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Veröffentlicht am 22.09.2019

Gefangen auf Blackheath - Mitdenken definitiv erwünscht

Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle
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Die junge Evelyn Hardcastle wird ermordet. Jeden Tag aufs Neue, denn das Herrenhaus Blackheath sitzt in einer Zeitschleife fest. Solange bis Aiden, der nach jedem Schlaf in einem neuen Körper erwacht, ...

Die junge Evelyn Hardcastle wird ermordet. Jeden Tag aufs Neue, denn das Herrenhaus Blackheath sitzt in einer Zeitschleife fest. Solange bis Aiden, der nach jedem Schlaf in einem neuen Körper erwacht, dem Mörder auf die Spur gekommen ist, bleibt es auf Blackheath ein und derselbe Tag. Aiden erhält so die Möglichkeit aus unterschiedlichen Sichtweisen und mit verschiedensten Fähigkeiten zu ermitteln. Man ist also als Leser nicht nur an den Mordermittlungen interessiert, sondern die wechselnden Figuren und ihre Eigenarten machen ihren ganz eigenen Reiz aus. Immer steckt ein Stück Aiden, aber eben auch ein Stück vom „Wirt“ in dem Tun und Lassen des Detektivs des Tages. Klingt höllisch verwirrend, aber man kann dem Puzzle trotz allem recht gut folgen; mitdenken sollte man aber schon ; ) Nach und nach werden Hintergründe und Geheimnisse aufgedeckt, vermeintliche Paradoxa aufgeklärt und lose Fäden zusammengeführt; natürlich ist nichts so wie es zunächst scheint. Lediglich mit der Auflösung am Ende war ich etwas unglücklich, was aber hinter dem Gesamtkonstrukt des Vorherigen gar nicht mehr so wichtig war. Mich hat der Autor auch mit seinem Stil überzeugt, gerade die düstere Atmosphäre des Herrenhauses ist greifbar nah. Alles steht einem bildlich vor Augen, sei es das knisternde Feuer im Kamin, seien es die herbstlichen Wälder um das Anwesen. Turton kann erzählen, und das hat er mit diesem ungewöhnlichen Krimidebüt mehr als bewiesen.

Veröffentlicht am 21.09.2019

Zurück in Björnstadt

Wir gegen euch
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Nach den Ereignissen im Frühjahr ist das Leben in Björnstadt nicht mehr dasselbe. Nach der Vergewaltigung eines jungen Mädchens durch DEN Star der Eishockeyjunioren ist nicht nur das Team, sondern auch ...

Nach den Ereignissen im Frühjahr ist das Leben in Björnstadt nicht mehr dasselbe. Nach der Vergewaltigung eines jungen Mädchens durch DEN Star der Eishockeyjunioren ist nicht nur das Team, sondern auch der Zusammenhalt der ganzen Stadt gefährdet; hatte man sich doch zunächst vor den Täter gestellt, um ihn zu schützen. Vergessen kann keiner, trotzdem muss das Leben weitergehen.

