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Veröffentlicht am 02.03.2021

Der Lebensweg eines Idealisten und Machtmensch

25 Knoten
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"Der moralische Zeigefinger gehört in der Regel immer zu einer Hand, die es sich auf Kosten anderer gut gehen lässt." (Peter Rudl)
Der Reeder Magnus Johansson verunglückt schwer bei einem Autounfall, bei ...

"Der moralische Zeigefinger gehört in der Regel immer zu einer Hand, die es sich auf Kosten anderer gut gehen lässt." (Peter Rudl)
Der Reeder Magnus Johansson verunglückt schwer bei einem Autounfall, bei dem sein Anwalt Henning van Kampen stirbt und er ins Koma versetzt werden muss. Kurz danach findet seine Frau Pauline, von allen nur Püppi genannt bei seinen Sachen einen Liebesbrief aus Frankreich. Deshalb bittet sie ihre Enkelin Maja darum auf Spurensuche nach Marseille zu reisen, um die Verfasserin dieses Briefs zu finden. Wo aber soll Maja anfangen und wie soll sie diese Frau finden? Mit der Zeit findet sie heraus, das Magnus Spuren nicht nur nach Marseille, sondern ebenso nach New York und Singapur führen. Immer mehr stellt Maja fest, dass ihr Großvater der Moralapostel schlechthin nicht der war, für den sie ihn immer gehalten hat. Zudem bekommt Maja Zweifel, ob der Autounfall wirklich ein Unfall war oder ob jemand nach Magnus Leben trachtet. Hat er sich mit seinen dubiosen Geschäften etwa Feinde gemacht? Die weitere Suche nach der Wahrheit bringt Maja in Gefahr, den um Magnus Erbe wird mit harten Bandagen gekämpft. Wie gut, wenn man dann jemanden an seiner Seite hat.

Meine Meinung:
Ein grandioses Cover mit der Elbphilharmonie und der Freiheitsstatue, soll ein wenig die Reichweite von Magnus Imperium darstellen. Ich war schon sehr neugierig auf das neue Buch der Autorin, den bisher kenne ich sie nur von ihrer Elysium-Krimi-Reihe. Doch hier geht es um einen Krimi aus Wirtschaft, Macht, Geld, Moral und die heutige digitale Welt, in der wir uns immer schneller bewegen. Zu Beginn wird der eine oder andere sicher ein wenig verwirrt sein, durch die Zeitungsartikel und die vielen Charaktere. Dadurch wirkt der Schreibstil ein wenig chaotisch, doch im weiteren Verlauf des Buchs lernen wir alle besser kennen. Besonders die spannende Spurensuche mit Enkelin Maja, einer einfachen Bibliothekarin gefiel mir gut. Magnus Familie in Hamburg besteht aus Ehefrau Püppi, den Söhnen Michael, Peter und Tochter Regina, der Mutter von Maja und weiteren Enkeln. Ehefrau Pauline hat er mehr oder minder nicht aus Liebe, sondern der Vernunft wegen geheiratet, damit das Familienunternehmen, die Reederei Johansson weiter expandieren konnte. Schon als Kind wurde sein älterer Bruder ihm immer vorgezogen. Erst als dieser verunglückt, kann Magnus wirklich zeigen, was in ihm steckt. Chapeau Liv Morus für dieses meisterhafte Buch, bei dem du selbst dein eigenes Imperium geschaffen hast. Den wirklich alle Handlungsstränge sind bis ins Kleinste durchdacht und ausgelebt. In den einzelnen Handlungen tauchen unter anderem Hinweise in Form von Mails, SMS, Zeitungsartikel, Interneteinträge auf, die mich immer wieder auf eine falsche Fährte locken, sodass ich nie eindeutig sicher war, ob und wer die Tat begangen hat. Ebenso wird Magnus Leben sehr einfallsreich vorgestellt, sodass mich dies öfters sprachlos macht. Ich kann nur immer wieder staunen, mit was für einer Gründlichkeit sie hier den Lebensweg eines für mich sehr eigenartigen Menschen darstellt. Unter dem im Grunde ganz viele zu leiden haben, insbesondere die Familie. Jedoch so durchgeknallt und verrückt sie teilweise sind, scheinen wenigstens die Enkelkinder von Magnus recht vernünftig geblieben zu sein. Dabei ist besonders interessant mitzuerleben wie sich die unscheinbare, schüchterne Maja zu einer selbstsicheren, ehrgeizigen und offen Frau mausert. Was sicher auch an der Liebe liegt, die Liv Morus zum Glück als Ausgleich noch ein wenig aufblitzen lässt. Zusätzlich öffnet sie dem Leser die Augen, wie durchschaubar wir in unserem digitalen Zeitalter geworden sind und immer mehr zu einer Art gläserner Mensch werden. Dieses Meisterwerk bekommt von mir 5 von 5 Sterne und ich kann es nur jedem empfehlen, den ich konnte es nach kurzer Zeit nicht mehr aus der Hand legen, so gefesselt hat es mich.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.02.2021

