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Veröffentlicht am 09.07.2020

Mit jedem Menschen stirbt ein Stück Welt

Kostbare Tage
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"Wie leicht wird der Gedanke, zu sterben, wenn alle vorangehen, die man liebt." (Arthur Stahl)
Dad Lewis Tage sind gezählt, der Krebs ist inzwischen so weit fortgeschritten, sodass er nur noch wenige Tage ...

"Wie leicht wird der Gedanke, zu sterben, wenn alle vorangehen, die man liebt." (Arthur Stahl)
Dad Lewis Tage sind gezählt, der Krebs ist inzwischen so weit fortgeschritten, sodass er nur noch wenige Tage hat. Seine Frau Mary betreut ihn so gut es geht, bis sie selbst erschöpft zusammenbricht. Dad hat die Kleinstadt Holt nie verlassen, fast sein ganzes Leben hat er seine Eisenwarenhandlung geführt. Während Tochter Lorraine die letzten Tage sich um ihre Eltern kümmert, haben alle seit Jahren nichts mehr von ihrem Bruder Frank gehört. Doch es gibt durchaus auch neue Gesichter in Holt. Nach dem Tod ihrer Mutter lebt die kleine Alice nun bei ihrer Großmutter und Dads Nachbarin. Reverend Lyle und seine Familie sind ebenfalls neu in der Kirchengemeinde. Jedoch sie werden nicht von allen Anwohnern herzlich aufgenommen. Zum Glück bringt der Sommer außer Leid und Tod auch noch ein wenig Wärme, Spaß, Freude und Hoffnung nach Holt. Doch für Dad wird es ein innehalten, um ein letztes Mal seine Leben Revue zu passieren.

Meine Meinung:
Ich war mir erst gar nicht so sicher, ob ich bei dieser Leserunde mitmachen soll, doch im Nachhinein bin ich sehr froh darüber. Der Schreibstil ist äußerst warmherzig, emotional und bildhaft in Episoden geschrieben. "Kostbare Tage" spielt irgendwann nach 9/11, da dieses Attentat erwähnt wird. Und da der Autor selbst 2014 nach schwerer Krankheit verstarb, hat er sicher einen Teil seiner eigenen Erfahrungen in diesem Buch niedergeschrieben. In verschiedenen Episoden erlebe ich einige Anwohner der Kleinstadt Holt, ihre Nöte, Kummer und Sorgen, jedoch durchaus auch schöne Tage. Doch in der Hauptsache geht es um den Sterbeprozess von Dad Lewis. Der Autor zeigt in diesem Buch ein bisschen die eigene Verletzlichkeit und Situationen auf, die im Laufe eines Lebens passieren können. Er zeigt mir die verletzte Seele von Lorraine, die ihre Tochter bei einem Autounfall verlor. Alice, die nicht nur mit dem Tod ihrer Mutter klarkommen muss, sondern die sich jetzt in einer ganz neuen Umgebung zurechtfinden muss. Alene nach einer Liebesaffäre mit einem verheirateten Mann und den Folgen, lebt sie nun zurückgezogen bei ihrer alten Mutter Willa. Außer den täglichen Ritualen haben die beiden kaum Abwechslung. Da tut es ganz gut, dass sie sich ein wenig um Alice und Mary kümmern können. Sehr berührt hat mich jedoch Dads Rückblenden in sein Leben, besonders emotional wird das Sterben von Dad geschildert, sodass dies sicherlich für die Leser nicht immer einfach ist. Traurig ist die kühle Haltung gegenüber seinem Sohn Frank, der deshalb seiner Familie den Rücken zukehrt. Wie gerne würde er jetzt alles ungeschehen machen, um ihn noch einmal sehen zu dürfen. Ein letztes Mal, versucht er alles zu regeln, was noch zu regeln geht. Was habe ich oft Tränen in den Augen, wenn ich die respektvollen, einfühlsamen Worte von Kent Haruf hier lese! Ich muss sagen, das ist schon ganz großes Kino, was der Autor uns hier zu Papier bringt. Ich fühle mich als, säße ich mitten im Zimmer um Dad beim Sterben zusehen. Dabei beschönigt er nichts in diesem Prozess, im Gegenteil für mich fühlt es sich an, als wenn die Seele so langsam aus dem Menschen entweicht. Zwischendrin darf ich allerdings noch ein paar schöne Szenen erleben, die ich mir sehr gut bildlich vorstellen konnte. Doch Themen wie Glaube, Homosexualität, Vergebung, Schuld und Hoffnung spielen ebenfalls eine große Rolle in diesem Buch. Am Ende bleibe ich zwar ein wenig traurig zurück, jedoch blicke durchaus versöhnt und hoffnungsvoll in die Zukunft dieser Menschen. Denn selbst wenn man sich vor dem Tod vielleicht nicht mit allen persönlich versöhnen kann, so bietet uns der Autor hier eine ganz besondere Lösung. Für mich ist dieses mein besonderes Jahreshighlight, dem ich gerne mehr als 5 von 5 Sterne geben würde.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.07.2020

Für die Hoffnung muss man oft alles wagen

Die Schwestern vom Ku'damm: Tage der Hoffnung
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"Wenn du einen Traum hast, dann greife danach und höre niemals auf, daran zu glauben." (Carol Burnett)
Berlin 1958: Florentine die jüngste der Thalheim Schwestern hat schon sehr jung mit zeichnen begonnen, ...

"Wenn du einen Traum hast, dann greife danach und höre niemals auf, daran zu glauben." (Carol Burnett)
Berlin 1958: Florentine die jüngste der Thalheim Schwestern hat schon sehr jung mit zeichnen begonnen, ehe sie rebellisch wurde und mit ihrem Freund Patrick nach Paris verschwand. Reumütig kehrt sie nun zurück und ihre Schwestern hoffen nun das sie sich im Modekaufhaus mit einbringt. Jedoch Florentine möchte mit ihrer Begabung lieber an der Kunstakademie studieren. Doch leider hat Florentine ihr Abitur nicht zu enden gebracht und so wird die Aufnahme für sie schwierig werden. Mit viel Engagement darf sie schlussendlich dann doch dort studieren. Allerdings ist ihr Dozent Rufus Lindberg ein schwieriger, herrsüchtiger Mensch, der Florentine das Leben an der Akademie schwer macht. Zudem machen die Spannungen zwischen Ost und West in Berlin immer mehr Probleme, dass bekommt besonders das Mordkaufhaus Thalheim zu spüren.

Meine Meinung:
Das Cover spiegelt wieder ein wenig das Ende der 50 Jahre wieder ganz Deutschland ist weiter im Umbruch, was man vor allem in Berlin spürt. Der Schreibstil ist wieder recht informativ, bildhaft und unterhaltsam. Im letzten Band über die Thalheim Schwestern geht es diesmal in der Hauptsache um Florentine (Flori) die jüngste der drei Schwestern. Durch ihre rebellische Art hat sie sich selbst in Schwierigkeiten gebracht, die sie nun ausbaden muss. Ohne Ausbildung oder einem Abschluss wird es schwer für sie werden etwas in Berlin zu finden. Doch Flori wäre nicht sie wenn sie nicht längst wüsste was sie will. Sie setzt sich durch um ihre künstlerische Begabung für die Malerei zu studieren. Brigitte Riebe beschreibt hier weiter eine junge Frau die versucht weiter ihren Weg zu gehen auch wenn er steinig und schwer werden wird. Zudem nimmt sich mich als Leser mit in eine Zeit als Berlin die florierende Stadt für Künstler wird. Doch auch politisch kommen auf Berlin immer größere Probleme zu. Eingekesselt abgekoppelt vom Rest Deutschlands spüren sie sehr gut das sie eine Sonderstellung einnehmen. Jedoch die zunehmenden Auswanderer aus der DDR scheinen der kommunistischen Regierung immer stärkere Probleme zu bereiten. Kein Wunder also, das man im Jahr 1961 dann beginnt eine Mauer mitten duch Berlin zu errichten. Ich erlebe mit wie furchtbar dieser Mauerbau für die Berliner war, den es wurden Freunde von einander getrennt und sogar Familien auseinandergerissen. Selbst die Thalheims trifft dieser Mauerbau hart, nicht nur das Modekaufhaus ist betroffen, sondern selbst die Familie trifft es ganz hart. Wunderbar bindet die Autorin die damaligen Gegebenheiten Berlins mit in ihre Geschichte ein. Selbst der damalige Berliner Bürgermeister Willy Brandt und seine zweite, norwegische Frau Rut werden hier erwähnt. Das Highlight bildet dann der Besuch des amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy. Ebenfalls erlebe ich wie schwierig sich das Liebesleben vom homosexuellen Paar Gregor und Hotte sich weiterentwickelt. Es ist eine undankbare Zeit für gleichgeschlechtliche Beziehungen, besonders wenn man sich wie Gregor als Architekt einen Namen machen möchte. Selbst in einer Großstadt wie Berlin scheinen sich solche Dinge zu schnell herumzusprechen. Natürlich wird auch wieder viel über das Thema Mode in dieser Zeit berichtet. Schön war es natürlich auch das ich weiter von den anderen Thalheims erfahren habe. Besonders das die Geheimnisse aus den beiden Bänden endlich aufgelöst und angesprochen wurden in der Familie war gut. Und natürlich kam auch der Bösewicht Brahm wieder mal der Familie viel zu nahe. Alles in allem wieder ein gelungenes Buch, bei dem ich erneut die Historikerin Brigitte Riebe zu spüren bekam und dem ich 5 von 5 Sterne gebe.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.07.2020

Wenn der Schmerz eines anderen mir Lust bereitet

Profiling Murder – Fall 8
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"Extreme Handlungen von Grausamkeit verlangen einen hohen Grad an Empathie" ( aus Die dunkle Seite der Empathie)
Aus Langeweile durchsucht Laurie ungelöste Fallakten, in der Hoffnung was Interessantes ...

"Extreme Handlungen von Grausamkeit verlangen einen hohen Grad an Empathie" ( aus Die dunkle Seite der Empathie)
Aus Langeweile durchsucht Laurie ungelöste Fallakten, in der Hoffnung was Interessantes zu finden, dass sie bearbeiten kann. Unverhofft stößt sie auf die Akte zum Tod eines 18-jährigen Schülers, den man nackt aufgefunden hatte und der zuvor brutal gefoltert wurde. Als sie weiter nachforscht, entdeckt sie weitere Sexualmorde im Raum Phönix, bei denen der Täter seine Opfer ebenfalls zuvor brutalsten gefoltert hat. Laurie ist sich ziemlich sicher, dass diese Fälle zusammenpassen und sie es hier mit einem Serientäter zu tun haben. Alle Opfer waren homosexuell und hatten eine Vorliebe für BDSM. Werden Laurie und Jake den Täter finden, ehe er erneut zuschlägt?

Meine Meinung:
In Laurie und Jakes Fall Nummer 8 geht es um einen brutalen Sadisten, einen Serientäter, der seit mindestens 7 Jahren seine Opfer teils tagelang brutal missbraucht und danach tötet. Er scheint eine besondere Vorliebe für homosexuelle Männer zu haben, die anfangs zwanzig und jünger sind. Laurie und Jake sind sich sicher, dass er selbst ebenfalls homosexuell ist und als dominanter Mann einen devoten Partner sucht. So vermuten sie weiter, dass er vor sieben Jahren beim Sexspiel seinen ersten Kick bekam, als er seinen Partner gewürgt und anschließend ermordet hat. Seither hat er sich zusehends gesteigert, was die Foltern anbelangt, weshalb sie ihn unbedingt fassen müssen. Die Autorin beweist hier wieder einmal, dass sie inzwischen in Sachen Psychologie, Profiling und Thriller zur Meisterklasse gehört. Schon alleine das überaus explizite Profil des Täters, das hier sehr gut ausgearbeitet wurde, hat mich total fasziniert. Hier merkt man einfach, dass sie schon zwei größere Buchserien mir Profilerinnen geschrieben hat und sich bestens auskennt. Dabei kenne ich inzwischen alle diese Bücher, jedoch so ein ausführliches Profil habe ich seither noch nie gelesen. Selbst die ganze Vorgehensweise, wie Jake und Laurie an den Fall gehen, war wieder sehr informativ und aufschlussreich. Man spürt einfach, dass die beiden nicht nur beruflich, sondern auch privat sehr gut harmonieren. Ebenso hervorragend wurden die Charaktere eines Sadisten hier dargestellt und ausgearbeitet. So war diese Folge dann wieder einmal viel zu kurz und ich hätte gerne etwas mehr von den beiden Ermittlern gehabt. Dass ich zudem wieder einen kleinen Einblick in Lauries Privatleben bekam, hat mir ebenfalls gut gefallen. Besonders freut es mich, dass Lauries Schwester Sam nun endlich einen Partner gefunden hat, dem sie ehrlich vertrauen kann. Auch Jakes Frust am Ende des Buchs konnte ich gut nachvollziehen. Das Ende macht mir in mancherlei Hinsicht noch weiteres Unbehagen, jedoch dazu kann ich nichts berichten, ohne zu viel zu verraten. Nur so viel sei gesagt ich vermute, da kommen noch Probleme auf Laurie und Jake zu. Jedenfalls freue ich mich schon auf die nächste Folge von Laurie und Jake. Noch einmal Chapeau an die Autorin für dieses meisterhafte Profil, das ich in diesem Buch genießen durfte. Besser kann man das wohl kaum machen, deshalb von mir wieder mal 5 von 5 Sterne dafür.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.07.2020

Widerstand und Euthanasie in Zeiten des Nationalsozialismus

Staub zu Staub
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"Von des Lebens Gütern allen ist der Ruhm das höchste doch. Wenn der Leib in Staub zerfallen, lebt der große Name noch." (Friedrich Schiller)
Niederlande 1949: Nach dem tragischen Verlust seiner Lebensgefährtin ...

"Von des Lebens Gütern allen ist der Ruhm das höchste doch. Wenn der Leib in Staub zerfallen, lebt der große Name noch." (Friedrich Schiller)
Niederlande 1949: Nach dem tragischen Verlust seiner Lebensgefährtin Rosa, lebt der Partisan Siem Coburg als gebrochener Mann in einem Hausboot. Bis Bauer Tammens ihn darum bittet aufzuklären wie sein 17-jähriger Enkel Siebold gestorben ist. Dieser lebte unter Mönchen in einem katholischen Heim für geistig Behinderte. Jedoch Tammens ist sich sicher das dort und besonders mit Siebolds Tod nicht alles mit rechten Dingen zuging. Erste Einblicke Coburgs geben Tammens Zweifel recht, den in den letzten Jahren sind in diesem Heim noch viele weitere Kinder unter mysteriösen Umständen gestorben.

Meine Meinung:
Das düstere Cover mit den Windmühlen passt sehr gut zu der Geschichte, die in den Niederlanden spielt. Der Schreibstil ist für mich gewöhnungsbedürftig, zu viele Handlungsstränge, Charaktere und meiner Ansicht nach viel zu viel Stoff, den der Autor hier verarbeiten wollte. Leider werden die verschiedenen Handlungsstränge oft wahllos, in Zeit, Geschehen oder Ort miteinander verbunden, sodass ich meist nicht mehr wusste, wo ich den nun von der Handlung gerade bin. Ebenso tat ich mich oft mit den niederländischen Begriffen und Namen schwer. Auch der Klappentext, der anzeigt, das es eigentlich um die Zustände in einem Heim für geistig Behinderte gehen soll, nahm viel zu wenig Raum in diesem Buch ein. Hauptsächlich ging es um den Partisan Siem Coburg und Rosa Barto die beide, maßgeblich in Widerstandskämpfen ihre Gegner liquidiert. Der Autor in den Niederlande sonst eher bekannt für Krimis, wollte hier brisante historische Themen ab dem Ersten Weltkrieg erfassen. Dabei geht es in erster Linie um den Widerstand in den Niederlanden und um Euthanasie im Nationalsozialismus. Warum man das Buch als Kriminalroman führt, kann ich nicht nachvollziehen, den es fehlt dem Ganzen jegliche Spannung. Der gesamte Inhalt plätschert so vor sich hin und ist meiner Ansicht nach eher ein historischer Roman. Dass man sicher alleine über den Widerstand ein ganzes Buch füllen könnte, kann ich mir vorstellen. Von daher ist es mit unbegreiflich wie der Autor hier mehrere brisante Thematiken hier aufarbeiten will. Genauso kann ich mich nicht mit den Protagonisten anfreunden, sie bleiben für mich alle recht düster und oberflächlich. Coburg selbst scheint sich hier selbst eher als Retter der Niederlande zu sehen. Ich dagegen empfinde ihn eher als einen brutalen, kalten und gebrochenen Mann. Selbst unter den Mönchen habe ich kaum jemanden gefunden, der mir wirklich sympathisch war. Die einzige wo noch etwas Wärme zeigt in dem ganzen Buch ist Rosa Barto, die jedoch für mich trotzdem viel zu unscheinbar blieb. Für mich ist das Buch im Grunde als Krimi Thema verfehlt und als historischer Roman eigentlich alles nur angerissen. So kommt wie schon erwähnt die Thematik der Euthanasie und des Heims viel zu kurz. Deshalb ist für mich der Klappentext total irreführend, weil ich etwas ganz anderes erwart habe. Am Ende des Buches befinden sich noch Begriffserklärungen, Notizen und im Nachwort gibt uns der Autor einen Einblick warum dieses Buch geschrieben hat. Mich konnte es leider bis zum Ende nicht packen, was sicher daran lag, das ich mir etwas vollkommen anderes vorgestellt hatte. Eigentlich sehr schade, den schriftstellerisch ist der Autor sicherlich sehr gut. Deshalb leider nur 2 von 5 Sterne von mir.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.07.2020

Zefix! Immer, wenn es am ungünstigsten ist.

Prost, auf die Wirtin
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"Tischler wurde in diesem Augenblick bewusst, dass es noch ein weiter Weg war, bis seine Kollegen eine gute Tasse Kaffee zu schätzen wussten. Vielleicht war es aber auch ein unlösbarer Fall." (Buchauszug)
Hauptkommissar ...

"Tischler wurde in diesem Augenblick bewusst, dass es noch ein weiter Weg war, bis seine Kollegen eine gute Tasse Kaffee zu schätzen wussten. Vielleicht war es aber auch ein unlösbarer Fall." (Buchauszug)
Hauptkommissar Constantin Tischler hat noch nicht einmal seine neue Wohnung in Brunngries eingeräumt, da bekommt er es schon mit seinem ersten Mordfall zu tun. Dass man zudem an einem Sonntag die Brunnenwirtin Franziska Leidinger ermordet hat, schmeckt ihm so gar nicht. Ihre Leiche wird ausgerechnet von Dackeldame Resi vom hiesigen Förster gefunden. Dass der Stadtmensch Tischler in Brunngries auf einige bayrische Urgesteine trifft, damit hatte er ja gerechnet, schließlich kennt er die Region aus seiner Jugend im Internat. In Polizeiobermeister Fink findet er zwar einen interessierten Kollegen, doch dieser tritt gerne von einem Fettnäpfchen ins andere. Doch erst mal muss Tischler so einiges am Arbeitsplatz ändern, in erster Linie Brunello den schlechten Kaffee. Je weiter Tischler die Ferienidylle Brunngries eintaucht, desto mehr merkt er, das hier einiges im Verborgenen liegt.

Meine Meinung:
Das bunte, humorvolle Cover mit typischen bayrischen Szenarien, lädt zur neuen Krimireihe nach Oberbayern ein. Der Schreibstil ist flüssig, locker, unterhaltsam und mit viel Humor. Besonders die vielen brillanten Dialoge, die hier mit viel Humor ausgedacht wurden, haben mich beeindruckt. Es geht um den Mord an der Brunnenwirtin Franziska Leidinger, der den ganzen Ort erschüttert. Natürlich wird recht schnell der alkoholsüchtige Ehemann verdächtigt, besonders weil er ein ganzes Waffenarsenal zu Hause hat. Doch der Autor beschäftigt sich nicht nur mit dem Mord, sondern insbesondere mit den Begebenheiten des Polizeireviers und den Menschen im Dorf. Allein schon das Auftreten von Felix Fink im Trachtenjanker kann ich mir bildlich vorstellen. Seine etwas tollpatschige, übereifrige Art bringt nicht nur ihn, sondern ebenso Tischler des Öfteren in Verlegenheit. Auch die Menschen im Dorf haben so einiges, was nicht mit rechten Dingen zugeht, sei es der hiesige Metzger oder der Kfz-Mechaniker die beide etwas zu verbergen haben. Gerade durch die lockere, humorvolle Art wird der Krimi zum richtigen Leseerlebnis. Ich selbst hab mich bis zum Ende gefragt, wer der Täter ist. Bei der unterhaltsamen Mördersuche amüsiere ich mich nicht nur bei Tagliatelle Verdure, Leberkässemmel und Trachtenjanker. Nein es gibt auch noch ein erstes Date von Tischler mit Dr. Britta Neufeld der Ärztin, die ihn versorgt und auf die er sofort ein Auge geworfen hat. Durch seine inzwischen vielen Bücher weiß Friedrich Kalpenstein mit seinen Protagonisten umzugehen, er haucht jedem seinen ganz eigenen Charakter ein. Besonders die Art von Felix Fink lässt mich manchmal hinwerfen vor Lachen, ich kann ihn mir bildlich gut vorstellen. Den naiven, kleinen Schülerbub, der sich oft zu unsicher ist, ob alles in Ordnung ist, was er tut. Ebenso gefällt mir Tischler sehr gut, er ist das genaue Gegenteil von Fink, sehr ehrgeizig und gewissenhaft. Am Ende wartet der Autor dann noch mit einigem Verborgenem auf, das mich neugierig macht, wie es in den nächsten Folgen in Brunngries weitergehen könnte. Für mich ein gelungener Krimiauftakt, den ich sehr gerne weiterverfolgen würde. Von mir gibt es 5 von 5 Sterne für dieses lesenswerte Buch.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere