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Veröffentlicht am 22.05.2022

Über die Möglichkeit der Neuorientierung im Leben

Morgen kann kommen
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„Morgen kann kommen“ ist nicht nur der Titel des Romans von Ildikó von Kürthy, sondern auch ein Motto der liebenswerten Figur Rudi in der Geschichte. Er nimmt damit Bezug auf eine gewisse Ordnung im Leben, ...

„Morgen kann kommen“ ist nicht nur der Titel des Romans von Ildikó von Kürthy, sondern auch ein Motto der liebenswerten Figur Rudi in der Geschichte. Er nimmt damit Bezug auf eine gewisse Ordnung im Leben, die Mut macht und Zuversicht verbreitet. Das Cover ist wieder wunderschön gestaltet mit einer Illustration von Peter Pichler, der in kräftigen Farben die Sonne am Horizont aufgehen lässt.

Im Mittelpunkt der Erzählung stehen die beiden Schwestern Gloria und Ruth. Seit einem Vorfall auf der Hochzeit von Ruth haben die beiden sich nicht mehr gesehen und nicht mehr miteinander gesprochen. Ruth hält ihre Schwester für eine Verräterin, für anmaßend und egoistisch. Doch fünfzehn Jahre später fasst sie Tages den Entschluss einen Neuanfang zu starten und niemand anderes als Gloria fällt ihr dazu ein, ihr dabei zu helfen. Also macht sie sich von ihrem Wohnort München aus mit ihrer gerade erst aus dem Tierheim geholten Dogge auf den Weg nach Hamburg. Dort lebt Gloria, die eine Buchhandlung führt, im Haus Ohnsorg der verstorbenen Großeltern, in dem sie gerne Zimmer an ihre Freunde vermietet. Der Grund, der sie entzweit hat, bleibt lange unbesprochen, aber auf ihre je eigene Weise gelingt es beiden zum Ende der Geschichte hin, die Wahrheit zu erkennen.

Die 51-jährige Ruth führt ein Leben im Verborgenen, denn das wird von ihrem Ehemann Karl so gewünscht. Karl ist ein erfolgreicher Schauspieler. nicht nur im Beruf, sondern auch in der Ehe. Er ist sehr auf sein Bild in der Öffentlichkeit bedacht. Ein vergessenes Foto in einem Drogeriemarkt setzt bei Ruth einen Denkprozess ungeahnten Ausmaßes in Gang, bei dem sie eine wechselhafte Gefühlswelt durchläuft. Sie ist wütend, zornig, traurig und dennoch hat sie große Zweifel daran, ob die Dinge wirklich so liegen, wie sie vermutet. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass sie auf ihrem Weg zur Entwicklung von mehr Selbstwert wieder umkehrt und hoffte darauf, dass sie neue anregende Impulse findet.

Ihre Schwester Gloria ist zwei Jahre älter und hat den Vorfall, der zum Zerwürfnis geführt hat, ebenfalls nicht vergessen. Ihr Haus und ihr Herz stehen ihren Freunden offen. Von Jugend an hat sie in der Familie um eine freie Meinungsäußerung gekämpft und sich Respekt für sich als Person gewünscht. Sie ist hilfsbereit, was sich momentan unter anderem darin äußert, dass sie ihrem alten Freund Rudi zur Seite steht, der zu ihr gezogen ist, um seine letzten Tage im Haus Ohnsorg zu verbringen. Ildikó von Kürthy gibt die Sorge um ihn bis zum Buchende an ihre Leserschaft weiter. Daher liegt während des Lesens über allem ein leichter Schatten.

Obwohl der Schreibstil wieder sehr beschwingt ist, überwiegt die ernste Seite aufgrund des dramatischen Ereignisses in der Vergangenheit der Geschwister und deren gegenwärtigen Probleme. Aber Glorias guter Freund Erdal, der aus früheren Büchern der Autorin bekannt ist, liefert erneut durch sein exzentrisches, selbstironisches und warmherziges Verhalten Heiterkeit. Diesmal unterzieht er sich einer Fastenkur. Seine Cousine Fatma bringt frischen Wind in die Handlung und ihre pubertierende Tochter ist einer der Gründe warum Ildikó von Kürthy dieses schwierige Alter etwas genauer betrachtet.

„Morgen kann kommen“ von Ildikó von Kürthy ist ein Roman über die Möglichkeit der Neuorientierung im Leben, durchgehend bezaubernd illustriert von Peter Pichler. Es ist auch eine Aufforderung dazu, seine Abhängigkeit von anderen Personen zu überdenken und sich von zu hohen Ansprüchen zu befreien. Das Buch hat mich sehr gut unterhalten und daher empfehle ich es gerne weiter.

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Veröffentlicht am 19.05.2022

Unbeschwerte Sommertage und Probleme im Alltagsleben

Sommerschwestern
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Der Roman „Sommerschwestern“ von Monika Peetz ist eine Familiengeschichte mit einem Geheimnis, das Henriette Thalberg vor ihren vier Töchtern, den Protagonistinnen des Romans, verbirgt. Die Erzählung nahm ...

Der Roman „Sommerschwestern“ von Monika Peetz ist eine Familiengeschichte mit einem Geheimnis, das Henriette Thalberg vor ihren vier Töchtern, den Protagonistinnen des Romans, verbirgt. Die Erzählung nahm mich mit an die nordholländische Küste nach Bergen. Hier verbrachte die Familie jeden Sommer bis es vor über 20 Jahren zum tragischen Unfalltod des Vaters kam. Das Cover zeigt das stilisierte Bild einer Frau im sommerlichen Kleid, die aufs Meer blickt und vermittelte mir dadurch eine gewisse Leichtigkeit, die man sonnigen Tagen anhängt. Doch hinter der Fassade brodelt es im Privatleben der Schwestern Doro, Yella, und der Zwillinge Amelie und Helen. Über das anstehende Ereignis tauschen sie sich bereits vorab in einer Chatgruppe aus, die den Titel des Buchs als Namen hat, mit dem sie Erinnerungen an die Vergangenheit verbinden.

Henriette hat ihre Töchter mit einer plötzlichen Einladung nach Bergen überrascht. Den Grund dafür hat sie nicht angegeben. Eigentlich sind nicht nur die Geschwister, sondern auch Partner und Enkelkinder eingeladen, aber Yellas Familienmitglieder hatten andere Termine. In der Chatgruppe fällt auf, dass die älteste sich nicht daran beteiligt, über den Anlass zu spekulieren. Die anderen mutmaßen, ob Doro mehr weiß als sie und wenn, warum ist das so?

Die Schwestern sind sehr unterschiedlich. Während Doro erfolgreich ist als Kostümbildnerin und mit einer großen Portion Selbstbewusstsein durchs Leben geht, hat Yella ihr Architekturstudium aufgegeben und arbeitet als Fachkraft im Büro, Amelie hilft einer Freundin auf deren Weg in die Selbständigkeit und Helen ist Naturwissenschaftlerin. Aufgewachsen sind sie in Köln, aber nur noch Henriette und Doro leben dort. Henriettes Art, ihre Töchter für ihr Tun abzuurteilen und ihnen ihre Meinung darüber mitzuteilen, bringen eine gewisse Distanz der Familienmitglieder zueinander nicht nur räumlich mit sich. Familienfeste sind selten geworden.

Die Einladung nach Bergen ist mit gemischten Gefühlen bei den Schwestern verbunden. Einerseits erwachen dadurch Kindheitserinnerungen an unbeschwerte Tage am Meer, andererseits wird das dramatische Ende durch den Tod des Vaters wieder lebendig. Aufgrund des Tonfalls der Aufforderung der Mutter, dem ihre Töchter Dringlichkeit entnehmen, machen sie sich Sorgen. Aber es erwacht auch ein Stück Heimat vor Ort in Bergen und sehr schön lässt die Autorin dank eigener Erfahrungen holländische Lebensart in den Roman einfließen.

Der Fokus der Erzählung ruht am häufigsten auf Yella, die mit ihrer Rolle als Frau und Mutter hadert. In Bergen bringt der Abstand zum Alltag und die Möglichkeit des Beisammenseins die Geschwister dazu, sich gegenseitig zu vergleichen und ihr jeweiliges Verhältnis zur Mutter auf den Prüfstand zu stellen. Wie in jeder Familie mit mehreren Kindern ist Verbundenheit, Respekt und Treue füreinander, aber auch Missgunst zwischen den Zeilen zu spüren. Der Streit um den Platz im Familiengefüge stellt sich, so wie früher, schnell wieder ein. Die Sorgen der Schwestern um die Mutter unter Nennung ihrer Vermutung senken ein wenig die Spannung auf das Ende, an dem diese ihr Geheimnis lüftet.

„Sommerschwestern“ von Monika Peetz ist nicht nur ein Roman, der den Lesenden mitnimmt zu Erinnerungen an unbeschwerte Sommertage an der niederländischen Küste und ein anstehendes freudiges Fest, sondern offenbart auch die Probleme im Alltagsleben der Geschwister und ihrer Mutter. Die unterhaltsame Familiengeschichte empfehle ich gerne weiter.

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Veröffentlicht am 18.05.2022

Liebe und Drama in Andalusien in der Gegenwart und zur Franco-Ära

Das Geheimnis von Granada
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„Das Geheimnis von Granada“ ist nicht nur der Titel des Romans von Emma Wagner sondern auch das Mysterium in der Geschichte, das den Tod der Mutter einer der Protagonistinnen umgibt. Es wird im Prolog ...

„Das Geheimnis von Granada“ ist nicht nur der Titel des Romans von Emma Wagner sondern auch das Mysterium in der Geschichte, das den Tod der Mutter einer der Protagonistinnen umgibt. Es wird im Prolog aufgeworfen und erst zum Ende des Buchs hin geklärt. Das Cover gibt einen reizvollen Eindruck von den Gärten der Alhambra, wie sie in der andalusischen Stadt zu finden sind. Die Handlung spielt auf zwei Zeitebenen, einerseits in der Gegenwart und andererseits im Jahr 1974. Eine Verbindung zwischen den Geschehnissen und den Figurengruppen ergeben sich im Laufe der Geschichte.
Während der Regierung Francos lebt die siebzehnjährige Mina mit ihrer Mutter und ihren beiden jüngeren Geschwistern in Granada. Als Schneiderin verdient sie gerade genug, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Ihre Familie hat genauso unter den Repressalien der Diktatur gelitten wie die des Gitarrenbauers und Gitarristen Diego, der nur wenig älter ist als Mina. Die beiden versuchen sich an die geschriebenen und ungeschriebenen Gesetze der Regierung und Konventionen zu halten. Doch ihr Streben nach einer gemeinsamen Zukunft steht unter keinem guten Stern.
Marisol ist neben Mina die zweite Protagonistin. Sie ist Frauenärztin an einer Kieler Klinik. Aufgrund eines Anrufs folgt sie der Bitte ihrer Großmutter, zu ihr an die südspanische Küste zu kommen. Doch mit ihrem letzten Besuch bei den Großeltern vor sechs Jahren verbindet sie die Erinnerung an den Unfalltod ihrer Mutter. Vor Ort lernt sie schon bald den gleichaltrigen Fabio kennen, der ihr seltsame Fragen zu ihrer Verwandtschaft stellt. Marisol erlebt ein Wechselbad der Gefühle, denn sie fühlt sich nicht nur von Fabio angezogen, sondern kann sich sein Interesse in Bezug auf frühere Ereignisse nicht erklären.
Der Roman basiert auf wahren Begebenheiten in der Ära von Franco zu denen die Autorin die Hintergründe gut recherchiert hat. Es gelingt ihr ein passendes Umfeld für die dramatischen Begebenheiten zu schaffen, wodurch sich von Beginn an eine Spannung im Hintergrund aufbaute. Dank des flüssigen Schreibstils konnte ich mich gut auf das Erzählte einlassen und mich in die Welt von Mina und Diego in den 1970er Jahren einfinden. In den andalusischen Orten wird und wurde gerne gefeiert und Emma Wagner nahm mich als Leserin mit zu einigen Flamencoveranstaltungen.
Während die Autorin das Geschehen in der Vergangenheit als allwissende Erzählerin beschreibt, lässt sie Marisol in der Gegenwart aus der Ich-Perspektive das Erlebte schildern. Dabei bemüht sie sich stets zur besseren Nachvollziehbarkeit um Erklärungen für Handlungen und Gefühle ihrer Figuren. Die Unterschiede im gesellschaftlichen Miteinander gestern zu heute werden auf mehrfache Weise sichtbar.
Emma Wagners Roman „Das Geheimnis von Granada“ baut auf tragischen wahren Ereignissen im Spanien unter Franco auf. Liebe und Drama machen die Geschichte unterhaltsam und sorgen für Spannung, wobei die Verhaltensnormen der Andalusier auf den beiden Handlungsebenen erkennbar werden. Die wunderschöne Landschaft bildet einen ansprechenden Rahmen für die Geschichte, die ich gerne weiterempfehle.

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Veröffentlicht am 12.05.2022

Dank der Variationstipps findet jeder was Passendes

Saftig vom Grill
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Das Buch „Magic Cooking – Saftig vom Grill“ umfasst etwas mehr als 60 Seiten und bietet Rezepte, die in drei Themengebiete unterteilt sind. Das Buch ist haptisch und optisch schön aufgemacht.
Das erste ...

Das Buch „Magic Cooking – Saftig vom Grill“ umfasst etwas mehr als 60 Seiten und bietet Rezepte, die in drei Themengebiete unterteilt sind. Das Buch ist haptisch und optisch schön aufgemacht.
Das erste Kapitel widmet sich dem puristischen Grillen mit wenigen guten Zutaten wie beispielsweise „Brisket Butterzart“, dann folgen klassische Rezepte wie zum Beispiel „Süßkartoffeln mit Mangosalat“, die entsprechend des Titels „magisch“ verfeinert sind. Zuletzt zeigt der Autor Matthias F. Mangold seine kreative Seite und präsentiert Gerichte, die asiatisch oder südamerikanisch inspiriert sind, „Gambas im Brioche-Brötchen mit Papaya“ ist eines davon.
Die Gerichte sind für einen Gasgrill ausgelegt, können aber nach Angabe des Autors auch auf alle anderen Grilltypen angewendet werden.
Jedes Rezept steht auf der linken Seite und nimmt zwei Spalten ein, von denen in einer die Zutaten genannt werden, in der anderen die Zubereitung. Begleitet wird das Ganze von einem Appetit anregenden Foto auf der rechten Seite, die im Fotostudio von Wolfgang Schardt entstanden sind. Zu vielen Bildern gibt es einen besonderen Hinweis zum Gericht mit einem Kniff für die extra Portion Geschmack. Zwischen den Rezepten befinden sich Seiten auf denen der Autor weitere Anregungen und Hinweise zum Grillen gibt, zu Getränken und zum Marinieren.
Wer eines der Rezepte umsetzen möchte, sollte planen, da Zutaten eventuell über das Internet bestellt werden müssen, denn zumindest in unserer Kleinstadt ist nicht alles erhältlich. Etwa ein Drittel der Rezepte enthalten als Zutat Sojasauce, was nicht meinen persönlichen Geschmack entspricht.
Insgesamt bietet „Saftig vom Grill“ eine Anregung für Grillmeister und kombiniert Klassiker mit und ohne Fleisch. Dabei waren leider nicht alle Gerichte nach meinem Gusto. Dennoch sollte jeder, auch aufgrund der Hinweise zu Variationen etwas Passendes nach seiner Vorliebe finden.

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Veröffentlicht am 06.05.2022

Familiengeheimnis einer Partisanin der Residenzia im Aostatal

Gran Paradiso
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Der Roman „Gran Paradiso“ von Grit Landau erzählt eine von einem Geheimnis umhüllte Geschichte, die auf zwei Zeitebenen spielt. Im Jahr 1982 wird die in Turin lebende Journalistin Gianna Perrin von der ...

Der Roman „Gran Paradiso“ von Grit Landau erzählt eine von einem Geheimnis umhüllte Geschichte, die auf zwei Zeitebenen spielt. Im Jahr 1982 wird die in Turin lebende Journalistin Gianna Perrin von der im kleinen Ort Sant’Amato an der Riviera lebenden Mafalda Amoretti angerufen. Mafalda ist die inzwischen 82-jährige Cousine ihrer vor zwei Jahren verstorbenen Mutter Maria, die die erste Bürgermeisterin von Turin war. Im zweiten Weltkrieg hat Maria sich aktiv als Partisanin betätigt. Über diese Zeit hat sie ein Tagebuch geschrieben und veröffentlicht. Mafalda hat Gianna angerufen, damit sie baldmöglichst kommt um den Inhalt eines Koffers durchzuschauen, den Maria nach dem Krieg bei ihr abgestellt hat.
Gianna, Mitte 30, hat sich von ihrem Mann getrennt. Im Beruf benötigt sie eine Auszeit, darum folgt sie dem Anruf von Mafalda. Im Koffer findet sie Kleidung, ein paar Postkarten, eine Kette mit Anhänger sowie eine Kladde und zwei Notizbücher. Schnell erkennt Gianna, dass es sich dabei um das Tagebuch ihrer Mutter handelt. Doch nachdem sie mit dem Lesen begonnen hat, fallen ihr einige Abweichungen auf und sie findet eine Zeichnung, die einem ihr bekannten Bild ähnlichsieht. Giannas Interesse ist geweckt und auch ich wurde neugierig und begleitete die Protagonistin auf die zweite Handlungsebene, die im Jahr 1944 im Aostatal spielt.
Das Buch ist betitelt nach einem über 4000 m hohen Berg in den Grajischen Alpen, an denen die Regionen Aostatal und Piemont Anteil haben. An seinem westlichen Fuss liegt das Dorf Cogne in einem Hochtal in dem die Handlung des Jahrs 1944 spielt. Der Roman basiert auf der Geschichte des Orts. Dank der sehr guten Recherche der Autorin, auch vor Ort, erweckte sie die Bergwelt in Gedanken vor meinen Augen beim Lesen.
Das Erzbergwerk und seine Materialeisenbahnlinie spielen eine große Rolle im Kampf der Partisanen. Auch der Leiter des Werks und seine Familie sind mit dem Widerstand im Aostatal verbunden. Grit Landau bringt ihre Begeisterung für Geschichte hier ein, drängt diese aber nicht in den Vordergrund, sondern fügt sie erklärend und beschreibend in den Gesamtkontext.
Wie bei ihren ersten beiden Romanen besteht auch in „Gran Paradiso“ wieder eine Verbindung zur fiktiven Familie Lanteri. Jeder Band ist problemlos unabhängig von den anderen lesbar. Maria ist die Tochter des aus Sant’Amato stammenden Wildhüters Enrico Lanteri, einem Bruder von Leo, der in den 1920er Jahren für den Widerstand kämpfte. Gianna kämpfte als Jugendliche und junge Frau mit dem in öffentlichen Bild ihrer Mutter, die als "Maria Mortale" bezeichnet wurde. Das Verhalten zu ihr stellt sie dem ihrer jüngeren Brüder gegenüber und fühlt sich weniger geliebt. Erst mit dem Lesen der Aufzeichnungen von Maria findet sie eine Erklärung für den Unterschied und den Beinamen. Sie befindet sich in einer Phase, in der sie ihr Leben hinterfragt und neu ausrichtet.
Ihrem bisherigen eigenen Schreibstil treu bleibend lässt Grit Landau italienische Wörter und Sätze einfließen, deren Bedeutung sich im Zusammenhang erschließt, die aber auch in einem Glossar am Ende des Buchs nachgeschlagen werden können. Dort findet sich auch ein Nachwort zur Realität und Fiktion im Roman, Kurzbiografien über vier Partisanninen des Aortatals, die die Autorin zur Figur der Maria inspiriert haben, sowie eine Literaturliste für diejenigen, die tiefer in die geschichtlichen Hintergründe eintauchen möchten. Um beim Lesen den Überblick über die handelnden Personen zu behalten, sind die wichtigsten am Anfang des Romans mit einer Kurzbeschreibung aufgelistet.
Mit ihrem Roman „Gran Paradiso“ lässt Grit Landau den Kampf um die Freiheit im Herbst 1944 im italienischen Aostatal wieder aufleben. Dabei steht die selbstbewusste Partisanin Maria im Mittelpunkt. Ihre Tochter Gianna deckt viele Jahre später ein Familiengeheimnis auf, das ihr Verhältnis zur inzwischen verstorbenen Mutter und ihr ganzes Leben verändert. Gerne empfehle ich das Buch weiter.

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