Zwei Schwestern. Sieben Therapiestunden. Ein Problem. / Roman
Wibke Kuhn (Übersetzer)
Zwei Schwestern. Sieben Therapiestunden. Ein Problem. Ein mitreißendes Debüt über die großen und kleinen Katastrophen des Alltags
Als die 33-jährige Mickey die Nachricht vom Tod ihres Vaters erhält, ist sie nicht sonderlich getroffen. Sie ist ohne ihn aufgewachsen, zeit ihres Lebens ist er ein Fremder geblieben. Umso überraschender, dass er ihr ein Vermögen hinterlassen hat. Der kuriose Haken dabei: Mickey muss sieben Therapiesitzungen absolvieren, bevor das Erbe freigegeben wird. Und so schlägt sie bei der Therapeutin Arlo auf, nicht ahnend, dass sie ihrer eigenen Halbschwester gegenübersitzt. Auch Arlo weiß nicht, wer sich hinter der neuen Patientin verbirgt, und schon bald befinden sich die beiden auf einem Kollisionskurs, der sie entweder zerstören oder retten wird.
Mit „Mickey und Arlo: Zwei Schwestern. Sieben Therapiestunden. Ein Problem.“ gelingt Autorin Morgan Dick ein fesselndes und einfühlsames Roman-Debüt, das die komplexe Beziehung zwischen zwei Schwestern ...
Mit „Mickey und Arlo: Zwei Schwestern. Sieben Therapiestunden. Ein Problem.“ gelingt Autorin Morgan Dick ein fesselndes und einfühlsames Roman-Debüt, das die komplexe Beziehung zwischen zwei Schwestern auf eindrucksvolle Weise näher beleuchtet. Morgan Dick schafft es, mit viel Gefühl und Humor die Herausforderungen und Missverständnisse, die so oder so ähnlich in jeder Familie auftreten können, darzustellen. Die sieben Therapiestunden bieten einen anschaulichen Rahmen, um die inneren Konflikte und die Entwicklung der Charaktere dem Leser bzw. der Leserin eindrucksvoll näherzubringen. Der Autorin gelingt es, die Leser in die Handlung eintauchen zu lassen bzw. abzuholen und gleichzeitig eine positive Sicht in Bezug auf Themen wie Selbstheilung und Versöhnung zu vermitteln. An dieser Stelle möchte ich noch lobend den für mich sehr angenehmen Schreibstil erwähnen, welcher das Lesevergnügen ausgesprochen kurzweilig erscheinen ließ. Ich vergebe hier die vollen 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung.
Nun ist es ja so: Dass Menschen einen auf Dauer enttäuschen, ist gar nicht so selten. Selbst liebgewonnene. Gehört zum Leben dazu, ist schade, vielleicht ist man selbst auch mal der Enttäuscher und nicht ...
Nun ist es ja so: Dass Menschen einen auf Dauer enttäuschen, ist gar nicht so selten. Selbst liebgewonnene. Gehört zum Leben dazu, ist schade, vielleicht ist man selbst auch mal der Enttäuscher und nicht der Enttäuschte. Bücher müssen diese Emotionen erst einmal schaffen. Wie sehr Morgan Dick dies mit ihren Protagonistinnen in „Mickey und Arlo“ – und ganz besonders mit Mickey – gelingt, ist ziemlich grandios. Denn was erst nach cosy Thirty-Something-Read klingt, birgt ganz schön tiefe Abgründe.
Mickey ist Vorschullehrerin und quasi dafür geboren. Sie hat ein Händchen für Kinder und bleibt auch lieber beim kleinen Ian, als die Polizei und so das Jugendamt zu rufen, als seine Mutter ihn nicht abholt. Viel mehr noch: Sie bringt Ian zu seinem Onkel – und verstößt so gegen allerhand Gesetze und verliert ihren geliebten Job. Mit dabei ist der Anwalt ihres verstorbenen Vaters, der ihr nach jahrzehntelangem Nichtkontakt fünfeinhalb Millionen Dollar hinterlässt, wenn sie eine Therapie macht – bei ihrer Halbschwester. Und nein, die beiden kennen sich nicht und wissen nichts von der Situation.
Das ist auf den ersten Seiten mit viel Witz erzählt, man fühlt sich als Leser wohl in der Geschichte, bis man merkt: So eine richtig zuverlässige Erzählerin ist vor allem Mickey nicht. (Streng genommen: Die Kapitel erzählen nicht aus der Sicht der Schwestern, sondern in der dritten Person, muss man hier aber nicht so eng sehen.) Denn immer wird deutlich: Die beiden haben Probleme, die in ihrer familiären Vergangenheit liegen. Vor allem Mickey, die wie ihr Vater an Alkoholismus leidet, am liebsten alleine ist, ihre Freunde bestiehlt. Und Arlo, die gerade wieder in eine Psychotherapiepraxis einsteigt, nachdem ihre letzte Patientin Suizid begangen hat und keine Mitverantwortung bei sich sieht.
Und so wird „Mickey und Arlo“ Seite für Seite abgründiger, trauriger, man fühlt sich fast ein bisschen verraten von diesen großartig gezeichneten Figuren, die einem erst furchtbar sympathisch sind und von denen man sich doch Stück für Stück entfremdet – und ihnen gleichzeitig helfen will. Vielleicht dreht die Autorin irgendwann eine Schleife zu viel, ein paar Seiten weniger hätte dem Buch möglicherweise gut getan – auf der anderen Seite wollte ich noch viel, viel mehr Zeit mit Mickey und Arlo und auch dem Anwalt Tom Samson verbringen (auch so eine wunderbare Figur, die man selbst Stück für Stück erlesen und erfassen muss).
Hätte das Ende ein bisschen aufregender sein können? Ja, vielleicht, aber irgendwie ist es auch gut, wie es ist, ganz spoilerfrei. Ich habe die Figuren geliebt, bemitleidet, angezweifelt und furchtbar gerne über ihr Leben gelesen. Schon jetzt eines der schönsten Bücher des Jahres. Aber auch eines, das Menschen fordern kann. Gerade, wenn sie selbst mit familiären und mentalen Problemen kämpfen, selbst oder in Co-Abhängigkeit. Auf der anderen Seite: es sensibilisiert. Und das ist ja auch immer gut.
Mickey, eine passionierte Vorschullehrerin, hat seit ihrem achten Lebensjahr keinen Vater mehr in ihrem Leben. Dieser hat mit einer anderen Frau eine neue Familie gegründet und eine zweite Tochter bekommen. ...
Mickey, eine passionierte Vorschullehrerin, hat seit ihrem achten Lebensjahr keinen Vater mehr in ihrem Leben. Dieser hat mit einer anderen Frau eine neue Familie gegründet und eine zweite Tochter bekommen. Eines Abends bekommt sie einen Anruf von einem Anwalt. Dieser erzählt ihr, dass ihr Vater verstorben sei und ihr unter einer Bedingung mehrere Millionen vererbt: Sie muss 7 Psychotherapiestunden bei einer von ihm ausgewählten Therapeutin absolvieren. Der Clou dabei ist, dass es sich bei der Therapeutin um ihre Halbschwester Arlo handelt. Das wissen die beiden Schwestern jedoch nicht.
Im Laufe der Geschichte werden die psychischen Lasten, welche die verlassene Mickey, aber auch die im reichen Elternhaus aufgewachsene Arlo mit sich tragen, beleuchtet. Die Charaktere sind sehr authentisch und ihre Handlungen nachvollziehbar dargestellt.
Die Autorin setzt sich sehr differenziert mit den psychischen Problemen der Akteure auseinander. Jeder einzelne Charakter in diesem Buch hat Fehler, aber auch gute Seiten. Es werden schwere Themen, wie Tod, Suizid, Sucht und Depressionen besprochen. Die Autorin schafft es aber, neben der authentischen, ernsthaften Darstellung auch eine Leichtigkeit in diese Thematik einzubringen.
Ich habe das Buch sehr gerne gelesen, es ist kurzweilig und unterhaltsam, aber regt auch zum Reflektieren an. Gut gelungenes Debüt!
Mickey und Arlo sind zwei unterschiedliche Schwestern, die erst nach dem Tod ihres gemeinsamen Vaters aufgrund der Erbschaftsverhältnisse voneinander erfahren. Charakterlich haben mir beide gut gefallen, ...