Auf der Suche nach Gerechtigkeit

Kein Mangel an Beweisen
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"Das Warten der Gerechten wird Freude werden; aber der Gottlosen Hoffnung wird verloren sein." (Spr. 10, 28)
Wirtschaftsanwältin Mia Shaw ist schockiert, als sie Freund und Kollegen Chase Jackson tot in ...

"Das Warten der Gerechten wird Freude werden; aber der Gottlosen Hoffnung wird verloren sein." (Spr. 10, 28)
Wirtschaftsanwältin Mia Shaw ist schockiert, als sie Freund und Kollegen Chase Jackson tot in einer Blutlache im Schlafzimmer findet. Der Einzige, der Mia einfällt und der Probleme mit Chase hatte, ist der Hausmeister David McDonald. Mia ist fest entschlossen, Beweise zu finden, um damit für Gerechtigkeit zu sorgen. Doch ausgerechnet Noah Ramirez, Inhaber einer privaten Sicherheitsfirma, den Mia von der Hochzeit von Sophie kennt, glaubt an Davids Unschuld. Schließlich hat David ihm einmal das Leben gerettet. Noah ist sich sicher, dass er niemals Chase getötet hat und versucht unter allen Umständen dies zu beweisen. Doch das ausgerechnet Mia auf der anderen Seite der Anklage sitzt, passt ihm gar nicht. Den schließlich empfindet er mehr für diese Frau, als ihm lieb ist.

Meine Meinung:
Das Cover passt mal wieder sehr gut zu den anderen Büchern dieser Reihe, bei den es bisher um ihre Freundinnen Kate und Sophie ging. Der Schreibstil ist sehr informativ, unterhaltsam und spannend. Dabei wird alles Relevante um das Thema Glaube mit kursiver Schrift dargestellt. Besonders in diesem Buch merkt man, das die Autorin jahrelang selbst Prozessanwältin gewesen ist und sie sich gut in diesem Metier auskennt. Leider empfand ich diesmal den Spannungsbogen nicht ganz so hoch wie im letzten Buch. Trotzdem macht es Spaß zu ermitteln und zu raten, wer Chase ermordet hat. Ganz besonders gut ist wieder das Thema Glaube, Gebet und Erlösung in die Geschichte mit eingeflochten. Gerade die Diskussionen um den Glauben, die Mia mit ihrer Freundin Sophie oder mit Noah führt, fand ich doch recht beeindruckend. Dadurch entwickelt sich ein immer stärkeres Band zwischen den beiden. Besonders als Mia Chase Fall übernimmt und deshalb ebenfalls in Gefahr gerät. Gefallen hat mir, dass ich bis zum Schluss nicht sicher war, wer der Täter gewesen ist. Und selbst am Ende setzt die Autorin dann mit einer neuen Wendung noch eine Überraschung obendrauf. Schon alleine, dass es bei Chase Fall um zwei große Unternehmen geht, bei denen nicht nur die Staatsanwaltschaft Mia die Pistole auf die Brust setzt, macht das Ganze interessant. Dadurch lerne ich erneut das amerikanische Rechtssystem mit all seine Tücken kennen, was diese Bücher so faszinierend macht. Mir ist jedoch nicht klar gewesen, dass unter Anwälten und Staatsanwälten oft so ein rauer Ton herrscht. Dabei gefallen mir besonders wieder einige ihrer Charaktere. Wie zum Beispiel die selbstbewusste, ehrgeizige Mia, die keine einfache Kindheit hatte mit einer Alkoholikerin als Mutter. Ich kann verstehen, dass sie deshalb ihr Leben ganz bewusst anders führt. Ebenso hat mir der zuverlässige, charmante und gut aussehend Noah gefallen, der finde ich jedoch ein wenig zu kurz kam in dieser Geschichte. Jedoch besonders durch das extreme Fachwissen der Autorin habe ständig das Gefühl, mitten im Geschehen dabei zu sein. Sie kommt dabei ohne die extrem juristische Fachsprache aus, was das Lesen sehr angenehm macht. Selbst an Überraschungen mangelt es auch in diesem Buch mal wieder nicht. Schön ist außerdem, dass immer wieder die Charaktere der Vorbände in Szenen eingefügt werden. So bin ich gespannt, ob es noch einen weiteren Band geben wird, vielleicht mit Ty und Anna? Von mir bekommt das Buch nur 4 1/2 von 5 Sterne, weil es mich nicht ganz so sehr gefesselt hat.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.02.2021

Die Glaubensentwicklung der methodistischen Kirche

Stürme der Liebe
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"Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch Christus die Gemeinde geliebt hat und hat sich selbst für sie dahingegeben, um sie zu heiligen." (Eph. 5, 25-26)
England 1731:
Gareth und Dorcas Morgan schlagen ...

"Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch Christus die Gemeinde geliebt hat und hat sich selbst für sie dahingegeben, um sie zu heiligen." (Eph. 5, 25-26)
England 1731:
Gareth und Dorcas Morgan schlagen sich in Wales mehr schlecht als recht alleine durchs Leben. Eines Tages jedoch bekommen sie Besuch von Andrew Wakefield. Dessen Tante Hope möchte ihre Verwandten zu sich holen, um ihnen ein besseres Leben zu ermöglichen. Während Dorcas sich um Hope kümmert, soll Gareth sich in Oxford nützlich machen. Die Prediger John Wesley und George Whitefield entfachen mit ihren Evangelisationen eine neue Liebe zum Glauben unter der Bevölkerung. Methodisten nennt sich die neue Glaubensgemeinschaft, die immer mehr Menschen in ihren Bann zieht. Das dies der Kirche ein Dorn im Auge ist, bekommen die Prediger immer mehr zu spüren. Selbst zwischen Andrew, Gareth und Dorcas gibt es heftige Differenzen.

Meine Meinung:
Wieder einmal gefällt mir besonders das wunderschöne Cover dieses Buches. Der Schreibstil empfinde ich zwar unterhaltsam, jedoch auch ein wenig zäh und langatmig. Besonders die Glaubensreise von John Wesley und Andrew Wakefield nach Amerika konnte mich nicht so gar nicht fesseln. Selbst wenn die kirchliche Entwicklung Englands in Zeiten von John Wesley sicherlich interessant gewesen wäre. Doch die schwierigen Zeiten in Georgia und dazu noch die Liebe zu Sophy konnte mich nicht so sehr begeistern. Selbst bei den Wakefield, die bisher immer für waghalsige Abenteuer und feurige Liebe standen, tat sich diesmal recht wenig. Andrew, der mir eigentlich zu Beginn an recht sympathisch ist, entwickelt sich für mich immer mehr zu Skeptiker und wird mir zusehends unsympathisch. Seine Ehe mit Dorcas fand ich überaus tragisch, besonders weil ich nicht verstehen kann, dass ein Geistlicher sich so negativ entwickelt. Das die reformierte Kirche ein Problem mit der neuen Glaubensform der Methodistische und wesleyanische Kirchen hat, kann ich dagegen sehr gut nachvollziehen. So ganz habe ich jedoch nicht verstanden, warum John Wesley in Amerika nicht angenommen wurden. Erfreulich dagegen ist das der junge George Whitefield mit seinen Evangelisationen die Bevölkerung erreicht. So das es die Menschen nicht in die Kirchen, sondern die Prediger zu den Menschen führt. So finden Gottesdienste im Freien statt, bei denen massenhaft Menschen herbeiströmen. Doch am traurigsten fand ich die Andrews weiterer Werdegang als Pfarrer. Durch John Wesleys Missionsreise trifft er für sich die falschen Lehren und Entscheidungen. Dass er dabei immer mehr mit seinem eigenen Glauben hadert und sogar fast seine Ehe riskiert, fand ich schon beschämend. Dorcas dagegen ist für mich eine starke Frau, die trotz der widrigen Umstände weiter an ihrem starken Glauben festhält. Genauso fasziniert hat mich der tiefe Glaube von Hope, den ich bei ihr nicht vermutet hätte. Dass sie dabei ihre Verwandten in Wales nicht vergessen hat, hat mir gut gefallen. Trotz allem fand ich es erneut interessant mitzuerleben, wie sich der Glaube weiter in England entwickelt. Deshalb gebe ich für dieses Buch 4 von 5 Sterne.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.02.2021

Der Tod kommt unerwartet in der Nacht

Der Teufel vom Brocken
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"Die Leute lieben es, unwahrscheinliche Szenarien über Todesfälle in der Wildnis zu erfinden, weil wir nie zu 100 Prozent wissen werden, was passiert ist." (Freddie Wilkinson)
Eine Gruppe von westdeutschen ...

"Die Leute lieben es, unwahrscheinliche Szenarien über Todesfälle in der Wildnis zu erfinden, weil wir nie zu 100 Prozent wissen werden, was passiert ist." (Freddie Wilkinson)
Eine Gruppe von westdeutschen Studenten bricht am ersten Advent 1989 auf, um die Befreiung des Brockens zu feiern. Außerdem wollen sie sich mit Studenten aus Halle auf dem Brocken treffen. Jedoch am nächsten Tag sind alle von ihnen tot, erste Todesursache Erfrierung. Irgendetwas muss die Studenten aus ihrem Zelt getrieben haben, das sie ohne passende Kleidung und Schuhe geflohen sind. Nachdem die Beamten im Osten die Akten geschlossen haben, werden drei BKA Beamte aus dem Westen delegiert, um im Grenzgebiet zu ermitteln. Einige Begebenheiten weisen daraufhin, dass die Studenten mutwillig getötet wurden. Unter anderem findet man einen Pullover, der radioaktiv verstrahlt ist und weitere Studenten, die nicht nur erfroren waren, sondern verletzt wurden. Doch die grausame Wahrheit ist weitaus schlimmer als befürchtet.

Meine Meinung:
Das verschneite Cover gibt einen Einblick auf die Temperaturen, die in diesem Winter auf dem Brocken geherrscht haben. Der Schreibstil ist sehr detailliert, informativ, brillant, unterhaltsam und spannend. Das Unglück dieser Studenten beruht auf einem realen Hintergrund, der sich am 23. Januar 1959 am Djatlow-Pass ereignet hat. Alles deutet auf eine ungewöhnlich kleine Lawine hin, die für die grausamen Verletzungen und den Tod von neun Studenten verantwortlich gewesen sein könnte. Die Gruppe kehrte im Winter 1959 nicht von einer geplanten 350 Kilometer langen Ski-Tour im Uralgebirge zurück. Ebenso wie hier in diesem Buch beschrieben, erlagen diese Studenten ihren Verletzungen. Bis heute ist der genaue Hergang nicht nachvollziehbar. Eva-Maria Silber hat mit diesem realen Unglück ihren ganz eigenen Werdegang in diesen Thriller gebracht. Wir schreiben das Jahr 1989, die Mauer ist gefallen, doch die beiden Länder sind noch nicht vereint. So ermitteln deshalb jetzt beide Seiten, da die Regierung aus dem Westen und die Familien der Toten die genauen Ursachen geklärt haben möchten. Zum einen sind es die BKA-Ermittler Cassandra von Lucadou, Desiderius Maus und Max Rabenfels sowie der DDR-Ermittler Tomas Düvel. Sehr schön dargestellt werden die Unterschiedlichkeit, Hindernisse und die jeweiligen Kompetenzen dieser beiden Ermittlungsgruppen. Während die Beamten aus dem Westen frei heraus sagen, was sie denken, bleibt Düvel eher der Zurückhaltende, wie er es unter dem DDR-Regime sein musste. Selbst die Wetterverhältnisse und die Unwegsamkeiten auf dem Brocken wurden hier sehr gut dargestellt, sodass man sich nicht nur in die toten Studenten hineinversetzen konnte, sondern auch in die Ermittler. Besonders gut empfand ich die Ermittlungsarbeit, bei dem selbst ich bis zum Ende gerätselt habe, was in jener Nacht passiert ist. Beeindruckt haben mich auch die beiden unterschiedlichen Ermittler, die ihre ganz eigenen Facetten mit in die Geschichte bringen. Besonders gut fand ich die eher reservierte, toughe Cassandra und den dagegen zuvorkommenden, akkuraten und fürsorglichen Düvel. Doch was nützen die erfahrensten Ermittler, wenn man auf eine Mauer des Schweigens trifft, nicht nur vonseiten der DDR Behörden, sondern ebenso von russischen Beamten. Ich habe mich wieder in eine Zeit zurückversetzt gefühlt, als die Grenze gerade offen war und man auf eine ehemalige DDR trifft, die noch sehr in ihrer Vergangenheit liegt. Alles ist einfach, langsam und sehr verschlossen bzw. verschwiegen, weil man so vom Stasi-Regime geprägt ist. Ein Thriller, der mit einer herausragend guten Ermittlungsarbeit glänzt, dem ich eine Leseempfehlung und 5 von 5 Sterne gebe.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.02.2021

Jeder muss sein Glück selbst finden

Glückskinder
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"Wir wissen, dass ein Glück, das wir der Lüge verdanken, kein wahres Glück ist." (Heinrich Heine)
München 1945: Der Krieg ist zu Ende, die alliierten Mächte haben ihre Zonen eingenommen. München wird derweil ...

"Wir wissen, dass ein Glück, das wir der Lüge verdanken, kein wahres Glück ist." (Heinrich Heine)
München 1945: Der Krieg ist zu Ende, die alliierten Mächte haben ihre Zonen eingenommen. München wird derweil von den Amerikanern besetzt und der Schwarzmarkt boomt, da man für viele Nahrungsmittel anstehen muss. Nylonstrümpfe, Zigaretten, Schokolade und Schmuck werden zu den beliebtesten Handelswaren. Auch Familie Brandl, die inzwischen bei Tante Vev wohnen, müssen sich mit ihrem Schmuck über Wasser halten. Dabei lernt Antonia (Toni) den sonderbaren Louis kennen, der immer wieder Waren beschaffen kann und Tonis Herz erobert. Als eines Tages der Holländerin Griet van Mook in der Wohnung ein Zimmer zugewiesen wird, reagiert Toni mit starker Abneigung. Sie kann ja nicht ahnen, das Griet eine schwere Zeit hinter sich hat, von der sie sich zu erholen versucht. Griet möchte diese Zeit nur noch vergessen und spricht mit niemandem darüber.

Meine Meinung:
In Teresa Simons neustem Roman geht es um zwei junge Frauen, die unterschiedlicher kaum sein können, und trotzdem verbindet sie das Schicksal des Kriegs miteinander. Der Schreibstil ist unterhaltsam, fesselnd, emotional und bewegend in kurzen Kapiteln mit verschiedenen Handlungssträngen dargestellt. München ist nach dem Krieg größtenteils zerstört, der Wohnraum und das wenige, was die Menschen haben, ist knapp. Besonders an Lebensmittel, Kohle und Holz fehlt es an allen Enden. Währenddessen quartieren die Amerikaner zwangsweise Flüchtlinge und ehemalige KZ-Häftlinge in den Häusern und Wohnungen ein, ob es den Bewohnern passt oder nicht. Nachdem die Wohnung der Brandls beim Bombenangriff zerstört wurde, sind sie in Tante Vevs kleiner Wohnung untergekommen. Trotzdem müssen sie eines Tages die Holländerin Griet bei sich aufnehmen, die 1942 im Widerstand gekämpft hat, verhaftet wurde und ins KZ kam. Doch Griets Leben umgibt ein Geheimnis, das sie niemandem anvertrauen kann, zu sehr ist ihre Angst vor den Konsequenzen. Die Ablehnung der Familie Brandl, besonders aber Tonis bekommt sie jeden Tag zu spüren, weshalb sie versucht, den Kontakt zu meiden. Jedoch die Faszination zu dem sonderbaren Louis scheint die beiden Frauen zu verbinden. Werden die beiden je den richtigen Wegen für sich finden, damit sie glücklich werden? Teresa Simon zeigt hier durch ihre gute und reichliche Recherchearbeit, wie schwer die Zeiten in der Nachkriegszeit waren. Nicht nur die ehemaligen Gefangenen und Flüchtlinge mussten leiden und hungern, sondern auch viele Deutsche, die nichts mehr hatten. Die Geschichte von Toni und Griet den beiden Hauptcharakteren, zeigt beide Seiten auf. Ich erlebe den Todesmarsch, bei dem viele Menschen ihr Leben lassen mussten. So bangt auch Griet lange um das Leben ihrer Freundin Leni, die schwer krank ist. Viele der Gefangenen möchten so schnell es geht nach Hause, doch Griet hat kein zu Hause mehr, weshalb sie nach München möchte. Die Autorin greift in dieser Geschichte alles an historischen Gegebenheiten auf, sei es die Besatzungsmächte, Entnazifizierung, die Nürnberger Prozesse, Schwarzmarkt und die Währungsreform der D-Mark. Ich erlebe das Leid, die Armut und den Hunger der Menschen die eigentlich nur eines wollen den Frieden. Ebenso zeigt es das Bangen um die Männer, die noch inhaftiert oder gar im Krieg gefallen sind. Dabei konnte mich besonders die quirlige, natürliche und unkomplizierte Toni überzeugen, ebenso wie die traumatisierte, verschlossenen und distanzierte Griet. Gut gefallen hat mir auch der sympathische, fürsorgliche Captain Walker und der selbstbewusste, motivierte Max. Jedoch der verwegene, unnahbare Louis dagegen blieb für mich weitestgehend rätselhaft. Ich kann dieses Buch nur jedem empfehlen, da es einen guten Einblick in die deutsche Nachkriegszeit vermittelt und gebe 5 von 5 Sterne.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere