Ein wenig gruselig, jedoch leider ohne jegliche Fröhlichkeit
Die stummen Wächter von Lockwood Manor1939: Der Krieg ist ausgebrochen und um die seltenen Tierpräparate des Natural History Museums vor Bombenangriffen zu schützen, macht sich Hetty als frisch gebackene Abteilungsleiterin mit den Ausstellungsstücken ...
1939: Der Krieg ist ausgebrochen und um die seltenen Tierpräparate des Natural History Museums vor Bombenangriffen zu schützen, macht sich Hetty als frisch gebackene Abteilungsleiterin mit den Ausstellungsstücken auf den Weg nach Lockwood Manor - einem riesigen, imposanten Anwesen, dass den Tieren Unterkunft über den Krieg hinweg gewährt. Hettys Aufgabe ist es, die gesamte Zeit über ein Auge auf die Ausstellungsstücke zu haben, sodass sie nach dem Krieg wohlbehalten ins Museum zurückkehren können. Doch das ist leichter gesagt als getan, Tiere verschiedenen und tauchen an anderen Orten wieder auf. Und zu allem Überfluss soll es auf Lockwood Manor auch noch spuken.
Der Klappentext verrät in meinen Augen noch nicht allzu viel von dem, was sich eigentlich in diesem Roman verbirgt. Ich versuche mit dieser Rezension daher ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen.
Der Roman spielt während des zweiten Weltkriegs, dennoch ist dieser mehr eine Hintergrundmusik als entscheidend für die Handlung. Er scheint lediglich den Anlass dafür zu geben, dass dieser Roman vollständig auf Lockwood Manor spielt und das über ein Jahr lang. Für die Figuren des Romans schien der Krieg nie wirklich realitätsbedrohend, angsteinflößend oder ließ sie gar mal materielle Dinge vergessen. Erst am Ende wird noch einmal ein kleineres Fazit im Angesicht des Krieges gezogen, dass der Roman wohl auch bitter nötig hatte, um seinen Figuren Empathie einzuflößen. Dieser Roman hätte genauso gut in jedem anderen Jahr der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, auch ohne Krieg, spielen können.
Auch die Handlung erscheint ungewöhnlich. Die junge Hatty, die mit einer Horde von Tierpräparaten auf einem geheimnisvollen Anwesen einzieht - das lässt dem neugierigen Leser so viel Platz an Fantasie und hat auch mein Interesse an dem Buch geweckt. So richtig packen konnte mich die Handlung dann letztendlich jedoch nicht. Vielleicht lag es an den falschen Erwartungen? Dabei begann die Geschichte vielversprechend, ohne Umschweife waren wir direkt drin und schon nach wenigen Seiten mit Hetty unterwegs nach Lockwood Manor. Doch dann riss meine Vorfreude auf die nächsten Seiten irgendwann ab. Vielleicht weil Lockwood Manor den Roman schließlich wieder entschleunigt hat. Immer mal wieder gab es gruselige Szenen und Momente, die zum Fürchten waren, doch diese konnten die Spannung nicht so richtig aufrecht erhalten. Ich befürchte dies ist auch ein wenig den Charakteren geschuldet. Mit der Protagonistin wurde ich nicht warm und alle anderen Figuren erschienen mir nicht liebenswert, ich nehme an, das sollten sie - mit einer Ausnahme - wohl auch nicht. Unterm Strich hatte der Roman damit für mich leider viel zu wenig Herzliches. Zu schnell hatte sich bei mir das Bild von Hetty als überkorrekte, mürrische Person verfestigt - und mein Eindruck hat sich über die Seiten hin eher noch verschlimmert. Sympatisch wurde sie mir zu keinem Zeitpunkt. Die Mehrzahl aller anderen Charaktere ist tatsächlich ganz schrecklich und trägt hässliche Charaktereigenschaften zutage. Wenigstens eine so richtig liebenswerte - vielleicht gar fröhliche - Person wäre doch mal schön gewesen. Denn fröhlich war hier rein gar nichts auf Lockwood Manor.
Und das obwohl es auch eine (quere) Liebesgeschichte gibt. Diese war nicht zu dominant und entwickelte sich im richtigen Tempo, konnte den Roman für mich aber auch nicht mehr retten.
Vor dem Ende möchte ich am liebsten eine Warnung für zartere Seelen aussprechen. Wer schon schlechte Erfahrungen mit Gewalt oder Nötigung gemacht hat, dem sei von diesem Buch abgeraten. Es tut mir Leid, wenn ich jemandem damit schon Hinweise auf die Handlung gebe, aber aus Leserunden ist mir bewusst, dass es Leser/-innen gibt, für die solch eine Warnung wirklich wichtig ist.
Dennoch kam das Ende sehr überraschend und unerwartet. Der Ausgang war für mich keinesfalls vorhersehbar, womit der Roman auf den letzten Metern noch einmal einen Pluspunkt machen kann. Meine Erwartungen, die ich an den Klappentext gestellt habe, konnte der Roman allerdings nicht einhalten. Auch wenn er in England vielleicht in aller Munde ist, so konnte er meinen Geschmack doch nicht treffen.