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Veröffentlicht am 06.11.2020

Ganz viel Drama und große Geheimnisse

Rixton Falls - Secrets
3

Das Buch beginnt mit einem Rückblick in die Vergangenheit: Wir springen als Leser durch die verschiedenen Stationen des Erwachsenwerdens von unseren Protagonisten Demi und Royal, die sich schon von kleinauf ...

Das Buch beginnt mit einem Rückblick in die Vergangenheit: Wir springen als Leser durch die verschiedenen Stationen des Erwachsenwerdens von unseren Protagonisten Demi und Royal, die sich schon von kleinauf kennen und früh ineinander verlieben. Doch als Demi 18 Jahre alt und seit einem Jahr mit Royal zusammen ist, passiert das Unerwartete: Von einem Tag auf den anderen verschwindet Royal aus ihrem Leben und ihr Vater verschweigt ihr weshalb. Sprung in die Gegenwart - sieben Jahre später. Demi ist inzwischen verlobt, doch trotzdem bekommt sie Royal nicht aus ihrem Kopf. Und kaum passiert ihrem Verlobten ein schwerer Autounfall, der ihn ins künstliche Koma befördert, steht ihre große Jugendliebe wieder vor ihrer Tür - und mit ihm jede Menge Geheimnisse und Lügen, die nach und nach ans Licht kommen.

"Rixton Falls - Secrets" war für mich kein typischer New Adult-Roman. Die Liebesgeschichte zwischen Demi und Royal steht an erster Stelle, klar, aber daneben gab es so viel Drama, Schmerz, Leid und schreckliche Charaktere, dass selbst die ohnehin wenig berührende Liebe der Protagonisten hier nichts retten konnte. Ein Drama folgte auf das nächste.

Aber fange ich lieber noch mal von Vorne an. In der Geschichte passiert viel mehr als der Klappentext verrät und los geht es damit, dass wir Demis Erwachsenenleben erst einmal kennenlernen müssen - und zwar unvermittelt im Krankenhaus an der Seite ihres im Koma liegenden Verlobten. Die Autorin bringt uns Demis Situation und Lebensumstände geschickt näher, in dem sie relevante Informationen zum Beispiel in Dialogen oder Gedankengängen der Protagonistin einfließen lässt. Doch trotzdem war es etwas viel Information zum Anfang. Man wurde ein wenig in die Geschichte geworfen, ohne zu wissen, wie einem geschieht. Das rasante Tempo vom Anfang behielt die Autorin leider durchweg bei. Man flog quasi durch die Ereignisse, die Schlag auf Schlag erfolgten. Und von sozusagen Sekunde eins der Geschichte steht neben Demi auch Royal als Protagonist im Mittelpunkt. Die Kapitel sind wechselweise aus der Sicht der beiden geschrieben, wobei Demis Abschnitte deutlich interessanter sind, verliert sich Royal in der Regel doch fast ausschließlich in Schwärmereien über Demi. 

Dies ist mit ein Grund, warum ich mit keinem einzigen Charakter in diesem Buch warm geworden bin. Demi stellt stets das Befinden der anderen vor ihr eigenes, was sie dazu verleitet, nie ihren Mund aufzumachen. Darüber kann ich mich immer sehr bei Figuren aufregen. Royal ist durch seine Demi-Besessenheit (ja, so kann man es definitiv nennen!) für mich eher nervig gewesen. Neben den beiden treten zahlreiche weitere Figuren auf - Royals und Demis Familienmitglieder, natürlich Demis Verlobter und seine Mutter. Es waren allesamt grausige Charaktere, insbesondere Demis Familie blieb absolut farblos.

Und auch die Liebe zwischen den Protagonisten konnte mich leider zu keinem Zeitpunkt berühren. Hier baut sich nichts langsam auf, sie ist von Anfang an von 0 auf 100 da. Damit konnte ich leider nicht viel anfangen. 

Wer einen temporeichen New Adult-Roman mit ganz viel Drama und großen Geheimnissen, die extra lange herausgezögert werden, sucht, ist mit "Rixton Falls - Secrets" gut bedient. Wer jedoch eine tatsächlich berührende Liebesgeschichte möchte, sollte lieber zu einem anderen Buch greifen.

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Veröffentlicht am 31.10.2020

Eine packende neue Fantasywelt mit interessanten Charakteren

Chroniken der Dämmerung, Band 1: Moonlight Touch
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Sheera ist eine Nachtalbe - damit ist sie ein Wesen der Dunkelheit mit schwarzem Haar, mondblasser Haut und katzenartigen Augen, jedoch in den Augen der Hochalben Abschaum. Sie schlägt sich als Diebin ...

Sheera ist eine Nachtalbe - damit ist sie ein Wesen der Dunkelheit mit schwarzem Haar, mondblasser Haut und katzenartigen Augen, jedoch in den Augen der Hochalben Abschaum. Sie schlägt sich als Diebin durch, bis sie eines Tages von der königlichen Garde in den Palast der Königin der Hochalben verschleppt wird. Sie wurde ausgewählt als eine der Anwärterin auf die königliche Nachfolge. Jeder Anwärterin steht eine schwierige Aufgabe bevor, um sich zu beweisen. So muss Sheera den Dämmerstein aus dem Reich der Menschen stehlen.

Sheera ist als Protagonistin dieser Fantasy-Saga eine wie ich finde sehr eigenwillige Person. Gerade auf den ersten gut 100 Seiten zeigt sie eine leicht aggressive, sehr aufbrausende Art, die ich nicht sonderlich an ihr mochte. Als Charakter so richtig liebgewinnen konnte ich sie erst später. Ähnliches gilt für Lysander, der quasi der zweite Protagonist in diesem Buch ist. Zu Beginn hielt ich ihn für einen arroganten, farblosen und schnöselig perfekten Menschenprinzen. Doch als Sheera und Lysander aufeinandertreffen, entwickeln sich beide Charaktere in andere - wie ich finde viel bessere - Richtungen. Schätzungsweise 3/4 der Kapitel sind aus Sheeras Sicht geschrieben - in Ich-Perspektive -, das letzte Drittel nimmt die Perspektive von Lysander ein, jedoch in der dritten Person verfasst. Die abwechselnden Einsichten in die beiden Figuren waren für die Geschichte sehr aufschlussreich.

Außerdem ist erwähnenswert, dass einige Charaktere hier sehr vielschichtig sind und interessante - zum Teil ganz und gar unerwartete - Entwicklungen durchleben. Man sollte sich hier nicht zu früh sicher sein, wer gut und wer böse ist.

Sheera hat es außerdem mit potenziell zwei Love Interests zu tun, wobei wir hier zum Ende des ersten Bands keine Liebesgeschichte haben. Der Fokus des ersten Bandes liegt trotz einiger romantischer Schwingungen klar auf der Fantasywelt und ihrer Bewohner, weshalb mir das Buch auch so gut gefallen hat. Auf romantischer Ebene mitfühlen konnte ich diesem Band jedoch noch nicht, bei keinem der potenziellen Love Interests. Vielleicht ändert sich das noch in der Fortsetzung.

Das Buch endet außerdem mit einem riesigen Cliffhanger, der es fast unmöglich macht, nicht wissen zu wollen wie es weitergeht. Dieser Cliffhanger ist mal wirklich gemein! Allerdings spoilert der Klappentext des zweiten Bandes schon ein wenig, wenn man es vor Neugier nicht aushält.

"Moonlight Touch" ist eine insgesamt runde und auch spannende Fantasygeschichte rund um die Welt der Hoch- und Nachtalben, mit einem Hauch Romantik - wenn auch bisher leider keinem überzeugenden - und vielschichtigen Charakteren, die sich anders entwickeln als man es zu Beginn erahnen würde.

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Veröffentlicht am 22.10.2020

Toller Plot, super Schreibstil, jedoch mit kleinen Mängeln

Ministry of Souls – Das Schattentor
1

Jack ist angehender Soulman des Ministeriums für endgültige Angelegenheiten. Heißt im Klartext: Sein Job ist es, die Geister der Verstorbenen ins Jenseits zu befördern, sodass sie endlich ihren Frieden ...

Jack ist angehender Soulman des Ministeriums für endgültige Angelegenheiten. Heißt im Klartext: Sein Job ist es, die Geister der Verstorbenen ins Jenseits zu befördern, sodass sie endlich ihren Frieden finden können und nicht mehr in der Menschenwelt rumgeistern. Da die Menschen im England des 19. Jahrhunderts aber nicht an Geister glauben - und wenn doch, dann schwer geängstigt von einer geisterhaften Begegnung wären - macht Jack dies natürlich im Heimlichen, was mal mehr, mal weniger gut gelingt, wie uns dieser erste Teil der Dilogie zeigt. 

Jack war mir als Protagonist von Anfang an sehr sympatisch - eben ein richtig cooler Typ, und der blieb er über den gesamten Roman hinweg. Allerdings, so muss man zugeben, nicht immer der fähigste, was ihn aber als Charakter widerum sehr menschlich macht. Eine weitere größere Rolle nimmt außerdem die fernöstliche Prinzessin Naima ein, die im Gegenteil zu Jack jedoch zu perfekt auf mich wirkte. Ganz Prinzessinnen-Like schwärmt Jack häufig von ihrem Aussehen, dabei will Naima gar nicht das eitle Prinzesschen sein, das stets beschützt werden muss. Sie ist ziemlich taff und bekam vom Diener das Kämpfen gelehrt, was sie uns hie und da zur Schau stellt. Es mag dem Autor hoch anzurechnen sein, dass er sich vom Klischee der hilflosen Märchenprinzessin losgesagt hat - dennoch hat er hier eine meiner Meinung nach zu perfekte Frauenfigur geschaffen. Für mich blieb Naima daher ziemlich unspektakulär als Charakter. Liebgewinnen konnte ich sie leider nicht.

Akram El-Bahay hat dafür aber einen ganz wundervollen Schreibstil, der mich von der ersten Seite an fesseln konnte. Ich hatte stets das Gefühl, der Autor wählt seine Sprache und Ausdrücke mit Bedacht. Man stolpert zudem über amüsante Bezüge zu anderen Buchfiguren wie beispielsweise Harry Potter oder der Zauberer von Oz. Das Buch ist überwiegend aus der Perspektive von Jack geschrieben, jedoch in der dritten Person. Einige ganz wenige Abschnitte nehmen die Sicht von Naima ein. Die Wahl der Erzählweise passt hier insgesamt ganz gut.

Der Autor hat zudem einen fasznierenden Plot entworfen. Schon allein die Tatsache, dass es sich um eine Geistergeschichte, die in London im Jahr 1850 spielt, war für mich Grund genug, dieses Buch lesen zu wollen. Und die Grundidee wurde soweit auch gut umgesetzt. Dennoch: An der ein oder anderen Stelle war mir es mir dann doch etwas zu langatmig, die ein oder andere glückliche Fügung war mir dann doch ein Zufall zu viel. Die Spannung blieb trotz eigentlich actionreicher Story nicht konsequent oben. Ich hatte aufgrund dessen leider unterwegs auch die ein oder andere Leseflaute. 

Ebenfalls ein großes Manko: die Liebesgeschichte. Der Klappentext verrät dies zwar noch nicht, doch trotzdem nehmen auch romantische Gefühle Teil der Handlung ein. Hier hat das nur leider so gar nicht reingepasst. Zum Ende des Buches bleibt daher eine leider sehr oberflächliche, dafür aber maßlos überzogene Liebesgeschichte, die mir das Buch leider ein wenig versaut hat. Dennoch zeichnet sich dieses Buch auch aus durch einen wahnsinnig tollen Plot, einen obercoolen Sidekick und einen wunderschönen Schreibstil!

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Veröffentlicht am 14.10.2020

Hintergrundinformationen zu unseren liebsten Fantasiewelten

Wonderlands
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Das Buch "Wonderlands", herausgegeben von Laura Miller, bespricht nur allzu vertraute Fantasiewelten wie Mittelerde, daneben aber auch jede Menge dystopische oder utopische Abbilder unserer realen Welt. ...

Das Buch "Wonderlands", herausgegeben von Laura Miller, bespricht nur allzu vertraute Fantasiewelten wie Mittelerde, daneben aber auch jede Menge dystopische oder utopische Abbilder unserer realen Welt. Dabei bekommt die Herausgeberin Unterstützung jeder Menge Autorinnen und Autoren - exakt 41 an der Zahl -, die Dank eines Registers am Ende des Buches übersichtlich aufgeführt und ihren jeweiligen Artikeln zuzuordnen sind.

Laura Miller führt dazu mit einer wunderschönen Einleitung in das Buch ein, die einen gelungenen Bogen um alle hier abgehandelten Werke spannt. Sortiert werden die Wunderwelten nach ihrer Entstehungszeit, beginnend bei der älteren, zum Teil mittelalterlichen, Literatur bis 1700 und endend in unserer heutigen Gegenwart. Das erste Kapitel beschäftigt sich entsprechend mit den historischen Vorläufern der Fantasytitel unserer Zeit - ein Kapitel, dass übrigens mein Herz als ehemalige LIteraturstudentin direkt höher schlagen lässt. Dabei erleben wir eine Reise von Homers "Odyssee" über "die göttliche Komödie" bis hin zu "König Arthur und die Ritter der Tafelrunde". Die Buchbeiträge sind dabei besonders anschaulich ausgestaltet, sei es mit Bildern zu den Autoren, Zeichnungen zu den Werken oder Fotos und Abdrucken der Handschriften. Allein letzteres macht bereits das erste Kapitel des Buches sehr sehenswert.

Im zweiten Kapitel zur Wissenschaft und Romantik (1701-1900) begegnen uns dann neben "Gullivers Reisen" und "Der Zauberer von Oz" natürlich auch Titel wie "Alice im Wunderland". Viele der hier vorgestellten Titel waren mir allerdings unbekannt, was meine Begeisterung jedoch nicht mindern konnte. Ich habe bereits den ein oder anderen Buchtitel für mich entdeckt, der hoffentlich bald den Weg in mein Bücherregal findet.

Kapitel 3 betrachtet dann das goldene Zeitalter der Fantasy (1901-1945). In den darin folgenden Werken haben wir es vor allem mit dystopischen Welten der Zukunft und den Einflüssen der Weltkriege zu tun - die ich selbst bisher noch weniger in den von mir gelesenen Fantasybüchern entdeckt hatte. Überraschen konnten mich hier Titel wie "Peter Pan in Kensington Gardens" und der Cthulhu-Mythos.

Mit kriegsbeeinflusster Literatur geht es im 4. Kapitel weiter, das sich mit Titeln bis 1980 befasst, darunter natürlich auch Klassiker wie "1984" und "Die Chroniken von Narnina" - ebenfalls wunderschön bebildert. Am nächsten war mir jedoch das 5. Kapitel zum sogenannten Computerzeitalter. Hier dürfen Harry Potter, die Tribute von Panem sowie Game of Thrones natürlich nicht fehlen!

Für mich als Leserin und sogar Fan des ein oder anderen hier abgehandelten Buches ist diese andere - literaturwissenschaftliche - Perspektive auf die geschaffenen Fantasiewelten sehr interessant. Dabei liefern uns die Autoren jede Menge Hintergrundwissen und interpretativen Stoff, der es uns ermöglicht, die allzu bekannten Titel mit anderen Augen zu betrachten. Natürlich sei dazu ergänzt: Sicherlich muss man ein begeisterter Leser und Fan von Buchwelten sein, um meine Sympathie zu diesem Buch zu teilen. Ich jedenfalls hätte damals im Studium liebend gern dieses Buch gehabt, um mich zu meinem nächsten Hausarbeitsthema inspirieren zu lassen. Dafür bietet "Wonderlands" nämlich wirklich jede Menge Stoff und regt zum Weiterlesen/-recherchieren/-informieren an. Daneben taugt der Band aber auch sehr gut als ein literarischer Wegweiser durch die Fantasyliteratur, die uns die wirklich lesenswerten Titel dieses Genres aufzeigt. Mir jedenfalls konnte das Buch einige Titel vorstellen, die ich nun gerne lesen würde.

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Veröffentlicht am 26.09.2020

Ein sensibles Thema verpackt in einer wundervollen Liebesgeschichte

Das Glück so leise
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Sam hat gerade seinen Job, seinen Ruf in der Marketingbranche und zudem noch seine Freundin verloren. Als einzigen Ausweg sieht er die Flucht auf's Land zu seiner Großmutter Henriette, um sie um einen ...

Sam hat gerade seinen Job, seinen Ruf in der Marketingbranche und zudem noch seine Freundin verloren. Als einzigen Ausweg sieht er die Flucht auf's Land zu seiner Großmutter Henriette, um sie um einen Kredit zu bitten mit dem er sich selbstständig machen kann. Jedoch hatten die beiden seit Jahren keinen Kontakt mehr und Sam weiß nicht, was ihn auf dem Gestüt seiner Großmutter erwarten wird. Denn Henriette stellt ihre eigenen Bedingungen für den Kredit - so muss Sam eine Weile für die Organisation Glücksmomente arbeiten, die Henriette in Gedenken an ihren verstorbenen Mann gegründet hat. Auf dem Gestüt trifft Sam auch auf Henriettes Angestellte und Freundin - die junge Lillan, die mit ihrer Tochter in einem Kutscherhäuschen nahe des Gestüts wohnt. Und Sam entgeht dabei nicht, dass Lillan irgendwie besonders ist, doch nicht nur wegen ihres Temperaments, sondern auch weil Lillan taub ist.

Dieser Roman entpuppt sich früh als richtige Wohlfühllektüre, denn er fährt nicht nur mit der harmonischen Kulisse des Gestüts mitten auf dem Land und umgeben von nichts als Natur auf, sondern auch mit sehr besonderen Charakteren. Sam ist alles andere als ein Machotyp, auch wenn er ein Großstädtler ist und sich zunächst auf dem Land ganz fehl am Platz fühlt. Doch er beweist schnell, dass er ein großer Sympathieträger ist. Seine Großmutter Henriette ist ebenso absolut liebenswert! Sie ist das Herzstück dieses Romans und bringt durch ihre Lebhaftigkeit auch jede Menge Humor in die Geschichte. Doch nicht weniger besonders ist Lillan, die mit ihrer Gehörlosigkeit ihre eigene Gewichtung in der Geschichte hat. Ihre Tochter Ida ist ein richtiger Sonnenschein, den man in der Erzählung absolut nicht missen möchte.

Wie schon angedeutet, dreht sich dieser Roman jedoch nicht nur um die Liebe. Die Gehörlosigkeit von Lillan nimmt hier auch thematisch einen relevanten Raum ein. Zum einen rührt daher eine sehr besondere Liebesgeschichte, die beweist, dass es vollkommen egal ist, ob ein Mensch hören kann oder nicht. (Zu ergänzen ist hier, dass Lillan perfekt sprechen kann, da sie ihr Gehör erst in ihrer Jugend verlor.) Zum anderen begreift man als Leser zu verstehen, wie es sein muss, wenn man niemals das Lachen seiner Tochter hören können wird, niemals wieder die vielen Geräusche der Natur, wie das Plätschern des Wassers und das Quaken der Frösche. Doch Sam findet Wege Lillan all diese Töne auf seine eigene Weise näher zu bringen. Lillans Lebensgeschichte hat mich daher ebenso sehr berührt wie die Liebe in diesem Roman. Ich finde es toll, dass die Autorin auch vor so einem Thema keinen Halt macht, sondern stattdessen einfühlsam und authentisch von Gehörlosigkeit erzählt.

Natürlich überrascht jedoch der Aufbau der Geschichte nicht: Kurz bevor es ein großes Happyend gibt, kommt noch mal jede Menge Drama in die Geschichte - und genau dieses Drama hätte dem Buch beinahe einen Stern in meiner Bewertung gekostet. Denn Lillan beginnt mit mal sich gar nicht mehr so rational wie sonst zu verhalten, ganz im Gegenteil. Sie reagiert maßlos über und bezieht mit mal alles auf sich - hier wird dann auch deutlich wie schnell es zu Missverständnissen kommen kann, wenn man nur Lippenlesen, jedoch nichts hören kann. Es geht so weit, dass sie aus Verzweiflung sogar ihre Tochter anlügt, was mich schon ein wenig enttäucht hat. Doch Leonie Lastella hat diese Wendung noch einmal retten können, indem sie bewiesen hat, dass Lillan doch einen reflektierten Charakter hat, der am Ende zu seinen eigenen Fehlern steht und diese auch einsieht. So konnte mich am Ende auch die dramatische Wendung überzeugen. Unterm Strich also: authentisch, authentisch und nochmals authentisch! 5 Sterne sind vollkommen verdient.

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