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Veröffentlicht am 25.03.2025

So ein gutes, echtes Buch.

People Pleaser
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„𝗔𝗹𝗲𝗸𝘀 𝘄𝗶𝗹𝗹 𝘀𝘁𝗮𝗿𝗸 𝘀𝗲𝗶𝗻. 𝗙𝘂𝗲𝗿 𝘀𝗶𝗰𝗵 𝘀𝗲𝗹𝗯𝘀𝘁.
𝗜𝗰𝗵 𝘄𝗶𝗹𝗹 𝘀𝘁𝗮𝗿𝗸 𝘀𝗲𝗶𝗻. 𝗙𝘂𝗲𝗿 𝗮𝗹𝗹𝗲 𝗮𝗻𝗱𝗲𝗿𝗲𝗻.“
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Nina ist harmoniebedürftig und erfolgsorientiert, meidet Konflikte jeglicher Art und kann die Vorstellung, ...

„𝗔𝗹𝗲𝗸𝘀 𝘄𝗶𝗹𝗹 𝘀𝘁𝗮𝗿𝗸 𝘀𝗲𝗶𝗻. 𝗙𝘂𝗲𝗿 𝘀𝗶𝗰𝗵 𝘀𝗲𝗹𝗯𝘀𝘁.
𝗜𝗰𝗵 𝘄𝗶𝗹𝗹 𝘀𝘁𝗮𝗿𝗸 𝘀𝗲𝗶𝗻. 𝗙𝘂𝗲𝗿 𝗮𝗹𝗹𝗲 𝗮𝗻𝗱𝗲𝗿𝗲𝗻.“
______________

Nina ist harmoniebedürftig und erfolgsorientiert, meidet Konflikte jeglicher Art und kann die Vorstellung, eine Enttäuschung oder nutzlos zu sein, nicht ertragen. Unentwegt drehen sich ihre Gedanken um Schulstoff und gute Noten, die nie abnehmende To-do-Liste ihrer Mutter und um die Möglichkeiten, ihren FreundInnen zu helfen – sei es mit einem offenen Ohr oder Deeptalk. Denn nur wenn Nina unermüdlich an andere denkt, sie unterstützt, gibt, Ratschläge parat hat, kann die Abiturientin ihre Existenz rechtfertigen. Und außerdem: Die Frauen ihrer Familie halten es seit Generationen so. Da ist doch nichts dabei …

Nun, während wir die Ereignisse aus „People Pleaser" verfolgen, wird schnell klar: Da ist eine Menge dabei! Aktuell fokussiert auf die „Probleme" ihrer besten Freundin und die Hintergründe von Teonas Veränderung, nicht sicher, wie sie die Freundschaft kitten soll, stürzt sich Nina in skurrile, übergriffige Aktionen. Eine davon: Sie will den augenscheinlichen Bad-Boy und Teos Loveinterest „fixen" – damit diese eine gesunde Beziehung führen und endlich emotionale Bindungen zulassen kann.
Allen Vorurteilen Nikolinas zum Trotz stößt sie durch ihren Therapieversuch auf Aleks' Wahrheiten. Und dann ist da noch Finn, Ninas nerdiger Streber-Konkurrent …

In einem locker-leichten Ton, der uns eine gewisse Zugehörigkeit vermittelt, führt uns die Autorin direkt in das Geschehen. Dass sich Anna Dimitrova eines typischen Jugendslangs, echter Probleme sowie gewichtiger Themen, mit denen nicht einzig junge Menschen kämpfen, bedient, trägt merklich zur Authentizität dieses Romans bei.
Erzählt wird hauptsächlich aus Ninas Perspektive, so dass wir einen Eindruck ihres Alltags und ihrer Gefühlswelt bekommen. Nicht nur in ihrem heroischen Verhalten, auch in ihrem Kleidungsstil und der mangelnden Selbstfürsorge ist deutlich, dass die engagierte Jugendliche keinen Raum beanspruchen, nicht auffallen und vor allem keine Last sein will. So extrem ihre „Hilfe" und ihre Bemühungen auf Außenstehende wirken: Nikolina ist felsenfest davon überzeugt, alles und nur Gutes für ihre FreundInnen zu tun, damit es diesen an nichts fehlt.
Je mehr wir in Ninas Persönlichkeit und ihr Umfeld, in ihre Familie – in der die überall helfende Workaholic-Mum den größten Raum beansprucht – eindringen, je öfter wir ihre Versuche, „Unterstützung zu leisten", verfolgen, umso gewahrer werden uns die Selbstzweifel, die Unzulänglichkeiten und Ängste … Umso tiefer berühren Ninas unterschwellige, sich selbst abwertende Gedankenspiralen und Bemühungen.
Durch Kapitel aus Aleks' und Finns Sicht erhält die Handlung zusätzlich Tiefe und ein ‚Mehr' an Konflikten – sowohl der sportaffine Muskelmann als auch der aufmerksame Streber ringen mit sich, ihrem Leben – und ihren Müttern. Wir bekommen einen greifbaren Eindruck dieser unterschiedlichen Charaktere und ihrer Struggles, können verstehen. Nur Teos Situation verfolgen wir einzig von außen – typisch, denn sie lässt niemanden an sich heran.