Ich mochte „Kleine Stadt der großen Träume“ wirklich sehr, hatte nach der Lektüre einige offene Fragen und habe mich deswegen sehr über diesen Nachfolger gefreut. Wirklich enttäuscht wurde ich nicht, begeistern konnte mich der Autor aber dieses Mal nicht. Ich fand die Story oft sehr plakativ und z.T. auch künstlich aufgebauscht. Auf jeden Fall dreht sich die Handlung zu oft im Kreis oder wird künstlich verlangsamt, um die Seitenzahl zu rechtfertigen. Mit seinen Charakteren kann Backman hingegen wieder punkten, man sollte jedoch auf jeden Fall Teil 1 gelesen haben, um ihre Handlungen und Gedanken nachvollziehen zu können. Neue Figuren fügen sich gut ins Gesamtbild ein, auch wenn bei einigen doch kleine Ungereimtheiten auffallen.
Was mich bereits im ersten Band gestört hat, hat sich hier leider wiederholt: ständige Vorwegnahmen und düstere Aussprüche wie „Wenn sie immer ein Paar geblieben wären“, „Das sollte sich noch rächen“, etc. sind inflationär vertreten. Nach einer Weile war ich davon mehr als genervt. Die Handlung bietet ja durchaus genug, um den Leser an die Seiten zu binden, da hätten derart billige Mittelchen nicht sein müssen. Abgesehen davon hat mir der Erzählstil aber gut gefallen, Emotionen und Stimmungen werden sehr gut transportiert, man kann sich Land und Leute sehr gut vorstellen.
Unterm Strich fand ich „Wir gegen euch“ zwar angenehm zu lesen, bin aber trotzdem der Meinung, dass es diese Fortsetzung nicht zwingend gebraucht hätte, zumindest nicht in vorliegender Länge.

Veröffentlicht am 18.09.2019

Miroloi

Miroloi
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Auf einer kleinen Insel im Meer lebt eine verschworene Gesellschaft. Mit einfachsten Mitteln bestreiten sie ihren Alltag, Frauen haben ihren Männern zu gehorchen, die wiederum halten sich an die hausgemachten ...

Auf einer kleinen Insel im Meer lebt eine verschworene Gesellschaft. Mit einfachsten Mitteln bestreiten sie ihren Alltag, Frauen haben ihren Männern zu gehorchen, die wiederum halten sich an die hausgemachten Gesetze des Ältestenrats. Dazwischen findet sich ein namenloses Mädchen, das als Sündenbock für die ganze Gesellschaft herhalten muss. Nicht einmal einen Namen gestehen sie ihr zu, und nur ihrem Ziehvater verdankt sie etwas Schutz. Doch eines Tages bröckeln die alten Strukturen; zumindest ein bisschen.
Karen Köhlers Roman liest sich wirklich intensiv. Man muss sich zunächst an den eigenwilligen Stil gewöhnen, einfache, aber dennoch ausdrucksstarke Sätze bestimmen die Geschichte. Als Erzählerin fungiert das namenlose Mädchen, deren mangelnde Bildung sich eben auch in ihrer Sprache wiederfindet; vieles kann sie nicht benennen, denkt sich dafür neue Worte aus, Gefühle kann sie oft gar nicht in Worte fassen. Ihr Leben ist wirklich hart, die sinnlose Ächtung der Dorfbewohner spürt man mit jeder Zeile, der Autorin gelingt es hervorragend jedes noch so kleine bisschen Schmerz schonungslos an den Leser weiterzugeben. Mich hat ein wenig gestört, dass Veränderungen der Situation immer nur von außen angestoßen wurden bzw. von recht vorhersagbaren Ereignissen, die manchmal doch eher künstlich herbeigeführt wurden. So lebt der Roman weniger von überraschenden Wendungen, sondern eher von den transportierten Emotionen und eben auch davon, dass man als Leser gehörig ins Grübeln kommt. Insgesamt bleiben mir am Ende zu viele Fragen unbeantwortet; ein offenes Ende finde ich völlig in Ordnung, aber das ein oder andere Warum hätte die Autorin für meinen Geschmack noch beantworten müssen. So bleibt die gehaltvolle Geschichte leider etwas im luftleeren Raum hängen. Schade.

Veröffentlicht am 11.09.2019

Frankie 2

Todeslügen
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Eine Leiche im Priesterornat; doch es ist nicht der Priester. Eine weitere Leiche, halbnackt, doch es liegt kein Missbrauch vor. Ein Killer, der seine gerechte Strafe für den Mord an seinen Eltern abgesessen ...

Eine Leiche im Priesterornat; doch es ist nicht der Priester. Eine weitere Leiche, halbnackt, doch es liegt kein Missbrauch vor. Ein Killer, der seine gerechte Strafe für den Mord an seinen Eltern abgesessen hat. Oder war er es am Ende doch nicht?

Frankie Sheehan hat in diesem Band viele Rätsel zu lösen. Vielleicht war es die ein oder andere Verstrickung zu viel. Oder ich war nach dem ersten Band „Zu nah“, der mir super gefallen hat, mit zu hohen Erwartungen ans Buch gegangen. Oder ich bin mit dem falschen Lesebein aufgestanden… Oder, oder, oder. Warum auch immer, der Funke ist bei mir nicht übergesprungen. Die Figuren stimmen, die etwas düstere Atmosphäre stimmt auch. Aber der Fall/die Fälle haben mich nicht mitgerissen. Zündstoff wäre genug da, doch die Autorin schafft es einfach nicht mich dauerhaft für die Story zu begeistern. Es kommen immer mal spannende Momente auf, doch dann wird das Potential nicht ausgeschöpft, ein spannungsdämpfender Blick in die Vergangenheit geworfen, oder irgendwas wiederholt. Ich mag Frankie, ich mochte Band 1, somit würde ich der Reihe noch mal eine Chance geben. Aber der vorliegende Band hat mich doch etwas enttäuscht zurückgelassen.

Veröffentlicht am 07.09.2019

Pulverfass Bienville

Verratenes Land
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Nur widerwillig ist Marshall vor einigen Monaten wieder nach Hause, zurück an den Mississippi gezogen. Sein Vater ist schwer erkrankt, die Leitung der Zeitung in Gefahr. Statt also in Washington vom Puls ...

Nur widerwillig ist Marshall vor einigen Monaten wieder nach Hause, zurück an den Mississippi gezogen. Sein Vater ist schwer erkrankt, die Leitung der Zeitung in Gefahr. Statt also in Washington vom Puls der Zeit zu berichten, steckt er mit Mitte 40 dort fest wo er nie hinwollte. Doch als sein Ziehvater Buck kurz vorm Spatenstich einer für die Stadt so wichtigen Papierfabrik tot aufgefunden wird, da weiß Marshall gleich, dass es hier nicht mit rechten Dingen zugegangen sein kann.

Greg Iles hat mich schon mit seiner Penn Cage Trilogie begeistert, umso besser, dass auch sein neuer Roman mit ähnlicher Thematik punkten kann. Das bedeutet aber mitnichten, dass der Autor alte Stories wieder aufwärmt, sondern er schafft etwas Neues. Bienville krankt an vielen Dingen: verstecktem, aber auch offenem Rassismus. Der Tatsache, dass man wirtschaftlich irgendwie den Anschluss verpasst hat. Und natürlich am Pokerclub, dem elitären Zirkel der Stadt, der aus denen besteht, die halt etwas gleicher als die anderen Gleichen sind. Diese explosive Mischung sorgt auf den fast 900 Seiten für reichlich Zündstoff, langweilig wird es nie, dafür oft beklemmend, brenzlig und sehr spannend. Ich mochte Marshall gerne, auch wenn er mir an mancher Stelle doch etwas zu naiv durchs Leben gegangen ist; oder vielleicht macht Liebe auch einfach nur blind. Die anderen Figuren sind unterm Strich ebenfalls gut gelungen, gerade die Mitglieder des Pokerclubs sind der Inbegriff des Bösen; ab und an vielleicht etwas zu dick aufgetragen, was aber ebenfalls zu verschmerzen war. Das Mit- und Gegeneinander funktioniert trotzdem als Story super, Iles erzählt mit seinem wunderbaren Stil als wäre er direkt dabei gewesen. Auch seine detaillierten und sehr bildlichen Beschreibungen der Landschaften und v.a. des großen Mississippis waren für mich ein Highlight des Buches. Ein wirklich toller Südstaatenroman, der viele heiße Themen anfasst, dabei aber immer noch eine spannende Story erzählt.