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Veröffentlicht am 06.10.2025

Romantisch-tragische High-Fantasy mit Ernst und Vielfalt

Cursebound
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„𝐂𝐮𝐫𝐬𝐞𝐛𝐨𝐮𝐧𝐝“ ist Teil zwei der High-Fantasy-Trilogie „𝐁𝐚𝐭𝐭𝐥𝐞 𝐨𝐟 𝐭𝐡𝐞 𝐃𝐫𝐮𝐦𝐟𝐢𝐫𝐞“ von Saara El-Arifi und besticht wie schon der Vorgänger mit einer wunderschönen Aufmachung und einer ereignisreichen Storyline. ...

„𝐂𝐮𝐫𝐬𝐞𝐛𝐨𝐮𝐧𝐝“ ist Teil zwei der High-Fantasy-Trilogie „𝐁𝐚𝐭𝐭𝐥𝐞 𝐨𝐟 𝐭𝐡𝐞 𝐃𝐫𝐮𝐦𝐟𝐢𝐫𝐞“ von Saara El-Arifi und besticht wie schon der Vorgänger mit einer wunderschönen Aufmachung und einer ereignisreichen Storyline.

♡»𝘈𝘶𝘤𝘩 𝘸𝘦𝘯𝘯 𝘶𝘯𝘴𝘦𝘳𝘦 𝘎𝘭𝘶𝘵 𝘦𝘳𝘭𝘰𝘴𝘤𝘩𝘦𝘯 𝘶𝘯𝘥 𝘥𝘦𝘪𝘯𝘦 𝘛𝘳𝘰𝘮𝘮𝘦𝘭 𝘷𝘦𝘳𝘴𝘵𝘶𝘮𝘮𝘵 𝘪𝘴𝘵, 𝘸𝘦𝘳𝘥𝘦 𝘪𝘤𝘩 𝘮𝘪𝘤𝘩 𝘢𝘯 𝘥𝘪𝘦 𝘔𝘦𝘭𝘰𝘥𝘪𝘦 𝘥𝘦𝘪𝘯𝘦𝘴 𝘓𝘪𝘦𝘥𝘦𝘴 𝘦𝘳𝘪𝘯𝘯𝘦𝘳𝘯, 𝘫𝘦𝘵𝘻𝘵 𝘶𝘯𝘥 𝘧𝘶𝘦𝘳 𝘢𝘭𝘭𝘦 𝘡𝘦𝘪𝘵.« ♡

Es war unglaublich leicht, zurück in die Handlung zu finden, da sich zu Beginn eine Zusammenfassung der bisherigen Geschehnisse in Form eines Tagebucheintrags findet. Ebenso hilfreich für Orientierung und Verständnis sind eine Weltkarte, ein von den Figuren kommentiertes Namensregister sowie ein kleines Glossar.
Erzählt wird wieder aus verschiedenen Perspektiven – Furi, Lettle und Yeeran übernehmen erneut den Hauptpart. So sind die LeserInnen fest im Geschehen verankert, können individuellen Problemen und Befindlichkeiten nachspüren und in die unterschiedlichen Situationen, Zweifel und Gefühlswelten eintauchen.
Mit Alder gesellt sich eine weitere, die Handlung ungemein bereichernde Sichtweise hinzu, und das nicht nur, weil er ein erinnerungsloser Nomade ist, der unvoreingenommen auf die festgefahrene, von Misstrauen durchzogene Lage der Fae blicken kann. Dank seiner Begeisterung für Mosima entdecken wir die Wunder der verborgenen, verfluchten Welt nochmal auf neue Weise. Aber auch die malerischen Beschreibungen, die üppige, regellose Flora und die ungewöhnliche Fauna ändern nichts an den Tatsachen: Selbst ein Gefängnis, das einem Paradies gleichkommt, bleibt ein Gefängnis. Ohne freie Wahl …

In Teil zwei der Serie geschieht und verändert sich so vieles. Verrat und Misstrauen sind allgegenwärtig, Seite an Seite mit Verlust und Tod. Es scheint, als klafften rege weitere Brandherde auf, die es schnell zu löschen gilt: von dem Krieg – der geballten Macht der Elfen – der vor der Grenze lauert, bis hin zu Unruhen und Attentaten innerhalb des trügerischen Schutzes von Mosima. Immer tiefer wird der Graben, der zwischen den Mitgliedern und FreundInnen der Jani-Dynastie klafft – und wenn diese fällt, fällt das Reich.

Furi – sonst so beherrscht und stolz – ist ihre wachsende Überforderung, ihr emotionales Ungleichgewicht und die Verzweiflung anzumerken. So viele/s hat die Kriegerin bereits verloren – und es scheint kein Ende zu geben. Selbst vor Yeeran, der Frau, die sie liebt, machen ihre Zweifel nicht halt. Diese hat das Reich der Fae schon ein Mal verlassen und ihr Geheimnis verraten. Vielleicht den Tod vor die Tür gelockt. Dabei hat die Elfe ihr Leben riskiert, um zahlreiche zu schützen. Nun muss die außergewöhnliche Kämpferin Schuld ertragen, Zurückweisung von jenen, die ihr blieben.
Um sich trotz mangelnder Prophezeiung als nützlich zu erweisen, versucht Lettle, das Grimoire von Afa zu entschlüsseln, um den Fluch zu brechen und das Volk, von dem sie weder Teil noch in ihren Reihen erwünscht ist, endlich zu befreien. Denn Lettle wird das verborgene Reich nicht ohne den König verlassen. Unterdessen quält sie noch immer jene Vorsagung, die ihr eigenes Herz zu brechen droht.
Obgleich der komplexeren Handlung und dem interessanten Worldbuilding ist der Stil ein einfacher, frei von Wirrungen, leicht verständlich, ohne langweilig zu sein. Saara El-Arifi zeichnete ihre Charaktere mit Feinheiten und Details, wir sehen Stärke und Fehler, Impulsivität und Ruhe. Hass und Wut genauso wie aufrichtige Liebe und tiefes Leid. Handicaps, Diversität, POCs und Queerness fließen natürlich in die Handlung ein, finden Erwähnung, ohne etwas Besonderes zu sein, dies gibt der Story meiner Meinung nach etwas wirklich Starkes.

Die Autorin reißt Risse, unkittbar, in die frisch gewobenen Dynamiken ihrer Figuren, lässt sie innerlich bluten und höhlt gleichzeitig auch die LeserInnen mit Wendungen und Wahrheiten aus. Der Verlauf ist durchdacht, hält im selben Maße aufregende wie zarte Momente, einfühlsame und harsche Worte bereit. Es brodelt. Gewaltig. Weder die Ehe von Lettle und Rayan noch die fragile Liebe von Furi und Yeeran kommen unbeschadet aus den neuesten Entwicklungen und Ereignissen, getroffen von Offenbarungen, davon. Alder, der eine Schlüsselfigur sein könnte, auf die die Fae ein Jahrtausend gewartet haben, trägt nun nicht nur die Wucht von Antworten die er so lange suchte, sondern auch eine Bürde, die er nur schwerlich stemmen kann und in ihm Ängste erblühen lässt. Doch für Golan ist ihm keine Verantwortung zu schwer. Die Verbindung zwischen dem lichtlosen Stylisten und seinem neuen Mitbewohner ist – wie auch die zauberhaften Obeahs und ihre feste Verankerung in der Geschichte – eine süße, leichte Komponente – und die Hoffnung, die „Cursebound“ braucht. Denn je tiefer wir in die politische Situation der Fae eintauchen, umso mehr Ungerechtigkeiten blitzen auf, umso mehr Verräter zeigen sich. Missstände, Ausgrenzung und eine Zweiklassengesellschaft, die Wut entfacht, und nicht einzig die Seherin, deren Leben stetig weiter auseinanderfällt, berührt …
Aber sind Mord und Hass wirklich die Antwort, die Basis für Veränderung?

Saara El-Arifi spart nicht an Emotionen und Tragik, nicht an Mysterien, Spannung und Intrigen. Battle of the Drumfire überzeugt mit Vielfalt, einem wundersamen Setting und nahbaren Problemen.
Das Finale erscheint 2026 und ich kann es kaum erwarten!

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Veröffentlicht am 05.10.2025

Amüsant und mystisch

Palace of Ink & Illusions, Band 1 - Der Kuss der Muse
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„Der Kuss der Muse“ ist der Auftakt der neuen Romantasy-Dilogie „Palace of Ink and Illusions“ von Sabine Schoder, in der uns die Autorin nach Korfu entführt. Zu den Musen und mitten hinein in einen mysteriösen ...

„Der Kuss der Muse“ ist der Auftakt der neuen Romantasy-Dilogie „Palace of Ink and Illusions“ von Sabine Schoder, in der uns die Autorin nach Korfu entführt. Zu den Musen und mitten hinein in einen mysteriösen Wettbewerb und ungestüme Gefühle.

Livia Woodward hat die Chance, an einem elitären Wettbewerb teilzunehmen, dessen Regeln und Bedingungen vor der Öffentlichkeit verborgen sind. Statt mit dem Wunsch, zu gewinnen, reist Liv nach Korfu, um Aufmerksamkeit für ihren Webtoon zu generieren. Dass sie tatsächlich weiter kommt, in die Geheimnisse des Spiels gesogen und in einen nervenaufreibenden Wettstreit verwickelt wird, ist für die Künstlerin eine Überraschung. Noch überwältigender für sie sind jedoch die Magie, die wahrhaftigen Musen und der harte, gnadenlose Kampf. Immer an ihrer Seite: ein sprechender Manga mit vielen, vielen expliziten Szenen. Neben all den Aufgaben, Bedingungen und der Gefahr, ist es Flame, Livs Flugzeugbekanntschaft, die es ihr schwer macht, sich zu konzentrieren. Und auch die Musen mahnen zur Vorsicht...

Diese urbane Romantasy liest sich leicht und detailliert, gerade die ersten – sehr unterhaltsamen – Kapitel bringen uns die tollpatschige, authentische Protagonistin, ihre Intentionen und Eigenheiten nahe. Was amüsant begann, entwickelt sich zu einer stellenweise temporeichen und informativen Storyline, die die Insel, das Schloss und die Ereignisse bildreich darlegt. Während wir mit Liv die Gegebenheiten um das magische Spiel der neun Musen ergründen, darauf bedacht, keine Liebe zu entwickeln, ist es entscheidend für ihr Überleben, ihre MitstreiterInnen wie auch die mythischen Wesen im Auge zu behalten. Schoders Idee ist wirklich originell und kreativ, trotz kleiner Längen machen die Geschichte, Liv und der Wettbewerb Spaß. Geheimnisse und offene Fragen führen dazu, miträtseln und spekulieren zu wollen. Dennoch empfand ich gerade das Worldbuilding und andere Figuren, deren Beziehungen sowie die romantische Komponente zwischen der Kunststudentin und „ihrem“ Lord eher oberflächlich. Anziehung? Ja. Ernsthaftes verliebt sein, geschweige denn Liebe? Wann? Wie? Ich hätte mir eine greifbare Ausarbeitung gewünscht, um den fantastischen Aspekt besser verstehen zu können. Eratos Rolle, seine im Dunkeln liegenden wahren Gründe und Pläne, geben dem Verlauf etwas Aufregendes, während Livias Monologe, die Wortgefechte mit Flame und vor allem mit ihrem Manga einfach nur witzig waren. Nach diesem Ende ist Teil zwei „Die Nacht des Verrats“ natürlich ein Muss!

„Palace of Ink and Illusions: Der Kuss der Muse“: knisternde, spaßig-spannende urbane Romantasy, die trotz kleiner Schwächen mitreißt.

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Veröffentlicht am 02.10.2025

Gute Idee, deren Umsetzung mich nicht komplett überzeugte

Prinzessin der tausend Diebe – Betrayed
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„Prinzessin der tausend Diebe – Betrayed“ ist der Auftakt einer Dilogie, die stellenweise unerwartet brutal ist, Sora an ihre körperlichen, psychischen und moralischen Grenzen treibt und die Frage aufwirft: ...

„Prinzessin der tausend Diebe – Betrayed“ ist der Auftakt einer Dilogie, die stellenweise unerwartet brutal ist, Sora an ihre körperlichen, psychischen und moralischen Grenzen treibt und die Frage aufwirft: Wie weit würdest du gehen – um zu retten und dich zu rächen?

Seit Sora und ihre kranke Mutter verstoßen wurden, halten sie sich mit einem kleinen Café auf der Insel Jeju über Wasser und aneinander fest. Doch die 21-Jährige kann sich bis heute nicht der Wut entziehen, die sie bei dem Gedanken an ihren Vater, an den Clan, der aus Mördern und Dieben besteht, und an den Platz, der ihr genommen wurde, überkommt. Bei der Erinnerung an ihren Makel. Denn sie ist die einzige der Hong-Familie, die ohne Mana – ohne Magie – zur Welt kam. Eine Schande. Der Grund, warum ihre Mutter in dieses Leben gedrängt, gedemütigt wurde.
Als plötzlich ein Brief ihres Vaters eintrifft, in dem er sie nach Busan und auf den Sitz des verdorbenen Imperiums einlädt, ändert sich für Sora alles – drastischer, als sie jemals wollte …

Thea Hong erzählt in einem einfachen und klaren Stil, der uns die Ereignisse lebendig verfolgen lässt und uns die Kulisse vor Augen führt. Obgleich sich blutige und grausame Szenen, Kampf und Verlust, Tragik und Enttäuschungen häufen, die Melancholie in einer subtilen Note mitschwingt, sind Monologe und Gespräche häufig in einem sarkastischen, trockenen Ton dargelegt, sodass ein gewisser Humor nicht zu kurz kommt.
Sora, durch die wir die Geschehnisse verfolgen, ist die Verbitterung anzumerken, ihr Schmerz, ihre Scham. Zwar war sie auf die menschlichen Gefahren der Hong-Dynastie, die Gewaltbereitschaft von Jia und die fadenscheinigen Ausreden des Patriarchen Hong gefasst, aber mit der raschen Wendung, die ihr Aufenthalt in Busan nimmt, konnte sie nicht rechnen. Von einem auf den anderen Augenblick besitzt sie berauschendes Mana, hat einen Gott beraubt und diesen an der Backe. Als wären das nicht genügend Komplikationen, wird sie langsam von der gestohlenen Macht in ihrem Inneren umgebracht und eh sie sich’s versieht, wird sie gezwungen, sich in zehn – grotesken – Prüfungen mit ihrer Halbschwester zu messen. Auf Leben und Tod. Aufgaben, für die Sora nicht ausgebildet ist. Solche, die sie in die verschiedenen Höllenkreise führen, ihr Stück für Stück Gewissen, Güte und Menschlichkeit nehmen. Doch die junge Frau ist nicht gewillt, zu scheitern, und bereit, für ihren rechtmäßigen Platz alles zu geben und sämtliche Grenzen zu überschreiten.
Dass es gerade Ran ist, dem sie in dieser Welt aus Mord, Gewalt und Verrat, aus Machtgier und veralteten Strukturen vertraut, ist nicht einzig dem Versprechen, das sie dem Tigergott gab, und ihrer Reue geschuldet …

Obgleich mich der Roman nicht komplett überzeugen konnte, hat „Betrayed“ viel Interessantes und Gutes zu bieten – da wären die zwischenmenschlichen Entwicklungen, die ebenso wie einige Enthüllungen und Pläne für Überraschungen sorgen. Sora, die sich auf eine Weise verändert, die im Angesicht von Verlust und schweren Entscheidungen, von Blutvergießen und Leid nachvollziehbar wirkt. Einblicke in ihre Vergangenheit und das ärmliche Leben, das sie mit Heesun führte, geben ihrem Wesen zusätzlich Tiefe. Die Höllenprüfungen hielten spannende Momente bereit und die Auswirkungen von Macht(Gier), Druck und Trauer wurden anschaulich integriert. Auch die romantische Komponente, die großteils einem Hintergrundrauschen gleichkommt und sich nur hin und wieder in schmachtenden Sequenzen zeigt, war insgesamt passend und trug zur Auflockerung bei. Ran blieb (zumindest in diesem Band) eher blass, doch aktuell verspüre ich nicht das Bedürfnis, herauszufinden, ob sich das im finalen Teil ändert. Warum?
Im Text finden sich reichlich (inhaltliche und Wort-)Wiederholungen sowie Fehler. Mehrfach hatte ich den Eindruck, dass einzelne Passagen (auch Verhaltensweisen/Reaktionen) nicht stimmig und Szenen wirr waren. Letztlich empfand ich die Story weder ausreichend fesselnd noch gänzlich rund. Außerdem: Hört man auf, wenn die große Schlacht geschlagen und „alles“ vorerst geklärt ist, ist „Prinzessin der tausend Diebe“ [der Titel erschloss sich mir übrigens nicht] ein – lässt man meine Kritik außen vor – guter Fantasy-Standalone.

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Veröffentlicht am 02.10.2025

Nicht das beste Buch der Autorin

We Shall Overcome
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Als Zoey Harolds ihrem verflossenen Lover nach sechs Jahren über den Weg läuft, ringt die Gitarristin mit ihren Emotionen und Erinnerungen. Um dem erfolgreichen und attraktiven Geschäftsmann sein damaliges ...

Als Zoey Harolds ihrem verflossenen Lover nach sechs Jahren über den Weg läuft, ringt die Gitarristin mit ihren Emotionen und Erinnerungen. Um dem erfolgreichen und attraktiven Geschäftsmann sein damaliges Verhalten vor Augen zu führen und ihm eins auszuwischen, setzt Zoey ihre beste Freundin und Leadsängerin der gemeinsamen Band We Shall Overcome auf ihn an.
Amber Collins, Feministin, Künstlerin, bunt, laut und wild. Widerwillig gibt sie Zoeys Drängen nach – drei Dates. Keine Gefühle. Kein Sex. Das sollte nicht so schwer sein, immerhin ist Dexter Parker ein schnöder, gemeiner Schnösel.
Doch sobald Amber dem Manager von Foxx zum ersten Mal gegenübersteht, ist der frechen Rockerin klar, dass sie dieser Mensch, diese Augen, diese forsche, echte Art nicht kaltlassen werden und ihr Herz in Gefahr schwebt … Wäre da nur nicht der Deal mit Zoey.

Ich habe schon viele Bücher von Emilia Cole gelesen und in jedem einzelnen ist die Leidenschaft, mit der vor allem der musikalische Aspekt eingebunden ist, spürbar. Genauso markant sind die clever verstreuten Easter Eggs zu anderen Storys und das Aufgreifen relevanter Themen. Leider muss ich nun sagen, dass mich „We Shall Overcome“ nicht vom Hocker reißen konnte, was hauptsächlich dem Stil, dem es an Raffinesse und Abwechslung mangelt und der eher – sorry – den Eindruck von „runtergerattert“ weckte, zu schulden ist. Teilweise hatte ich das Gefühl, eine monotone Aneinanderreihung von schlichten Sätzen zu lesen. Ein wenig mehr Abwechslung bei Formulierungen, mehr Ernst bei den Dialogen, mehr Tiefe im Geschehen und den Entwicklungen hätten der Geschichte nicht geschadet. Dennoch: die Idee fand ich prinzipiell nicht schlecht.

