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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.04.2022

Literarisch, biographisch, aber kein Krimi.

Der große Fehler
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Erzählt wird anhand intensiver historischer Recherchen, angereichert mit der dichterischen Freiheit geschuldeten Ergänzungen, das Leben des Andrew Haswell Green: ein Leben, welches auch nicht frei von ...

Erzählt wird anhand intensiver historischer Recherchen, angereichert mit der dichterischen Freiheit geschuldeten Ergänzungen, das Leben des Andrew Haswell Green: ein Leben, welches auch nicht frei von Fehlern, Irrtümern und verpassten Gelegenheiten war. Die Geschichte an und für sich ist hochinteressant, auch das Eintauchen in das historische New York und die damalige Gesellschaft. Man erhält einen guten Eindruck von der damaligen Zeit und den Lebensumständen. Der Roman weist viele sozialkritische Elemente auf, geht dabei jedoch nicht sehr in die Tiefe. Es reicht aus, um das soziale Anliegen des Andrew Green deutlich werden zu lassen, seine recht einfache Herkunft und eine schwierige Kindheit haben ihn geprägt.

Jonathan Lees Schreibstil ist anspruchsvoll und komplex, sehr erzählerisch, leider wenig lebendig. Die Erzählung wechselt zwischen der Biographie von Green und dem Geschehen ab dem Mordfall Green. Auf das Buch hatte ich mich sehr gefreut, das erste Drittel hat mir gut gefallen, beim zweiten Drittel fing ich an zu ermüden und zum Ende hin habe ich mich nur noch durchgekämpft. Zu viele langatmige Passagen, die um die eigentliche Handlung herum gestrickt waren. Das Covermotiv, der Elefant, taucht immerhin in einer Nebengeschichte tatsächlich auf, wobei er wohl eher als Symbol für groß zu sehen ist (interessant die Gestaltung des Motivs mit dem NY-Stadtplan auf Zeitungspapier). Ich hatte auch gehofft, mehr über die Arbeit und die Verdienste von Andrew für New York und sein Lebenswerk zu erfahren.

Das Buch schien mit der Distanz eines Historikers geschrieben zu sein, die ein Einfühlen in die Protagonisten schwer macht. Die Auflösung des Mordfalls war nicht überraschend und der Anteil an Ermittlungsarbeit war bezogen auf den Umfang des Romans nur gering. Das Interview mit dem Autor am Ende des Romans kann man ruhig zuerst lesen, ohne dass vom Buchinhalt zu viel verraten wird. Insgesamt wurden meine Erwartungen nicht erfüllt.

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Veröffentlicht am 20.04.2022

Wie Menschen ihre Identität verlieren können

Der böse Hirte
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Auf der Suche nach zwei vermissten jungen Männern landet Colter Shaw im zweiten Band der Reihe bei einer sektengleichen Organisation, die vorgibt, bei der Trauerbewältigung zur Selbsthilfe anzuleiten. ...

Auf der Suche nach zwei vermissten jungen Männern landet Colter Shaw im zweiten Band der Reihe bei einer sektengleichen Organisation, die vorgibt, bei der Trauerbewältigung zur Selbsthilfe anzuleiten. Was sich innerhalb dieser Gruppe abspielt, wird von Jeffery Deaver spannend erzählt. Auch wenn ich länger nichts von Deaver gelesen habe, war ich schnell wieder mit seinem Schreibstil (der mir gefällt) vertraut und bin gut in das Buch reingekommen. Dass ich den ersten Band dieser Reihe nicht kannte, hat keine Rolle gespielt.
Der Hauptprotagonist Colter Shaw wurde von Deaver sympathisch angelegt, sein Umgang mit den Klienten ist respektvoll. Im Gegensatz zu dem Prämienjäger Dalton Crowe, der als Konkurrent, ein echter Fiesling ist – aber nichts gegen die handelnden Personen, die in der Sekte auftreten. Ich finde die Charaktere gut getroffen. Beim Lesen fliegen die Seiten nur so dahin, ein Buch, an dem man dranbleiben will. Ein besonderes Stilmittel des Autors, in einigen Passagen das Geschehen erst zu erzählen, und dann abermals aus der Sicht von Colter Shaw mit detaillierten Einzelheiten erneut zu schildern, ermöglicht es dem Handlungsablauf eine neue Bedeutung und Richtung zu geben. Das hat mir sehr gut gefallen.
Zum Ende hin macht uns Jeffery Deaver noch Appetit auf den Folgeband, denn die Geschichte rund um seinen Vater ist noch nicht auserzählt. Empfehlenswerte Lektüre.

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Veröffentlicht am 17.04.2022

Temporeicher Abschluss der Tom Babylon-Serie

Violas Versteck (Tom-Babylon-Serie 4)
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Wer mit den drei ersten Thrillern der Reihe mitgefiebert hat, wird sicher schon auf diesen Band gewartet haben. Lösen sich die Rätsel jetzt auf? Findet Tom seine jüngere Schwester? Aber zunächst treffen ...


Wer mit den drei ersten Thrillern der Reihe mitgefiebert hat, wird sicher schon auf diesen Band gewartet haben. Lösen sich die Rätsel jetzt auf? Findet Tom seine jüngere Schwester? Aber zunächst treffen wir auf Tom, der sich an nichts erinnern kann und nicht weiß, wie er im Krankenhaus gelandet ist. Und im parallelen Erzählstrang leidet man mit Sita mit, die scheinbar aussichtslos in einer psychiatrischen Klinik festgehalten wird.
Zunächst scheinen mehr Fragen aufgeworfen als gelöst zu werden. Das macht das Buch aufregend und hält den Spannungsbogen hoch. Marc Raabes Schreibstil versteht es zu fesseln und mitzufiebern, das Ende sorgt dann auch noch für Überraschungen. Ich empfehle die Reihe von Anfang an zu lesen. Auch wenn in Band vier der ein oder andere für das Gesamtverständnis hilfreiche Hinweis eingebaut ist, und so Quereinsteigern das Lesen auch ohne Vorkenntnis der anderen Bände ermöglicht, macht das Lesen mehr Spaß, wenn man von Beginn an dabei ist.
Ich habe lange kein Buch mehr gelesen, welches mich so mitnimmt. Einige Passagen hätten sicher verkürzt werden können, es ist ein sehr dicker Wälzer geworden. Bitte nicht davon abschrecken lassen, der Thriller ist es wert gelesen zu werden. Eine empfehlenswerte Reihe!

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Veröffentlicht am 15.04.2022

Spannend und historisch interessant

Das Mädchen und der Totengräber (Die Totengräber-Serie 2)
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Wien, Ende des 19. Jahrhunderts. Ein aufsehenerregender Fall im kunsthistorischen Museum und eine Mordserie im Strichermilieu führen dazu, dass der junge Inspektor Leopold von Herzfeldt und Totengräber ...

Wien, Ende des 19. Jahrhunderts. Ein aufsehenerregender Fall im kunsthistorischen Museum und eine Mordserie im Strichermilieu führen dazu, dass der junge Inspektor Leopold von Herzfeldt und Totengräber Augustin Rothmayer wieder gemeinsam ermitteln.
Hatte der erste Fall des ungleichen Ermittlerduos sich mit Vampirismus beschäftigt, so steht im Mittelpunkt des zweiten Falles die Kunst des Einbalsamierens von Toten. Kenntnisse über frühe Mumifizierungen in Ägypten, die Totengräber Augustin für sein neues Buch „Totenkult der Völker“ gesammelt hat, helfen bei der Lösung des Falles. Auch die Liebesbeziehung zwischen Leo und der nunmehr offiziell als Polizeifotografin beschäftigten Julia entwickelt sich weiter.

Oliver Pötzsch ist wieder ein historischer Krimi gelungen, der einen nicht loslässt. Sein Schreibstil ist flüssig und atmosphärisch, wirkt dennoch ausgesprochen leicht - er kann Geschichten so erzählen, dass man regelrecht darin eintaucht. Seine Protagonisten werden stimmig charakterisiert und entwickeln sich auch in der Serie weiter, genau wie das Beziehungsgeflecht der Personen untereinander. Die Aufklärung der Kriminalfälle bleibt bis zum Ende offen und spannend, die Erzählstränge, die sich mit dem Privatleben beschäftigen, runden alles gelungen ab. Ich hoffe auf weitere Fälle aus dem historischen Wien!

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Veröffentlicht am 06.04.2022

Interessant und gut lesbar

It's My Life
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Die Musik von Jon Bon Jovi und seiner Band kenne ich erst seit Beginn der 90er Jahre und habe sie schnell lieben gelernt. Frisch verliebt hatte es mir damals besonders „Bed of Roses“ angetan. Im Urlaub ...

Die Musik von Jon Bon Jovi und seiner Band kenne ich erst seit Beginn der 90er Jahre und habe sie schnell lieben gelernt. Frisch verliebt hatte es mir damals besonders „Bed of Roses“ angetan. Im Urlaub hatten mein Mann und ich immer einen Stapel CDs dabei, so wurden die Abende in Südfrankreich, begleitet zu seiner Musik, zu einem bis heute unvergessenem Erlebnis. Die Musik haben wir noch immer dabei, allerdings als mp3.
Von daher war ich gespannt auf diese Biographie, zumal mir der Autor Jürgen Seibold von seinen Krimis her bekannt ist und ich seinen Schreibstil mag. Ich habe das Buch nicht am Stück gelesen, immer einige Kapitel und damit ungefähr einen Lebensabschnitt nach dem anderen. Dafür hat es sich auch gut geeignet und es wurde überhaupt nicht langweilig. Besonders die frühen Jahre mit seinen ersten Schritten hin zum Rockstar, seine Bewunderung für Bruce Springsteen (den ich mit seiner Musik auch sehr mag), hat mir gut gefallen und mich auch teils amüsiert. Die Fotos in der Buchmitte sind gut ausgewählt.
Wahrscheinlich hatte mir die erste Hälfte des Buches deswegen besser gefallen, da ich von der Zeit auch nicht viel von der Person Jon Bon Jovi wusste. Die letzteren Jahre hat man – da man sich mit ihm und seiner Musik automatisch mehr beschäftigt hatte - viel mehr mitbekommen. Ein paar Geschichtchen und Anekdoten mehr von der Welter „hinter den Kulissen“ wären schön gewesen.
Auf jeden Fall fand ich das Buch lesenswert, Jon Bon Jovi ist eine interessante und facettenreiche Persönlichkeit und er strahlt viel Menschlichkeit und Hingabe aus, das bringt der Autor auch gut im Buch rüber. Empfehlenswert.

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