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Veröffentlicht am 03.10.2024

Fesselnde Geschichte über Feminismus und Selbstbestimmung

A Study in Drowning (A Study in Drowning, Band 1)
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Die Gestaltung des Buches ist wirklich wunderschön. Ich liebe die dunklen Blau- und Grüntöne, die nahezu perfekt zu dem Gefühl passen, unter Wasser zu sein. Der untergehende Körper inmitten von im Wasser ...

Die Gestaltung des Buches ist wirklich wunderschön. Ich liebe die dunklen Blau- und Grüntöne, die nahezu perfekt zu dem Gefühl passen, unter Wasser zu sein. Der untergehende Körper inmitten von im Wasser umherwirbelnden Papieren und Schreibmaschinen passt perfekt zum Inhalt und Gefühl des Buches.

Die Story hat mich ebenfalls direkt für sich eingenommen: Effy Sayre wünscht sich nichts mehr, als Literatur studieren zu können, um sich auch dort mit den Werken ihres Lieblingsautors Emrys Myrrdin auseinandersetzen zu können. Doch für Frauen ist der renommierte Studiengang in Llyr verboten, sodass sie sich mit der zweiten Wahl zufrieden geben muss und Architektur belegt. Dadurch erhält sie auch Zugang zu einem Projekt, bei dem sie das Haus des gerade erst verstorbenen Dichters renovieren darf und bewirbt sich dafür. Obwohl sie erst im ersten Semester ihres Studiums ist, wird sie von dem Sohn des Dichters eingeladen und macht sich voller Vorfreude auf in den rauen Süden von Llyr, wo die Menschen den Launen des Meeres ausgeliefert sind und noch immer an die alten Sagen glauben. Besonders die Erzählung des Elfenkönigs, die Effy schon seit ihrer Kindheit verfolgt, lässt sie hier nicht los. Doch während das Anwesen des Dichters zunehmend vom Meer verschluckt wird und Effy widerwillig mit dem Literaturstudenten Preston zusammenarbeiten muss, kommen sie zusammen einem dunklen Geheimnis auf die Spur, das ihr Leben für immer verändern kann.

Der Schreibstil des Buches ist wirklich gelungen, weil er es schafft, die Gestaltung der Welt von Llyr einzufangen, aber einen dennoch komplett in die Geschichte zu ziehen. Ich musste mich dennoch zunächst ein bisschen an die Art des Erzählens gewöhnen, weil sie manchmal ein wenig altmodisch und poetisch wirkt. Das passt aber hervorragend zu Effys Geschichte, weil auch Llyr ein wenig so wirkt, wie ein Land, das in der Vergangenheit unserer Welt durchaus hätte existieren können.

Dies gefiel mir im Allgemeinen ausgesprochen gut. Ich hatte immer das Gefühl, einen historischen Roman zu lesen, der vielleicht am Anfang des 20.Jahrhunderts spielen könnte. Ich liebe historische Romane und die Atmosphäre dieses Buches fängt den Zeitgeist meiner Vorstellung nach perfekt ein. Natürlich gibt es auch immer wieder fantastische Elemente, aber selbst die waren so perfekt eingebettet, dass sie perfekt zur Story gepasst haben. Dennoch habe ich vor allem zu Beginn ein wenig gebraucht, um komplett in die Geschichte zu finden. Das liegt zum einen daran, dass man ein wenig hineingeworfen wird, weil über die Welt, in der sich Effy bewegt, den Krieg zwischen Llyr und Arganatien und selbst das Studium eher oberflächlich berichtet wird. Das hat mich zu Beginn doch etwas irritiert und dafür gesorgt, dass ich ein paar Probleme hatte, mich richtig orientieren zu können. Im Verlaufe des Buches wird das aber weniger und es wird deutlich, dass diese Umstände einfach keine Rolle spielen, weil die behandelten Themen das zentrale Element darstellen. Es geht um Feminismus und Gleichberechtigung, Missbrauch und Mental Health und diese Themen sind in der fantastischen Welt von Llyr ebenso von Bedeutung wie in der Realität. Dennoch fand ich, dass sich die Geschichte manchmal ein wenig hingezogen hat und es vor allem in der Mitte ein paar Längen gab. An diesen Stellen war es für mich manchmal ein wenig schwer, weiterzulesen, einfach weil der Sog nicht vorhanden war.

Die Charaktere habe ich ebenfalls eher langsam ins Herz geschlossen. Effy mochte ich zwar und ich habe mit ihr mitgelitten, weil sie es als einzige Frau in ihrem Studiengang definitiv nicht leicht hatte, aber es fiel mir trotzdem schwer, sie zu greifen, sie wirkte immer ein wenig distanziert und öffnet sich erst nach und nach. Ich konnte ihre Zurückhaltung dabei sogar nachempfinden, schließlich hat sie mehrere traumatische Erlebnisse hinter sich, die sie nie verarbeitet hat, aber es dauert dadurch sehr lange, bis man sie richtig kennenlernt. Bei Preston fiel mir das erstaunlicherweise sehr viel leichter, auch wenn er ebenfalls kein offenes Buch ist. Dennoch ist er immer ehrlich und unterstützt vor allem Effy, nachdem sie ihre Schwierigkeiten erst einmal überwunden haben, bei allem, ohne sie zu etwas zu drängen oder sie nicht ernstzunehmen. Damit stellt er einen perfekten Gegenpol zu den meisten anderen Männern in diesem Buch dar und ist zum Ende hin mein absoluter Lieblingscharakter geworden.

Alles in allem habe ich das Buch wirklich gerne gelesen und vor allem den romantisch-poetischen Schreibstil geliebt. Ich kann verstehen, dass das Buch vielleicht nicht jeden anspricht, dafür ist der Schreibstil zu speziell, die Thematik zu subtil, gleichzeitig aber omnipräsent, sodass es manchmal auch wegen der distanzierten Charaktere schwer ist, dran zu bleiben. Für mich hat es sich aber gelohnt, dieses Buch zu lesen, weil viele Themen sich einfach auch perfekt auf die aktuelle Wirklichkeit anwenden lassen.

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Veröffentlicht am 21.09.2024

Ruhige Geschichte mit ein paar Längen

A Song to Drown Rivers
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Das Cover des Buches gefällt mir ausgesprochen gut. Ich mag die Kombination aus den verschiedenen Blautönen und dem leuchtenden Gelb, das zusammen mit den dargestellten Umrissen einen guten Eindruck von ...

Das Cover des Buches gefällt mir ausgesprochen gut. Ich mag die Kombination aus den verschiedenen Blautönen und dem leuchtenden Gelb, das zusammen mit den dargestellten Umrissen einen guten Eindruck von der thematischen Einordnung der Geschichte gibt, ohne zu viel zu verraten.

Die Story ist ebenfalls vielversprechend: Xishis Schönheit ist über die Grenzen ihres Dorfes hinaus bekannt, sodass sie das Haus nur noch selten ohne einen Schleier verlässt, um keine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Doch gerät sie eines Tages in Gefahr, als sie ein Mädchen vor einem aggressiven Mann beschützt. Scheinbar aus dem Nichts kommt ihr ein attraktiver Mann zur Hilfe, der sich als Fanli, der Berater des Königs von Yue entpuppt. Er hat den Auftrag Xishi in die Hauptstadt zu bringen, damit sie im Rahmen von Friedensverhandlungen den König von Wu heiraten wird. Doch das ist nicht alles, vielmehr soll das Mädchen zur Spionin ausgebildet werden, die den grausamen König der Wu letztlich töten soll. Trotz ihrer Unsicherheit ist Xishi fasziniert von den Möglichkeiten, die sich ihr bieten - und von Fanli. Während ihrer Ausbildung lernt sie ihre Gefühle zu verberge, zu verführen und zu lügen, doch vor allem kommt sie Fanli immer näher. Doch genau das wird für beide zur Gefahr, als Xishi immer höher in der Gunst des Königs von Wu steigt.

Ich habe in letzter Zeit viele Romane gelesen, in denen Geschichten aus dem chinesischen Kulturraum eine Rolle gespielt haben, sodass auch dieses Buch perfekt in die Reihe gepasst hat. Der Schreibstil ist dennoch gewöhnungsbedürftig, was vor allem daran liegt, dass er sehr ruhig, eher leise und zurückhaltend ist, sodass ich ein bisschen gebraucht habe, um mich davon fesseln zu lassen.

Auch dadurch hatte ich oft das Gefühl zwar den Plot komplett erfassen zu können, aber bei den Charakteren fiel mir das deutlich schwerer. Das liegt auch daran, dass sowohl Fanli als auch Xishi immer Angst haben müssen, ihre Maske abzulegen und ihre wahren Gefühle zuzulassen. Dabei mochte ich beide eigentlich sogar gerne. Xishi ist so viel mehr als ein hübsches Gesicht, auch wenn sie das selbst nicht immer erkennen kann. Ich mochte, wie hart sie daran arbeitet, eine Spionin zu werden, um sich für den Tod ihrer Schwester zu rächen und ihr Land von den feindlichen Wu zu befreien. Trotzdem bleibt sie dabei immer menschlich und geht nicht unnötig brutal vor. Fanli ist da schon deutlich abgebrühter, das muss er aber auch sein. Dennoch hatte ich immer so das Gefühl, sie nicht greifen zu können.

Dadurch zieht sich für mich auch die Geschichte an manchen Stellen für mich auch etwas. Die Geschichte ist nicht langweilig, aber durch die sehr ruhige Erzählweise und die zurückhaltenden Charaktere entwickelt sich alles sehr langsam, was dafür sorgt, dass mir der unbedingte Sog fehlt, die Geschichte unbedingt weiterlesen zu wollen.

Alles in allem mochte ich die Geschichte und die Charaktere durchaus gerne, aber durch die sehr ruhige Gesamtstimmung konnte sie mich nie so sehr fesseln, dass ich das Buch unbedingt durchlesen wollte.

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Veröffentlicht am 21.09.2024

Tolle Idee, die leider nicht überzeugend umgesetzt wird

Long Live Evil
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Ich liebe die Gestaltung des Buches. Ich mochte das düstere Cover mit dem graffitiartigen Titel im Kontext mit dem dunklen Blumenmuster als Farbschnitt unglaublich gerne. Zudem passt es wirklich perfekt ...

Ich liebe die Gestaltung des Buches. Ich mochte das düstere Cover mit dem graffitiartigen Titel im Kontext mit dem dunklen Blumenmuster als Farbschnitt unglaublich gerne. Zudem passt es wirklich perfekt zu der Stimmung des Buches.

Die Story hat mich ebenfalls direkt gefesselt: Rae stirbt. Keine Behandlung hat bisher gegen ihren aggressiven Krebs geholfen, sodass ihr nichts Anderes übrig bleibt, als darauf zu warten, dass ihr Leben zu Ende geht. Doch dann trifft sie eines Abends auf eine Frau, die ihr einen Ausweg anbietet: Sie kann in die liebste Buchreihe ihrer Schwester, Zeit des Eisens, eintauchen und muss dort versuchen, die Blume des Lebens an sich zu bringen, um so in ihr altes Leben zurückzukehren. Rae nimmt an und wacht im Körper von Lady Rahela auf, einer rachsüchtigen, intriganten Hofdamen, die ausgerechnet am nächsten Tag hingerichtet werden soll. Sie muss nun alles Wissen um die Handlung des Buches nutzen, um zu überleben und die bösen Machenschaften ihrer Figur fortzuführen. Dabei stellt sie fest, dass es doch seine Vorteile hat, die Böse der Geschichte zu sein.

Ich hatte mich wirklich auf dieses Buch gefreut, weil ich zum einen die Vorstellung, in das eigene Lieblingsbuch einzutauchen, wirklich spannend fand und ich zum anderen eine Geschichte unbedingt mal aus der Sicht eines bösen Charakters lesen wollte. Leider konnte mich das Buch so gar nicht überzeugen, auch wenn es wirklich viel Potenzial gehabt hätte.

Dazu trägt auch der Schreibstil bei. Dabei gefiel mir dieser zu Beginn eigentlich noch recht gut, allerdings ließ das mit der Zeit nach. Zunächst gefielen mir die kleinen Abschnitte aus dem Buch, in dem sich Rae wiederfindet, aber mit zunehmendem Verlauf des Buches haben sie mich mehr verwirrt als alles andere. Das liegt vor allem daran, dass sich das Buch durch Raes Handlungen natürlich verändert. Man kennt aber ja das Original nicht, sodass ich die meiste Zeit das Gefühl hatte, den ersten Teil nicht gelesen zu haben. Es kommen immer wieder Dinge, die Rae in der Handlung komplett überraschen, als Leser zuckt man aber nur ein bisschen die Schultern, weil man nicht wissen kann, was eigentlich passiert wäre. Ein weiterer Punkt, den ich nie wirklich verstanden habe, ist, dass Rae die Bücher von Zeit des Eisens als ihre Lieblingsreihe bezeichnet, sie aber den ersten Band nie gelesen hat. Dennoch kann sie immer wieder die weitere Handlung vorhersagen, sodass sie schnell als Prophetin des Hofes gilt. Ich verstehe ihre Gründe dafür, dass sie sie nie gelesen hat sogar, aber dass sie sich trotzdem an wirklich willkürliche Ereignisse erinnert, war mir einfach zu unrealistisch.
Über den für mich eher schwierigen Schreibstil hätte ich sogar noch hinwegsehen können, wenn ich die Charaktere gemocht hätte, aber leider bleiben die so oberflächlich, dass ich ihre Namen (von denen es zugegeben einige für eine einzige Person gibt) immer wieder vergessen habe. Hier wäre zumindest ein Personenverzeichnis für mich extrem hilfreich gewesen, damit ich zu Beginn verstanden hätte, welche Titel oder Spitznamen zu welcher Person gehören und nicht dauernd verwirrt gewesen wäre. Zudem wird oft mehr Wert darauf gelegt, die stereotypische Darstellung verschiedener Rollen (die perfekte Heldin, die böse Stiefschwester, der tiefgründige Held, etc.) zu kritisieren, als die Charaktere selbst tiefgründig zu gestalten. Das lässt sich manchmal damit erklären, dass Zeit des Eisens und somit der entsprechenden Charaktere eben einfach nicht detailliert genug ist, aber bei Rae gilt das nicht als Ausrede, sie ist schließlich eine richtige Person. Dennoch wurde ich nie so richtig warm mit ihr. Sie schafft es nie richtig zu erkennen, dass die Welt um sie herum zwar auf Papier entstanden ist, aber für sie doch sehr real geworden ist und dennoch behandelt sie alle Personen als austauschbare Schachfiguren, die man beliebig opfern kann. Das hat mich mit der Zeit wahnsinnig gemacht, weil ich sie zu Beginn zwar noch verstehen konnte, aber spätestens ab einem gewissen Zeitpunkt hätte sie erkennen müssen, dass das Buch eben mehr ist als eine Geschichte.

Alles in allem fand ich das Buch zunächst vor allem wegen der guten Idee sehr unterhaltsam, das ließ aber im Verlauf des Buches stark nach. Ich hatte einfach das Gefühl, dass sehr viel gewollt wurde, was leider nicht gut umgesetzt wurde. Weder die Charaktere noch die Story als solche haben mich wirklich abgeholt, sodass ich mich zum Ende hin mehr durchgeschleppt habe, als es wirklich zu genießen. Einen weiteren Teil werde ich auf keinen Fall noch lesen wollen, obwohl die Idee zunächst so vielversprechend geklungen hat.

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Veröffentlicht am 07.09.2024

Spannende Story mit Suchtfaktor

The Reappearance of Rachel Price (deutsche Ausgabe)
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Die Aufmachung des Buches gefällt mir ausgesprochen gut. Mir gefällt, dass das Cover perfekt zu den anderen Büchern von Holly Jackson passt, gleichzeitig aber durch die Gestaltung mit der Filmklappe und ...

Die Aufmachung des Buches gefällt mir ausgesprochen gut. Mir gefällt, dass das Cover perfekt zu den anderen Büchern von Holly Jackson passt, gleichzeitig aber durch die Gestaltung mit der Filmklappe und den Polaroids doch so einzigartig wirkt, dass man direkt erkennt, dass es sich um ein eigenes Buch handelt. Zudem gefällt mir der rote Farbschnitt ausgesprochen gut.

Die Geschichte klingt ebenfalls sehr vielversprechend: Vor 16 Jahren verschwand Bells Mutter Rachel aus mysteriöse Weise. Bel war die einzige Zeugin, doch mit ihren zwei Jahren viel zu klein, um sich an irgendetwas zu erinnern. Die Geschichte vom Kleinkind, das bei laufendem Motor im Tiefschnee zurückgelassen wurde und von ihrer Mutter, die seitdem als vermisst gilt, erregt in dem kleinen Ort noch immer Aufmerksamkeit. Auch bei einem englischen Regisseur, der eine True-Crime-Dokumentation über den Fall drehen will. Er spricht mit allen Beteiligten: Bel, ihrem Vater Charlie, der damals sogar wegen Mordes verdächtigt wurde, obwohl es keine Leiche gab, mit Bels Familie - und mit Rachel. Denn mitten in den Dreharbeiten steht sie plötzlich wieder vor der Tür, in den gleichen Sachen, in denen sie damals verschwand und Verletzungen an den Fußknöcheln. Sie erzählt, sie wäre vor 16 Jahren entführt worden, die ganze Zeit von einem Mann festgehalten worden, der sie jetzt allerdings freigelassen hätte. Obwohl alle sich zu freuen scheinen, bleibt Bel skeptisch, sie ist fest überzeugt, dass ihre Mutter lügen muss. Gemeinsam mit dem Kameramann Ash stellt sie eigene Nachforschungen an und muss sich zunehmend fragen, wem sie eigentlich noch vertrauen kann und ob vielleicht ihr ganzes Leben eine Lüge ist.

Ich liebe den Schreibstil von Holly Jackson. Sie hat eine sehr besondere Art, eine Geschichte zu erzählen, die einen von der ersten Seite fesselt und bis zum Ende nicht mehr loslässt. Dies ist auch bei diesem Buch so, dass ich es, wenn ich gekonnt hätte, kaum noch aus der Hand gelegt hätte.

Die Geschichte hat mich ebenfalls gereizt. Ich wusste nie so genau, wem ich jetzt glauben sollte und haben dadurch umso mehr mitgefiebert. Ich hatte zwar eine gewisse Tendenz, habe mich aber oft dann doch gefragt, was damals wirklich passiert ist. Der Zeitpunkt von Rachels Auftauchen wirkt so unglaublich passend und nicht wie ein Zufall. Gleichzeitig fand ich Bels Misstrauen häufig sehr übertrieben. Das war auch der Punkt, der es mir manchmal ein bisschen schwer gemacht hat, mich so richtig mit Bel anzufreunden. Sie ist Rachel gegenüber ab dem ersten Moment misstrauisch, obwohl diese ihr gegenüber immer nett ist. Selbst die Punkte, die sie stören, fand ich erst nach und nach verdächtig, nicht aber schon zu Beginn. Zudem fand ich sie, nicht nur ihrer Mutter gegenüber, oft unnötig gemein. Selbst zu ihrer Cousine Carter gegenüber ist sie oft abweisend und kalt, was diese überhaupt nicht verdient hat. Dadurch hatte ich immer wieder ziemliche Probleme, Verständnis für Bel aufzubringen. Ich konnte sie in mancherlei Hinsicht durchaus verstehen, aber fand ihre Reaktionen oft deutlich überzogen. Das hat am Anfang dazu geführt, dass ich mir nicht sicher war, ob ich so richtig mit ihr mitfiebern könnte, aber nach und nach ergibt ihr Verhalten immer mehr Sinn und ich konnte besser verstehen, warum sie so handelt. Zudem wollte ich ab einem gewissen Punkt unbedingt wissen, was denn jetzt genau passiert ist, weil ich Rachels Geschichte auch immer mal wieder hinterfragt habe.

Alles in allem hat mich das Buch mehr gefesselt als ich zunächst erwartet hätte, nicht weil ich den Schreibstil von Holly Jackson sowieso immer liebe, sondern mehr weil ich zu Beginn ein bisschen Probleme hatte, mit Bel warm zu werden. Sie stößt Menschen eher von sich als sie an sich heranzulassen, was dafür gesorgt hat, dass ich ebenso Probleme hatte, eine Verbindung zu ihr aufzubauen und ihre Sorgen ernst zu nehmen. Dennoch hat mich die Story gepackt und bis zum Ende nicht wieder losgelassen, weil ich unbedingt wissen wollte, ob Bel mit ihren verrückten Vorstellungen vielleicht doch recht haben könnte. Letztlich fand ich das Ende vielleicht ein bisschen absurd, aber es passte dadurch irgendwie auch zu dem gesamten Buch.

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Veröffentlicht am 07.09.2024

Gute Idee, die mich leider nicht überzeugen kann

Schlangen und Stein
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Das Cover gefällt mir ausgesprochen gut. Ich mag die Farbkombination aus dunklem Braun, das in helles Gold übergeht in Kombination mit der abgebildeten Person, bei der es sich sehr eindeutig um eine Darstellung ...

Das Cover gefällt mir ausgesprochen gut. Ich mag die Farbkombination aus dunklem Braun, das in helles Gold übergeht in Kombination mit der abgebildeten Person, bei der es sich sehr eindeutig um eine Darstellung der Medusa handelt, sodass das Cover perfekt zum Inhalt der Geschichte passt.

Die Story fand ich auf den ersten Blick ebenfalls reizvoll: Anders als in den antiken Mythen erzählt wird, wurde Medusa damals zwar von Perseus getötet, ist aber in Form von neun Frauen wieder auferstanden. Diese haben nur ein Ziel, den Kopf der Medusa von den Söhnen des Perseus zurückzuholen, sich wieder zu vereinen und aufzuerstehen. Eine der Medusenschwestern ist Sema, die zusammen mit ihrer Gargoyle Elena versucht dies endlich wahr machen. Doch die Söhne des Perseus wollen das mit aller Macht verhindern und die beiden geraten in ein gefährliches Spiel aus Hass und Verrat.

Ich liebe Bücher über moderne Mythenadaptionen und auch Neuinterpretationen über die Geschichte der Medusa habe ich schon einige gelesen, diese konnte mich aber leider nicht so richtig überzeugen. Das lag auch am Schreibstil. Dieser ist nicht schlecht, konnte mich aber leider nicht so richtig abholen. Ich musste mich immer wieder sehr darauf konzentrieren, was ich gerade gelesen hatte und fand es dennoch manchmal umständlich und fast schon unnötig kompliziert.

Das mag aber auch daran liegen, dass ich schon zu Beginn des Buches die Geschichte der Medusa nicht so richtig verstanden habe. Ich kenne eigentlich sogar den Ursprungsmythos, wenn man ihn denn so nennen kann und wusste deswegen natürlich auch, was mit Medusa normalerweise passiert. Dass man hier davon abweicht, fand ich eigentlich sehr spannend und die Idee, dass sie weder so richtig sterblich noch so richtig unsterblich ist, gefiel mir auch, aber die verschiedenen Welten und wie Medusa ans Leben gebunden ist, habe ich vor allem zu Beginn nicht so richtig verstanden. Das ist etwas, was mich auch im weiteren Verlauf immer wieder gestört hat, weil es zwar nicht von essenzieller Bedeutung war, mir für das Verständnis von Sema aber geholfen hätte.

Auch die Charaktere haben mich nicht so richtig überzeugen können. Zwar mochte sowohl Sema als auch Elena durchaus, aber ich hatte nie das Gefühl, eine richtige Verbindung zu ihnen aufbauen zu können. Ich hatte vielmehr immer ein bisschen das Gefühl, die Personen, obwohl die Geschichte abwechselnd aus ihrer Sicht erzählt wird, immer nur von außen betrachten und dadurch nicht so richtig mit ihnen mitfiebern zu können. Das hat dazu geführt, dass ich das Buch zwar gelesen habe, mich die Story aber zu keinem Zeitpunkt so richtig überzeugen konnte. Dazu hat die Geschichte auch zu viele Themen, die alle extrem wichtig sind, aber hier fast schon einen zu großen Teil einnehmen, ohne dass eines davon tiefergehend behandelt werden kann.

Alles in allem fand ich die Idee leider besser als die Umsetzung. Ich mochte die Charaktere zwar, wurde aber nie so richtig warm mit ihnen, was dazu geführt hat, dass ich die Geschichte eher mit Interesse denn mit Begeisterung verfolgt habe und ich mir nicht sicher bin, ob sie mir langfristig im Gedächtnis bleiben wird.

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