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Veröffentlicht am 17.12.2019

Bierernst, gewalttätig, emotional ein Flop

DRAUSSEN
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DRAUSSEN: Thriller von Volker Klüpfel und Michael Kobr, erschienen im Ullstein eBooks am 19. November 2019

Stephan bildet Leute aus, die lernen wollen wie man sich im Zweifelsfall selbst helfen kann ...

DRAUSSEN: Thriller von Volker Klüpfel und Michael Kobr, erschienen im Ullstein eBooks am 19. November 2019

Stephan bildet Leute aus, die lernen wollen wie man sich im Zweifelsfall selbst helfen kann in der Natur zu überleben. Ohne ein richtiges Zuhause zieht er Cayenne und ihren Bruder Joshua auf und bringt auch ihnen bei sich gegen unbekannte Feinde zur Wehr zu setzen und im Wald zu überleben. Cayenne begehrt auf, da sie glaubt, dass Stephan ihnen nicht die ganze Wahrheit erzählt. Sie begibt sich in Todesgefahr.

Beim Wort Thriller erwarte ich eigentlich etwas Anderes als eine Ansammlung von Aktion geladenen Gewaltszenen. Die Story wird in drei Erzählsträngen aufgeteilt, wobei einer das Leben eines deutschen Legionärs in der Fremdenlegion der Franzosen beschreibt. Die Person geht völlig in den Grundsätzen der Fremdenlegion auf.

Einer der beiden anderen Erzählstränge spielen im aktuellen Deutschland mehr oder weniger in der Prepper Szene die sich darauf vorbereiten, dass ein nicht näher bezeichnetes Ereignis die Bevölkerung zwingen wird mit den eigenen Vorräten auf sich selbst gestellt einige Zeit durch zu halten. Stephan ist mit den Jugendlichen darin untergetaucht.

Der letzte Erzählstrang lässt uns in die Berliner Politik und ihre krummen Machenschaften mit der Wirtschaft blicken. Dann geschieht ein Mord und eine Kette von Ereignissen setzt sich in Bewegung.

Außergewöhnlich für das Autorenduo sind die Auswahl der Charaktere und das diesmal eine junge Frau die Hauptrolle bekommt. Leider fehlt jeglicher Humor, den ich eigentlich von den Herren auch von ihrem Ausflug in die Literatur gewohnt gewesen bin. Leider kommt noch hinzu, dass die Geschichte ziemlich durchsichtig ist, die Charaktere nicht sympathisch und emotional eher Brachland. Insgesamt kein besonders gelungener Ausflug in die Welt des Thrillers. Aber wenigstens ist der Schreibstil gut lesbar.

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Veröffentlicht am 06.12.2019

Ein Buch, dass einen ins 13. Jahrhundert abtauchen lässt

Das weiße Gold der Hanse
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Das weiße Gold der Hanse von Ruben Laurin, erschienen im Bastei Lübbe Verlag am 31.10.19.

Der Kaufmann und Ratsherr Bertram Morneweg lebt in der Stadt Lübeck wo wir ihn im Herbst 1275 treffen. Er ist ...

Das weiße Gold der Hanse von Ruben Laurin, erschienen im Bastei Lübbe Verlag am 31.10.19.

Der Kaufmann und Ratsherr Bertram Morneweg lebt in der Stadt Lübeck wo wir ihn im Herbst 1275 treffen. Er ist sehr beschäftigt mit dem Bau des neuen Heiligen-Geist-Hospitals und hat dazu einen jungen Maler gebeten, der den Christophorus malen soll. Nur hat dieser Maler Liebeskummer da er sich in eine Tochter aus gutem Haus verliebt hat, die aber jemandem Anderen versprochen wurde. Morneweg lädt den verzweifelten Maler Johannes ein, um ihm die Geschichte einer anderen unmöglichen Liebe zu erzählen.

Die Geschichte wird in zwei Erzählsträngen, die zu unterschiedlichen Zeiten stattfinden erzählt. Einmal treffen wir auf ein Kind, welches durch einen Piratenangriff den Vater und fast auch das eigene Leben verliert, aber aufgrund seiner Freundlichkeit und einer jungen jüdischen Frau ins Leben zurückfindet. Der andere Strang beschäftigt sich mit dem Ratsherren Morneweg, eine historisch belegte Figur, und dem Leben in einer Stadt mit reichen Kaufleuten und armen Menschen, die von milden Gaben leben müssen.

Bei dem Autor Ruben Laurin handelt es sich um ein Pseudonym des Autors Thomas Ziebula der schon diverse Preise gewonnen hat.

Es handelt sich nicht um eine Geschichte, um die das Salz der Hanse und auch der Klappentext ist etwas unglücklich formuliert. Da ich aber bereits „Die Kathedrale des Lichts“ gelesen habe, bin ich sofort begeistert gewesen, als dieser Roman aus der Feder des gleichen Autors erschien.

Sehr lebendig wird die Geschichte von verschiedenen „kleinen“ Leuten erzählen, die sich ihr Brot hart verdienen müssen und manchmal unter den strengen Gesetzen und dem Mangel an Mitteln leiden müssen. Die Sprache, in der der Autor schreibt, lässt einen sofort in jene Zeit reisen und man versinkt regelrecht in diesem Buch, dass den Protagonisten so viel Leben gibt, dass man mit ihnen fühlt und leidet, oder sich mit ihnen von ganzem Herzen freuen kann. Es gibt fürchterliche Bösewichte und herzensgute Menschen. Man merkt, dass der Autor viel Zeit verbracht hat sich in diese Zeit ein zu arbeiten, wobei er die Erzählung so leicht und flüssig zum Leser bringt, dass auch Anfänger bei historisch angehauchten Romanen mit seinen Geschichten Freunde daran haben. Man erlebt sozusagen eine Geschichtsstunde, ohne belehrt zu werden. Ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt und gebe gerne eine Leseempfehlung für dieses Buch.

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Veröffentlicht am 13.11.2019

Gedankenexperiment das Morgen Realität sein kann

The Handmaid’s Tale
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Nachdem die USA radioaktiv, biologisch und chemisch verseucht wurde sind die Mehrheit der Einwohner steril. Die Regierung wurde durch einen Staatsstreich ausgelöscht und durch eine christliche Regierung ...

Nachdem die USA radioaktiv, biologisch und chemisch verseucht wurde sind die Mehrheit der Einwohner steril. Die Regierung wurde durch einen Staatsstreich ausgelöscht und durch eine christliche Regierung ersetzt die einen Polizeistaat errichten in denen die Bewegung der Bevölkerung streng eingeschränkt werden. Frauenrechte sind abgeschafft und die Elite erhält Hauspersonal für verschiedene Bereiche. Sie bekommen eine Magd, mit der sie in einem genau festgelegten spassfreien Ritual ein Kind zeugen sollen.

Erzählt wird die Geschichte von der Magd. Sie hat versucht mit ihrem Ehemann und dem gemeinsamen Kind zu fliehen. Im Laufe der Geschichte erfahren wir immer mehr über die separatistische
Gesellschaftsstruktur der Republik Gilead die tief religiös ist und aus der Sichtweise wie sie die Magd erzählt hauptsächlich aus der Herrschaft des Mannes über die Frau besteht und die Erhöhung der Geburtenzahlen derer die an der Macht sind.

The Handmaid’s Tale ist schon 1985 erschienen, hat aber von der Aktualität und Vision nichts eingebüßt. Natürlich habe ich neuere Bücher über Gesellschaften, die in der modernen Zeit plötzlich die Freiheit der Frauen einschränken gelesen, aber im Nachhinein habe ich etwas das Gefühl, dass sie dieses Buch von Margaret Atwood als Vorlage genommen haben.
Besonders interessant fand ich, dass sie bei der Organisation die Frauen die Flucht aus Gilead ermöglichen soll das Netzwerk der Underground Railroad übernommen hat, welches dazu diente schwarzen Sklaven die Flucht aus den Südstaaten zu ermöglichen.

Die Geschichte ist interessant zu lesen und ich denke, dass Margaret Atwood sich von der Revolution im Iran inspirieren lies als eine religiöse Elite die Macht übernahm, die Frauenrechte in die Tonne warfen und sie in eine Art Uniform zur Verschleierung zwangen. Ich hätte mir nur etwas mehr Spannung gewünscht.

Veröffentlicht am 13.11.2019

Auch für Magieanfänger geeignet

Der Oktobermann
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Der Oktobermann von Ben Aaronovitch, erschienen in der dtv Verlagsgesellschaft am 20. September 2019.

In dieser kurzen Geschichte geht es um eine Abteilung des BKA (Abteilung für komplexe und diffuse ...

Der Oktobermann von Ben Aaronovitch, erschienen in der dtv Verlagsgesellschaft am 20. September 2019.

In dieser kurzen Geschichte geht es um eine Abteilung des BKA (Abteilung für komplexe und diffuse Angelegenheiten) und den deutschen Kollegen von Peter Grant Tobi Winter. In einem Weinberg in der Nähe von Trier finden sich Spuren von magischen Tätigkeiten bei einer Leiche und wie zu erwarten ist gibt es dort einen Fluss und eine Flussgöttin. Tobi Winter bekommt eine Kollegin an die Seite gestellt da auch in Deutschland die Abteilung für Magie ausbaufähig bei der Mitarbeiterzahl ist.

Deutsche Gründlichkeit und eine eigene Art von Humor geben Tobi Winter eine eigene Art an die Dinge heran zu gehen in der er sich von Peter Grant unterscheidet. Es wird weniger Magie gewirkt als in London und somit eignet sich dieser Band auch gut für Leute, die nur mal reinschnuppern wollen in die magische Welt von Aaronovitch. Dann fehlen einem natürlich die Hintergründe, um die kleinen Sticheleien zur Hauptserie zu verstehen.

Wie immer hat mich der Autor mit seiner Geschichte abholen können und ich hatte einen richtig schönen Tag mit seinem Buch. Trier und die Weinlese beschreibt er so, dass man sich am liebsten mit einem netten Gläschen Wein dazu setzen möchte. Ich hoffe, dass wir noch mehr Geschichten von Tobi Winter lesen werden und er dann auch mehr Persönlichkeit entwickelt. Das ist mein einziger Kritikpunkt: die Personen bleiben etwas oberflächlich gezeichnet. So als würde sich Aaronovitch erst mal rantasten wollen wohin die Reise gehen wird. Ich bin froh, dass er nicht den Fehler gemacht hat in alte Muster zu verfallen und uns tatsächlich einen anderen Charakter erschaffen hat.

Veröffentlicht am 08.11.2019

Ist das Kunst oder kann das weg?

Der ist für die Tonne
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Der ist für die Tonne: (K)ein Männer von Ellen Berg, erschienen im Aufbau Digital Verlag am 8. November 2019.

Hannah ist geschieden und lebt mit ihrer Mutter in einer WG da diese pflegebedürftig ist. ...

Der ist für die Tonne: (K)ein Männer von Ellen Berg, erschienen im Aufbau Digital Verlag am 8. November 2019.

Hannah ist geschieden und lebt mit ihrer Mutter in einer WG da diese pflegebedürftig ist. Hannah hatte eine etwas unkonventionelle Kindheit da ihre Mutter das Leben einer Suchenden in verschiedenen Ashrams gesucht hat. Um sich und ihre Mutter versorgen zu können hat Hannah nicht nur einen Second Hand Laden, sie geht auch zu den Kunden und räumt mit ihnen ihre Behausungen auf. Dabei kommt es oft um jedes Stehrümchen zum Kampf. Als Hannahs beste Freundin sie darum bittet bei ihrem neuen Freund zu entmisten und ihn vorzeigbarer zu machen reitet sich Hannah ziemlich in die Patsche. Der unkonventionelle Pascal passt nicht nur nicht zu Hannahs Freundin, sie selbst merkt schnell, dass sie mehr für den Mann in den unmöglichen T-Shirts empfindet. Beim Entrümpeln stößt sie dann unvermutet auf eine Leiche.

Ellen Berg schickt uns etwas auf eine Achterbahn der Gefühle. Pascal erscheint als liebenswürdiger großer Junge der so gar nicht zur besten Freundin von Hannah passt, aber darf man Gefühle für den Freund einer Freundin empfinden?
Dieser neue Roman hat auch bei mir etwas das schlechte Gewissen anklopfen lassen, dass man doch eigentlich immer soviel in seine Behausung reinstopft wie mit etwas Schupsen und Zusammenrücken hinein geht. Ich gehe jedenfalls öfter einkaufen als ausmisten. Ich habe da aber auf jeden Fall einen Motivationsschub bekommen das häusliche Durcheinander in den Kramschubladen demnächst in Angriff zu nehmen. Die Geschichte ist sehr flüssig geschrieben und hat auf jeden Fall seine spirituellen Momente, wenn Hannahs Mutter einen Auftritt hat. Hannah selbst ist liebenswert und wirklich in der Zwickmühle, was Ellen Berg aber hervorragend in Szene setzt. Ich habe mich keinen Augenblick gelangweilt und sage, dass dieses Buch nicht in die Tonne kann. Lesen und lachen all denen die ein fröhliches Buch genießen können.