Eigentlich eine gute Romance, jedoch fehlte mir der Versprochene „Suspense-Faktor“.
Say My NameDie Nacht ihres 25. Geburtstags wird Vida Torres niemals vergessen, was nicht zuletzt daran liegt, dass sie in dieser nur knapp einem Übergriff entkommen ist. Auch ihr Retter – Krystian Mazur, widersprüchlich ...
Die Nacht ihres 25. Geburtstags wird Vida Torres niemals vergessen, was nicht zuletzt daran liegt, dass sie in dieser nur knapp einem Übergriff entkommen ist. Auch ihr Retter – Krystian Mazur, widersprüchlich in seinem Auftreten und seinen Handlungen, trägt dazu bei, dass sie sich immer an diesen Abend erinnern wird. Der Schock über das, was hätte passieren können, und die Irritation darüber, dass sie samt mordsmäßigem Kater und Filmriss gerade im Bett jenes Eisprinzen aufwacht, der Vida wenige Stunden zuvor schroff abgewiesen, jedoch stets beobachtet hat, hallen noch lange in der Calltakerin nach. Und während sich ein Funke Hoffnung in ihr daran klammert, dass er trotz Unstimmigkeiten der Gute in ihrer Geschichte ist, ist Krystian, allen Versuchen, Vida zu vergessen, bereits verloren…
Erzählt wird hauptsächlich aus Vidas Sicht. Zwischendurch mischen sich zwar Krys’ Gedanken und Empfindungen ein, die machen es aber nicht leichter, den Schmuckdesigner zu greifen und zu durchschauen. Zusätzlich wird die Romance von einer Perspektive gespickt, die 5 Jahre zurückliegt und eine verletzte Teenagerin zeigt, die sich nach und nach veränderte, düsterer wurde, weniger. Je besser Vida ihre Zufallsbekanntschaft kennenlernt, je mehr sie sich auf den wechselhaften Mann einlässt, umso inniger und intensiver wird ihr Verhältnis. Trotz der Gewissheit, dass Krystian etwas verheimlicht, dass ihn etwas belastet, kann sie sich der Anziehung, seiner aufmerksamen, liebenswerten Art, nicht verwehren. Doch wird ihr Herz noch immer höher schlagen, wenn sie sein Geheimnis kennt?
Franci Edens Stil war hervorragend, oft humorvoll und durchweg authentisch. Es war leicht, sich in die Story, die mit allerhand kleinen Details gespickt war, fallen zu lassen, Vidas Zweifel zu teilen, sich in Krys zu verlieben und zeitgleich auf den Knall zu warten, der alles zusammenbrechen lässt… Vida, gezeichnet von ihrer letzten Beziehung, ist ebenso stark und taff wie gemütlich und rücksichtsvoll. Sie hat einen Hang zu Zucker und Kaffee und kann kitschigen Liebesromanen nur wenig abgewinnen – im Gegensatz zu Kry. Sie ist das Chaos in seiner ordentlich-sauberen Welt, die einzige, die an seiner Beherrschung kratzt, gegen die er sich wehren sollte…
Wenn der männliche Loveinterest auch einer angespannten Greenflag gleichkommt, schafft es Eden doch, dass ein unbekannter Haken groß aufleuchtet, der Grund für Krystians Verhalten, für die Dinge, die nicht passen.
Die Atmosphäre ist ziemlich oft cozy, romantisch und soft. Hauptsächlich sind es Clarisses Worte, die für eine ungute Vorahnung sorgen, Fragen aufwerfen, die eine Antwort verlangen. Zwar sind kleinere Spannungselemente in der Geschichte verstreut, das Wissen um etwas Verborgenes, vielleicht Gefährliches, und ein Schwall Misstrauen, jedoch empfand ich die Inszenierung für eine Romance-Suspense als schwach – mir fehlte es großflächig an Spannung(en), Beklemmung und signifikanten Ereignissen.
Versteht mich nicht falsch: „Say my Name“ liest sich wirklich klasse, die Kapitel sind recht kurz, was die Story insgesamt flott vorantreibt, es gibt Witz, Spice und die Autorin spricht zahlreiche wichtige Punkte an, u.A. (Cyber)Mobbing, psychischen und physischen Missbrauch, Stalking und K.-o.-Tropfen. Die wechselnden Perspektiven wurden stimmig platziert, die Protagonistin sehr nahbar ausgearbeitet und Sam und Alec, zwei Freunde, die wünschenswert sind, bereichern den Verlauf ungemein. Dennoch fiel es mir aufgrund des Mangels an Höhepunkten und Geschehnissen schwer, interessiert zu bleiben, weswegen ich auch deutlich länger gebraucht habe, dieses Buch zu beenden, als für mich üblich. So gut der Stil von Eden ist, so häufig dümpelt der Verlauf, der bei knapp 500 Seiten nicht allzu kurz ist, gemütlich vor sich hin.
Gegen Ende nimmt die Handlung gezielt Fahrt auf, Fäden verbinden sich, Wahrheiten und Erkenntnisse überraschen und tauchen alles, was geschah, in ein anderes Licht. …
Fazit: „Say my Name“ ist durchaus eine empfehlenswerte Romance, die echte Probleme behandelt und eine häufig unterhaltsame Geschichte erzählt. Jedoch wurde meine Erwartung an den Suspense-Faktor in keiner Weise erfüllt.