Mickey und Arlo sind zwei unterschiedliche Schwestern, die erst nach dem Tod ihres gemeinsamen Vaters aufgrund der Erbschaftsverhältnisse voneinander erfahren. Charakterlich haben mir beide gut gefallen, mitsamt ihren jeweiligen Stärken und Schwächen. Die einzelnen Kapitel werden abwechselnd aus Sicht von Mickey oder Arlo erzählt. Gemeinsam ist ihnen, dass sie ihr Leben lang um die Aufmerksamkeit ihres Vaters gekämpft haben und nun ihr Leben wieder neu ordnen müssen. Die Themen, die angesprochen werden, sind vielfältig und spannend, von psychischen Problemen über Alkoholsucht und Beziehungsproblemen. Die Therapiestunden hätte ich mir noch spannender und zentraler vorgestellt, vor allem, da sie auch am Cover so präsent sind. Ich hatte mir erwartet, dass die gesamte Geschichte darauf aufgebaut wird, es gibt aber einige weitere Charaktere und Nebenschauplätze, die ergänzen und manchmal auch ein wenig von der Hauptstory ablenken. Ich hätte mir die Gespräche zwischen Mickey und Arlo noch emotionaler und intensiver vorgestellt. Der Schluss ist für mich etwas vorhersehbar und zu glatt.
Das Cover wirkt sehr altbacken, bewusst auf old getrimmt und auch die beiden abgebildeten Schwestern passen optisch nicht so richtig in mein Bild, das ich mir aufgrund des Buches gemacht habe.
Vorschullehrerin Mickey Morris (33), eigentlich Michelle, trifft der Tod ihres Vaters Adam Kowalski (61) nicht sehr. Ihr alkoholkranker Erzeuger und ihre Mutter haben sich bereits in Mickeys Kindheit getrennt. ...
Vorschullehrerin Mickey Morris (33), eigentlich Michelle, trifft der Tod ihres Vaters Adam Kowalski (61) nicht sehr. Ihr alkoholkranker Erzeuger und ihre Mutter haben sich bereits in Mickeys Kindheit getrennt. Nun soll sein Nachlass unerwartet an sie gehen: 5,5 Millionen Dollar. Doch an das Erbe geknüpft ist die Bedingung, dass Mickey eine Therapie macht. Ausgerechnet ihre Halbschwester Charlotte, genannt Arlo, sitzt ihr dabei als Psychologin gegenüber. Das allerdings wissen die beiden nicht…
„Mickey und Arlo“ ist der Debütroman von Morgan Dick.
Die Struktur des Romans ist einfach, aber funktional: Er besteht aus 32 Kapiteln, die mit einem Epilog enden. Erzählt wird in chronologischer Reihenfolge abwechselnd aus der Sicht von Mickey und der von Arlo.
Die Sprache ist anschaulich, ungekünstelt und angemessen. Der Schreibstil ist geprägt von lebhaften, authentischen Dialogen.
Im Fokus stehen die titelgebenden Protagonistinnen, zwei interessante, durchaus lebensnah dargestellte Charaktere. Ihre Gedanken und Gefühle werden sehr gut deutlich. Einige Nebenfiguren wie Arlos Mutter wirken ein wenig überzeichnet und klischeehaft, was mich jedoch nicht besonders gestört hat.
Vordergründig geht es um eine Familiengeschichte. In thematischer Hinsicht ist der Roman aber noch mehr als das. Psychische Erkrankungen und Traumata sowie Alkoholabhängigkeit sind drei inhaltliche Schwerpunkte. Sie verleihen der Geschichte Tiefe und Facettenreichtum.
Auf den rund 400 Seiten ist die Handlung unterhaltsam, humorvoll und zugleich bewegend. Mehrfach konnte mich der Roman überraschen.
Der deutsche Titel weicht erheblich vom englischsprachigen Original („Favourite Daughter“) ab, passt aber ebenso gut. Besser gefällt mir jedoch das Covermotiv der Originalausgabe.
Mein Fazit:
Mit „Mickey und Arlo“ ist Morgan Dick ein empfehlenswertes Romandebüt gelungen. Eine Geschichte für schöne Lesestunden.