„𝐏𝐞𝐨𝐩𝐥𝐞 𝐏𝐥𝐞𝐚𝐬𝐞𝐫: 𝐄𝐢𝐧𝐞 𝐟𝐮𝐞𝐫 𝐚𝐥𝐥𝐞 𝐮𝐧𝐝 𝐚𝐥𝐥𝐞 𝐟𝐮𝐞𝐫 𝐬𝐢𝐜𝐡“ hat mich begeistert und sehr bewegt. Der Mix aus ernsten, aktuellen Problematiken, Gefühlschaos und Humor – wie oft musste ich aufgrund amüsanten Geplänkels lachen? – war hervorragend. Es ist ein leichtes, sich mit den Figuren – hauptsächlich einer Clique, die sich aus verschiedenen Kulturen zusammensetzt – zu identifizieren, sich hier und da wiederzufinden. Zusätzlich wurde dieser Roman durchweg abwechslungsreich und interessant gehalten, war spannend, spaßig und emotional.
Dimitrova animiert gekonnt zum Spekulieren und Mitleiden, zum schwer Seufzen, und weckt den Drang, die People-Pleaserin zu schütteln – und in den Arm zu nehmen.
Ah! Und die Liebe. Der schüchtern-romantische Aspekt ist ebenfalls gegeben und das auf eine süße, herzerwärmende Art.
Abgesehen von Nina und Teo, deren Freundschaft trotz der aktuellen Distanz besonders und intensiv, wenn auch in diesem Moment nicht ausbalanciert und stellenweise ungesund wirkt, stehen Aleks und Finn, die, je besser man ihr wahres Ich kennenlernt, absolute Traumtypen sind, im Vordergrund.

Es braucht Zeit und schmerzliche Wahrheiten, bis Nina verstehen kann, was falsch läuft, und bereit ist, sich zu entwickeln, mutig zu sein und dem Ursprung ihres maroden Selbst auf den Grund zu gehen. Die diversen Probleme werden in einer stimmigen und dem Alter entsprechenden Weise reflektiert und ergründet, Gespräche werden gesucht und Tränen vergossen. Nikolina muss sich erst verlieren, überwinden, um letztlich zu sich selbst zu finden.
Ob diese Erkenntnisse zu spät kommen oder ob ihr ihre „Projekte“ verzeihen?

„People Pleaser“ erzählt von schier endlosem (Leistungs)Druck, innerfamiliären Konflikten und utopischen Erwartungen, von Versagens- und Verlustängsten und von dem Drängen, einen Grund für das eigene Dasein finden zu müssen. Anna Dimitrova beschäftigt sich in ihrem Buch mit Kindheitstraumas, toxischen Beziehungen und toxischer Männlichkeit, mit Selbstzweifeln, Minderwertigkeitsgefühlen sowie schweren psychischen Problemen und destruktiven Bewältigungsstrategien. Die Autorin entstigmatisiert Therapie, nimmt das Tabu von „sich professionelle Hilfe suchen“ und generiert Aufmerksamkeit für Essstörungen – gemeinhin als „weiblicher Struggle" degradiert, werden LeserInnen hier endlich (!) mit der Realität konfrontiert: (psychische) Erkrankungen sind niemals geschlechtsspezifisch.
Wir begegnen verschiedenen Jugendlichen an der Grenze zu Eigenständigkeit und Erwachsensein, auf der Suche nach einem Platz, Stabilität, nach einem Halt.

So ein Buch ... so ein Buch sollte doch in Schulen liegen.. ♡

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Veröffentlicht am 24.03.2025

RomCom mit interessantem Setting und berührenden Themen.

How To End A Love Story
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Angeteasert als »eine der besten Liebesgeschichten des Jahres!« und in Kombination mit einem vielversprechenden Klappentext musste ich „How to end a Lovestory“ unbedingt eine Chance geben. Verlust, Trauma, ...

Angeteasert als »eine der besten Liebesgeschichten des Jahres!« und in Kombination mit einem vielversprechenden Klappentext musste ich „How to end a Lovestory“ unbedingt eine Chance geben. Verlust, Trauma, mentale Probleme und eine Quasi-Second-Chance – zumindest auf ein Kennenlernen – klangen einfach nach viel Herzschmerz. Und ja, vor allem in den letzten zwanzig Prozent bekommen wir etliche Emotionen um die Ohren gehauen, Überlegungen, die tief treffen, eine starke charakterliche Entwicklung sowie einen Mix aus Abschiedsschmerz, Loslassen und neu Anfangen. Die Handlung zuvor? Nun...

Yulin Kuang, selbst Drehbuchautorin und Regisseurin, bediente sich passend einer Rahmenhandlung, die die Produktion einer Serie umreißt. Hat es an Details über die Arbeit am Set gefehlt, mangelt es der Story zumindest nicht an zähen Stellen.
Der Stil ist eigentlich sehr gut, modern und detailreich, aber aufgrund der personalen Erzählweise durchgehend auf Distanz bedacht. Es fiel mir gerade zu Beginn schwer, aufrichtig mitzufühlen, andererseits gab es vieles, das ich aufgrund der authentischen Ausarbeitung verstehen konnte.

Bspw. Helens widersprüchliche, aber absolut echte Empfindungen. Hält sie sich zu keiner Zeit für liebenswert und gut genug; ist nie frei von Wehmut und der Scham, die sie stetig bei der Erinnerung an ihr letztes Gespräch mit Michelle, für die sie nicht ausreichte, befällt; ist noch immer wütend auf sich selbst, die Umstände und den Menschen, der ging, noch immer in Trauer, hegt die [fiktive] Autorin doch auch Gedanken über und Gefühle für ihre Schwester, die weit entfernt von rosa glänzend und Lobeshymnen sind. Auch Helens nie pausierende Suche nach Antworten und Gründen wird mehrfach aufgegriffen. Genauere Einblicke in Grant und auf seinen Lebensweg hätten die Handlung mit Sicherheit emotional aufgewertet. Der Drehbuchautor ist ein unglaublich guter Mensch, ein Mann zum Verlieben, dem es weder an Ernst noch an Humor, nicht an Leidenschaft und Tiefe fehlt. Dass er mit dem, was vor dreizehn Jahren geschah, kämpft und hadert, ist durchweg ersichtlich, wenn sich die im Klappentext erwähnte Angststörung auch nur in zwei, drei Szenen zeigt und dies sichtlich „bemüht“ wirkt.

Nichtsdestotrotz waren beide Protagonisten gut gezeichnet, im Gegensatz zu dem Übergang ihres Verhältnisses – von unfriendly zu strangers-to-friends zu love-interests in unter zwei Seiten. Ungefähr. Diese Entwicklung selbst war nicht sonderlich griffig, dafür gab es wunderbare Zweisamkeitsszenen danach. Ungeschönte, offene Gespräche, direkt und ehrlich – was Helens Versuche, sich vehement und bewusst gegen ein Mehr als nur Spaß zu sperren, nicht stoppt und sie auch nicht von der Haltung, eine Beziehung mit DIESEM Mann sei ein Tabu, abbringt …
Die expliziten Szenen setzt Kuang punktgenau und sehr spicy ein, ebenso wie den Witz, der der Geschichte trotz der tragischen Ausgangssituation, all der Selbstzweifel und des Lebensschmerzes innewohnt.
Im Gesamten gingen die Nebenfiguren ein wenig unter, wobei diese zumindest in relevanten Momenten präsent waren.

Zu Beginn vielleicht gewöhnungsbedürftig war der perspektivische Aufbau, wechselt diese doch mitten im Kapitel, einzig durch eine Leerzeile kenntlich. Hier und da wird man somit unweigerlich aus einer Szene gerissen, gleichzeitig erhält die Storyline dadurch ein gewisses Tempo.
Helens Beziehung zu ihren Eltern ist übrigens ein weiterer Punkt, der viel Gewicht bekommt – ich war hin- und hergerissen zwischen „Behaupte dich! Du bist über 30 Jahre!“ und „Omg. Ich kann’s so verstehen!“ Auch diese wichtige Problematik – für andere ein gutes, sorgenfreies Leben zu führen und Erwartungen zu erfüllen – findet, wie vieles andere, eine ausreichende Aufarbeitung und einen stimmigen Abschluss.

Insgesamt wartet in „How to end a Lovestory“ eine rührende Liebesgeschichte, die abgesehen von den erwähnten Schwächen mit Witz und Gefühl erzählt wurde, nicht an überraschenden und einheizenden Momenten sowie tiefschürfenden Erkenntnissen, nicht an Konflikten und Problemen geizt.

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Veröffentlicht am 24.03.2025

Nichts zu meckern - einfach sehr gut.

Die Schwarze Königin II
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In „Die Schwarze Königin 2“ führt uns Markus Heitz zurück in eine komplexe Geschichte voller Legenden, Vampire und dunkler Magie.
Um die Geschehnisse vollumfänglich greifen und nachvollziehen zu können, ...

In „Die Schwarze Königin 2“ führt uns Markus Heitz zurück in eine komplexe Geschichte voller Legenden, Vampire und dunkler Magie.
Um die Geschehnisse vollumfänglich greifen und nachvollziehen zu können, empfehle ich, Band eins zu lesen.

Teils grausig und blutig, oft actionreich und mysteriös, vielerseits jedoch auch lediglich interessant und unterhaltsam, stets darauf bedacht, die LeserInnen in die faktenreiche Handlung einzubeziehen, nimmt uns der Autor mit in seine historische, urbane Dark-Fantasy, sodass auch dieser Roman, einmal angekommen, wie im Flug vergeht.

Erneut befinden wir uns in der Gegenwart bei Klara und Len, die sich meiner Auffassung nach in ihrem Wesen, in ihrem Wissensstand und in ihren Fähigkeiten stark entwickelt und sich den Gegebenheiten – Flucht, Übernatürliches und Gefahr – angepasst haben. Diese beiden werden auf Mareks Anordnung von Tereza, einer schwarzmagischen Strigoi Vii, begleitet; fungiert als Aufpasserin, Spionin. Doch es scheint, egal wohin das Trio geht, die mystischen, ortsansässigen Wesen wollen Klara, Len und Tereza nicht in ihren Gefilden haben und unbekannte GegnerInnen – vor allem ein taffes Duo – sind ihnen immer auf den Fersen. Um nicht nur das Gelingen der Mission der Schwarzen Königin zu sabotieren, sondern auch ihr Vermächtnis, das Abramelin, in die Finger zu bekommen …
Der andere Strang führt uns in das Jahr 1400 – zu Barbara von Cilli persönlich, zu Vlad und seinen Söhnen, von denen einer eine schockierende Entwicklung durchläuft, zu mehr Tod, Intrigen und Verderben. Es geht um Macht, Manipulation, Alchemie und die Vernichtung der Strigoi. Um dämonische Pakte und Flüche …

Markus Heitz begeistert wiederholt mit seiner merklichen Recherche, die sich in historischen Fakten widerspiegelt. Diese geschichtlichen Eindrücke sind plastisch integriert, werden durch zahlreiche Details, mit dunklen Künsten und verschiedenen Wesenheiten, bekannt aus Mythologie und Phantastik, aufgewertet. Zudem kreierte der Autor eine düstere, packende Atmosphäre, die sich dicht um seine Story, die selbst die LeserInnen in Habachtstellung verweilen lässt, windet. Die Handlung ist mit allerlei Plottwists und Verlusten gespickt, mit der Frage, welche Intentionen die einzelnen Figuren wirklich verfolgen – denn weder im Heute noch im Damals ist es leicht, Worten und Vorhaben zu glauben.
Heitz geizt nicht mit Blut und derben Szenen, nicht mit Rache, Mord und Folter. Weder an Verrat, Täuschung noch an leeren Versprechungen und Dunkelheit. Im Gegensatz zu all den Gänsehautmomenten steht der gewisse (trockene) Humor, den so manch Charakter mit sich bringt – mein Liebster ist übrigens Cyprienne.

Teilweise habe ich mich des Hörbuchs bedient, und die verschiedenen Dialekte, die Uve Teschner, der zwar die komplette Story selbst, jedoch äußerst abwechslungsreich erzählt, aufwendet, sind einfach hervorragend.

Waren die Koalitionen aus der Vergangenheit auf Distanz bedacht, schwer einzuschätzen, bilden Len, Tereza und Klara trotz der einen oder anderen Unstimmigkeit eine dynamische Einheit, in der Respekt und echte Verbundenheit zu spüren sind. Auch bei Tizian und Cyprienne zeugen diverse Augenblicke davon, dass es sich um eine leise Art der Freundschaft handelt. Wenn diese auch ihre Grenzen hat.

Aufgrund des Wechsels von Zeit und Perspektive sowie der zahlreichen Begrifflichkeiten und Namen fordert „Die Schwarze Königin“ Aufmerksamkeit. Hilfreich sind das Figurenverzeichnis und das Glossar am Anfang des Paperbacks. Letzteres legt die äußerst informative Einteilung der Vampir- bzw. Wiedergängerarten dar. Obgleich Komplexität, Input und Tücken sorgt Markus Heitz mit seinem Stil, der im Gesamten leicht und locker war, sich jedoch stets dem Strang, der aktuellen Situation und der vorherrschenden Stimmung anpasste, dafür, dass es einfach und gewissermaßen auch spaßig ist, der Handlung zu folgen und die Ereignisse zu verstehen.
Dass neben all dem Adrenalin und der Sorge, dem Kämpfen und Blutvergießen auch Platz für unerwartete Bindungen, die über rein strategische Bündnisse hinausgehen, ist, gibt der Story etwas Menschliches.
Wer wird am Ende scheitern, wer wird noch leben?

Nekromantie, Schwarze Magie, Untote und das Streben nach Unsterblichkeit sowie Alchemie und technischer Fortschritt vereinen sich mit History und Spannung zu einer urbanen Vampir-Geschichte, die Klassik und Ursprung vorzuweisen hat – statt Glitzer und Romantasy.

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Veröffentlicht am 23.03.2025

Runder, gelungener Abschluss.

Empire of Sins and Souls 3 - Das zerrissene Herz
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„Empire of Sins and Souls“ – eine düstere Serie, die Höhen und Tiefen brachte …

„Das zerrissene Herz“ markiert das Finale der Dark-Romantasy-Trilogie von Beril Kehribar und führt die Geschehnisse des ...

„Empire of Sins and Souls“ – eine düstere Serie, die Höhen und Tiefen brachte …

„Das zerrissene Herz“ markiert das Finale der Dark-Romantasy-Trilogie von Beril Kehribar und führt die Geschehnisse des Vorgängers nahtlos weiter.
Nach Kaspars Verrat und der folgenschweren Entscheidung, die Zoé Durand treffen musste, um nicht in die Höllenfeuer zu driften, sind Wut, Rachegelüste und Blutdurst äußerst präsent. Die Gräfin sieht sich nun nicht nur mit ihren Begierden konfrontiert, sondern auch mit einer neuen Bürde und höfischen Pflichten, während sie vehement versucht, den Stich in ihrem Inneren zu ignorieren und Alexei zu lieben. Doch das Herz will, was es will …

Habe ich zu Beginn dieser Reise das mangelnde Worldbuilding und in Band zwei die romantische Fokussierung kritisiert, komme ich jetzt nicht umhin zu sagen, dass dieser dritte Teil eine informative und abwechslungsreiche, spannende und emotionale Story beinhaltet. Xanthia, die Entstehung dieses Reiches samt der Mythologie und den Mysterien der gesuchten Relikte bekamen endlich Kontur, Lücken wurden geschlossen, sodass es leichter fiel, das dunkle Setting, die hiesige Gesellschaft zu greifen. Der Mix aus royalen und historischen Vibes, die Kombination aus Politik und perfiden Plänen kam der Atmosphäre durchweg zugute, während die Protagonisten sowie deren unberechenbare Reaktionen und verborgene Seiten die Handlung tragen.
Kehribars Ton ist den Gegebenheiten – ob rau, herrschaftlich oder anzüglich, im spritzigen Schlagabtausch oder voller Gefühl – zu jeder Zeit angemessen. Die bedrückende, schwere Stimmung lichtet sich nur in seltenen Momenten, und weder Zweifel noch Schuld, nicht der Wunsch nach Vergeltung lassen gänzlich von der einstigen Hure ab.

Zoé, Alexei und Kaspar – die das Hauptaugenmerk auf sich ziehen – stehen in einer ambivalenten Beziehung. Hierbei wurde Durand – ihr klaffender Zwiespalt und die in ihr wütenden Emotionen – am nahbarsten gezeichnet, während Graf und Prinz lange auf ihre eigenen Vorteile bedacht schienen, stets bereit, Blut zu vergießen und jeden zu verraten – für ein Ziel, welches nicht immer klar ist. Ja, beiden Xathyres brachte ich durchweg ein gewisses Misstrauen entgegen. Zoé hingegen ist trotz ihrer zwielichtigen Vergangenheit und ihrem nicht ausschließlich selbstlosen Weg eine von den Guten. Eine Frau, die nie mehr wollte als eine zweite Chance und Vergebung. Rückblickend empfand ich ihre innere Entwicklung nicht sonderlich groß, war sie doch von Anfang an eine Frau mit eigenem Willen, mit Feuer und Trotz. Eigenschaften, die sie selbst in Angesicht von Schmerz und der ihr entgegengebrachten Niedertracht nicht ablegte. Doch mit ihren Entscheidungen, ihrer Liebe und ihrem Mut hat sie sich langsam, Stück für Stück tiefer in dem politischen Netz des Reiches, in den Intrigen der Obigen verheddert. Nun, mit ihren ungestümen Empfindungen, ihrem verletzten Herzen, ihrem wunden Inneren und ihren erstarkenden Kräften ist sie den dunklen Hoheiten, ist sie Kas und Alexei, ebenbürtig. Gefährlich …

In der kompletten Handlung von „Empire of Sins and Souls“ lernen wir einige Nebenfiguren kennen, von denen so manche mit unerwarteter Wärme und verbissener Hilfe im Kontrast zu dem kühlen Setting steht. Nicht alle bleiben bis zum Ende, und diese ungeahnten Verluste sorgen für anhaltendes Interesse und treiben den Verlauf genauso an wie die aufschlussreichen, klärenden Gespräche, interessante Entdeckungen und heiße, gewagte Szenen! Dass diese Romantasy-Story von Schuld und Vergebung – auch der eigenen – erzählt, von fragwürdigen Intentionen und Fehlern, vor denen weder Mensch noch Dämon bewahrt wird, von tiefer Liebe und purer Leidenschaft, der Bereitschaft, Opfer zu bringen, alles zu geben und zu versuchen, gibt der Trilogie etwas Tieferes. Etwas, das innehalten und sich der Abgründe der Geschichte – des Einzelnen – gewahr werden lässt.

Fazit: Trotz Schwächen und Kritik kann ich 𝐄𝐦𝐩𝐢𝐫𝐞 𝐨𝐟 𝐒𝐢𝐧𝐬 𝐚𝐧𝐝 𝐒𝐨𝐮𝐥𝐬 empfehlen. Am besten alle drei Teile nacheinander genießen.

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Veröffentlicht am 23.03.2025

Echt, hart, realistisch.

The Glass Girl
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Ich habe jedes übersetzte Buch von Kathleen Glasgow gelesen – weil mich jedes einzelne Thema selbst betrifft oder betroffen hat. Weil ich, in meiner Jugend, solche Romane gebraucht hätte und es mir auch ...

Ich habe jedes übersetzte Buch von Kathleen Glasgow gelesen – weil mich jedes einzelne Thema selbst betrifft oder betroffen hat. Weil ich, in meiner Jugend, solche Romane gebraucht hätte und es mir auch heute noch hilft, das Gefühl zu bekommen, verstanden zu werden, nicht allein zu sein.



„𝐓𝐡𝐞 𝐆𝐥𝐚𝐬𝐬 𝐆𝐢𝐫𝐥 “ schildert das Leben der Teenagerin Bella, die seit der Trennung ihrer Eltern und dem Tod ihrer Großmutter mit dem Alltag kämpft, sich des Gedankens nicht verwehren kann, „stets etwas zu müssen“ und dabei unsichtbar zu sein, Risse zu kitten. Als ihre erste Liebe sie verlässt, scheint es als könnte Bella nie wieder glücklich sein. Zwischen Schule und Arbeit, dem wöchentlichen Wechsel ihres zu Hauses, der Schuld, die sie empfindet, egal was sie tut oder nicht, und der Betreuung ihrer kleinen Schwester bleibt wenig Zeit zum Durchatmen. Doch die Abende, umgeben von ihrer Clique, nutzt Bella um zu vergessen, zu betäuben, sich leicht zu fühlen. Und irgendwann braucht sie den Alkohol auch am Tag, immer griffbereit. Aber das Mädchen ist nicht krank. Nicht süchtig. Sie kann den Wodka stehen lassen, wenn sie will … Oder?



Glasgow schafft es, dass sich LeserInnen mit Bella identifizieren, mitfühlen können. Der Weg in die Sucht – gerade heute, wo Alkohol dazu gehört, „normal“ ist, ein Bier hier, ein Glas Sekt dort, und es keine Kunst ist, auch als Minderjährige/r an ausreichend Promille zu kommen – ist schleichend, wurde deutlich gezeichnet, genau wie das Wanken zwischen klaren und verschwommenen Augenblicken, zwischen Standhaftigkeit und Schwäche.

Besonders innig und intensiv fand ich die Beziehung zwischen Bella und ihrer Schwester, etwas, das uns verbindet. Auch die eine oder andere Freundin bleibt an ihrer Seite, findet sich dort neu ein, wo andere Freundschaften zerbrechen, vielleicht nie existierten.

Kathleens Ton ist – wie jedes Mal – sehr einnehmend, klar, gewissermaßen distanziert und passend der Themen melancholisch, erdrückend und schwer. Dass Therapie und Entwöhnung nicht frei von Rückschlägen, die Stimmung wankelmütig ist, Lügen alltäglich sind, der Wille bröckelt, gibt dem Roman noch mehr Authentizität. Genau wie Bellas Schmerz – der überall und nirgendwo sitzt.

Die Wochen in der Entzugsklinik sind realitätsnah dargestellt – von Abläufen, Gruppendynamiken, echten Messages bis hin zu den Lücken im System und den gewonnenen Erkenntnissen. Nichts in diesem Buch wurde vereinfacht dargestellt – und ist das nicht das bewegende an Glasgows Büchern?!

Bellas Geschichte endet nicht nach der Therapie, nach klärenden Gesprächen, endet nicht selbstbewusst trocken, sondern zeigt auch die Schwierigkeiten „im draußen“ auf, wie leicht es ist, zurück in Gewohnheiten zu driften, wie ungemein wichtig, Grenzen zu ziehen, zu Fehlern zu stehen, um Hilfe zu bitten.



Der Weg zum Erwachsen werden, jener, der uns zu uns selbst führt, die Frage stellt, wer wir sind und sein wollen, ist kein leichter, doch Bellas ist um ein Vielfaches härter. Mentale Probleme, familiäre Konflikte, Selbstzweifel- und hass, Liebeskummer, (Lebens)Müdigkeit und das Drängen der Sucht, die stets griffbereite Fluchtmöglichkeit des lockenden Alkohols (…) all das verbindet sich in „The Glass Girl“ zu einer rührenden, schonungslosen und echten Geschichte, die weder beschönigt noch romantisiert.



Sucht fragt nicht nach dem Alter, beginnt schleichend und lässt dich nie mehr los.

Sei vorsichtig mit deinen Worten. Sie könnten tiefer treffen als gewollt.

Geh aufmerksam mit deinen Mitmenschen um. Manche wollen Hilfe, aber können nicht darum bitten.

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