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Veröffentlicht am 30.04.2021

Super Antiheldin und ausgefeiltes Magiesystem

Nocturna - Das Spiel des Fuchses
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In "Nocturna - Das Spiel des Fuchses" begleiten wir die beiden Protagonisten Finn und Alfehr, die verschiedener nicht sein könnten. Finn hat die Fähigkeit ihr Gesicht zu wechseln, Alfehr dagegen kann die ...

In "Nocturna - Das Spiel des Fuchses" begleiten wir die beiden Protagonisten Finn und Alfehr, die verschiedener nicht sein könnten. Finn hat die Fähigkeit ihr Gesicht zu wechseln, Alfehr dagegen kann die Magie anderer erkennen - und auf diese Weise manchmal sogar neutralisieren. Während Finn sich obdachlos durch die Straßen kämpft und versucht den Fängen ihres ungewollten Ziehvaters zu entkommen, muss sich Alfehr auf seine Zukunft als Thronfolger vorbereiten. Dennoch gibt er die Hoffnung nicht auf seinen älteren Bruder Dez wiederzufinden, der seit einem Anschlag verschwunden ist und nun für tot gehalten wird. Ungeplante Fügungen führen Finn und Alfehr schließlich zueinander und zum Lösen ihrer Probleme können sie sich gegenseitig tatsächlich ganz nützlich sein.

In "Nocturna" herrscht ein sehr ausgefeiltes Magiesystem vor: Es gibt verschiedene Formen von Magie, wobei jede Magie ihre eigene Farbe hat und mit unterschiedlichen Fähigkeiten verbunden ist, wie zum Beispiel das Beherrschen des Erdelements oder des Feuers. Darüber hinaus gibt es weitere magische Fähigkeiten, die sogenannten Propios - wie Finns Fähigkeit ihr Gesicht zu wechseln. Alles ein wenig komplex, aber durchaus interessant.

Die Welt, in der wir uns befinden, ist zu Anfang und Ende des Buches auf einer Karte festgehalten. Im Nachhinein habe ich mich allerdings gefragt wozu sie uns genau dienen soll, denn eigentlich spielt sich alles nur in einem einzigen Land ab. Die gesamte Welt bewegt sich in einem südamerikanischen Setting, ich habe mich von den Beschreibungen her sehr ans Mexikanische erinnert gefühlt. Dabei hat die Autorin immer wieder spanische Worte in die mündliche Rede ihrer Figuren einfließen lassen, vermutlich um es authentischer wirken zu lassen. Ich fand es etwas fragwürdig. Ich spreche etwas Spanisch und konnte alles verstehen, so ist es nicht. Und auch wenn man kein Spanisch kann, ergeben sich die Worte relativ gut aus dem Kontext. Dennoch: Wozu die Fremdwörter? In eine Fantasywelt passt für mich immer noch am ehsten eine Fantasiesprache rein. Auch wenn ich das Spanische liebe, hat es hier für mich nicht so richtig in diese magische Welt gepasst. Kurz gesagt: Ich fand es einfach unnötig. 

Dafür fährt die Geschichte aber mit tollen Charakteren auf: Ich finde Finn unheimlich toll! Sie ist eine super Protagonistin, eine Antiheldin, die mit ihrer Tiefe besticht und deren Ecken und Kanten man ihr daher einfach verzeihen muss. Auch Alfehr hat sich als guter männlicher Protagonist entpuppt, auch wenn ich mir in Bezug auf die ein oder andere Sache bei ihm eine etwas durchdachtere Ausarbeitung der Autorin gewünscht hätte - zum Beispiel im Hinblick auf seine zu Beginn der Geschichte angedeutete Alkoholabhängigkeit, die im späteren Verlauf total über Bord fällt.

Das Buch ist insgesamt Action-geladen, sodass man relativ gut durch die 500 Seiten kommt. Eine leichte Liebesgeschichte bahnt sich zwar an, steht aber sehr im Hintergrund und nimmt dabei kaum Raum ein. Hier hoffe ich auf mehr für den nächsten Band. Und oh ja, es gibt einen nächsten Band, was ich erst total übersehen hatte. Denn eigentlich ist die Geschichte schon in sich abgeschlossen. Da aber zumindest noch eine Frage am Ende offen geblieben ist, habe ich eine Vermutung worum es in der Fortsetzung gehen könnte. 

Das Finale des Buches wurde relativ schnell abgehandelt, da hätte ich mir lieber noch etwas mehr Spannung und dafür eine Fortsetzung im nächsten Band gewünscht.

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Veröffentlicht am 13.04.2021

Ein philosophischer Reisebericht

Der Schneeleopard
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Autor Sylvain Tesson begibt sich in diesem Buch auf eine Reise nach Tibet mit dem Tierfotografen Vincent Munier. Die beiden suchen den Schneeleoparden, der mit seinen letzten 5.000 Exemplaren auf der Welt ...

Autor Sylvain Tesson begibt sich in diesem Buch auf eine Reise nach Tibet mit dem Tierfotografen Vincent Munier. Die beiden suchen den Schneeleoparden, der mit seinen letzten 5.000 Exemplaren auf der Welt vom Aussterben bedroht ist. Wir begleiten die Reisenden vom Einstieg ins Flugzeug nach China bis zum Rückflug. Dabei lässt uns Tesson intensiv an seinen Gedanken teilhaben.

Dies ist es auch, was das Buch verstärkt ausmacht: Zwar schildert der Autor von wo sie wohin und wie gereist sind, wo sie schliefen oder für eine Tierbeobachtung ausharrten, diese Beschreibungen kamen mir aber leider ein wenig zu kurz. Zwischen Tessons Erlebnissen und Erfahrungen fließen sehr viele Gedankenspiele ein, die meist philosophischer Natur sind. Dabei philosophiert er über - im wahrsten Sinne des Wortes - Gott und die Welt, die Macht des Menschen über die natürliche Ordnung, das Aussterben der Tiere und vieles mehr. Das Buch enthält viele wahre Worte, nur hatte ich mir diese Reise etwas anders vorgestellt. Die Beobachtung eines Tieres verläuft sich dann schnell wieder in Tessons Gedanken; die Schilderungen der Beobachtungen kamen mir daher leider zu kurz. Und auch der Schneeleopard spielt dann doch nur eine kleine Rolle, dafür, dass er Namensgeber des Buches ist.

Man muss bereit sein, sich auf sehr viel mehr Tiefe und weniger Erlebnisbericht einzustellen, eine Struktur in Tessons Gedanken darf man allerdings nicht erwarten.

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Veröffentlicht am 10.04.2021

Besser als der 2. Band der Grischa-Trilogie

Lodernde Schwingen
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"Lodernde Schwingen" ist der dritte Band der Grischa-Trilogie. Die Rezension kann daher Spoiler zu den vorherigen Bänden enthalten.

Alina ist nach ihrem letzten Kampf gegen den Dunkeln sehr geschwächt ...

"Lodernde Schwingen" ist der dritte Band der Grischa-Trilogie. Die Rezension kann daher Spoiler zu den vorherigen Bänden enthalten.

Alina ist nach ihrem letzten Kampf gegen den Dunkeln sehr geschwächt und erholt sich nun unter der Erde in der weißen Kathedrale. An ihrer Seite ist nun auch der Asket, der sie nicht aus den Augen lässt und derweil das Sagen hat. Er ist es auch, der Alina von ihren Freunden fernhält. Erst durch einen Hinterhalt können diese den Asketen in seine Schranken weisen und mit Alina durch die Tunnel im Untergrund verschwinden. Ihr Ziel: erst Nikolai und dann den Feuervogel finden. 

Charakterlich gab es in diesem dritten Band keine großen Entwicklungen mehr: Alina hat bei mir im zweiten Band bereits ordentlich an Sympathie eingebüßt, diese konnte sie leider auch im dritten Band nicht wiederherstellen. Ihre egoistische, dominante Ader kam hier zwar nicht mehr ganz so oft zum Ausdruck, dennoch konnte ich sie nicht mehr liebgewinnen. Die (tragische) Liebesgeschichte gefällt mir in diesem Band dagegen besser als im Vorgänger, auch wenn ich sie stellenweise als sehr ausgelutscht empfinde. Dafür hat Leigh Bardugo in die gesamte Handlung einige spannende und unvorhersehbare Wendungen eingebaut, die der Geschichte endlich wieder Pepp verliehen. Ich bin daher tatsächlich ganz bis zum Schluss im Dunkeln getappt was den Ausgang der Trilogie betrifft.  

Abschließend kann ich jedoch resümieren: Selbst für diejenigen, die wie ich im zweiten Band schon die Lust an der Reihe verloren haben, lohnt sich das Lesen dieses Abschlussbandes auf jeden Fall. Schon allein, wenn man die Buchreihe rund um Nikolai lesen will, sollte man diesen Band zwingend gelesen haben. Sonst würden einem für "King of Scars" essenzielle Infos zu Nikolais Vorgeschichte fehlen. Daher: Schließt die Trilogie auf jeden Fall mit diesem Band ab und lasst euch von einigen spannenden Wendungen überraschen.  

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Veröffentlicht am 02.04.2021

Düstere High Fantasy as its best

Vardari - Eisenwolf (Bd. 1)
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Juva ist Jägerin und macht in den Wäldern Jagd auf Wölfe, deren Blut ihre Stadt benötigt, um die Steine, die als Reiseportale dienen, in Betrieb zu halten. Die Jagd macht ihren ganzen Lebensinhalt aus; ...

Juva ist Jägerin und macht in den Wäldern Jagd auf Wölfe, deren Blut ihre Stadt benötigt, um die Steine, die als Reiseportale dienen, in Betrieb zu halten. Die Jagd macht ihren ganzen Lebensinhalt aus; dass sie gebürtig aber eigentlich zu den Blutleserinnen gehört, verdrängt sie, denn in ihren Augen sind diese nichts als Schwindlerinnen, die den Menschen falsche Wahrheiten vorgaukeln, wie Wahrsagerinnen. Bis eine Reihe von Morden geschehen, die Juvas komplettes Leben verändern. Sie muss feststellen, dass die Blutleserinnen ein noch viel größeres Geheimnis umhüllt, bei der der Eisenwolf, der sie in ihrem Träumen verfolgt, eine große Rolle spielt.

Die Welt, die Siri Pettersen hier geschaffen ist, ist viel zu komplex als das so wenige Sätze auch nur annähernd den Inhalt dieses Buches wiedergeben könnten. Sie ist durchweg düster und vereint zudem noch verschiedene Völker in sich, sodass es eine sehr lange Weile gedauert hat, bis ich dem auf die Schliche gekommen bin, wer hier eigentlich wer ist und was es bedeutet. Auf den ersten gut 250 Seiten wirft die Autorin wahnsinnig viele Fragezeichen auf. Sie wirft einen mitten in die Handlung, ohne gefühlt auch nur ansatzweise etwas zu erklären. Und tut sie es doch, stellen sich einem sofort neue Fragen. Doch diese Seiten höchst aufmerksam zu lesen, lohnt sich dann spätestens ab der Buchmitte vollends. Alles ergibt plötzlich Sinn, es wird atemberaubend spannend und wir können alles über den Haufen werfen, was wir von Gut und Böse glauben zu wissen. Die Wendungen in der Handlung sind absolut unvorhersehbar und damit einfach fantastisch. Siri Pettersen konnte mich hier immer wieder schockieren, aufwühlen und auch manchmal ekeln. Für Zartbeseitete ist dieses Buch vielleicht weniger etwas, die Ausdrücke sind des Öfteren ruppig; Gewalt, Tod und sexuelle Spannungen werden offen geschildert.

 Diese Fantasy-Welt mag den Lesern der Rabenringe-Trilogie in Teilen nicht komplett fremd sein, mir war sie allerdings neu und ich habe sie trotz ihrer tiefsten Düsterkeit geliebt! Ein Hauch von Romantik kommt hier ebenfalls auf, aber auch diese in ihrer düstersten und dreckigsten Form. Wirklich gelungen, was Siri Pettersen hier geschaffen hat! Ich warte nun gespannt auf Band 2, jedoch ohne mit einem fiesen Cliffhanger leben zu müssen.

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Veröffentlicht am 24.03.2021

Bewegende, schockierende und wichtige Lektüre

Dunkelnacht
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Die Novelle von Kirsten Boie versetzt uns zurück an den Tag und in die darauffolgende Nacht des 28. Aprils 1945. Dabei bekommen wir einen kurzen Einblick in das Leben der drei Jugendlichen Marie, Schorsch ...

Die Novelle von Kirsten Boie versetzt uns zurück an den Tag und in die darauffolgende Nacht des 28. Aprils 1945. Dabei bekommen wir einen kurzen Einblick in das Leben der drei Jugendlichen Marie, Schorsch und Gustl aus Penzberg und erleben hautnah, was die drei an diesem Tag - kurz vor dem Selbstmord Hitlers und dem Ende des 2. Weltkriegs - und in dieser dunklen Nacht erleben. Was hier von Kirsten Boie zwar erfunden wurde, findet seinen historischen Ursprung in den sogenannten Endphasenverbrechen, die sich am 28. April 1945 tatsächlich in Penzberg ereignet haben und bei denen viele unschudlige Menschen ihr Leben verloren. 

Die Novelle ist in zwei Abschnitte unterteilt, die Tag und Nacht voneinander trennen. Der restliche Text ist dann wiederum in viele kurze Abschnitte unterteilt, bei denen wir zwischen den Perspektiven der Figuren wechseln. Als Leser bekommen wir hier nicht nur den Blick durch die Kindesaugen von Marie, Schorsch und Gustl, wir blicken auch durch die Augen derjenigen, die aus Angst falsche Entscheidungen treffen, derjenigen, die nach Macht gieren und diese demonstrieren, derjenigen, deren letzte Chance die Flucht ist und derjenigen, die schon verloren haben. 

Der Schreibstil fällt besonders durch seine kurzen, prägnanten Sätze auf, die zwar fast wie ein Ereignisbericht anmuten, jedoch inhaltlich keinesfalls einem Ereignisbericht gleich kommen. Zwischen diesen kurzen Sätzen hat Kirsten Boie dermaßen viele Gefühle gepackt, sodass ich mit Beenden des Buches nicht mehr wusste, wo mir der Kopf stand. Dieses Buch zu lesen war für mich einerseits schockierend, andererseits wahnsinnig lehrreich. Leider fällt es so unglaublich schwer gar den Inhalt des Buches in Worte zu fassen. Es ist einfach ein Werk, das gelesen werden muss und dabei ist es egal, ob man sich für die deutsche Geschichte interessiert. Diese Novelle hat mich jedenfalls sehr berührt und ich hoffe dass sie in den nächsten Jahren noch viele, viele weitere genauso berühren wird.

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