Profilbild von Gartenfee-Berlin

Gartenfee-Berlin

Lesejury Star
offline

Gartenfee-Berlin ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Gartenfee-Berlin über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.08.2025

Eigentlich unvorstellbar

Der Sommer am Ende der Welt
0

Eva Völler hat hier einen tollen Roman geschrieben, in dem sie eine böse Vergangenheit mit fiktiven Charakteren erzählt. Ich dachte früher immer, die Kinderverschickungen waren eine tolle Sache für ärmere ...

Eva Völler hat hier einen tollen Roman geschrieben, in dem sie eine böse Vergangenheit mit fiktiven Charakteren erzählt. Ich dachte früher immer, die Kinderverschickungen waren eine tolle Sache für ärmere Kinder, deren Eltern sich keinen Urlaub leisten konnten. Sechs Wochen am Meer - das ist doch super! Doch mit den Schilderungen in diesem Buch hörte meine Naivität dann schlagartig auf. 1963 ist ja nun noch nicht so lange her, vier Jahre vor meiner Geburt. Aber die Zustände, die in diesem fiktiven Kinderheim herrschten, waren echt grauenvoll. Und das war leider nicht von der Autorin ausgedacht, im Gegenteil. Recherche in der eigenen Familie und bei vielen anderen Betroffenen verhalfen ihr zu diesem Buch. Eigentlich unvorstellbar, dass es erst jetzt, nach über 60 Jahren auch von anderen Autoren aufgedeckt wird. Oder ich habe vorher nur nie etwas darüber gehört. Zum Glück lief parallel eine Liebesgeschichte, so dass man von den grausamen Schilderungen einer Betroffenen immer mal wieder abschalten und sich zurücklehnen konnte. Mir tun die Kinder von damals wirklich leid, was sie alles erdulden mussten und vor allem, dass ihnen damals niemand geglaubt hat.

Das Buch war mal wieder ein Highlight. Die Geschichte hat mir sehr gut gefallen und ließ sich flüssig lesen. Auch die Charaktere waren sehr gut ausgearbeitet, so dass man gut mitfühlen konnte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.07.2025

Tolles Ermittlerteam

Teufel von Potsdam
0

Frank Hagedorns "Teufel von Potsdam" ist ein fesselnder Thriller, der den Leser von der ersten Seite an in seinen Bann zieht. Hagedorn beweist einmal mehr sein Talent, eine dichte Atmosphäre zu schaffen ...

Frank Hagedorns "Teufel von Potsdam" ist ein fesselnder Thriller, der den Leser von der ersten Seite an in seinen Bann zieht. Hagedorn beweist einmal mehr sein Talent, eine dichte Atmosphäre zu schaffen und Charaktere zu zeichnen, die authentisch und vielschichtig wirken.

Die Geschichte ist clever konstruiert und hält die Spannung bis zur letzten Seite aufrecht. Man fiebert mit den Protagonisten mit und versucht, die Geheimnisse und Wendungen der verschiedenen Handlungsstränge zu entschlüsseln. Besonders beeindruckend ist, wie der Autor es schafft, die historischen und lokalen Gegebenheiten Potsdams gekonnt in die Erzählung einzubinden, ohne dass es aufgesetzt wirkt. Die Stadt selbst wird fast zu einem weiteren Charakter im Buch.

"Teufel von Potsdam" ist nicht nur ein spannender Kriminalfall, sondern bietet auch interessante Einblicke in menschliche Abgründe und Motivationen. Wer auf der Suche nach einem intelligenten, gut recherchierten und atmosphärisch dichten Thriller ist, wird dieses Buch lieben. Ein absolutes Muss für alle Fans des Genres und eine klare Empfehlung für jeden, der gerne in eine packende Geschichte eintaucht! Wer den ersten Teil "Wölfe von Potsdam" noch nicht kennt, sollte ihn am besten vorher noch lesen, da sich einige Handlungen dann besser verstehen lassen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.07.2025

Die Potsdamer Konferenz

Schwestern des brennenden Himmels
0

„Die Schwestern des brennenden Himmels“ von Hanna Caspian ist ein historischer Roman, der mich von der ersten Seite an vollkommen gefesselt und nachhaltig beeindruckt hat. Die Autorin entführt die Leserschaft ...

„Die Schwestern des brennenden Himmels“ von Hanna Caspian ist ein historischer Roman, der mich von der ersten Seite an vollkommen gefesselt und nachhaltig beeindruckt hat. Die Autorin entführt die Leserschaft nach Potsdam direkt in die Wirren der Nachkriegszeit – mitten hinein in die dramatische Kulisse der Potsdamer Konferenz 1945. Das Buch verbindet atmosphärisch dichte Geschichte, bewegende Einzelschicksale und eine unmögliche Liebe zu einem emotionalen Leseerlebnis, das seinesgleichen sucht.

Was dieses Buch herausragend macht, ist die außergewöhnlich gründliche Recherche, mit der Hanna Caspian historische Details und politische Hintergründe mit großer Authentizität und Präzision einfängt. Die Figuren sind glaubhaft gezeichnet, ihre Konflikte und Hoffnungen berühren und gehen unter die Haut. Besonders hervorzuheben ist die vielschichtige Hauptfigur Ann Miller, deren Identität und Motivlagen spannungsvoll erzählt werden. Die Dynamik zwischen ihr und dem amerikanischen Soldaten Jackson Powers ist herzerwärmend und dramatisch zugleich. Jede Szene ist so bildhaft und lebendig beschrieben, dass man als Leserin das Gefühl hat, Seite an Seite mit den Protagonisten durch die Ruinen von Potsdam zu gehen, ihre Ängste zu teilen und sich ihre Hoffnungen zu eigen zu machen.

Selten wurde die deutsche Nachkriegsgeschichte mit so viel Gefühl, Empathie und menschlicher Tiefe erzählt. Das Leid, aber auch der Überlebenswille der Menschen, werden greifbar, und es gelingt Hanna Caspian meisterhaft, das große historische Panorama mit individuellen Erlebnissen zu verweben. Nicht zuletzt bietet das Buch neben packender Unterhaltung auch einen spannenden Einblick in ein entscheidendes Kapitel der europäischen Geschichte.

Kurz: Ein mitreißender Roman, der Herz und Verstand gleichermaßen anspricht – voller Authentizität, Spannung, Liebe und historischer Kraft. Absolute Leseempfehlung für alle, die bewegende Geschichten und historische Dramatik lieben!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.07.2025

Berührende Erzählung

Die Trümmerschule – Zeit der Hoffnung
0

Ich habe Die Trümmerschule als Hörbuch genießen dürfen, was mir sehr gut gefallen hat. Die Sprecherin Elena Puszta war mir bisher noch nicht bekannt, hat aber überzeugt.

Die Geschichte beruht zum Teil ...

Ich habe Die Trümmerschule als Hörbuch genießen dürfen, was mir sehr gut gefallen hat. Die Sprecherin Elena Puszta war mir bisher noch nicht bekannt, hat aber überzeugt.

Die Geschichte beruht zum Teil auf echte Begebenheiten, was das Hören noch einmal mehr aufgewertet hat. Beate Maly hat hier ein Thema aufgegriffen, was eigentlich nie an Aktualität verloren hat. Auch in Österreich gab es 1946 noch alte Nazis, die ganz schnell ihre Parteibücher verbrannt haben, um weiter in ihren Jobs arbeiten zu können. Natürlich sind Juden bei ihnen weiterhin nicht gut angesehen, so dass Stella einen schweren Stand an ihrer neuen Schule hat. Auch stelle ich es mir sehr schwer vor, nach einer Flucht aus London zurück in die Heimatstadt zu kommen, wo in der einstiegen Wohnung nun fremde Leute wohnen.

Diese Geschichte beschreibt wunderbar die vielen Schwierigkeiten, die Stella mit ihren modernen Ansichten an der Trümmerschule hat, vom Lesestoff bis zu den "ungeeigneten" Hauptschülern der 4. Klasse. Aber auch persönliche Geschichten werden nebenbei sehr einfühlsam erzählt und ich habe einige interessante Dinge über die Nachkriegszeit in Wien erfahren. Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich freue mich auf die Fortsetzung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.07.2025

Gut geschriebener Auftakt

Die Porzellanmanufaktur – Zerbrechlicher Frieden
0

Stefan Maiwald nimmt seine Leser/Hörer mit auf eine Zeitreise in die Nachkriegszeit , als Deutschland und seine Bewohner mühsam wieder aufstanden. Von 1947 bis 1949 erfahren wir hier, wie die Menschen ...

Stefan Maiwald nimmt seine Leser/Hörer mit auf eine Zeitreise in die Nachkriegszeit , als Deutschland und seine Bewohner mühsam wieder aufstanden. Von 1947 bis 1949 erfahren wir hier, wie die Menschen gehofft haben, ihre vermissten Lieben wiederzusehen oder auch einfach nur gegen den täglichen Hunger gekämpft haben. Der Schwarzmarkt blühte und bot für viele eine Chance, um ihre Familie durch die schwierige Zeit zu bringen.

In dieser Geschichte werden nach und nach von vielen Beteiligten die Anfänge geschildert, um zu erklären, warum sie so sind, wie sie sind. Zum Teil gelang das sehr einfühlsam, manchmal aber auch (gerade im Hörbuch) sehr plötzlich. Im Großen und Ganzen konnte ich mich aber ganz gut in die einzelnen Personen einfühlen und den Leidensweg oder auch das Glück nachempfinden. Was mir ein wenig zu kurz kam, war die Porzellanherstellung selber. Außer dass man als Rohstoff die weiße Tonerde Kaolin benötigt, die auch zur Papierherstellung benötigt wird, habe ich leider nicht allzuviel erfahren. Das hätte mehr sein können. Aber ansonsten war es eine wunderschön erzählte Geschichte, die noch nicht zu Ende ist.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere