Ich kann nicht mehr
Amokalarm"Manchmal wartet das Glück nur ein kurzes Stück hinter der Entscheidung, die du nicht treffen willst." (Pinterest)
H.C. Nachtnebel, 16 Jahre alt, ist ein leidenschaftlicher Basketballfan und zudem der ...
"Manchmal wartet das Glück nur ein kurzes Stück hinter der Entscheidung, die du nicht treffen willst." (Pinterest)
H.C. Nachtnebel, 16 Jahre alt, ist ein leidenschaftlicher Basketballfan und zudem der Beste in Mathe an seiner Schule. Daher unterstützt er seine beiden Freunde in diesem Fach und hilft ihnen auch bei den Klassenarbeiten. Im Jahr 2020 jedoch ändert sich alles für H.C.: Sein großes Idol Kobe Bryant stirbt bei einem Hubschrauberabsturz. Für H.C. bricht eine Welt zusammen, es folgen die Notaufnahme, die Intensivstation und anschließend die Rehabilitation. Zudem muss er nach all dem auch noch einen Schulwechsel über sich ergehen lassen. So hat der sensible Junge nur noch wenig echte Freunde. Als Keira eines Tages in ihre Klasse kommt, ist H.C. sofort von ihr begeistert. Fortan ist nur noch Keira für ihn wichtig, er vergisst sogar seine Freunde. Kiera spielt ein falsches Spiel mit ihm und lässt ihn schließlich fallen. H.C. Welt erlebt abermals einen Zusammenbruch, und es wirkt, als sei er von allen verlassen worden und habe kein Ziel mehr. Nur noch einen Ausweg scheint es zu geben, um seine Situation zu ändern.
Meine Meinung:
Hinter diesem recht simplen Cover, von dem man nicht so recht ahnt, was einen erwartet, steckt eine grandiose Geschichte, die einen nachdenken lässt. Es geht um einen sensiblen 16-Jährigen, der durch ein Trauma aus der Bahn geworfen wird. Er hat nur wenige Freunde, weil er wegen dieses Traumas die Schule wechseln muss. Der Autor nimmt uns mit in seinen Alltag und in seine Gedankenwelt. Mit sehr vielen Vorkenntnissen bereitet er den Leser auf das eigentliche Thema vor. Es wirkt schon bedrückend, was in so einem Jugendlichen vor sich geht. Da reichen oft schon Kleinigkeiten und alles reißt aus den Fugen, so auch bei unserem Protagonisten. Uli Black hat sich hier ein Thema zu Herzen genommen, das inzwischen auch bei uns im Land angekommen ist. Schüler, die ausrasten, geraten nicht nur durch Actionvideos oder Shooter-Spiele in eine solche Verzweiflung. Wie H.C. werden manche einfach nur durch Ungerechtigkeiten und Unverständnis zu solchen verzweifelten Taten getrieben. Obwohl ich wirklich positiv überrascht war, kam mir die Geschichte gleichzeitig fast ein wenig zu langatmig vor, bis das eigentliche Thema angesprochen wurde. Es wäre meiner Meinung nach sicher möglich gewesen, H.C.s Alltag etwas zu verkürzen. Man spürt allerdings, dass der Autor Lehrer war und sich mit dem Schulalltag und den Nöten der Schüler gut auskennt. Ich wusste nicht, dass es ein spezielles Schocktrauma gibt, das solche Folgen haben kann. Ich fand zudem beeindruckend, mitzuerleben, wie es sich für H.C. anfühlt, ein Mathegenie und Außenseiter zu sein. Der Autor nimmt einen so intensiv in das Leben unseres Hauptcharakters mit, dass ich mich sehr gut in seine Verzweiflung hineinversetzen konnte. Ein Schüler kann aus Verzweiflung oft eine solche Tat begehen, wenn die Lehrer kein Verständnis für ihn aufbringen. Im Grunde sollten es doch die Pädagogen besser wissen. Der Stil des Schreibens ist locker und gut verständlich. Und es wird ein weiterer Akzent durch die jugendliche Sprache gesetzt. Nur einige wenige, dafür aber sorgfältig ausgearbeitete Figuren nehmen die Rolle der Protagonisten ein. Vielleicht hätte ich mir nur gewünscht, dass die Diskussion um das eigentliche Thema etwas zügiger beginnt. Meiner Meinung nach wäre dieses Buch eine geeignete Schullektüre, um anschließend im Unterricht darüber zu diskutieren und Lehrkräfte dafür zu sensibilisieren. Ich gebe dem Buch gute 4 1/2 Sterne.