiedene Art, mit dem Verlust umzugehen. Nicos Großvater schließt nicht mit dem Tod ab. Regelmäßig besucht er den Enkel auf dem Friedhof und scheint eine Verbindung aufrecht zu erhalten. Auf andere wirkt er deswegen wunderlich.

Fernando Aramburu ist ein Autor, der es versteht, die Psyche seiner Figuren auf realistische Weise zu untersuchen und er verdeutlicht die Probleme, die entstehen, wenn man die Gefühle aufgrund von Verlusten nicht auf- und verarbeitet.

Es gibt eine ungewöhnliche zusätzliche Ebene, in dem sich das Buchmanuskript selbst zwischenschaltet und Absichten des Autors kommentiert. Solche Schreibmethoden mit Ironie kennt man von Fernando Aramburu. Manche Leser kann das irritieren, ich finde es originell.

Der Junge ist verglichen mit anderen Romanen dieses Autors relativ kurz, ist aber dem Stoff angemessen und absolut passend.

Veröffentlicht am 28.03.2025

Jeder trauert auf seine Weise

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Der sechsjährige Nuco hat keine Lust zur Schule zu gehen. Doch seine Mutter Mariaje besteht darauf und sein Großvater Nicasio begleitet ihn. Dann passiert etwas Schreckliches. In der Schule gibt es eine ...

Der sechsjährige Nuco hat keine Lust zur Schule zu gehen. Doch seine Mutter Mariaje besteht darauf und sein Großvater Nicasio begleitet ihn. Dann passiert etwas Schreckliches. In der Schule gibt es eine enorme Gasexplosion, die fünfzig Kindern und drei Lehrern das Leben nimmt. Darunter ist auch der kleine Nuco. Die Eltern und der Großvater versuchen auf unterschiedliche Weise mit dem Verlust fertig zu werden.
Dieser Roman des baskischen Autors Fernando Aramburu beruht auf einer wahren Tragödie, die am 23 Oktober 1980 in Ortuella geschah. Obwohl bei diesem Unglück viele Menschen betroffen waren und mit dem Verlust fertig werden mussten, beschränkt sich der Autor im Wesentlich darauf, zu zeigen wie es die Familie des kleinen Nuco verarbeitet.
Der Roman besteht aus sehr kurzen Kapiteln, in denen ein allwissender Erzähler von der Katastrophe berichtet. Zwischendurch kommt auch Mariaje zu Wort und es gibt Einschübe, in denen der Text selbst berichtet.
Die Eltern Mariaje und José Miguel Versuchen ihr Leben weiterzuleben und sich auf die Zukunft zu konzentrieren. Sie wollen aus ihrer Wohnung alles was an Nuco erinnert weghaben. Am liebsten würden sie gleich wieder ein Kind zeugen. Doch dann entfremden sie sich immer mehr.
Der Großvater Nicasio hatte ein sehr inniges Verhältnis zu seinem Enkelsohn und will das Geschehene nicht wahrhaben. Einerseits lässt er seinen Enkel in seiner Welt weiterleben, andererseits besucht er jeden Donnerstag das Grab von Nuco und redet mit ihm. Er lässt sogar die Einrichtung des Kinderzimmers zu sich kommen.
Ich konnte mit der Familie fühlen, aber am meistens hat mich Nicasios Trauer berührt, dem es den Boden unter den Füßen weggezogen hat. Auch Mariaje trauert sicherlich, aber sie legt sich eine Härte zu, die ambivalente Gefühle in mir auslösen.
Vielleicht möchte man den Verlust eines geliebten Menschen gerne bald hinter sich lassen, um unbelastet in die Zukunft blicken zu können, so wird die Trauer doch nicht so schnell vergehen, auch wenn sie sich im Laufe der Zeit verändert. Mit dieser Trauer geht jeder auf seine eigene Weise um. In dieser Geschichte bringt die Trauer um Nuco, die bei allen vorhanden ist, die Familie nicht zusammen, sondern lässt sie auseinanderdriften.
Ein Roman um Verlust und Trauer, der einen nicht unberührt lässt.

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Veröffentlicht am 16.03.2025

So muss Literatur.

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Was für ein Glück, dass ich bei diesem Roman auf die Blurbs vertraut hatte.
Denn das Cover finde ich persönlich nicht besonders ansprechend und der Autor fällt jetzt auch nicht unbedingt in mein Leseschema.
Aber ...

Was für ein Glück, dass ich bei diesem Roman auf die Blurbs vertraut hatte.
Denn das Cover finde ich persönlich nicht besonders ansprechend und der Autor fällt jetzt auch nicht unbedingt in mein Leseschema.
Aber «Dieses Buch spricht zu einem. Man liest es mit einem Gefühl von anhaltendem Staunen.» sagt der Corriere della Sera.

Dann nach 50 Seiten überlege ich schon fast, ob ich den Roman nicht lieber weglegen sollte. Wie ich bereits vom Klappentext weiß, wird es in dem Roman um ein totes Kind gehen. Aber die Beschreibung der Explosion, in der kleine Nuco umkommt und die der vielen anderen toten Kinder sind plastisch und drastisch. Und genauso ist es die Trauer der Eltern und Großeltern. Eine kurze Recherche ergab, dass es die von Aramburu beschriebene Gasexplosion in einer baskischen Schule 1980 wirklich gab und sogar bei Wikipedia auf der Liste der größten künstlichen, nichtnuklearen Explosionen geführt wird. Dabei kamen wahrscheinlich 50 Kinder ums Leben.

Das geht mir sehr nahe, vor allem weil ich selbst gerade einen Sohn im Alter des kleinen Jungen habe.

Nicht nur der Tod steht im Mittelpunkt von Aramburus Roman, sondern auch die Trauer der Hinterbliebenen, allen voran Nucos Mutter, Vater und Großvater. Alle drei haben unterschiedliche Arten mit ihrem Schmerz umzugehen.

Während der Großvater den Tod seines einzigen und sehr geliebten Enkels nicht wahrhaben will und einfach nicht zur Kenntnis nimmt, drängt Nucos Vater auf eine erneute Schwangerschaft.
Nucos Mutter Marieje ist eine der Hauptzerzählenden und steht der Idee einer erneuten Schwangerschaft skeptisch gegenüber.
Dafür hat sie neben der Trauer ihre ganz eigenen Gründe.

Aramburu, ein mehrfach preisgekrönter spanischer Schriftsteller, der in in Deutschland lebt, arbeitet in seinem neuen und kurzen Roman sehr geschickt mit den verschiedenen Perspektiven. Hauptsächlich lässt er den Großvater und Marieje erzählen und arbeitet ihre Gefühls- und Gedankenwelt plastisch und nachvollziehbar aus.
Er fügt sogar noch eine weitere Erzähldimension hinzu, indem er den Text selbst sprechen lässt. Das gefällt mir sehr gut und ergänzt und erweitert die Geschichte perfekt.
Unter der Trauer um den toten Sohn leidet letztendlich auch die Ehe von Nucos Eltern. Und der große Verlust zieht noch weiteres Unglück nach sich…


Ganz zum Schluss meldet sich der Text selber noch mal zu Wort:
“Mehr verlange ich gar nicht: sinnvoll sein, in dem einen oder anderen Bewusstsein eine Spur hinterlassen.”

Bei mir ist das gelungen. Nach der letzten Seite bin ich ergriffen, bewegt, traurig und gleichzeitig befreit.

So muss Literatur.

Eine klare Leseempfehlung für diesen kurzen und besonderen Roman!

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