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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.04.2017

Tolle Detektivgeschichte

Durch Nacht und Wind (Goethe und Schiller ermitteln)
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Detektivgeschichten in der Manier von Sherlock Holmes und John Watson sind im Moment sehr in Mode, doch Stefan Lehnberg ist mit seinen Protagonisten Goethe und Schiller etwas Besonderes gelungen.
Schiller ...

Detektivgeschichten in der Manier von Sherlock Holmes und John Watson sind im Moment sehr in Mode, doch Stefan Lehnberg ist mit seinen Protagonisten Goethe und Schiller etwas Besonderes gelungen.
Schiller ist der Erzähler, wie Watson, und demnach ist Goethe der Sherlock Holmes.
Es beginnt mit einem verfluchten Ring und bald geschehen seltsame Morde, die Rätsel aufgeben. Einige Irrungen und Wirrungen sind bis zur Auflösung vonnöten. Eine spektakuläre Ballonfahrt gehörte für mich zu den Höhepunkten.
Stefan Lehnberg hat sich in Orthographie und Ausdruck der Zeit angepasst, in der die Geschichte angeblich verfasst wurde und so wirkt sie authentischer.
Einiges, jedoch längst nicht alles, war vorhersehbar, doch das nahm mir auf keinen Fall das Lesevergnügen.

Veröffentlicht am 20.04.2017

Leben in einer Sekte

Ada. Im Anfang war die Finsternis
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Ada lebt in einem Dorf abseits der Zivilisation in einer religiösen Gemeinschaft. Die Ältesten versichern immer wieder, dass außerhalb des Dorfes die Welt verloren ist und dass viele Krankheiten herrschen. ...

Ada lebt in einem Dorf abseits der Zivilisation in einer religiösen Gemeinschaft. Die Ältesten versichern immer wieder, dass außerhalb des Dorfes die Welt verloren ist und dass viele Krankheiten herrschen. Nur sie sind – noch – sicher. Aber manchmal, wenn die Große Stille kommt, dann kommen die Reiter ins Dorf und alle müssen in den Keller flüchten und dort ausharren. Ada möchte Heilerin werden, wie ihr vor Kurzem verstorbener Bruder Kassian und die Menschen retten. Außerhalb des Dorfes: Luca und seine Mutter Cleide flüchten vor seinem brutalen Vater, der die beiden seit Langem misshandelt. Im Krankenhaus treffen sie auf zwei „Heiler“ und kommen ins Dorf. Durch ihn erfährt Ada, dass ihr Bruder Kassian noch lebt, weil Luca ihn gezeichnet hat. Sie möchte Kassian finden und flieht aus dem Dorf.

Angela Mohr ist mit diesem Buch ein beeindruckender Einblick in eine Welt mit ganz eigenen Regeln gelungen. Es ist unfassbar, dass solche Gemeinschaften aktuell in Deutschland existieren und ihre Mitglieder so indoktrinieren. Dadurch, dass die Geschichte abwechselnd aus der Sicht von Ada und Luca erzählt wird, bekommt der Leser einen guten Einblick aus der Gemeinschaft heraus und von außen. Am Anfang und Ende des Buches gibt es auch noch die Perspektive von Liz, aber ohne zu Spoilern, kann man nicht so gut auf dieses Mädchen eingehen.

Mich hat das Buch nachdenklich hinterlassen. Auch wenn vieles bekannt ist, so ist es doch etwas anderes, so darüber zu lesen, mit dem Blick von innen.

Veröffentlicht am 20.04.2017

Tragödie

So wüst und schön sah ich noch keinen Tag
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Duncan startet in sein letztes Schuljahr auf der Irving School, aber bei dem Gedanken an das vorherige Schuljahr, geht es ihm gar nicht gut. Aber daran möchte er auch nicht mehr denken, es reicht, dass ...

Duncan startet in sein letztes Schuljahr auf der Irving School, aber bei dem Gedanken an das vorherige Schuljahr, geht es ihm gar nicht gut. Aber daran möchte er auch nicht mehr denken, es reicht, dass ihm ständig der Aufsatz über die Tragödie im Kopf rumschwirrt, seine Jahresaufgabe. Jetzt ist erstmal wichtig, welches Zimmer er bekommen wird und was ihm sein Vorgänger hinterlassen hat; das ist Tradition an der Schule. Und dann ist er enttäuscht, weil er das letzte Zimmer bekommt, das am kleinsten ist und nur ein kleines Fenster ganz weit oben ist. Außerdem war dies letztes Jahr das Zimmer von Tim und gerade an den und die Ereignisse möchte er nicht mehr denken. Aber das geht nicht so einfach, denn Tim hat ihm cds hinterlassen, auf denen er seine Geschichte erzählt. Und so erfährt der Leser mehr über die Zeit, die Tim an der Schule verbracht hat. Tim erzählt von seiner schon problematischen Hinreise – wegen eines Schneesturms startet kein Flugzeug, aber durch Zufall trifft er dort schon auf Vanessa, die auch auf die Schule geht, wie er herausfindet. Leider ist sie vergeben an den beliebtesten Jungen der Schule, da kann Tim, ein Albino und Außenseiter natürlich nicht mithalten. Dennoch fasziniert ihn Vanessa weiterhin und auch sie interessiert sich – manchmal – für ihn. Bis es zu einem Unglück kommt…

Elizabeth Laban hat mich mit ihrem recht nüchternen Erzählstil überzeugen können. Wie auch Duncan war ich neugierig auf die Geschichte und vor allem, was denn nun Furchtbares geschehen ist, aber bis dahin ist es ein weiter Weg; der Autorin gelingt es sehr gut, die Spannung aufrecht zu erhalten. Der Leser erfährt auch viel über das Gefühlsleben und die Zweifel und Ängste von Tim, aber auch Duncan ist unsicher. Ich hätte gerne ein wenig mehr über Duncan und seine Zeit in der Schule erfahren, doch musste mich darauf einlassen, dass der Fokus auf der Geschichte von Tim liegt. Das Ende lässt einiges offen, wie es im echten Leben auch ist. Die klassische Tragödie und ein Aufsatz über dieses Thema ziehen sich wie ein roter Faden durch das Buch; eine Rolle spielt hier auf jeden Fall der engagierte Lehrer Mister Simon. Ein Buch, das nachdenklich stimmt und noch länger nachhallt.

Veröffentlicht am 20.04.2017

Toller Auftakt

Sieben minus eins
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Ein 15jähriges Mädchen ist verschwunden und es ist nicht das erste junge Mädchen, das vermisst wird. Sam Berger ist sich sicher, dass die Fälle zusammen hängen. Außerdem scheint der Täter ihn persönlich ...

Ein 15jähriges Mädchen ist verschwunden und es ist nicht das erste junge Mädchen, das vermisst wird. Sam Berger ist sich sicher, dass die Fälle zusammen hängen. Außerdem scheint der Täter ihn persönlich zu kennen. Sam Berger macht gerne Alleingänge und nimmt es mit dem Gesetz nicht so genau und gerade das bringt ihn oft in Schwierigkeiten.
Die Geschichte ist sehr spannend mit vielen unerwarteten Wendungen, darum möchte ich nicht weiter auf den Inhalt eingehen. Den Schreibstil finde ich typisch skandinavisch und wer sich in Stockholm ein wenig auskennt, erkennt viel wieder. Nach und nach erfährt der Leser mehr aus der Vergangenheit der Protagonisten und die Vermutungen werden konkreter, aber die Lösung lässt sich dennoch nicht so einfach erraten. Das Buch endet mit einem "Knalleffekt" und lässt auf das baldige Erscheinen der Fortsetzung hoffen.
Aktuelle Ereignisse werden angesprochen, Thesen aufgestellt und wieder verworfen - Hochspannung ist garantiert.

Veröffentlicht am 20.04.2017

Das 20. Jahrhundert

Alles ist relativ und anything goes
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Das Inhaltsverzeichnis zu Beginn des Buches weist auf eine vielfältige Herangehensweise hin. Wichtige und ganz unterschiedliche Themen, die das 20. Jahrhundert geprägt haben, tauchen hier auf, wie zum ...

Das Inhaltsverzeichnis zu Beginn des Buches weist auf eine vielfältige Herangehensweise hin. Wichtige und ganz unterschiedliche Themen, die das 20. Jahrhundert geprägt haben, tauchen hier auf, wie zum Beispiel Krieg, Sex, Science Fiction, Weltraum, Relativitätstheorie oder Netzwerk. Sehr gut finde ich die Bilder, die jedem Kapitel vorangestellt sind, alle in schwarz-weiß, auch die Neueren wie das zum Kapitel „Netzwerk“, das die Bildunterschrift „Ein Teilnehmer des Color Run in Barcelona nimmt mit einem Selfie-Stick auf, 2014“ und verweist damit schon auf das 21. Jahrhundert.

Die Annäherung an die Themen sind sehr subjektiv und man darf kein allumfassendes Geschichtswerk über das 20. Jahrhundert erwarten, aber gerade durch diese Auswahl erhöht sich der Reiz des Buches. Der Autor nähert sich den Themen sehr vielschichtig und es kein trockener, langweiliger Stil, sondern voller Witz und Ironie. Trotz dieses witzigen Stils ist es gut recherchiert und beinhaltet viele Literaturhinweise und Einblicke in seine Recherche zu den Kapiteln. Ein Buch, das man gut kapitelweise lesen kann. Man muss allerdings immer damit rechnen, dass John Higgs seine Leser auf manchmal unerwartete und verschlungene Reisen führt.