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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.07.2019

gute Unterhaltung

Hurentochter - Die Distel von Glasgow
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Der Roman spielt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Glasgow und bildet den Beginn einer Trilogie. Der Autorin ist es gut gelungen, die historischen Hintergründe, vor allem zur Sozialgeschichte, ...

Der Roman spielt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Glasgow und bildet den Beginn einer Trilogie. Der Autorin ist es gut gelungen, die historischen Hintergründe, vor allem zur Sozialgeschichte, einzubinden. Denn im Mittelpunkt der Geschichte steht Emily, die in einem "Hurenhaus" aufgewachsen ist. Sie möchte alles hinter sich lassen, denn das Hurenhaus soll neue Besitzer bekommen und dann soll auch Emily dort arbeiten. Doch dann kommt es zu einem Brand bei dem alle Prostituierten zu Tode gekommen. Aber ihre Mutter Ines hat ein altes Familiengeheimnis mit ins Grab genommen. Gemeinsam mit Liam, dessen Mutter auch in dem Bordell gearbeitet hat, und ihrer Freundin versucht Emiliy dahinter zu kommen.
Ein gelungenes Zeitporträt, lebendige Geschichte, interessante Charaktere. Der Band hat einen gewissen Abschluss, aber dennoch bin ich sehr neugierig, wie es wohl weitergehen mag mit Liam und Emily.

Veröffentlicht am 23.07.2019

Monarchfalter

Auf Erden sind wir kurz grandios
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"'Denk dran', hast du jeden Morgen gesagt [...] 'fall nicht auf. Du bist schon vietnamesisch.'" (Seite 237)
Dieses Zitat kurz vor Ende des Buches fand ich sehr bezeichnend. Der Ich-Erzähler schreibt einen ...

"'Denk dran', hast du jeden Morgen gesagt [...] 'fall nicht auf. Du bist schon vietnamesisch.'" (Seite 237)
Dieses Zitat kurz vor Ende des Buches fand ich sehr bezeichnend. Der Ich-Erzähler schreibt einen Brief an seine vietnamesische Mutter, die jedoch nicht lesen kann und darum diesen Brief/dieses Buch wohl seiner Meinung nach nie lesen wird. Es ist an seine Mutter gerichtet, sie wird immer direkt angesprochen, doch es ist so viel mehr. Aufgeteilt in drei Teile, die sich mit wichtigen Lebensabschnitten des Ich-Erzählers beschäftigen, auch wenn die Erzählweise nicht chronologisch ist und es immer wieder Rücksprünge in die Kindheit gibt, so handeln die Abschnitte doch von jeweils einem Lebensabschnitt. Es ist nicht nur ein Brief an die Mutter, die Geschichte eines vietnamesischen Jungen, der in den USA aufwächst, sondern auch die Geschichte einer großen Liebe, die Geschichte von Rückschlägen, Krankheit, Drogen, schlecht bezahlter Arbeit, die Geschichte eines Schriftstellers, dessen Mutter nicht lesen kann und so viel mehr. Erzählt in einem wunderbaren Schreibstil, der sich im Laufe des Buches quasi weiterentwickelt, kryptischer, abgehackter wird. Die Reise der Monarchfalter spielt am Ende eine große Rolle und wird am Ende wieder aufgegriffen.
Zum Abschluss noch ein Zitat, das das Buch gut beschreibt:
"Ich erzähle dir weniger eine Geschichte als ein Schiffswrack - die Teile dahintreibend, endlich lesbar," (S. 207)

Veröffentlicht am 23.07.2019

Ein Schatz

Verrückt nach Karten
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Ich liebe Karten in Büchern und somit war ich schon sehr gespannt auf dieses Werk. Hier findet man eine große Bandbreite an unterschiedlichen Karten - ob es sich nun zum Beispiel um die Karte des Londoner ...

Ich liebe Karten in Büchern und somit war ich schon sehr gespannt auf dieses Werk. Hier findet man eine große Bandbreite an unterschiedlichen Karten - ob es sich nun zum Beispiel um die Karte des Londoner Zoos, oder aber für einen Tim und Struppi Comic oder aber eben Karten aus Büchern wie zum Beispiel das Cover eines Jules Verne Romans aus seinen voyages extraordinaires, um nur einige wenige Beispiele zu nennen. Allein wegen der Karten ist dieses Buch ein wahres Kleinod, aber auch die begleitenden Texte von diversen Autoren fand ich meist sehr erhellend. So beschreibt ganz zu Anfang Philip Pullman die Entstehung einer Karte zu einem seiner Bücher. Da es den Kleinstaat nicht gibt, musste die Karte erschaffen werden. Eine besondere Herausforderung war sicherlich die Karte des Herumtreibers aus Harry Potter, da diese sich ja ständig verändert. Im Buch ist der erste Entwurf abgebildet. Ich habe hier viel über Karten, aber auch über Bücher gelernt und weiß von nun ab Karten in Büchern noch mehr zu schätzen, denn sie machen mehr Arbeit als auf den ersten Blick gedacht und unterstützen unsere Fantasie beim Lesen auf ganz unglaubliche Weise. Ein Buch, das ich sicherlich immer wieder hervorholen werde, um etwas nachzulesen, oder aber mich in den diversen Karten zu "verlieren".

Veröffentlicht am 23.07.2019

Barudi

Die geheime Mission des Kardinals
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Ich war schon sehr gespannt auf den neuesten Roman von Rafik Schami und entsprechend hoch war da natürlich meine Erwartungshaltung.

Syrien, 2010, der schreckliche Bürgerkrieg hat noch nicht begonnen, ...

Ich war schon sehr gespannt auf den neuesten Roman von Rafik Schami und entsprechend hoch war da natürlich meine Erwartungshaltung.

Syrien, 2010, der schreckliche Bürgerkrieg hat noch nicht begonnen, doch die Anzeichen für den Konflikt mehren sich. Kommissar Barudi steht kurz vor seiner Pensionierung und erhält nun seinen vermutlich letzten Fall. Ein Kardinal wurde ermordet und in Olivenöl an die italienische - nicht an die vatikanische - Botschaft geliefert. Es gibt so einige Unstimmigkeiten. Der Kardinal war auf dem Weg zu einem Wunderheiler und wurde dann nicht mehr gesehen. Barudi erhält Unterstützung von einem italienischen Kollegen. Mancini ist ein großer Kenner des Orients und hat auch schon in Syrien gelebt und spricht fließend arabisch. Die beiden schließen von jetzt auf gleich Freundschaft - und das, obwohl Barudi sonst so zurückhaltend ist. Dann verliebt er sich auch noch von einem Moment auf den anderen. Diese beiden Aspekte haben mich doch gestört. Was mir gefiel, waren die Beschreibungen des Alltagslebens und der Esskultur sowie die politischen Verstrickungen. Allerdings bin ich insgesamt enttäsucht, da das Buch hinter meinen Erwartungen zurück blieb, auch sprachlich fand ich es dieses Mal nicht so überragend wie sonst.

Veröffentlicht am 22.07.2019

Nina

Der Zopf meiner Großmutter
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Alina Bronsky hat es nicht nur aufgrund ihrer Geschichte, sondern vor allem auch durch ihren Schreibstil geschafft, mich mit diesem Buch alles um mich herum vergessen zu lassen. Erzählt wird die Geschichte ...

Alina Bronsky hat es nicht nur aufgrund ihrer Geschichte, sondern vor allem auch durch ihren Schreibstil geschafft, mich mit diesem Buch alles um mich herum vergessen zu lassen. Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von Max, dem Enkel des ruhigen Dschingis und der stets präsenten Margo. Sie leben in Deutschland in einer Flüchtlingsunterkunft, die mal ein Hotel war. Die Großmutter hat ständig Angst, dass Max bald sterben wird und desinfiziert ständig alles, ernährt ihn nur mit püriertem Gemüse und Haferschleim, geht mit zu seiner Schule und sitzt mit im Klassenraum - nicht ahnend, dass sie gerade dadurch ihrem Enkel mehr schadet als nutzt. Dann treten Nina und ihre Tochter Vera in ihr Leben und es ändert sich alles - für den Großvater, für Max, aber auch für die Großmutter. Eine eindrucksvolle Geschichte, die eine breite Skala an Gefühlen anspricht.