Erzählt wird hauptsächlich aus Ambers Sicht, sodass wir die privilegiert aufgewachsene 26-Jährige und ihre Prinzipien parallel zur Banddynamik kennenlernen. Wir sind Teil von Collins größer werdendem Zwiespalt, den zunehmenden Zweifeln und dabei, als die vier Musikerinnen langsam drohen, auseinanderzudriften. Je weiter der Verlauf voranschreitet, umso klarer wird, dass Dexter leidet. Dass er etwas verbirgt. Die sich verdichtende Verbindung zwischen ihm und Amber hält softe, innige und stellenweise unterhaltsame Augenblicke bereit. Zoeys Verhalten war es, das die romantischen Cozy-Vibes durchbricht. Mit Ärger und Wut für Wirbel sorgt. Für Fragen.
Im Gegensatz zu Zoey, mit ihrer zickigen und fordernden Art, ist Dexter ein interessanter Mann, der nicht einzig durch Manieren und gutes Aussehen die Aufmerksamkeit der Protagonistin fesselt. Dexter bietet der Musikerin, die in ihren Annahmen und Überzeugungen festgefahren, aber selbstbewusst ist, mit unverblümten Aussagen und charmanten Kontern die Stirn. Fordert sie heraus.
Macht es ihr so unglaublich schwer, sich nicht in ihn zu verlieben …

Wie erwähnt sind die musikalische Komponente, die Liebe zur (hörbaren) Kunst und unbequeme, reale Themen – gerade Ambers Erfahrungen als laute, erfolgreiche Frau, die ungezwungen Spaß hat, machen den Sexismus und die altbackenen Vorurteile, die noch immer herrschen, deutlich – sowie die Nebenfiguren gut eingebunden. Insbesondere Dexters Mutter und Familie mochte ich, und auch Harolds, Winnie und Greta sind im Grunde eigenwillige, tolle Charaktere.
Zwar konnte ich recht schnell vorausahnen, worauf „We Shall Overcome“ hinauslaufen wird – wenn mich auch das Ausmaß überraschte – und war (dieses Mal) nicht der größte Fan vom Stil, nichtsdestotrotz lohnt sich ein Blick auf und in Emilia Coles Bücher.

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Veröffentlicht am 25.09.2025

Gute Idee, insgesamt nette Story mit Schwächen

Prinzessin der tausend Diebe – Betrayed
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„Prinzessin der tausend Diebe – Betrayed“ ist der Auftakt einer Dilogie, die stellenweise unerwartet brutal ist, Sora an ihre körperlichen, psychischen und moralischen Grenzen treibt und die Frage aufwirft: ...

„Prinzessin der tausend Diebe – Betrayed“ ist der Auftakt einer Dilogie, die stellenweise unerwartet brutal ist, Sora an ihre körperlichen, psychischen und moralischen Grenzen treibt und die Frage aufwirft: Wie weit würdest du gehen – um zu retten und dich zu rächen?

Seit Sora und ihre kranke Mutter verstoßen wurden, halten sie sich mit einem kleinen Café auf der Insel Jeju über Wasser und aneinander fest. Doch die 21-Jährige kann sich bis heute nicht der Wut entziehen, die sie bei dem Gedanken an ihren Vater, an den Clan, der aus Mördern und Dieben besteht, und an den Platz, der ihr genommen wurde, überkommt. Bei der Erinnerung an ihren Makel. Denn sie ist die einzige der Hong-Familie, die ohne Mana – ohne Magie – zur Welt kam. Eine Schande. Der Grund, warum ihre Mutter in dieses Leben gedrängt, gedemütigt wurde.
Als plötzlich ein Brief ihres Vaters eintrifft, in dem er sie nach Busan und auf den Sitz des verdorbenen Imperiums einlädt, ändert sich für Sora alles – drastischer, als sie jemals wollte …

Thea Hong erzählt in einem einfachen und klaren Stil, der uns die Ereignisse lebendig verfolgen lässt und uns die Kulisse vor Augen führt. Obgleich sich blutige und grausame Szenen, Kampf und Verlust, Tragik und Enttäuschungen häufen, die Melancholie in einer subtilen Note mitschwingt, sind Monologe und Gespräche häufig in einem sarkastischen, trockenen Ton dargelegt, sodass ein gewisser Humor nicht zu kurz kommt.
Sora, durch die wir die Geschehnisse verfolgen, ist die Verbitterung anzumerken, ihr Schmerz, ihre Scham. Zwar war sie auf die menschlichen Gefahren der Hong-Dynastie, die Gewaltbereitschaft von Jia und die fadenscheinigen Ausreden des Patriarchen Hong gefasst, aber mit der raschen Wendung, die ihr Aufenthalt in Busan nimmt, konnte sie nicht rechnen. Von einem auf den anderen Augenblick besitzt sie berauschendes Mana, hat einen Gott beraubt und diesen an der Backe. Als wären das nicht genügend Komplikationen, wird sie langsam von der gestohlenen Macht in ihrem Inneren umgebracht und eh sie sich’s versieht, wird sie gezwungen, sich in zehn – grotesken – Prüfungen mit ihrer Halbschwester zu messen. Auf Leben und Tod. Aufgaben, für die Sora nicht ausgebildet ist. Solche, die sie in die verschiedenen Höllenkreise führen, ihr Stück für Stück Gewissen, Güte und Menschlichkeit nehmen. Doch die junge Frau ist nicht gewillt, zu scheitern, und bereit, für ihren rechtmäßigen Platz alles zu geben und sämtliche Grenzen zu überschreiten.
Dass es gerade Ran ist, dem sie in dieser Welt aus Mord, Gewalt und Verrat, aus Machtgier und veralteten Strukturen vertraut, ist nicht einzig dem Versprechen, das sie dem Tigergott gab, und ihrer Reue geschuldet …

Obgleich mich der Roman nicht komplett überzeugen konnte, hat „Betrayed“ viel Interessantes und Gutes zu bieten – da wären die zwischenmenschlichen Entwicklungen, die ebenso wie einige Enthüllungen und Pläne für Überraschungen sorgen. Sora, die sich auf eine Weise verändert, die im Angesicht von Verlust und schweren Entscheidungen, von Blutvergießen und Leid nachvollziehbar wirkt. Einblicke in ihre Vergangenheit und das ärmliche Leben, das sie mit Heesun führte, geben ihrem Wesen zusätzlich Tiefe. Die Höllenprüfungen hielten spannende Momente bereit und die Auswirkungen von Macht(Gier), Druck und Trauer wurden anschaulich integriert. Auch die romantische Komponente, die großteils einem Hintergrundrauschen gleichkommt und sich nur hin und wieder in schmachtenden Sequenzen zeigt, war insgesamt passend und trug zur Auflockerung bei. Ran blieb (zumindest in diesem Band) eher blass, doch aktuell verspüre ich nicht das Bedürfnis, herauszufinden, ob sich das im finalen Teil ändert. Warum?
Im Text finden sich reichlich (inhaltliche und Wort-)Wiederholungen sowie Fehler. Mehrfach hatte ich den Eindruck, dass einzelne Passagen (auch Verhaltensweisen/Reaktionen) nicht stimmig und Szenen wirr waren. Letztlich empfand ich die Story weder ausreichend fesselnd noch gänzlich rund. Außerdem: Hört man auf, wenn die große Schlacht geschlagen und „alles“ vorerst geklärt ist, ist „Prinzessin der tausend Diebe“ [der Titel erschloss sich mir übrigens nicht] ein – lässt man meine Kritik außen vor – guter Fantasy-Standalone.


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